Arbeitsjournal. Freitag, der 27. 4. 2007.

5.20 Uhr:
[Berlin, Am Terrarium.]
Seit gestern ist wenigstens h i e r DSL, so daß ich morgens, wenn nach dem Aufstehen etwas daheim zu erledigen ist, nicht erst in die Väter-WG oder die Arbeitswohnung hinübermuß, sondern am Terrarrium arbeiten kann; (hübscher Nebensinn, übrigens, ‚am Terarrium‘ zu arbeiten‘…). Bis etwa dreiviertel ein Uhr nachts saß ich gestern noch über AMNION, es geht sehr sehr langsam Wort für Wort voran; es konturiert sich, was das Gedicht erzählen will, aus einem Stein, den man mit wechselnder Gerätschaft behaut – wobei der Stein w e i c h ist, flüssig sogar und nur den Eindruck eines Steines macht; deshalb ist das Werkzeug so wenig definiert und läßt sich auch gar nicht – endgültig je – definieren.
Arbitswohnung: S c h o n absurd, daß ausgerechnet da jetzt k e i n DSL ist; – und die nun schon zweimal angkündigten Rückrufe von >>>> Strato erfolgen nicht. Das ärgert mich eigentlich.

7.10 Uhr:
„Wenn einer das Leben wirklich liebt, hat er vorm Tod absolut keine Angst“ notierte ich gerade, bei der zweiten Morgenzigarette auf der Schönhauser, hin- und hergehend, fiel mir das ein… und daß ich für e i n e Szene noch einmal >>>> Kiplings Wellengedicht durchstudieren muß, wie er das m a c h t, den Ton der an- und wieder fort- und abermals anrollenden Wellen als Rhythmus in das Gedicht zu bekommen…Oh! Hush thee, my baby, the night is behind us,
And black are the waters that sparkled so green.
The moon, o’er the combers, looks downward to find us,
At rest in the hollows that rustle between.
Where billow meets billow, then soft be thy pillow,
Oh weary wee flipperling, curl at thy ease!
The storm shall not wake thee, nor shark overtake thee,
Asleep in the arms of the slow swinging seas!

9.18 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
W i e d e r mit >>>> Strato telefoniert; ein Leitungsstörung liege nicht vor; der Berater wolle mich in fünf bis zehn Minuten zurückrufen. Eventuell sei ein Hardwareaustausch nötig.

10.26 Uhr:In >>>> Kipling festgefressen; fast n o c h schöner für die Bewegung der Wellen ist >>>> dieses, das ich bereits leitmotivisch für MEERE beigezogen habe:

ONCE a ripple came to land
In the golden sunset burning—
Lapped against a maiden’s hand,
By the ford returning.

Dainty foot and gentle breast—
Here, across, be glad and rest.
“Maiden, wait,” the ripple saith;
“Wait awhile, for I am Death!”

“Where my lover calls I go—
Shame it were to treat him coldly—
’Twas a fish that circled so,
Turning over boldly.”

Dainty foot and tender heart,
Wait the loaded ferry-cart.
“Wait, ah, wait!” the ripple saith;
“Maiden, wait, for I am Death!”

“When my lover calls I haste—
Dame Disdain was never wedded!”
Ripple-ripple round her waist,
Clear the current eddied.

Foolish heart and faithful hand,
Little feet that touched no land.
Far away the ripple sped,
Ripple—ripple—running red!


Dann wieder ein Telefonat mit Strato; immerhin ist jetzt heraus, woran der Problempfeffer so vergeblich hinterm Hasen hergejagt ist: Die Telekom hat den DSL-Zugang munter wieder zurück nach Bamberg gelegt… Jetzt soll entweder morgen oder am Montag hier ein Techniker auftauchen… Das bindet mich zwar morgen, bzw. am Montag dem Ort nach fest, aber ich will ja eh arbeiten… und danach kann ich’s dann r i c h t i g und ohne neuere Angst vor der nächsten t-mobile-Rechnung, die mich wegen des Unfalls auf der äolischen Fähre sowieso schon nervös macht.

17.11 Uhr:
[Monteverdi, Marienvesper & Combattimento.]
Sehr langen Antwortbrief an den Verleger RW geschrieben. Und: UF hat >>>> die Liebesgedichte schon. Ich scheine der letzte zu sein, bei dem sie ankommen. Alle schwärmen von dem Büchlein, ich bin ganz neidisch.

Jetzt aber wieder an AMNION.

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4 Kommentare zu Arbeitsjournal. Freitag, der 27. 4. 2007.

  1. UlrichFaure sagt:

    Die Liebesgedichte sind tatsächlich zum Schwärmen. Was der Gestalter Urs van der Leyn, der ja alles bei Dielmann macht, da hingezaubert hat in einer – will mal sagen – leichten Strenge, ist einfach Klasse. Das gibt dem Bändchen eine zusätzliche Dimension.

    Soviel, lieber Alban, zum Thema Buchkunst. Ohne diese Gestaltung wärs ein Heftchen gewesen, nun ist es ein Buch, das man gern in die Hand nimmt.

    Die Post in Berlin scheint im Bummelstreik zu sein. Ich warte auch auf verschiedene Sachen, tröste Dich.

  2. UlrichFaure sagt:

    Leute aber jetzt nicht kleinlich werden;-) Morgen habt Ihr es in der Post – ich drück Euch die Daumen und proste in die Runde,

    Ulli

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