Bamberger Elegien (90). ÜA der ZF, Hexametrisierung. Aus der Fortsetzung der Zwölften Elegie.

(…)

[pentametrisch:]
Locker die Wolken, und eine, die – flockig wie Milch,
die in der Schüssel gerinnt – halb über Bamberg sich hinstreckt,
treibt langsam ab, treibt nach Osten… ein schmales, das errötet,
wo es vergeht, ˇ Rinnsal… Ich schau in den Himmel,
Vater, wie Du in dem selbstˇgewählten Exil
zwischen den Mauern, Kakteen und unter der Sonne,
die Dir das ruhige Licht gab, hier Regnitz, dort Steine…
bin ein Vater längst selbst, ˇ das weißt du auch nicht,
nichts von dem Enkel, um den ich nun tief nach der Herkunft
frage als Vater, der’s sein will – befähigt aus Mangel,
Vater, an Vater. Und schwere, an Wolken, ziehn nach,
ziehn dem entschwindenden Streif nach, dem letzten Orange;
unˇgetüm türmen sie spätrer Befruchtung vorher
Dunkelheit, Drohung – ein Sturm rauscht, schon prasselt es, Vater:
einstürzend stürzt es sich auf Dich, von hier nach hinüber,
stürzt durch die Zeiten zurück – ˇ da fielst Du um,
fielst in den Staub vor der Finka… doch starbest noch nicht,
hieltest, dem sterbenden Sommer fast gleich, Dich noch fest,
der keiner war, der verstellt ˇ lebenslang Herbst war…
Zäh war dein Sterben im Krankenhaus noch, bei der Freundin
war es noch antwortlos Fragen und blieb es. Entwurzelt
triebst Du, ein kaum dreißig Kilogramm wiegender Zorn,
todesˇböse die zupackend gütige Frau,
die es ertrug’s bis zuletzt, ˇ keiftest sie grausam
durch ihre Wohnung… – Sie lächelte, solch eine weiche,
praktisch veranlagte Unschuld und näher als wir,
Vater, dem einfachen Leben, von dem Du dann abließt,
endlich… gesuchtem, vermißtem… und starbst. „Es entwich ihm,
weißt du, ein Vogel – so leicht war er plötzlich… ich hielt ihn,
glaub mir, ich sah ihn…“



[hexametrisch ff:]
Bringen die Spatzen die Seelen denn auch wieder heim in die Halle?
Wo sie den Ruf ihrer nächsten, wohl besserer Eltern erwarten?
Und im Bewußtsein zerstreuen sich alle, die Spatzen, die Seelen?
Ging’s, Vater, so, ˇ daß man Dich schließlich befreite? Und darfst
ruhig erwarten, drin ausgestreut, daß wer Dich will, der Dich ruft?
(…)

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Alban Nikolai Herbst

Über Alban Nikolai Herbst

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