Virtuelles Seminar. Die erste Aufgabe: DAS (Selbst)PORTRAIT.

Stellen Sie vor sich einen Spiegel auf den Schreibtisch und beginnen Sie zu beschreiben, was Sie sehen. Seien Sie möglichst genau. Beschreiben Sie Ihr Gesicht bis zum Halsansatz. Bitte nur Texte bis zu einer, allenfalls anderthalb TS-Normseiten (à 1800 Zeichen).

[Die daraus entstehenden Texte stellen Sie bitte hierunter als Kommentar ein. Registrieren Sie sich bitte vorher bei twoday..net (über den Anmeldeformalismus für diese Site). Wer die Texte dann kommentiert, muß sich n i c h t anmelden, nur wer Originalbeiträge einstellt. Ich werde anonyme Kommentare allerdings d a n n löschen, und zwar sofort, wenn sie, statt sachlich zu sein, hämisch oder sonstwie ungeeignet sind, eine am Text und seinem Ge- wie Mißlingen ausgerichtete Diskussion zu befördern.
ANH.]

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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82 Antworten zu Virtuelles Seminar. Die erste Aufgabe: DAS (Selbst)PORTRAIT.

  1. Maximilian Prang sagt:

    Ich im Spiegel Ich halte diesen überlegenen Augen nicht stand. Deshalb fixiere ich meinen Blick auf die Haare, wohl wissend, dass sie meine Schwachstelle sind. Inzwischen sind sie glatt. Mit genügend Haarspray und Geduld ergeben sie sogar eine Frisur. Als Kind hatte ich blonde Locken. Meine Verwandten waren begeistert. Ich war ein kleiner Engel für sie. Passend dazu wurde ich an einem 25.12. geboren. Doch später hasste ich meine Locken, denn sie waren in der Zeit meiner Jugend leider nicht ‚in’. Die Jungs aus den Boy-Groups hatten nämlich alle halb lange, glatte Haare. Also drückte ich mich morgens, bevor ich zur Schule ging, immer abwechselnd rechts und links mit dem Kopf an die Lehne unseres Sofas. Der Haaransatz wurde dadurch tatsächlich gestrafft, allerdings konnte ich das Locken der Haarspitzen einfach nicht verhindern. 70% Gene, 30% Wille. Das sah natürlich aus wie gewollt und nicht gekonnt. Vor allem wenn es regnete oder die Luftfeuchtigkeit sehr hoch war, geriet meine Frisur völlig außer Kontrolle. Ich sah aus wie ein ungeschminkter Clown. Einer meiner Klassenkameraden hatte ein natürliches Gespür für die Eitelkeiten anderer und er nutzte es schamlos aus. Er hänselte mich damit. Locke! Locke! Locke! Ich hasste das Gefühl, nichts dagegen tun zu können – weder gegen meine Haare, noch gegen ihn (er konnte leider Karate). Im Nachhinein ist es lächerlich. Ich nehme es ihm nicht mehr übel, auch den Typen aus der Boy- Group nicht. Trotzdem habe ich auch später noch alle möglichen Anstrengungen unternommen, um meine Haare zu verändern. Einmal pries meine Friseurin mir ein neues Verfahren an, bei dem man die Haarstruktur mit Hilfe eines Mittels öffne, dann die Haare glatt kämme, trockne und schließlich mit einem anderen Mittel die Struktur wieder schließe. Das funktionierte sogar. Allerdings fand ich es etwas seltsam, dass sie beim Auftragen dieser ätzend riechenden Substanz immer Plastikhandschuhe trug. Auf meine Nachfrage antwortete sie (etwas erstaunt über mein Unverständnis): Dieses spezielle Gel dürfe natürlich nicht auf die Haut ihrer Hände kommen! – Aha, das klang logisch. Und dass dieses Gel wohlmöglich über meine Kopfhaut in mein Gehirn einsickerte, schien zum Berufsrisiko zu gehören. Seitdem bleiben meine Haare, wie sie sind. Wenn ich sie mir heute im Spiegel betrachte, dann verraten nur noch vereinzelte, kaum mehr wahrnehmbare Locken an den Stellen, wo sich die ‚Geheimratsecken’ langsam ausbilden, den kleinen Jungen mit den blonden Engelslöckchen. Ich habe gewonnen!

    Das gibt mir genug Selbstvertrauen, um mir langsam wieder selbst in die Augen zu schauen. Dabei streift mein Blick die Stirn. Hohe Denkerstirn würde ich jetzt gerne sagen. Aber sie ist weder sonderlich hoch noch von pathetischen Denkfalten zerfurcht, obwohl ich mit großer Ausdauer jeden noch so unnötigen Gedanken mehrmals hinter ihr vorbeischicke. Es hilft nichts, sie ist das, was ich mir ironischer Weise von meinen Haaren immer gewünscht habe: langweilig glatt. Deshalb rutscht mein Blick an ihr herunter zurück zu meinen Augen. Sie sind etwas zu weit in meinem Kopf versteckt und dadurch nicht sonderlich intensiv in ihrer Ausstrahlung. Trotzdem entschlossen. Ich kann in einer Vorlesung dem Blick eines Professors ohne Probleme standhalten, auch wenn ich meistens nachgebe. Man muss ja nicht mit Gewalt aufmüpfig erscheinen. Meine überlegenen Augen sind wohl auch der Grund dafür, warum viele zu mir sagen, ich erscheine unnahbar. Sie wissen nicht, dass diese Augen meistens nach innen Blicken, dass durch sie die Empfindung der Schwäche und Verwundbarkeit als Unnahbarkeit nach außen projiziert wird.
    Genauso mein Mund. Sein Ausdruck ist leicht ironisch. Ich habe die dünnen Lippen meiner Mutter, die abgerundeten Zähne meines Vaters, allerdings die Zahnlücke wiederum von meiner Mutter. Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir gleich das Wort „zusammengewürfelt“ ein. Die individuellen Merkmale meiner Vorfahren wurden in einen Topf geworfen und in zufälliger Anordnung neu zusammengesetzt. Der Topf war meine Mutter (zugegeben: nicht sehr schmeichelhaft) und die neue Anordnung, das bin Ich – oder zumindest das, was sich da im Spieglein widerspiegelt. Seltsamer Weise wurde ich wegen meiner Zahnlücke nie gehänselt, obwohl sie mir auch peinlich war. Deshalb habe ich mir als Jugendlicher angewöhnt, mehr zu grinsen, als zu lachen. Auf Grund dieser jahrelangen Adaption habe ich inzwischen ein sehr breites Grinsen. Es wird nicht so schnell zu einem Lachen. Die überlegene Ironie meines Mundes ist also ebenfalls nur eine Schwäche, die sich mit der Zeit an die Oberfläche meines Gesichts gearbeitet hat. Ein sehr guter Freund von mir nennt mich Schmunzelhase, wenn er auf diesen Makel anspielen will, ohne ihn direkt auszusprechen. Damit kann ich umgehen. Schmunzelhasen erfahren im allgemeinen Sympathie, ansonsten würden sie nicht von der Werbung missbraucht. Letztens hat mir dann eine gute Freundin offenbart, ich sehe aus wie der kleine, lila Dinosaurier aus dem Film „Ein Land vor unserer Zeit“. Ich weiß nicht, was ich mit dieser Aussage anfangen soll. Dazu müsste ich wohl herausfinden, was dieser Film in der psychischen Tiefenstruktur dieser Frau für eine Rolle spielt. Es hat bestimmt etwas mit Sex zu tun. In der Oberstufe habe ich zufällig mitbekommen, dass einige meiner Klassenkameraden mich hinter meinem Rücken „Mr. Frog“ nannten. Das hat mich zuerst etwas verletzt, allerdings zeigte die Heimlichtuerei auch, dass sie zuviel Respekt hatten, um mich direkt damit zu konfrontieren. Meine Augen hatten mit ihrer inszenierten Entschlossenheit wohlmöglich die Lächerlichkeit kompensiert. Insgesamt funktioniert mein Gesicht also anscheinend ganz gut. Es täuscht sogar mich selbst. Ich würde den Begriff ‚Maske’ verwenden, wenn ihn nicht schon ein anderer verbraucht hätte.

    Damit komme ich zu den Merkmalen, die mir selbst weniger ins Auge fallen und ergo auch keine große Rolle in meinem Erscheinungsbild spielen können. Meine Nase und meine Ohren sind wenig markant, weil ohne größere Abweichungen von der Norm. Beim Anblick meiner etwas stärker ausgeprägten Wangenknochen werde ich mich wohl ewig an meine Großmutter auf dem Sterbebett erinnern. Ihr Gesicht war vom langen Kampf so eingefallen, dass ihre markanten Wangenknochen zwischen den verklungenen Gesichtszügen hervor ragten. Sie wurden über meine Mutter auch an mich weitervererbt, allerdings treten sie bei mir etwas weniger in den Vordergrund, da mein Gesicht insgesamt breiter angelegt ist. Das wiederum führe ich auf die Gene meines Großvaters mütterlicherseits zurück. Er hat einen großen, runden Kopf. In meiner Gegend gibt es einen Begriff, der mit seiner lautlichen Plumpheit dieses Phänomen treffend beschreibt: „Wersching“.
    Meine Großmutter starb nach jahrelanger Krankheit in den Morgenstunden eines 26.12., also nur wenige Stunden nachdem ich mit einigen Freunden noch meinen Geburtstag gefeiert hatte. Ich lag gerade im Bett, als das Telefon klingelte. Mir war sofort klar, was passiert sein musste. Die Krankenpflegerin, die meiner Mutter und ihrer Schwester bei der Pflege der herzschwachen und demenzkranken Frau behilflich war, hatte uns schon darauf vorbereitet, dass sie Weihnachten wahrscheinlich nicht überleben würde. Ich ging in die Küche, hörte meine Mutter im Nebenraum telefonieren. Die Krankenpflegerin übermittelte ihr die Nachricht, weil mein Großvater zu aufgelöst war. Ich kann nie vergessen, was meine Mutter darauf antwortete. Sie sagte nur: „Ja, sie hat es hinter sich gebracht“, in einem tröstenden und abgeklärten Ton, als müsste sie der Krankenpflegerin den Schmerz nehmen, als stünde es ihr selbst nicht zu, über diese Nachricht zu klagen. Dann kam sie in die Küche. Ich stellte die völlig überflüssige Frage, was los sei. Sie wollte auch mich irgendwie davor schützen: „Es ist gut. Sie hat es hinter sich gebracht.“ Dann fing sie an zu weinen und die Tränen liefen über ihre markanten Wangenknochen.
    Daran erinnere ich mich, während ich vor dem Spiegel stehe.

    Dieser Text erscheint wahrscheinlich sehr ehrlich. Das Verlogene daran ist: Ich habe nicht wirklich in den Spiegel geschaut.

    • Sturznest sagt:

      ja wirklich….

    • @Maximilian Prang. „Ich habe nicht wirklich in den Spiegel geschaut. „
      Eben. Aber Sie haben, wie auch andere jetzt, eine pfiffige Methode gefunden, das Problem der gestellten Aufgabe zwar nicht zu lösen, aber elegant zu umgehen. Der Text ist tatsächlich auch ganz schön; ich würde ihn aber straffen, damit die Struktur „Die Maus. Die Maus ist ein kleines Tier. Es ist kleiner als der Elefant. Der Elefant. Der Elefant lebt in Afrika und zieht in Gruppen über die Savanne. Die Savanne. Die Savanne ist eine Steppenlandschaft…“ usw… damit diese Struktur nicht irgendwann nervt.
      Ein paar Hinweise noch. Erstmal sprachlich: „Die Haare“, im Plural, meint im Deutschen a l l e Körperhaare, zusammengenommen; spricht man vom Bewuchs auf dem Kopf, so ist das „das Haar“, also „mein Haar ist glatt“. Das geht derzeit verloren, aber wenn man es aufhalten kann, hat das ja etwas für sich: weil es differenziert.
      Versuchen Sie, räsonnierende Passagen zu vermeiden, vor allem dann, wenn sie mit Ironie aufgemischt werden. Das bekommt schnell etwas Gewolltes, das, um zu funktionieren, das Wohlwollen des Lesers braucht. Das kriegen Sie aber nur dann, wenn Sie ihm nach dem Munde reden; was sicherlich nicht unbedingt in Ihrem Sinn ist. Ich meine hier so etwas wie „Das gibt mir genug Selbstvertrauen“ usw.; es gibt mehrere derartige Stellen in dem Text; sie dehnen alle das Tempo und lassen es durchhängen. Einfach streichen, direkt erzählen, das wirkt sehr viel mehr. So etwas zum Beispiel ist einfach nur kalauerndes Blabla: „Dazu müsste ich wohl herausfinden, was dieser Film in der psychischen Tiefenstruktur dieser Frau für eine Rolle spielt. “ Kein Mensch wird glauben, daß der Erzähler seine Formulierung ernstmeint; wenn er sie aber nicht ernstmeint, kann er sie sich sparen, oder aber sie soll etwas verdecken. Auch dies hier: „Hohe Denkerstirn würde ich jetzt gerne sagen. Aber sie ist weder sonderlich hoch noch von pathetischen Denkfalten zerfurcht, obwohl ich mit großer Ausdauer jeden noch so unnötigen Gedanken mehrmals hinter ihr vorbeischicke.“ ist rein geulkt. Warum? Welche Funktion hat das, wenn nicht die einer Ablenkung. So daß ich mich sofort frage: Wovon s o l l abgelenkt werden?
      Stark wird der Text in dem Moment, in dem die Großmutter ins Spiel kommt. Versuchen Sie einmal, über zwei Ausschweifungen, die aber knapper gehalten sind, zu ihr hinzukommen. Nehmen Sie vor allem alle – indirekte – Larmoyanz aus dem Text. Einfach nur erzählen.

      Das Ende, übrigens, hängt durch, auch die Pointe ist ja eigentlich keine, weil schon der ganze Text sie erzählt hat. Andererseits ist es möglich, daß Sie d o c h in den Spiegel geschaut haben… Sie aber, nicht etwa der Erzähler. Auch hier ist ein Unterschied zu machen.

    • Der sehr gute Freund sagt:

      Wirklich gut! Es hat mir Spaß gemacht, Deinen Text zu lesen. Er stimme mich nachdenklich, traurig, brachte mich zum Lachen und zeigte mir weitere interessante Facetten Deiner Persönlichkeit.

      Ein mutiger, da ehrlicher Text!

  2. Sieches Selbst Der süßliche Geschmack einer Krankheit steigt mir aus der Rachentiefe in den Mund, den ich öffne, um besser atmen zu können, so dass man meine kleine Zahnlücke sehen kann, zwischen den beiden oberen Schneidezähnen, von der mir schon gesagt wurde, sie sei das hübscheste an mir, wie bei Madonna. Die Zahnlücke umgeben und betonen wie ein Rahmen die aufgesprungenen Lippen, im rechten Mundwinkel rot eingerissen, meine Zunge sucht immer wieder die wunde Stelle. Die immerwährende Blässe meiner Haut ist noch porzellanener als sonst, sich bis in die Tiefe des Dekolletés, bis zwischen die Brüste noch steigernd zu einer alabasternen Durchsichtigkeit, durch welche bläuliche Adern hindurchscheinen. Selbst die Heiterkeit der Sommersprossen auf Nasenrücken und Wangen ist hinweggefegt von Winter und Siechtum. In meinen Gesichtszügen vermischt sich das böhmische Blut meiner Mutter, für die Höhe der Wangenknochen verantwortlich, mit dem preußisch-fränkischen meines Vaters, zuständig für das Blond meiner Wimpern und Blau meiner Augen. Doch die Vermischung schwächt ab und so verfüge ich nicht über die vollen Lippen und die Hohlwangigkeit meiner Mutter, welche die Höhe der Backenknochen erst betonen würde und meine Augenfarbe ist zu einem Graublau abgelindert, wenig strahlend und nur ausnahmsweise vor Fieber glänzend. Bekränzt von meinen farblosen Wimpern, überdacht von dichten Augenbrauen – und jedes einzelne Haar der Brauen ist länger als gewöhnlich – wirken meine Augen kühl, analytisch, liegen beobachtend, forschend und distanziert in ihren Höhlen, hinter randlosen Brillengläsern. Dazu passt die relative Höhe der Stirn, auf der sich schon erste Quer- und Längsfalten abzuzeichnen beginnen, zu oft durch grübelndes oder skeptisches Heben und Zusammenkneifen der Brauen durchfurcht. Wie mit kurzen Feuerzungen wird meine bleiche, heiße Stirn umrahmt vom Dunkelrot der hennagefärbten, dicken und störrischen Haare, das Rosshaar meiner Großmutter lebt fort auf meinem Haupt und plustert sich auf um mein krankes Bleichgesicht.

    • @Sprachspielerin. Das hat was, das h ä l t die Balance zwischen dem, was Sie sehen, und dem, was Sie denken/assoziieren. Sehr schön. Dennoch, weg mal von dem Expressionismus und hin in die Kälte. Ich setze mal das Messer an:

      Der süßliche Geschmack einer Krankheit steigt mir aus der Rachentiefe in den Mund, den ich öffne, um besser atmen zu können, so dass man mMeine kleine Zahnlücke sei, heißt es sehen kann, zwischen den beiden oberen Schneidezähnen, von der mir schon gesagt wurde, sie sei das hübscheste an mir, wie bei Madonna. Die Zahnlücke umgeben und betonen wWie ein aufgesprungener Rahmen die aufgesprungenen Lippen, im rechten Mundwinkel rot eingerissen. , mMeine Zunge sucht immer wieder die wunde Stelle. Die immerwährende Blässe meiner Haut ist noch porzellanener als sonst, sich bis in die Tiefe des Dekolletés, bis zwischen die Brüste noch steigernd zu einer alabasternen Durchsichtigkeit, durch welche bläuliche Adern hindurchscheinen [Die Brüste gehörten nicht zur „Aufgabe“.]. Sselbst die Heiterkeit der Sommersprossen auf Nasenrücken und Wangen ist hinweggefegt von Winter und Siechtum [Siechtum fegt?]. In meinen Gesichtszügen vermischt sich das böhmische Blut meiner Mutter, die für die hohen Höhe der Wangenknochen verantwortlich zeichnet, mit dem preußisch-fränkischen meines Vaters, der mir zuständig für das Blond meiner Wimpern gab und das Blau meiner in die Augen. Doch die Vermischung schwächt ab. und so Ich verfüge ich nicht über die vollen Lippen und die Hhohlwangigkeiten Wangen der meiner Mutter, welche die Höhe der BackenWangenknochen erst betonen würde, und meine Augenfarbe ist lind zu einem Graublau abgelindert, wenig strahlend und nur ausnahmsweise vor Fieber glänzend. Bekränzt von meinen farblosen Wimpern, überdacht von dichten Augenbrauen – und jJedes einzelne Haar der Brauen ist länger als gewöhnlich, wirken meine Augen kühl, analytisch, und liegen beobachten d, forschend und distanziert in ihren Höhlen, hinter randlosen Brillengläsern. Dazu passt die relative Höhe [Das ist Unfug, „relative Höhe“, ist nur Gedöhns.] der Stirn, auf der sich schon erste Quer- und Längsfalten abzuzeichnen beginnen, zu oft durch grübelndes oder skeptisches Heben und Zusammenkneifen der Brauen durchfurcht. [All das weg. Dann aber, Tusch!:] Wie mit kurzen Feuerzungen wird meine bleiche , heiße Stirn umrahmt vom heißen Dunkelrot der hennagefärbtenn, dicken und störrischen Haares:, damit das Rosshaar meiner Großmutter fortlebten kann fort auf meinem Haupt und plustert sich auf um mein krankes Bleichgesicht.
      Und ZACK!!! steht das Portrait d a – und hat noch ein Schicksal im Nacken.

    • ja und nein Sie wissen selbst, dass Sie etwas anderes aus meinem Text machen. An manchen Stellen gefällt mir das sehr gut (z.B. der ‚aufgesprungene Rahmen‘ und ‚das Blau in die Augen‘, das ‚heiße Dunkelrot‘ und mit der ‚relativen Höhe‘ haben Sie ganz Recht), an anderen weniger: ‚verantwortlich zeichnet‘? Das klingt mir zu bürokratisch, zu kalt… Und: meine Augenfarbe sei ‚lind‘? Da muss ich an lindgrün denken, nein, das gefällt mir so nicht. Außerdem hätte ich in Ihrer Version gleich drei Mal ‚Wangen‘ im Text, aber das ist ja nur eine Kleinigkeit… Was hielten Sie davon, wenn Winter und Siechtum die Sommersprossen ‚hinweggebleicht‘ hätten?

    • @Sprachspielerin, ff. Daß nicht alles, was ich hier – schon umständehalber – recht spontan zu einem Text schreibe, auch, wie ich ihn ändere, der Weisheit letzter Schluß ist, sollte allen klar sein. Es ist ja auch niemals m e i n Text, sondern immer Ihrer.
      Dennoch: Ich habe einen Blick auf den Focus von Texten, auf ihr Inneres… und man sollte nicht unterschätzen, wie oft dieses völlig an den Intentionen der jeweiligen Autoren vorbeigeht; viele (das betrifft auch mich selbst) wissen oft gar nicht, was sie eigentlich geschrieben/ausgesagt haben. Ich pflege deshalb, nahezu ausschließlich den formalen Möglichkeiten eines Textes zu folgen, bzw. sie freizulegen: Was daran ist Literatur, und was daran ist die Meinung des Autors. Beides ist in den seltensten Fällen deckungsgleich. Um es härter zu formulieren: Was ein Autor beabsichtigt hat, ist völlig bedeutungslos angesichts dessen, was in einem Literaturstück s t e c k t. (Unter anderem deshalb hatte Edgar Poe ein absolutes Recht zum Plagiat an Clauren – es geht um den Fall des Hauses Usher -, und zwar hatte er es deshalb, weil er es b e s s e r machte.)

    • Bitte verstehen Sie meine Anmerkungen nicht als Vorwurf an Sie: ich bin sehr angetan von Ihrem Vorgehen, ich glaube viel dabei lernen zu können (sonst würde ich hier nicht teilnehmen), ich danke Ihnen sehr für Ihre Vorschläge und Ideen! Ich wollte nur meine Überlegungen zu manchen Stelle noch anführen.

    • @Sprachspielerin, fff. Völlig okay und klar. Es geht mir n i c h t, in überhaupt keiner Weise, darum, aus Ihrer aller Texte eigene zu basteln, sondern rein um eine Arbeit an der Poetik. Ich muß mit Ihnen sprechen, wie ich es mit einem Kollegen tue, den ich – weil ich seine Arbeit kenne – hochschätze; alles andere wäre pädagogischer Mist. Es hat ja seinen Grund, daß ich ein virtuelles Seminar eingerichtet habe: Wir unterhalten uns hier miteinander, wie je sich Dichter mit „lieber Leser“ unterhielten; wir selbst wir er sind – hier – Abstracta.
      Ich will mich – entweder gleich noch, aber ich sollte schlafen gehen, oder später – zu meiner speziellen Aufgabenstellung noch einmal direkt äußern. Die geradezu herrliche/frouwliche Reaktionsbildung >>>> d a, und mit einem solchen Ergebnis, reizt mich, alles auf das Material der Aufgabenstellung zurückzuführen und zu verschärfen.

  3. gloria_m sagt:

    Der Spiegel und das Ich Ich blicke in den Spiegel und entdecke einen Lehmklumpen, der fein säuberlich zu einem runden Gesicht modelliert ist. Es ist immer das gleiche Gesicht und doch wirkt es jeden Tag anders, wirkt es jeden Tag verändert. Ich sehe diese blaugrauen Augen, die an eine glückliche Kindheit erinnern, was dieser müde Blick einen jedoch schnell vergessen lässt.
    Ich sehe diese schmale lange Nase, die das Gesicht in zwei Hälften teilt und dem genauen Betrachter verrät, dass dieses runde Gesicht nicht ganz symmetrisch ist.
    Ja, was sehe ich noch? Eigentlich nichts Auffälliges. Nur ein einfaches Abbild. Ein verzerrtes Abbild noch dazu. Wie ein schlecht eingestellter Fernseher wirkt der Spiegel auf mich. Es flackert alles vor meinem inneren Auge. Manchmal gelingt es mir einen kurzen Blick auf etwas richten zu können. Da leuchtet ganz kurz der Mund auf, der mit seinen wohlgeformten Lippen in der Horizontalen schwebt. Ich benutze ihn zum Reden und zum Essen.
    Mein Blick schweift wieder ab. Wandert weiter in diesem Gesicht umher. Es wirkt so fremd, so weit weg. Der Spiegel flackert wieder. Eine Dame schreitet ins Bild und deutet lächelnd mit ausgestrecktem Arm auf meine nicht sehr hohe Stirn. „Ein Tiefdruckgebiet hat sich heute Morgen hier gebildet. Es wird wohl gegen Nachmittag weiter in den Süden wandern!“, sagt sie fachmännisch und starrt mich dabei aufdringlich an. Meine Mundwinkel wandern langsam nach unten. Und während ich noch versuche diese Fee genauer zu betrachten, da ist sie auch schon verschwunden und lässt mich mit meinem gefangen Gesicht im Spiegel allein. Verlegen streiche ich über meine glatten dunkelblonden Haare und wandere über meine ebenmäßige Haut, die hier und da narbige Erlebnisse gespeichert hat. Ich versuche noch mehr zu entdecken, ich versuche mich in diesem Spiegel zu finden, zu erkennen. Doch wieder zerfließt alles nur so. Was zeigt mir eigentlich dieser Spiegel? Bin ich das denn wirklich? Der Spiegel fragt nie, er antwortet jedoch auch nie. Ich könnte ihn wahrscheinlich sowieso nicht verstehen. Denn er ist zu glatt und viel zu hart. Er wirkt anorganisch und tot. Er zeigt nur Identitäten, besitzt jedoch selbst keine.
    Und woher kann ich wissen, dass dieser Spiegel nicht doch lügt und mir falsche Bilder widerspiegelt? Spiegel müssen schließlich diese Eigenschaft besitzen, denn wie könnte es sonst passieren, dass junge abgemagerte Mädchen nur ein dickes und hässliches Ich in ihnen wieder finden können.
    Immer wieder streift mein Blick über ihn, mir will es nicht mehr gelingen mich zu sehen, ich sehe nur noch ihn und seine Macht. Nein, ich kann unmöglich noch etwas Wahres in ihm entdecken. Er ist zu glatt, er ist zu hart.

    • @gloria_m, ff. Was an diesem Text scheitern läßt, ist, daß da spontan eine Warnleuchte angeht: Du darfst hier >>>> das Messer nicht ansetzen! Das ist immer das erste Indiz dafür, es sei keine Lösung vom Urheber erfolgt; wer hier schneidet, schneidet i h n, nicht etwa schnitzt er an der Ästhetik.
      Andererseits. Es gibt wirklich verfolgenswerte Ansätze darin. Tun Sie mir bitte den Gefallen und streichen alles weg, was ein Kommentar (Selbstkommentar) ist, z.B.: „es ist immer das gleiche Gesicht“. Weg damit, weil die Aufgabe ist, nur j e t z t in den Spiegel zu sehen und nicht immer gleich das mitzusehen, was Sie erfuhren/was Ihnen widerfuhr. Ich schreib mal hinter einzelne Formulierungen meine Anmerkungen, ohne in diesem Fall von mir aus etwas zu verändern:

      Ich blicke in den Spiegel und entdecke einen Lehmklumpen, der fein säuberlich zu einem runden Gesicht modelliert ist. Es ist immer das gleiche Gesicht und doch wirkt es jeden Tag anders, wirkt es jeden Tag verändert [Rein räsonniert.]. Ich sehe diese blaugrauen Augen, die an eine glückliche Kindheit erinnern [Wie das? Blaugraue Augen erinnerten mehr an sie als, sagen wir, braune?], was dieser müde Blick einen jedoch schnell vergessen lässt.
      Ich sehe diese schmale lange Nase, die das Gesicht in zwei Hälften teilt und dem genauen Betrachter [Wer ist gemeint?] verrät, dass dieses runde Gesicht nicht ganz symmetrisch ist.
      Ja, was sehe ich noch? [Pure Rhetorik, in der Musik würde man notieren: „nicht schleppen!“] Eigentlich nichts Auffälliges [Leere Formel.]. Nur ein einfaches Abbild. Ein verzerrtes Abbild noch dazu. Wie ein schlecht eingestellter Fernseher [Fernseher kann man schlecht einstellen? Und wenn ja: Dann wäre das Bild verschneit, oder? Trifft das auf einen Spiegel zu?] wirkt der Spiegel auf mich. Es flackert alles vor meinem inneren Auge. Manchmal gelingt es mir einen kurzen Blick auf etwas richten zu können. Da leuchtet ganz kurz der Mund auf, der mit seinen wohlgeformten Lippen in der Horizontalen schwebt. Ich benutze ihn zum Reden und zum Essen.
      Mein Blick schweift wieder ab. Wandert weiter in diesem Gesicht umher. Es wirkt so fremd, so weit weg. Der Spiegel flackert wieder. Eine Dame schreitet ins Bild und deutet lächelnd mit ausgestrecktem Arm auf meine nicht sehr hohe Stirn. „Ein Tiefdruckgebiet hat sich heute Morgen hier gebildet. Es wird wohl gegen Nachmittag weiter in den Süden wandern!“, sagt sie fachmännisch und starrt mich dabei aufdringlich an. Meine Mundwinkel wandern [Das stammt aus der U-Literatur; k e i n gutes Bild.] langsam nach unten. Und während ich noch versuche diese Fee [Wieso Fee?] genauer zu betrachten, da ist sie auch schon verschwunden und lässt mich mit meinem gefangen Gesicht im Spiegel allein [D a würde ich ansetzen: bei dem g e f a n g e n e n Gesicht!]. Verlegen [Wieso verlegen? Ist n o c h jemand da?] streiche ich über meine glatten dunkelblonden Haare [Siehe oben: „Mein dunkelblondes H a a r“. Wichtig.] und wandere über meine ebenmäßige Haut, die hier und da narbige Erlebnisse gespeichert hat [Das geht nicht. Man kann nicht halbschwanger sein. 1 oder 0. Eine ebenmäßige Haut hat keine Narben, oder sie ist eben nicht ebenmäßig.] Ich versuche noch mehr zu entdecken, ich versuche mich in diesem Spiegel zu finden, zu erkennen. Doch wieder zerfließt alles nur so. Was zeigt mir eigentlich dieser Spiegel? Bin ich das denn wirklich? Der Spiegel fragt nie, er antwortet jedoch [Wieso „jedoch“?] auch nie. Ich könnte ihn wahrscheinlich sowieso nicht verstehen. Denn er ist zu glatt und viel zu hart. Er wirkt anorganisch und tot. Er zeigt nur Identitäten [Zeigt er die? Falls ja, woher dann die Zweifel? Er zeigt sie eben n i c h t.], besitzt jedoch selbst keine.
      Und woher kann ich wissen, dass dieser Spiegel nicht doch lügt und mir falsche Bilder widerspiegelt? Spiegel müssen schließlich diese Eigenschaft besitzen, denn wie könnte es sonst passieren, dass junge abgemagerte Mädchen nur ein dickes und hässliches Ich in ihnen wieder finden können. [Hier gehen Sie einfach zu weit: die Aufgabe wollte nur das Gesicht, nicht anderes. Aufpassen, bei der Sache bleiben!]
      Immer wieder streift mein Blick über ihn, mir will es nicht mehr gelingen mich zu sehen, ich sehe nur noch ihn und seine Macht. Nein, ich kann unmöglich noch etwas Wahres in ihm entdecken. Er ist zu glatt, er ist zu hart.

      Verstehen Sie die Richtung? Sie können die Assoziationen freilassen, aber nicht sie freilassen u n d sie nicht-freilassen.

    • gloria_m sagt:

      Ich muss zugeben, dass ich Ihnen nicht ganz folgen kann. Warum haben Sie eigentlich meinen Text mit dem Text von Sprachspielerin verlinkt? Das erscheint mir gerade nicht ganz schlüssig. Und was meinen Sie mit der Warnleuchte? Mir ist klar, dass mein Text nicht ganz der gestellten Aufgabe folgt. Ich habe eben im Spiegel nicht nur mich entdeckt, sondern eben auch den Spiegel selbst.
      Mit den blauen Augen wollte ich nur erwähnen, dass sie mich an meine Kindheit erinnern, also nicht, dass nur blaue Augen an eine Kindheit erinnern können.
      Ich hätte wohl besser schreiben sollen „wie ein kaputter Fernseher“, denn hier gibt es sehr wohl als verzerrte Bilder. Mit der „Fee“ wollte ich einfach nur auf eine Wetterfee hinweisen. Und ich werde eben „verlegen“, da ja gerade die Wetterfee mich angeblickt hat. Mit der ebenmäßigen Haut muss ich Ihnen natürlich Recht geben, ich wollte eben beides unterbringen, was nicht wirklich gelungen ist. Und Sie haben natürlich auch Recht, dass der Spiegel keine Identitäten zeigt.

    • @gloria_m, fff. Sie bleiben zu nah an sich selbst. Anders gesagt: Sie schützen sich zu sehr. Literatur bedeutet
      1) gnadenlosen Exhibitionismus
      2) Verstellung des Exhibitionismus‘
      3) begreifen, daß man selbst nichts als ein zu formendes Material ist. Das wiederum heißt, daß Ihre (auch meine) konkrete Kindheit überhaupt von keinem anderen Interesse als einem materialen ist.

      „Wetterfee“: So nennt man unterdessen Ansagerinnen des Wetterberichtes im Fernsehen. Das müssen Sie, wenn Sie den Begriff verwenden, mitreflektieren.

  4. sho-shan-nah sagt:

    Es gibt keine Schatten in einer Welt ohne Licht So eine dämliche Aufgabe, sie weiß doch, wie sie aussieht. Ihren Unwillen erkenne ich schon an ihren verächtlich verzogenen Mundwinkeln. Sie sollte nicht so abwertend dreinblicken, Gesichtsausdrücke dieser Art enstellen selbst den schönsten Menschen. Ich sehe ihr direkt ins Gesicht und fühle mich etwas schizophren. Auf dem Spiegel steht mit dunkelrotem Lippenstift (den sie nie benutzt) „Es gibt nichts Gutes-außer man tut es“ geschrieben und harmoniert wunderbar mit der Baustellenbeleuchtung außenherum.
    Also schön, konzentrieren wir uns auf die Beschreibung des Spiegelbilds im Dreiviertelprofil. Ihr Gesicht ist ganz okay, finde ich. Diesen ewigen Symmetrie-Hype kann ich gar nicht verstehen, ich sehe doch zwei Augen, halbwegs auf einer Höhe, eine Nase, die nicht krumm ist, untendrunter, der Mund steht auch nicht schief und die Ohren sind halbwegs an ihrem vorgesehenen Platz. Solange man diese Kriterien einigermaßen erfüllt, ist es ziemlich vermessen, von Asymmetrie zu sprechen.
    Die Haare, heute mal im Zopf, sind lang, hellbraun oder dunkelblond, wellig, und fallen halt irgendwie. Ich denke, dass mein Spiegelich ganz hübsch ist. Gut, ein paar Sommersprossen, hier und da ein Stressknopf, aber das sind ja Indikatoren für sensible Haut, und wer ist in diesen Tagen nicht gerne sensibel. Vielleicht sind ihre Nasenlöcher ein bisschen groß. Sie kann sie lustig aufblähen und so tun, als sauge sie jemanden damit ein, natürlich nur, wenn einer mitspielt. Bei diesem Gedanken muss sie ein bisschen grinsen. Der Mund ist breit, die Lippen sind voll. Früher sagten die Schulkameradinnen manchmal Breitmaulfrosch, aber die waren sowieso nur neidisch mit ihren verkniffenen Oboenspielerlippen. Ich würde etwas Derartiges wahrscheinlich auch zu einer 13jährigen sagen, die mit hellgrünem Lidschatten experimentiert und ein Snickers quer verschlingen kann. Jetzt konzentriere ich mich genauer auf die Mundpartie und sehe, was nur die Eingeweihten bewusst erkennen können: eine winzige Narbe links unter der Lippe, da hätte glatt mal ein Piercing durchgehen können. Jedem, der es hören will, erzählt sie stolz, dass sie sich diese Stelle selbst durchgebissen hat. Apropos Zähne, mein Spiegelbild grinst ja gerade: Da scheint auch alles in Ordnung zu sein. Lächelt noch nicht zu gelblich, die Zahnreihen sind keine Friedhöfe, machen einen wohlgeordneten geraden Eindruck, und das ohne langjährige Zahnspangentortur.
    Wieder nach oben. Augen. Überschätztes Attraktivitätsmerkmal. „Oh, ich kann mich ja stundenlang in Deinen Augen verlieren!“ „Ich schau immer zuerst auf die Augen!“ So ein Blödsinn. Mit ihren Braun-grünen sieht SIE zumindest immer zuerst auf den Hintern. Jemand meinte mal, auch dunkelblaue Ringe erkennen zu können, bei bestimmtem Lichteinfall, aber das war wahrscheinlich wieder so ein romantisch-verirrter Augenfetischist. Jedem das Seine, les gouts et les couleurs ne se discutent pas.
    Was gibt es noch zu beschreiben an einem Gesicht? Ich sehe, dass sie wie immer nicht geschminkt ist, die Augenbrauen ungezupft, viel zu viel Arbeit. Glücklicherweise kein Damenbartansatz. Das Kinn ist weder zu groß noch besonders klein, der Hals ganz schön, wenn er denn nicht durch die Haarmatte verdeckt wird. Ihre Gesichtsform fällt wohl am ehesten in die Kategorie „verbreitertes Oval“, gesetzt den Fall, es gibt eine solche Sparte. Mittlerweile ist auch der Gesichtsausdruck wieder neutral, und ich verstehe nun die italienische Mutter einer meiner Bekannten, die seit langem als erste mein Alter richtig schätzte: bah, non sei una DONNA, capisce?

    Zeit zu altern habe ich noch, aber die werde ich sicherlich nicht sitzenderweise vorm Spiegel verbringen.

    • @ sho-shan-nah (ff). Prima Text, frech und übrigens auch erotisch. Das geht schon mal mit dem Unwillen los („Arschloch, das, was gibt er einer da für Zeug auf, ihre Zeit zu vertun?“ – nun, ja, vertan ham Sie sie nicht). Selbstportrait durch Zickung.
      Dennoch im einzelnen:

      So eine dämliche Aufgabe, sie weiß doch, wie sie aussieht. Ihren Unwillen erkenne ich schon [direkter erzählen; nicht kommentieren, auch möglichst wenig referieren; es wird dann härter, auch diese – berechtigte – Zickenbewegung.] an ihren verächtlich verzogenen Mundwinkeln. Sie sollte nicht so abwertend dreinblicken, Gesichtsausdrücke dieser Art enstellen selbst den schönsten Menschen [Das ist geblödelt. Unnötig.]. Ich sehe ihr direkt ins Gesicht und fühle mich etwas schizophren. Auf dem Spiegel steht mit dunkelrotem Lippenstift (den sie nie benutzt) „Es gibt nichts Gutes-außer man tut es“ geschrieben und harmoniert wunderbar [„harmoniert wunderbar“ ist in sich redundant.] mit der Baustellenbeleuchtung außenherum.
      Also schön [Quatsch. Reine Rhetorik und als Behelfsmäßigkeit, um den plaudernden Einstieg zu finden, zu auffällig.] , konzentrieren wir uns auf die Beschreibung des Spiegelbilds im Dreiviertelprofil. Ihr Gesicht ist ganz okay, finde ich [Hier stimmt das Geplauder.]. Diesen ewigen Symmetrie-Hype kann ich gar nicht verstehen, ich sehe doch zwei Augen, halbwegs auf einer Höhe, eine Nase, die nicht krumm ist, untendrunter [s e h r schön, dieses „untendrunter“.], der Mund steht auch nicht schief und die Ohren sind halbwegs an ihrem vorgesehenen [„vorgesehen“ ist zu papieren.] Platz. Solange man diese Kriterien einigermaßen erfüllt, ist es ziemlich vermessen, von Asymmetrie zu sprechen.[Das ist jetzt ungenau, weil von „Kriterien“ ja nie die Rede war, sondern Sie auf der wenn auch spöttischen Beschreibungsebene bleiben und das auch ganz zu recht tun.]
      Die Haare [das Haar (!!!)], heute mal im Zopf, sind lang, hellbraun oder dunkelblond, wellig, und fallen halt irgendwie. Ich denke, dass mein Spiegelich ganz hübsch ist. Gut, ein paar Sommersprossen, hier und da ein Stressknopf, aber das sind ja Indikatoren für sensible Haut, und wer ist in diesen Tagen nicht gerne sensibel [Denken Sie, wenn Sie so formulieren, daß bei einer Frau „in diesen Tagen“ doppelt besetzt ist – nur als Bemerkung, damit Sie sich nicht versehentlich eine nichtgewollte Bedeutung mit hineinholen. – Und h i e r mal vom „vielleicht“ weggehen:]. Vielleicht sind ihre Nasenlöcher ein bisschen groß. Sie kann sie lustig aufblähen und so tun, als saugt [Irrealis]e sie jemanden damit ein, natürlich nur, wenn einer mitspielt. Bei diesem Gedanken muss sie ein bisschen grinsen. Der Mund ist breit, die Lippen sind voll. Früher sagten die Schulkameradinnen manchmal Breitmaulfrosch, aber die waren sowieso nur neidisch mit ihren verkniffenen [Nicht verdoppeln, das Bild ist stark genug:] Oboenspielerlippen. Ich würde etsowas Derartiges wahrscheinlich auch zu einer 13jährigen sagen [s c h n e l l bleiben!:], die mit hellgrünem Lidschatten experimentiert und ein Snickers quer verschlingen kann. Jetzt konzentriere ich mich genauer auf die Mundpartie und sehe, was nur die Eingeweihten bewusst [Eingeweihte bewußt? Erkennen ist erkennen, sehen ist sehen.] erkennen können: eine winzige Narbe links unter der Lippe, da hätte glatt mal ein Piercing durchgehen können. Jedem, der es hören will, [Floskel, unnötig.] erzählt sie stolz, dass sie sich diese Stelle selbst durchgebissen hat. Apropos Zähne, mein Spiegelbild grinst ja gerade: Da scheint auch alles in Ordnung zu sein. Lächelt noch nicht zu gelblich, die Zahnreihen sind keine Friedhöfe, machen einen wohlgeordneten geraden Eindruck, und das ohne langjährige Zahnspangentortur.
      Wieder nach oben. Augen. Überschätztes Attraktivitätsmerkmal. „Oh, ich kann mich ja stundenlang in Deinen Augen verlieren!“ „Ich schau immer zuerst auf die Augen!“ So ein Blödsinn. Mit ihren Braun-grünen sieht SIE zumindest immer zuerst auf den Hintern [Klasse! Ja, Ehrlichkeit gehört dazu. Augen fangen Licht e i n und strahlen es nicht aus.]. Jemand meinte mal, auch dunkelblaue Ringe erkennen zu können, bei bestimmtem Lichteinfall, aber das war wahrscheinlich wieder so ein romantisch-verirrter Augenfetischist [Schon klar, nur holen Sie sich hier einen ungewollten Nebensinn mit hinein: die dunkelblauen Ringe könnten auch Schatten unter den Augen sein, von zu viel Rave und wenig Schlaf.]. Jedem das Seine, les gouts et les couleurs ne se discutent pas.
      Was gibt es noch zu beschreiben an einem Gesicht? [Abermals gefloskelt. Das retardiert Ihren Text. Unfug, weglassen.] Ich sehe, dass sie wie immer nicht geschminkt ist, die Augenbrauen ungezupft, viel zu viel Arbeit. Glücklicherweise kein Damenbartansatz. Das Kinn ist weder zu groß noch besonders klein, der Hals ganz schön, wenn er denn nicht durch die Haarmatte verdeckt wird [Ungenauigkeit: schön nämlich auch dann, w e n n er verdeckt ist, also w e n n er schön ist. Man sieht’s dann nur nicht.]. Ihre Gesichtsform fällt wohl am ehesten in die Kategorie „verbreitertes Oval“ [Abermals „Kategorie“. Ist das eine? Nicht jedes Wort läßt sich umgangssprachlich gut verschleifen, man hat sonst die Trauerränder zu langer Fingernägel am metaphorischen Hals, und die sind alles andere als auf Hygiene bedacht.], gesetzt den Fall, es gibt eine solche Sparte [Ecco! „Sparte“/“Kategorie“… Sie merken’s ja selber… Ihre Sprache merkt das Ungenügen und muß nachlegen…]. Mittlerweile ist auch der Gesichtsausdruck wieder neutral, und ich verstehe nun die italienische Mutter einer meiner Bekannten [dieser Übergang ist leider nicht flüssig.], die seit langem als erste mein Alter richtig schätzte: bah, non sei una DONNA, capisce? [In più, quella non è una ragazza, ma una carogna!]

      Zeit zu altern habe ich noch, aber die werde ich sicherlich nicht sitzenderweise vorm Spiegel verbringen. [Gänzlich unnötige Anmerkung für den Dozenten, der das nach diesem Text eh weiß und sich nun, textredundanzhalber, genußvoll einen Siegerpunkt einstreichen darf. Das kann des Biestes Absicht kaum sein].

  5. WERKSTATT. Allgemeine Bemerkung zur ersten Aufgabe. Jetzt liegen einige Texte vor, Sie sehen es. Nahezu alle haben eine Lösung um das Erzählproblem herum gefunden, manche gut, manche besser. Es geht mir bei dieser Aufgabe aber vor allem darum, Ihren Blick auf das Konkrete zu richten. Denken Sie >>>> an Flaubert und den Kohlkopf. Nun hat ein solcher keine Geschichte, also auch kaum Metaphorik, er ist rein d a; das macht es so schwer, ihn in Worte zu fassen. Liegt er vor Ihnen, ist er nichts als das Ding-da. Dieses Ding aber i s t. Gibt es Wörter, Formulierungen, semantische Höfe, die ihn zu erfassen vermögen? Und verfüge i c h darüber? Stellen Sie es sich wie den Pinsel eines Malers vor, der Konturen nachgeht.
    Ein Gesicht zu beschreiben, ist leichter, als einen Kohlkopf zu beschreiben. Einesteils. Denn es hat ja Geschichte und Zusammenhänge; wir ersetzen, was wir sehen, wir ersetzen es gerne durch das, was wir interpretieren. Und dann t u n wir so, als hätten wir im Griff, was wir sähen, oder seien ihm auch nur nah. Wir sind es nicht. Andernteils. Das macht es gerade schwerer, bei dem Gesicht zu b l e i b e n. Ich möchte Sie bitten, es dennoch zu versuchen. Man bekommt dadurch eine Ahnung, wie es um das Verhältnis von Literatur zur erscheinenden Realität bestellt ist. Und man bekommt eine Demut vor den Dingen, erfährt hautnah, wie weitgehend wir von ihnen getrennt sind.
    Ich habe auf einer Leipziger Konferenz sehr zum Unwillen einiger gesagt:

    Kein Satz reicht jemals an die Präsenz eines Glases Wasser heran.
    Es ist mir wichtig, daß Sie diesen Satz erfahren, nicht nur glauben oder nicht glauben. Um ihn zu erfahren, muß man ihn ausprobieren, so, wie kein Mensch je erfährt (und also auch nicht darüber berechtigt schreiben kann), wie körperliche Liebe sich anfühlt, wenn er sie nie erlebt hat.

    Deshalb nochmal zurück. Versuchen Sie sich ganz konkret an meiner Aufgabe.

  6. Ruiz sagt:

    Wenn ich mich im Spiegel sehe Wenn ich tief in den Spiegel sehe und keine Gedanken mehr im Kopf habe, erblicke ich eine Gestalt die mir oft fremd erscheint. Dieser Mensch hat sehr dunkle braune Haare, die fast schwarz sind, er trägt sie mittellang und ungekämmt. An einigen Stellen stehen sie auf, das aber meistens nur nach dem er geduscht hat. Auf diesen schauen die Haare ganz wild aus. Wenn man ihn oberflächlich anblickt, schaut es so aus, als trage er einen Helm aus Haaren, der einen großen etwas quadratischförmigen aussehenden Schädel bedeckt. Diese bestimmten Haarrebellen, die sich dann auch nicht runterkämmen lassen, empfinde ich manchmal als sexy, manchmal aber auch als lästig, vor allem dann wenn ich zu einer wichtigen Verabredung eile. Sie sind wie Blumen im Frühling, die gekrümmt und doch in einer der Natur gleichen Ordnung wie vom fruchtbaren Boden hinaus in die weite Welt wild sprießen. Koteletten haben sich gebildet. Dieses viele Haar ist dicht auf meinem Kopf, als würde es jemand ohne viel ästhetischen Sinn einfach draufgedrückt haben. Über meiner rechten Augenbraue sticht eine zwei cm. vertikale lange Narbe hervor. Gleich unterhalb auf dieser Höhe, befinden sich meine langen regelmäßigen Augenbrauen, die sich in der Mitte fast vereinigen, außen und in der Mitte dicht und dunkel, am inneren Rand heller und spärlich. Recht oberhalb der linken Braue ragt ein roter Pickel aus dem Bild meines Gesichts, wie der Ätna auf Sizilien. Meine Augenschlitze haben die Form einer Zitrone, sie werden von innen und von außen regelmäßig, und knapp vor der Mitte drastisch immer breiter. Mancher hat mich schon mit einem Chinesen oder gar einer Katze verglichen. Die Pupille beinhaltet verschiedene Farben, den größten Teil übernimmt ein Kastanienbraun, wie das meiner Haare, mit einem leichten grün-grauen pflaumigen Ton, rund umfasst von einer etwas bläulichen schwarzen Linie. Die Iris ist pechschwarz wie ein Rabe, jedoch kommt es mir manchmal so vor, als sehe ich einen Schimmer Blau. Wenn ich tief hineinblicke empfinde ich etwas Mysteriöses. Zudem wird die dunkle Pupille größer und bläulicher, je näher ich mich dem Spiegel nähere. Die Wimpern sind sehr, sehr fein, schwarz, geradlinig und laufen parallel zueinander.
    Diese Reise führt uns weiter zu meiner „Afrikanischen Nase“ wie ich sie nenne, denn sie ist etwas breit und zusammengedrückt, wie mein Haar. Böse Zungen behaupteten es gleiche fast einer Schweinsnase. Doch verneine ich diesen lächerlichen Vergleich, da sie dieser nicht gleicht, passend zu meinem Gesicht und mir sehr sympathisch ist. Auf ihr befindet sich ein kleines braunes Muttermal, ein Pickel genau auf der Mitte und im unteren Teil einige winzige schwarze Mitesser. Wenn ich mich betrachte, sehe ich zum Teil meine oval verlaufenden großen Nasenlöcher, beim linken ragt noch ein feines schwarzes Härchen wie vom Ende einer Schlacht wacker heraus. Wie bei einer Kackerlacke. Drei cm. unter meiner knolligen Nasenspitze befindet sich mein attraktiver Mund. Ein leicht weißer Fleck durchzieht die Innenseite meiner runden roten Lippen. Die Zahnpasta und das Wasser haben ihren Job nicht zufrieden stellend erledigt, denn diese Spuren einer weiß-gelben Flüssigkeit umrunden noch meine Lippen. Erst jetzt erkenne ich es: Die Spuren der Vanillesauce vom Mittagessen wurden nicht gänzlich im Bad bei meiner Pflege beseitigt. Meine obere linke Lippenseite ist seit einigen Jahren geschwollen. Ursache dieser war ein Fahrradunfall. Somit erscheint für den genauen Betrachter der Lauf dieser preziösen Lippen gestört zu sein, doch ist es eines „der Merkmale“ die mich gerade ausmachen, da es den Eindruck erweckt, es läge eine gewisse Anstrengung darin, aus der sich meine darin versteckte kurze Zunge befreien will. An manchen Stellen glänzen die Lippen sogar, und werden folglich heller! Unmittelbar unter meinen Lippen befinden sich, grob geschätzt, ungefähr 10 zarte feine schwarze Härchen, die sich meistens vor der Rasur retten, da sie sehr leicht zu übersehen sind. Diese empfinde ich als lustig.
    Jetzt ragen die Bartstoppel überall noch leicht heraus, was mir ein jüngeres Aussehen gibt, doch ist er an manchen Stellen beidseitig unregelmäßig, vor allem an der linken und rechten Unterwange. Oberhalb ersterer, also zwischen der linken Wange und mein linkes Auge, befindet sich noch so ein frecher Pickel, der mutig allein herausblickt. Ich denke mir: Ein zäher Überlebender meiner täglicher Gesichtsreinigung.
    Unter meinen Augen ist eine leichte gelb-blaue Schattierung auszumachen, der Beweis der letzten kurzen Nächte. Meine Ohren sind weder groß noch klein, sondern physiognomisch proportional zum Rest meines Gesichtes und Körpers angepasst. An den Extremitäten, also vor allem die Ohrläppchen, gehen sie in eine leichte Rundung nach außen über. Die dort ungleich geschnittenen Haare verdecken Teile meiner Ohren.
    Meine Unterkiefer sind wie scharf geschnitten und vereinen sich bei einem regelmäßigen runden Kinn. Noch zu meinen Wangen: in ihrer Mitte zieht meine leicht bräunliche Haut etwas hinein, so wie bei den Urvölkern Amerikas.
    Ich denke dieses Gesicht ist wie ein Chamäleon, es gleicht sich sehr schnell der empfundenen Stimmung an und reagiert höchst präzise. Oft merke ich das gar nicht. Ich empfinde dieses Gesicht aber als attraktiv. Meine Augen sind sehr neugierig und strahlen eine gewisse schöpferische Kraft aus.
    Diese Übung und die damit verbundene Ruhe tun mir gut, denn erstens merke ich wie wenig ich mich selbst kenne und zweitens, wie schwer ich das wenige auszudrücken vermag. Die Wörter fehlen. Wörter sind doch nicht das beschriebene Ding, sie sind ihrer Natur gemäß limitiert. Sie können nicht die Wirklichkeit wiedergeben, da haben Bilder und Musik ihr einen leichten Vorsprung.
    Um mein Gesicht mit wenigen Wörtern poetisch auszudrücken, fehlt mir die Übung und das Aufwecken meiner schöpferischen Kreativität!

    • @ruiz.

      Wenn ich tief in den Spiegel sehe [Was ist der Unterschied zwischen „tief in einen Spiegel sehen“ und „in einen Spiegel sehen“?] und keine Gedanken mehr im Kopf habe, erblicke ich eine Gestalt die mir oft fremd erscheint. Dieser Mensch hat sehr dunkle braune Haare, die fast schwarz sind, er trägt sie mittellang und ungekämmt. An einigen Stellen stehen sie auf, das aber meistens nur nach dem er geduscht hat [Was sehen Sie j e t z t?]. Auf diesen [gestelzt.] schauen die Haare [„schaut das H a a r“!!] ganz wild aus. Wenn man ihn oberflächlich anblickt, schaut es so aus, als traü [Irrealis bei Formen des „als ob“]ge er einen Helm aus Haaren, der einen großen etwas quadratischförmigen aussehenden [quadratischförmig oder schaut er nur so aus und ist es gar nicht? Was meinen Sie?] Schädel bedeckt. Diese bestimmten Haarrebe[??]llen, die sich dann auch nicht runterkämmen lassen, empfinde ich manchmal als sexy, manchmal aber auch als lästig, vor allem dann wenn ich zu einer wichtigen Verabredung eile [wäre eine Frau auch eine wichtige Verabredung? also, was meinen Sie mit „wichtig“?]. Sie sind wie Blumen im Frühling, die gekrümmt und doch in einer der Natur gleichen Ordnung wie vom fruchtbaren Boden hinaus in die weite Welt wild sprießen [Aua.]. Koteletten haben sich gebildet [Nein, sondern Sie haben sie wachsen lassen. Bitte nicht schludern in den Formulierungen.]. Dieses viele Haar ist dicht auf meinem Kopf, als würde es jemand ohne viel ästhetischen Sinn einfach draufgedrückt haben [Das wiederholt jetzt zu viel.]. Über meiner rechten Augenbraue sticht eine zwei cm. vertikale lange Narbe hervor [Formulierung! Stimmte Ihr Satz, dann stünde die Narbe wie ein Stilett aus dem Gesicht ab, was aber wohl nicht der Fall ist.]. Gleich unterhalb auf dieser Höhe [Unterhalb oder auf dieser Höhe?], befinden sich meine langen regelmäßigen Augenbrauen, die sich in der Mitte fast vereinigen, außen und in der Mitte dicht und dunkel, am inneren Rand heller und spärlich. Recht oberhalb der linken Braue ragt ein roter Pickel aus dem Bild meines Gesichts, wie der Ätna auf Sizilien [Der ist 3500 Meter hoch. Haben Sie den Vulkan einmal gesehen? Sie kämen nie auf einen solchen Vergleich.]. Meine Augenschlitze haben die Form einer Zitrone, sie werden von innen und von außen regelmäßig, und knapp vor der Mitte drastisch immer breiter. Mancher hat mich schon mit einem Chinesen oder gar [Wieso „gar“?] einer Katze verglichen. Die Pupille beinhaltet [Stelzung.] verschiedene Farben, den größten Teil übernimmt [Ist Färbung eine Aufgabe?] ein Kastanienbraun, wie das meiner Haare [meines Haars, es sei denn, Sie wollten, siehe oben, alle Ihre Körperhaare meinen.], mit einem leichten grün-grauen pflaumigen [„pflaumig“, das ist einmal schön, sehr schön sogar.] Ton, rund umfasst von einer etwas bläulichen schwarzen Linie. Die Iris ist pechschwarz wie ein Rabe, jedoch kommt es mir manchmal so vor, als seä [Irrealis.]he ich einen Schimmer Blau [„Bläulich“ haben Sie schon kurz darüber geschrieben; also weshalb „jedoch“?]. Wenn ich tief [siehe oben.] hineinblicke empfinde ich etwas Mysteriöses. Zudem wird die dunkle Pupille größer und bläulicher, je näher ich mich dem Spiegel nähere [näher nähere… ]. Die Wimpern sind sehr, sehr fein, schwarz, geradlinig und laufen parallel zueinander.
      Diese Reise [ungeschickt.] führt uns [„Uns“? Weshalb diese Rhetorik?] weiter zu meiner „Afrikanischen Nase“ wie ich sie nenne, denn sie ist etwas breit und zusammengedrückt, wie mein Haar [Ungenau: Das Haar ist „breit“?]. Böse Zungen behaupteten es gleiche fast einer Schweinsnase. Doch verneine ich diesen lächerlichen Vergleich, da sie dieser nicht gleicht [Was ist denn das für eine Logik? Auch sprachlich ist das wenig geschickt.], passend zu meinem Gesicht ist [??? – weshalb dann nicht: „zu meinem Gesicht paßt“?] und mir sehr sympathisch ist. Auf ihr befindet sich ein kleines braunes Muttermal, ein Pickel genau auf der Mitte und im unteren Teil einige winzige schwarze Mitesser [„und“ verlangt das Prädikat im Plural.]. Wenn ich mich betrachte, sehe ich zum Teil [zum Teil? ] meine oval verlaufenden großen Nasenlöcher, beim linken ragt noch ein feines schwarzes Härchen wie vom Ende einer Schlacht wacker [Geblödel.] heraus. Wie bei einer Kackerlacke [Das ist jetzt s e h r komisch. Kakerlaken mit Nasenlöchern, aus denen ein Haar wächst. Achtung, was Sie da schreiben!]. Drei cm. unter meiner knolligen Nasenspitze befindet sich mein attraktiver Mund. Ein leicht weißer Fleck durchzieht die Innenseite meiner runden roten Lippen. Die Zahnpasta und das Wasser haben ihren Job nicht zufrieden stellend erledigt [Aua.], denn diese Spuren einer weiß-gelben Flüssigkeit umrunden noch meine Lippen [Jesses, rundum, wie bei einem Kinder-Milchbart? – Hier wird klar, daß Sie sich entscheiden mußten, aber das nicht gänzlich getan haben: will ich eine Parodie schreiben oder mich ernstlich dem Problem stellen. Sie stecken mit alledem irgendwie mittendrin, nor fish, nor meat.]. Erst jetzt erkenne ich es: Die Spuren der Vanillesauce vom Mittagessen wurden nicht gänzlich im Bad bei meiner Pflege beseitigt [gaaaaaanz gestelzt.]. Meine obere linke Lippenseite ist seit einigen Jahren geschwollen. Ursache dieser [Welcher? Der Lippenseite? Harter Bezugsfehler.] war ein Fahrradunfall. Somit [Logischer Anschluß hängt.] erscheint für den genauen Betrachter der Lauf dieser preziösen Lippen gestört zu sein, doch ist es eines „der Merkmale“ die mich gerade ausmachen, da es [Wieso plötzlich „es“, sächlich?] den Eindruck erweckt, es lä[Konj. I.]iege eine gewisse Anstrengung darin, aus der sich meine darin versteckte kurze Zunge befreien will. An manchen Stellen glänzen die Lippen sogar, und werden folglich heller! [Kryptisches Ausrufezeichen.] Unmittelbar unter meinen Lippen befinden sich, grob geschätzt, ungefähr 10 zarte feine schwarze Härchen, die sich meistens vor der Rasur retten, da sie sehr leicht zu übersehen sind. Diese empfinde ich als lustig.
      Jetzt ragen die Bartstoppel [Härchen oder Stoppel; das ist ein taktil enormer Unterschied.] überall noch leicht heraus, was mir ein jüngeres Aussehen gibt, doch ist er [„er“? Wer?] an manchen Stellen beidseitig unregelmäßig, vor allem an der linken und rechten Unterwange. Oberhalb ersterer, also zwischen der linken Wange und mein linkes Auge [Grammatik.], befindet sich noch so ein frecher Pickel, der mutig allein herausblickt. Ich denke mir: Ein zäher Überlebender meiner täglicher Gesichtsreinigung.
      Unter meinen Augen ist eine leichte gelb-blaue Schattierung auszumachen, der Beweis der letzten kurzen Nächte. Meine Ohren sind weder groß noch klein, sondern physiognomisch proportional zumdem Rest meines Gesichtes und Körpers angepasst. An den Extremitäten, also vor allem die Ohrläppchen [Waaaaaaas? Die Ohrläppchen sind Extremitäten?], gehen sie in eine leichte Rundung nach außen über. Die dort ungleich geschnittenen Haare verdecken Teile meiner Ohren.
      Meine Unterkiefer sind wie scharf geschnitten und vereinen sich bei einem regelmäßigen runden Kinn. Noch zu meinen Wangen: in ihrer Mitte zieht meine leicht bräunliche Haut etwas hinein, so wie bei den Urvölkern Amerikas.
      Ich denke dieses Gesicht ist wie ein Chamäleon, es gleicht sich sehr schnell der empfundenen Stimmung an und reagiert höchst präzise. Oft merke ich das gar nicht. Ich empfinde dieses Gesicht aber als attraktiv. Meine Augen sind sehr neugierig und strahlen eine gewisse schöpferische Kraft aus.
      [Und wozu dieser Nachklapp?:]
      Diese Übung und die damit verbundene Ruhe tun mir gut, denn erstens merke ich wie wenig ich mich selbst kenne und zweitens, wie schwer ich das wenige auszudrücken vermag. Die Wörter fehlen. Wörter sind doch nicht das beschriebene Ding, sie sind ihrer Natur gemäß limitiert [Was wollen Sie sagen? Daß Wörter limitiert sind=es gibt nur endlich viele? Oder daß ihre Möglichkeit limitiert ist, etwas über Wirklichkeit auszusaagen?]. Sie können nicht die Wirklichkeit wiedergeben, da haben Bilder und Musik ihr [s e h r dunkle Grammatik. ] einen leichten Vorsprung.
      Um mein Gesicht mit wenigen Wörtern poetisch auszudrücken, fehlt mir die Übung und das Aufwecken meiner schöpferischen Kreativität!

      Bitte gewöhnen Sie sich an, genau zu formulieren, nicht einfach nur etwas dahinschreiben. Überlegen Sie jeden Satz, schauen Sie sich die grammatische Organisation der Satzteile an. Ein Mindesmaß an – internalisierter! – Grammatik sollte vorausgesetzt werden – oder Sie schlagen sich auf die Gegenseite und arbeiten ganz bewußt auf der Grundlage grammatischer Brechungen und Verschleifungen. Das scheint mir Ihr Weg aber nicht zu sein. Gehen Sie den Text also bitte noch einmal mit sehr spitzem Bleistift durch.

  7. Das kann nicht ich sein Kennst du den Kerl der vorgibt ich zu sein? Das Haar dunkel, kurz geschnitten, einfach nur geschnitten – ohne dieses hin her, dieser Mischung aus Dienstleitung und Kunstgewerbe, die man ihm heute andrehen wollte, bei dem neuen Friseur um die Ecke, wo er hin, weil so ein Bon im Briefkasten lag: Schneiden, Waschen, Legen für 8.90 – Kennenlernpreis. Am Ende hat er 18 Sachen hingelegt, war raus und wollte nie mehr wieder kommen. Wie hat der gequatscht, der coole Hairdresser, mit den Scheren geklappert und gedrängt. Schlussendlich sagte der, der ich ist: „Wissen sie was: Konservativ! Einfach nur kurz – ich bin kein junger Hüpfer mehr.“ Danach haben alle geschwiegen. Der ich bin aber hat leise gelächelt und sich im Spiegel betrachtet – dabei erkannt, dass er zu den Jungen nicht mehr gehört, gleichwohl er sich in der Zeit nicht so schnell verloren hatte wie andere – aber von Weisheit keine Spur. Sein Blick weicht sich nicht aus. Er, das Ich, sie blicken sich fest an und halten sich aus. Dunkle, braune Augen mit einem unbestimmten Ernst in der Spannung des Augenblicks.

    Die eine Hälfte des Gesichts im Schatten die andere im Licht. Und dann noch die Zitate des Widersprüchlichen – sowohl auf der dunklen wie auf der hellen Seite. Da ist auf der Wölbung zwischen Lid und Braue, inmitten des Schattens, eine Insel des Lichts. Über die Nase mit ihrem weichen Schwung zieht sich eine mit Pigmenten gepflasterte Straße und das Auge schauen aus ihren dunklen Nischen, getrennt nur, von dieser dorischen Nase. Das Kinn blieb für zwei Tage unrasiert und die Stoppeln führen hin zum Hals, der der Müdigkeit stand hält und sich streckt um der Details willen; denn hat er das Ich erstmal entdeckt, dann ist es wie ein gutes Gespräch unter Freunden – man kann nicht davon lassen zu hören, wie es dem anderen geht – und natürlich zu behaupten es ginge einem Selbst ganz wunderbar. Nicht mehr der Jüngste zwar – nicht mehr jung und noch nicht alt -, aber ach, was soll man schon sagen; und dann drückt man sich die Sorgen auf die Stirn und fragt sich selbst, wieder im Stillen: Was habe ich denn schon erreicht? Die Pupillen überzieht eine sämige Müdigkeit. Das kann ich nicht sein.

    • Thema verfehlt Ich habe nochmal Ihre Kommentare gelesen.Wollte zuvor den Text los werden, bevor ich meine Arbeit durch Lektüre verwässern lasse – dachte ich. Vor allem habe ich jetzt Ihre berechtigte Aufforderung an die Aufgabe zu denken nachgelesen. Ich muss da nochmal ran. Lasse das mal als Zustand stehe. Komme wieder…

      Danke im Übrigen für Ihr Angebot – nicht nur dieses hier.

    • @Karl Gumbricht. Ich geh an den „Zustand“ trotzdem mal ran:

      Kennst du den Kerl der vorgibt ich zu sein? [Ich muß hier an „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen“ denken; das hatten Sie ganz sicher nicht im Sinn. Aber etwas mit „Kennst du den/das“ zu beginnen, trägt automatisch diese Gefährdung in sich.] Das Haar ist dunkel, und kurz geschnitten, einfach nur geschnitten – ohne dieses hin her, dieser Mischung aus Dienstleitung und Kunstgewerbe, die man ihm heute andrehen wollte, bei dem neuen Friseur um die Ecke, wo er hinist, weil so ein Bon im Briefkasten lag: Schneiden, Waschen, Legen für 8.90 – Kennenlernpreis. Am Ende hat er 18 Sachen hingelegt, war raus und wollte nie mehr wieder kommen. [Absatz. Über Absatz-Setzungen muß ich allgemein mal was sagen, glaube ich.]
      Wie hat der gequatscht, der coole Hairdresser, wiemit den Scheren geklappert und gedrängt. Schlussendlich sagte der, der ich ist: „Wissen sie was: Konservativ! Einfach nur kurz – ich bin kein junger Hüpfer mehr.“ Danach [wird stärker so.] haben alle geschwiegen. Der ich bin, aber [N o c h so was: Wie rhythmisiert man einen Text? Satzzeichen eignen sich da bestens. Sie also nicht nur als grammatische Strukturgeber ansehen.] hat leise gelächelt und sich im Spiegel betrachtet – dabei erkannt [redundant; genau das war mir dem „bin kein junger Hüpfer mehr“ schon gesagt:], dass er zu den Jungen nicht mehr gehört, gleichwohl er sich in der Zeit nicht so schnell verloren hatte wie andere – [na ja, das hier klingt zu abgegriffen:]aber von Weisheit keine Spur. [Das wiederum ist gut:] Sein Blick weicht sich nicht aus. Er, das Ich, sie blicken sich fest an und halten sich aus. [:weil der Satz ebenfalls redundant ist.] Dunkle, braune Augen mit einem unbestimmten Ernst in der Spannung des Augenblicks.

      [Hier flüssiger, eleganter werden:] Die eine Hälfte des Gesichtes liegt im Schatten, die andere im Licht. Und dann [???? Hier brauchen Sie eine gute Überleitung, aber nur aus dem Handgelenk, vor allem, weil sowohl „Zitate“ – von was denn? – und „Widersprüche“ – gegen was? – so im Ungewissen verharren:] noch die Zitate des Widersprüchlichen – sowohl auf der dunklen wie auf der hellen Seite. Da ist auf der Wölbung zwischen Lid und Braue, inmitten des Schattens, eine Insel des Lichts [Das ist schön, aber weder eigentlich ein Zitat noch ein Widerspruch.]. Über die Nase mit ihrem weichen Schwung zieht sich eine mit Pigmenten gepflasterte [besser vielleicht: „pigmentgepflasterte“] Straße dahin, und dasie Augen schauen aus ihren den dunklen Nischen, [das ist unschön:]getrennt nur [und wieso: „nur“? Woher die Wertung?], von dieser m/seiner dorischen Nase. Das Kinn blieb für zwei Tage [:das erzählt etwas, das nur S i e wissen und das niemand s e h e n kann.] unrasiert und die Stoppeln führen hin zum Hals, der der Müdigkeit stand hält [schön!] und sich streckt um [???]der Details willen; denn [:seltsamer logischer Anschluß:] hat er das Ich erstmal entdeckt, dann ist es wie ein gutes Gespräch unter Freunden – man kann nicht davon lassen zu hören, wie es dem anderen geht – und natürlich zu behaupten es ginge einem Selbst ganz wunderbar. Nicht mehr der Jüngste zwar [schon wieder! Achtung, Prosa ist verräterisch!]– nicht mehr jung und noch nicht alt -, aber ach, was soll man schon sagen; und dann drückt man sich die Sorgen auf die Stirn [Wie geht das, sich Sorgen auf die Stirn zu drücken? Auch hier bitte Genauigkeit. Die Sorgen sind, wenn, h i n t e r der Stirn – oder aber Sie gestalten das Bild der Sorgenstirn neu.] und fragt sich selbst, wieder im Stillen: Was habe ich denn schon erreicht? Die Pupillen überzieht eine [Das ist toll:]sämige Müdigkeit. [Das wieder fällt ab, zumal am Ende:] Das kann ich nicht sein. [Da brauchen Sie echt was anderes, etwas, das vielleicht überrascht oder das den Schmerz so überträgt, daß er sich fühlen läßt: Schmerz der Fremdheit.]

    • @ANH Danke für die Bearbeitung. Ich werde mir das nochmal vornehmen und ebenso versuchen einen neuen Text zu erstellen, der näher an der Aufgabenstellung bleibt.

      Ihre Kommentierung empfinde ich als sehr hilfreich. Die Anmerkungen bezüglich der Zeichen- und Absatzsetzung sind für mich klassische Fragestellungen, die ich zwar versuche durch Erfahrung und Intuition in den Griff zu kriegen, aber davon bin ich noch weit entfernt.

      Besonders gefreut hat mich der Begriff der Redundanz. Ich kenne ihn noch gut aus meinem Studium und kann deswegen einiges damit anfangen.

      Ich will Ihnen und den anderen Seminaristen kurz ein Feedback geben, auch was die Frage der Texterstellung angeht: Tatsächlich ist es schwierig, die von Ihnen geforderten Bedeutungshöfe in der Selbstbetrachtung zu finden. Es erfordert einen sprachlichen Abstraktionsgrad, der nicht einfach aus dem Bauch heraus zu erstellen ist. Ich will als nächstes versuchen Bedeutungshöfe zu konstruieren, rund um die Begriffe und Ausdrucksmöglichkeiten meines Portraits. Ich bin gespannt, ob sich daraus ein Text formen lässt.

      Nur der Neugierde halber: ANH, sammeln sie gezielt Begriffe und Begriffkonstellationen, Begriffschöpfungen? Oder schaffen sie die Bedeutungshöfe ausschließlich intuitiv?

      Nebenbei: Ich habe mich in Absätzen versucht!

  8. sirenomele sagt:

    portraire (ich schreibe keine prosa und kann keine prosa schreiben. ich habe die aufgabe auf meine art gelöst oder umgangen – und letztlich doch einen versuch in fließender sprache gewagt. das ist er)

    das gesicht gehört einer frau, slawischer typus – es ist breit mit hohen wangenknochen.

    die frau hat aschblondes, langes haar, in das sie einen seitenscheitel gekämmt hat. über dem aufgeworfenen fleisch der lippen eine flache nase und darüber dünne, zur schläfe gebogene augenbrauen. ihr gesicht ist süß wie das eines kindes, dem man ein stück schokolade weggenommen hat.

    wenn du näher herankämest, könntest du der wegweisung ihrer mundwinkel folgen und daran ihr alter erkennen. du würdest sehen, dass sie make-up benutzt, um ihrer haut, der geschundenen haut, reinheit zu geben. ihre augen sind am unteren rand gerötet und an den enden krähenfüße.

    • @sirenomele.

      das gesicht gehört [sind Sie sich sicher? Gerade bei einem so kurzen Text bitte das einzelne Wort abhorchen.] einer frau, slawischer typus – es ist breit mit hohen wangenknochen.

      die frau hat aschblondes, langes haar, in das sie einen seitenscheitel gekämmt hat. über dem aufgeworfenen fleisch der lippen eine flache nase [Hier bekommt man kein Bild, oder ein falsches: als wäre die Nase wirklich ü b e r den Lippen; was gerade bei einer f l a c h e n Nase nicht geht; wenden Sie zudem einmal den Blick auf den Zwischenraum von Lippe und Nase… und denken Sie daran, daß man von „Lippenkrone“ spricht. Gerade bei aufgeworfenen Lippen muß die ja irgendwo sitzen.] und darüber [Genauigkeit: direkt über der Nase, also zwei übereinander? Oder nicht doch eher daneben u n d darüber. Suchen Sie dafür mal eine Formulierung.] dünne, [Das ist fein:]zur schläfe gebogene augenbrauen. ihr gesicht ist süß wie das eines kindes, dem man ein stück schokolade weggenommen hat [Interessante Parallelisierung: Enttäuschung zu Süße…].

      wenn du näher herankämest, könntest du der wegweisung ihrer mundwinkel folgen und daran ihr alter erkennen [Was meint das? Integrierter Pessimismus, daß die Mundwinkel bereits nach unten gehen, weil Lebenserfahrung daran zieht?]. du würdest sehen, dass sie make-up benutzt, um ihrer haut, der geschundenen [eine Spur zu heftig vielleicht] haut, reinheit zu geben [den V o r s c h e i n der Reinheit wohl, weil Make up an sich ja verklebt.]. ihre augen sind am unteren rand gerötet und [haben]an den enden krähenfüße [Hier vielleicht mal etwas sanfter mit sich umgehen: Krähenfüßchen wohl.].

    • sirenomele sagt:

      rückfragen ich danke sehr für die schöne kritik!

      übriggebliebene fragen:

      1. ‚gesicht gehört‘ – meinten sie das klanglich? – das ist in der tat hässlich. was die semantik angeht und die visuellen daten, hatte ich es aber gerade so gewollt.

      2. keine frage eigentlich – ‚wegweisung ihrer mundwinkel‘ – ja, eine anregung, sich vorzustellen, dass die mundwinkel vermutlich nach unten gehen. (entspricht ja auch der logik des kon-textes.) ich mag andeutungen, bei denen man sich nicht getraut, ihnen ganz zu folgen, als wäre das tatsächliche bild etwas grässliches.

      3. ‚reinheit zu geben‘ – eigentlich nicht den anschein. denn wenn a) etwas als etwas erscheint, dann wird es eben genauso wahrgenommen und IST so und nicht anders. b) die logik der sache spricht aus sich selbst; das gesicht kann selbstverständlich nicht rein sein! da jeder weiß (!) dass make-up das gesicht nicht rein macht, sondern nur von fern so erscheinen lässt. diese schlussfolgerung hinzuzudenken mute ich dem leser hier bewusst zu, denn ich selbst möchte als leser nicht unterschätzt werden. – anders: ich versuche einen vagen eindruck, oder einen abgrund zu erzeugen, und nicht, ihn auszusprechen.(denn ausgesprochene abgründe sind irgendwie auch keine richtigen abgründe und ich will abgründe) ich habe ‚anschein von reinheit‘ im vorhinein eben deswegen gestrichen, der ‚anschein‘ erschien mir unnötig. – wenn der ausdruck trotzdem zu kompliziert, zu kühn erscheint, ergeb ich mich aber der kritik!

      4. ‚krähenfüße‘ – das ist ein etwas zu absoluter ausdruck mit (zu gewollter?) symbolischer tragweite, ich weiß. vermutlich merkt man, dass ich ihn eben deshalb stehen gelassen habe. – ich gerate in konflikt: wenn ich das auf ‚krähenfüßchen‘ ändern müsste, was ja eher realistischem erzählen entspricht, hätte ich zugleich den impuls, den satz ganz zu streichen. da spricht sicher der pathos aus mir: etwas ist absolut oder krass oder zählt nicht – da es ja um den text und nicht um mich geht: ist der ausdruck im kon-text zu krass? verträgt das der text an sich wirklich nicht? ich flehe gewissermaßen um meinen ‚darling‘, den ich killen muss, weil er mehr noch meinem gesicht entspricht, als alles andere – und das gesicht ist hier doch sprache.

      nun ja, die einzige nettigkeit, die ich mir beim schreiben erlaube, ist, dass die absolutheit, nach der mein ausdruck strebt, doch auch seinen reiz habe. – oder doch nicht?

    • @sirenomele. Rückantworten. 1. Ich meinte das Possesivpronominale… w e m gehört das Gesicht?Es muß ja dann einen Eigentümer, ein Ich, außerhalb des Gesichtes geben. Das scheint mir aber überhaupt nicht ausgemacht zu sein. Und wenn sich diese Frage stellt, stimmt was an dem Text nicht, – egal, ob ein Ausdruck an sich stimmt oder nicht. Der Trick besteht ja gerade darin, z.B. nicht Stimmendes (real nicht Stimmendes) so zum Ausdruck zu bringen, daß sofort geglaubt wird, daß sich Evidenz herstellt, wie wir das damals am Frankfurtmainer Philosophicum genannt haben.

      2. „ich mag andeutungen“ – man kann aber lyrische Bilder nicht nur andeuten, auch poetische nicht. Es muß immer etwas Evidentes als Antwort aus einem Text herauskommen – auch wenn der Leser das nicht direkt „festmachen“ kann.

      3.a) „‚reinheit zu geben‘ – eigentlich nicht den anschein. denn wenn a) etwas als etwas erscheint, dann wird es eben genauso wahrgenommen und IST so und nicht anders.“ Das halte ich für einen bedenklichen Satz. Ich treibe ihn mal in ein böses Extrem: Weil im „Stürmer“ Juden als Untermenschen dargestellt wurden, und weil die Leser das so glaubten, seien Juden Untermenschen gewesen? Na kommen Sie, das können Sie nicht ernstlich meinen.
      b) „die logik der sache spricht aus sich selbst; das gesicht kann selbstverständlich nicht rein sein! da jeder weiß (!) dass make-up das gesicht nicht rein macht, sondern nur von fern so erscheinen lässt. diese schlussfolgerung hinzuzudenken mute ich dem leser hier bewusst zu“ – Es ist aber keine Schlufolgerung, die sich lohnte, weil man sie ja eben bereits als Wissen mitbringt. Also ist die Stelle banal. Und das ist unnötig. („wenn der ausdruck trotzdem zu kompliziert, zu kühn erscheint, ergeb ich mich aber der kritik!“ Es ist schlimmer. Es ist das Gegenteil von kühn.)

      4. etwas ist absolut oder krass. – Einverstanden. Aber dann s e i e n Sie kraß. Das mit den Krähenfüßen sagt jede – ich bin mal von Herzen geschlechtspolitisch inkorrekt – also: das sagt jede Samstagsnachmittagsfleischersgattin zu ihren Samstagsnachmittagsfleischersgattinnenfreundinnen.

      5. „nun ja, die einzige nettigkeit, die ich mir beim schreiben erlaube, ist, dass die absolutheit, nach der mein ausdruck strebt, doch auch seinen reiz habe. – oder doch nicht?“ Nein. Doch nicht. Sie sind im Gegenteil viel zu nett mit sich in diesem Text – und kokettieren mit dem Unnetten.

    • sirenomele sagt:

      nicht kokett die frau im spiegel hat aschblondes, langes haar, in das sie einen seitenscheitel gekämmt hat. sie hat einen slawischen typus – das gesicht ist breit mit hohen wangenknochen. sie hat aufgeworfene lippen, eine flache nase und zierliche, zur schläfe gebogene augenbrauen.

      wenn du näher herankämest, würdest du die spannung ihrer mundwinkel wahrnehmen und daran ihr alter erkennen. du würdest ihre ungesunde haut duch das make-up durchscheinen sehen und bemerken, dass ihre augen am unteren rand gerötet sind. an den äußeren enden haben sie krähenfüßchen.

  9. ROSENBLUT sagt:

    Vor der neuen Aufgabe. Gesicht. Herbsüßes Körperstückchen. Aus morbiden Birnenporen schimmert Haut. 4 Zentimeter Stirne tragen eine Falt’ zwischen nonchalant schraffierten Braunen, parallel ziert eine zweite bis zum Nasenrücken meines Antlitz Innenausdruck. Schläft Lidschlag um Lidschlag ganz im Mossgrünpaar begraben, fährt abwärts ohne Schlingen, bleibt am Rande vor dem Abgrund mit dem Augenblick zum Spiegel nur ein Sprung vom Stups. Pauste Backen flöten ganz barock eine Alpenbergkulisse an feinster Härchen Ohren bis am weichen Nasenflügelbeben, welch Widersinn, melancholisch Linien ihrer Enden willen in der Lippe kargen Delta münden. Zarter achtern breiter Hügel, Auf und Ab in den Bug des Kinns schäumen die Konturen, fallen Sehnen steil im Halse, bleiben an den Schultern stecken.

    Ich raufe mir die Haare vom Kopfnest der Amsel und finde ein rotes. Verhangen vorm weißen Oval.

    • sirenomele sagt:

      ich verstehe, rosenblut, den sinn deiner groteske.

      poetischen umgang mit sprache zu betreiben, das heißt nicht unbedingt, sich lüstern in das vokabular des 19. jahrhunderts zu sürzen mit erinnerungen an den expressionismus die syntax zu spreizen. ich suche nach wegen zeitgenössischen ausdrucks. das bleibt eben oft experiment.

    • ROSENBLUT sagt:

      @sirenomele Was ich darstellen möchte und was Sie wahr nehmen. Wie verstehen Sie den Sinn? Was haben Sie verstanden? Bitte erklären Sie mir das näher. Ich schreibe (er)fühlend und kenne weder das Wesens eines Vokabulars aus dem 19. Jahrhunderts noch definierte Merkmale diverser Literatur/Kunstepochen. Wenn Sie mich dort einordnen, muss ich wohl die nächste Woche in der Bibliothek verbringen, um Wissen aufzuholen. ;).

      Was ich wollte: Die „lüsternen“ Kopfbildern (finde ich nicht – warum verbindet sich das Wort Barock meist wie von selbst mit diesem Adjektiv!!??) dienten, mich vom denken abzulenken. Mein Gesicht soll 1:1 wiedergegeben werden. Ich wollte eine Sprache finden, die weder Interpretationen des Lesers noch meine persönlichen Gedanken, Assoziationen zulässt. (hab ich nicht) Doch wie geht das, nicht denken geht nicht! Weder auf der einen und der anderen Seite. Auch der Satz: „Mein Gesicht ist Gesicht“ Ist nicht präzise genug, so dass an der (meiner) Wortabbildung des Spiegelbildes möglich ist, mein Gesicht übereinstimmend zu malen. Also welche Sprache, welche Worte sind ohne Symbolik, Methapher und doch begrenzent, so rational, dass nicht das kleinste Detail verloren geht oder abgewandelt werden kann. Kann ich das als Mensch überhaupt so beschreiben!!??

      Macht man vom Spiegelbild eine Foto mit einer Digitalkamera oder einem Scanner entsteht eine Datei, eine Seite voller Codierungen und Zahlen. Ist das eine Sprache und wäre es Literatur!!??. Ich weiß nicht.

      Die letzte Version Ihres Textes liest sich weich. Ich finde ihn schön und eigen.

    • @sirenomele. @Rosenblut. Weswegen sollte Lüsternheit n i c h t zeitgenössischer Ausdruck sein? Wer bestimmt das? Geraden Weges die von Aristoteles und Monotheismus vorgezeichnete Linie weiterverfolgen – d a s wäre es? Es gibt manche, die das meinen, ich meine das nicht.
      Man kann ein Gesicht nicht 1:1 wiedergeben, in Sprache, es würde ja sonst das Gesicht und nicht das-Gesicht-in-der-Sprache; es wäre auch ganz unnötig, weil es nur nachahmend wiederholte (Mimesis). Nur: Daß dem so ist, dafür ist ein Gespür zu entwicklen, wenn man zu schreiben beginnt. Dazu diente meine kleine Aufgabe: Das Wort ist begrenzt und für Organe unfruchtbar, es kann weder zeugen noch empfangen. Fruchtbar ist das Wort immer nur wieder im Wort, in der Abstraktion (die sich in den meisten aus ihr entstehenden Texten als Beschreibung von Erlebtem/Fantasiertem tarnt – als positives oder negatives Ich-Ideal). Das Wort tut so, als umfaßte es alles („Alles ist ein Text“), aber es rührt die Dinge nicht einmal an. Wir sind Tausender Gedanken voll, aber wenn wir uns einfach nur beschreiben sollen, versagen wir. So fremd ist man von sich. – Ich bin’s mir auch: Es geht hier nicht darum, andere vorzuführen. Ich versuche, ein Verständnis für Verfallen-sein, Gefallen-sein, entfernt-sein zu vermitteln.

    • sirenomele sagt:

      @rosenblut @rosenblut

      vorweg: ich danke für das lob.

      ‚der sinn der groteske‘ ist, meine ich, ein ganz heilsamer sinn. (und es stimmt nicht, dass das vokabular aus dem 19. Jahrhundert stammt. ich entschuldige mich. ich hätte sagen sollen: z.b. einige grammatische formen.)

      ich nehme ihnen nicht ab, dass sie erfühlend ihr eigenes gesicht beschrieben haben bzw. ich glaube, dass die person, die das geschrieben hat, literarisch ernsthafter ist als rosenblut. ‚morbide birnenporen‘ zum beispiel – da haben wir den konflikt: das klingt auf eine trashige art schön, obwohl es gänzlicher unsinn ist. wer ‚morbide birnenporen‘ schreibt, der hat nicht ernsthaft gesehen, nicht ernsthaft gefühlt, der hat wunderbaren trash gemacht.

      wenn das alles nicht stimmt, was ich sage, würden sie über ihren vorgegebenen horizont immerhin sehr intelligent hinausagiert haben:

      ‚was ich wahr nehme‘ – z.b. den ersten satz (?): ‚Gesicht.‘ das hat eine herrliche performanz: vor lauter pathetischer sprachlosigkeit nur darauf hinweisen, dass da ein gesicht ist. gibt es die möglichkeit, dass es nicht pathetik war, sondern ein anderer grund? mir fällt keiner ein. also habe ich nicht willkürlich hineingelesen. – der sinn dieser performanz parodiert andererseits schön das grundsätzliche problem meiner ersten textfassung.

      es gibt ein problem mit den gefühlen. sirenomele konnte in ihrer ersten textfassung davon nicht abstrahieren, sie nehmen es in ihrem text parodistisch (oder auch nicht) zum ansatz. anh hat die teilnehmer des virtuellen seminars mehrmals und mehr oder weniger explizit auf dieses problem hingewiesen. das ‚schicksal des gesichts‘ darf nur an der beschreibung selbst evident werden. er duldet dabei auch keine ambivalenz der evidenz. der text soll eindeutige antworten liefern.

      ein zweites problem, das sich hier auftut: der realitätsgrad von literatur. – man sollte vielleicht bedenken, dass die aufgabe einen autobiographischen aspekt hat.

      – sirenomele sagt, dass das, was sie über ihr spiegelgesicht sagt, ihr gesicht selber ist. sie beruft sich auf einen etymologischen aspekt von ‚porträt‘; der text setzt eine eigene wirklichkeit und wird absolut – ja, sirenomele hat jetzt zwei gesichter und der kontingenz der sache zufolge unendlich viele. das macht aber nichts.
      – rosenblut schreibt auf, was er erfühlend erblickt. das hat sirenomele zwar leider auch getan, aber sie rechtfertigt es anders. rosenblut spricht von ‚wortabbildung‘. sirenomele würde dies kritisieren: es gibt keine hierarchie von bild und abbild. das eine ist ein gesicht, das andere ist ein text. sprache kann nicht ‚abbild‘ sein, sie ist etwas von der sache her verschiedenes. sprache sollte erst gar nicht versuchen, abbildlich zu sein.
      – da würde wohl anh widersprechen. seiner aufgabe zufolge sollte man wenigstens versuchen, ein getreues abbild zu schaffen – das ist die herausforderung –

      das ist etwas, was sirenomele begriffen hat und als zeichen ihrer verwirrung vorerst in der dritten person von sich spricht. aber sie möchte noch eines sagen:

      ‚Macht man vom Spiegelbild eine Foto mit einer Digitalkamera oder einem Scanner entsteht eine Datei, eine Seite voller Codierungen und Zahlen. Ist das eine Sprache und wäre es Literatur!!??.‘ – ich glaube schon, dass es sprache ist und ich finde die idee als experimentellen literarischen ansatz ganz großartig! (das problem ist vielleicht die kamera im bild. das verkompliziert die inneren strukturen der selbstreflexion enorm)

    • @sirenomele. Eine großartige Replik!

      dass das vokabular aus dem 19. Jahrhundert stammtDas spräche nicht unbedingt gegen Modernität, bzw. Zeitgenossenschaft. Neben der Irreversibilität des Zeitstrahls, zugleich damit, gibt es auch die Entwicklung in Zyklen, zu denen notwendigerweise Regresse gehören.‚morbide birnenporen‘ zum beispiel – da haben wir den konflikt: das klingt auf eine trashige art schön, obwohl es gänzlicher unsinn istStimmt. wer ‚morbide birnenporen‘ schreibt, der hat nicht ernsthaft gesehender w o l l t e nicht ernsthaft sehender hat wunderbaren trash gemacht„wunderbar“? Da bin ich mir nicht sicher. Über Trash und die zeitgenössische Liebe zu ihm, siehe den Erfolg Tarantinos, und über die Gründe dafür müßte man mal eigens sprechen. Ich teile diese Liebe entschieden n i c h t, sondern glaube, daß sie aus einer (unbewußten!) Abwehrbewegung entsteht, die in >>>> Moravias „Desideria“ Profanierung genannt wird. [Ich meine im Link folgende Stelle: „Fixpunkt des Syberbergschen Geschichtsverständnisses und seiner Ästhe-tik, ja Fluchtpunkt im Sinne des Punktes, dem er durch seine Kunst zu ent-kommen trachtet, ist die Französische Revolution, der Göttersturz der alten Welt, nach dem eine Entsakralisierung und Profanierung des Lebens einge-treten sei. In der vollends profan gewordenen Moderne entschwanden Mythos und Natur als Mittelpunkte der Kunst; schließlich bleiben auch von der beschleunigten Geschichte nur Fragmente. Wie nur ein Romantiker beklagt Syberberg den Verlust der Mitte der Kunst, und wie die deutschen Frühro-mantiker will er ihr mit einer neuen, einer künstlichen Mythologie eine neue Mitte schaffen, die sie zur Totalität entfalten kann. Syberberg schließt an das Projekt einer ästhetischen Revolution der Moderne aus dem Geiste des Mythos an.“)‚was ich wahr nehme‘ – z.b. den ersten satz (?): ‚Gesicht.‘ das hat eine herrliche performanz: vor lauter pathetischer sprachlosigkeit nur darauf hinweisen, dass da ein gesicht ist.…funktioniert aber nur in der Neuen Deutschen Rechtschreibung, in der alten hätte es „was ich wahrnehme“, zusammengeschrieben, geheißen und den Doppelsinn nicht zugelassen…es gibt ein problem mit den gefühlen. sirenomele konnte in ihrer ersten textfassung davon nicht abstrahieren, sie nehmen es in ihrem text parodistisch (oder auch nicht) zum ansatz.… nach A r t einer Parodie, also uneigentlich… die allerbeliebtestes Ausflucht…das ‚schicksal des gesichts‘ darf nur an der beschreibung selbst evident werden.Es soll v e r s u c h t werden, nur daran evident zu werden. er duldet dabei auch keine ambivalenz der evidenz. der text soll eindeutige antworten liefern.Es ist aber nicht heraus, ob solche eindeutigen Antworten lieferbar sind. Indem ich die Ambivalenz nicht erlaube, werfe ich Sie mitten in sie hinein. Man kann darüber lange theoretisieren, wichtig ist, sie zu e r f a h r e n.man sollte vielleicht bedenken, dass die aufgabe einen autobiographischen aspekt hatHat sie das? Ist nicht genau der Gedanke, sie habe das, schon ein Fehlschluß? Die Autobiografie ist a u ß e r h a l b des Gesichtes, schon gar eines in einem Spiegel. Das ist erst einmal nur Reflexion von Licht aus einer Fläche. Alles andere tun w i r hinzu. Die Übung will versuchen, diese Zutaten zu reduzieren.der text setzt eine eigene wirklichkeit und wird absolutGenau. Wenn dem aber so ist, dann kann ich daraus Konsequenzen ziehen – nicht jetzt´in der Aufgabe, da schneide ich Ihnen die Konsequenzen ja gerade weg, aber in der dann täglichen Arbeit. Wir fangen so an zu verstehen, was Realität i s t und was sie eben n i c h t ist.es gibt keine hierarchie von bild und abbildDoch. Es gibt sie. Aber sie ist immer schon vorgängig gesetzt. Dichtung hat eine Tendenz, dieses Verhältnis umzukehren. Die schönste Erzählung, die darüber, meines Wissens, geschrieben wurde, ist die von >>>> Dorian Gray. das eine ist ein gesicht, das andere ist ein text.Exakt. sprache kann nicht ‚abbild‘ sein, sie ist etwas von der sache her verschiedenes. sprache sollte erst gar nicht versuchen, abbildlich zu sein.*Lacht auf. Jou! (Es gibt daraus aber eine ernste Konsequenz, die etwas über Wahrheitsfunktionalität exakter Wissenschaften, aber auch germanistischer Interpretationen sagt und einen bösen Strich durch den abendländischen Glauben an Identität zieht.)– da würde wohl anh widersprechen.Nö. Siehe oben. seiner aufgabe zufolge sollte man wenigstens versuchen, ein getreues abbild zu schaffen – das ist die herausforderung –Es ist die Herausforderung, etwas grundsätzlich Widersprüchliches s i n n l i c h wahr werden zu lassen, wahrnehmbar werden zu lassen, und zwar evident. >>> Dichtung ist Lüge.das ist etwas, was sirenomele begriffen hat und als zeichen ihrer verwirrung vorerst in der dritten person von sich spricht.… und was ein ganz großartiger, eminent poetischer Ansatz ist!

    • @Rosenblut. (Zu Vor der neuen Aufgabe). Gesicht. [Unnötig, weil die Aufgabenstellung es ja schon sagt. Sie hätten denn mit dem Begriff „Gesicht“ hier sprachlich etwas angefangen. Tun Sie aber nicht.] Herbsüßes Körperstückchen [:dieses Bild bekomm ich nicht nachgefühlt, oder vorgefühlt. Es ist wohl das „stückchen“, das sich nicht auf das Gesicht legen läßt.]. Aus morbiden Birnenporen [Dazu hat >>>> sirenomele schon Richtiges gesagt. schimmert Haut. 4 Zentimeter Stirne [wieso die Dativziselierung?] tragen eine Falt’ [:ohne die Dativziselierung sehr viel stärker.] zwischen nonchalant schraffierten Braunen [hübsch, dieses Spiel von „Brauen“ und „Braunen“, das ist gelungen.], parallel ziert eine zweite [:dann aber konsequent sein!: „ziert eine zweit’“] bis zum Nasenrücken meines Antlitz [:apostrophieren: „Antlitz’“.] Innenausdruck. Schläft Lidschlag um Lidschlag ganz im Mossgrünpaar begraben [:Bildfehler: Ein Lidschlag schläft allenfalls ü b e r den Augen, nicht in ihnen. Und meinen Sie „moosgrün“ oder tatsächlich „mossgrün“?] , fährt abwärts [:der Lidschlag?] ohne Schlingen, bleibt am Rande vor dem Abgrund mit dem Augenblick [:das wird nicht deutlich zu Bild.] zum Spiegel [d a s wiederum ist gut:] nur ein Sprung vom Stups. Pauste Backen flöten ganz barock eine Alpenbergkulisse [:schön schö schön: hier bekommt man wirklich einen Typ als Bild; übrigens hat d i e s e r Barock w e n i g Erotisches… weil Sie Eros und Barock >>>> in Ihrer Replik an serenomele eigens zitierten.] an feinster Härchen Ohren bis am weichen Nasenflügelbeben, welch Widersinn, melancholisch Linien ihrer Enden willen in der Lippe kargenm Delta münden. Zarter achtern breiter Hügel, Auf und Ab in den Bug des Kinns schäumen die Konturen, fallen Sehnen steil im Halse [unnötige Dativziselierung.] , bleiben an [: nicht besser: „ i n den Schultern stecken“?] den Schultern stecken.

      Ich raufe mir die Haare vom Kopfnest der Amsel und finde ein rotes [diesen Punkt würde ich einfach streichen:]. Verhangen vorm weißen Oval.

  10. Maximilian Prang sagt:

    Nächster Versuch Na gut, ich will die erneute Aufforderung Herrn Herbsts wahrnehmen und mein Gesicht mit der Schärfe und Kälte eines Skalpells aus dem Spiegel schneiden. Korrekter Weise fange ich ganz oben an. Top- down- Verfahren:

    Ganz oben: Das dürfte eine der Haarspitzen sein. Ich kann allerdings keine einzelne, herausragende erkennen. Jedoch: Eines der Haare wölbt sich in Parabelform zum höchsten Punkt, taucht mit der Spitze wieder ins Resthaar ein. Dementsprechend verlieren sich seine Pigmente vor dem hellen Hintergrund des Hintermir. Erst in der Masse prägt es das individuelle Merkmal ‚dunkelblond’ aus. Für sich ist es transparent. Ich versuche es mit den Augen zu fixieren, das Skalpell anzusetzen. Je fester ich zupacke, umso deutlicher entzieht es sich meinem Blick. Die Photonen der Deckenlampe werden bei speziellem Einfallswinkel über die Haarparabel in meine Augen reflektiert. Dadurch entsteht ein dünner, leicht gekrümmter Lichtstreifen dort, wo sich das Haar mutmaßlich befinden muss. Sieht aus wie eine winzige, eingefrorene Sternschnuppe. Die einzige Information, der einzige Anknüpfungspunkt: Eine Sternschnuppe. Ich denke: Haar. Das Wort verklingt in meinem Kopf, bekommt nichts zu fassen. Ich sage: Haar. Der Laut verhallt im Bad, dringt nicht durch die Oberfläche des Spiegels. Ich schreibe: Haar. Die Lettern verschwimmen, sagen mir nichts mehr. Ich zweifle: Haar? Hahr? Hah? Haa? H?
    Meine Hand greift automatisch zu den Augen, reibt sie. Zurück zu den Fakten: Ich schaue genauer hin, als hätte jemand zum Himmel gezeigt: „Schau! Eine Sternschnuppe!“. Schon zu spät. Sie verschwindet abermals mit der Vehemenz meines Blickes. Am Punkt meiner Fixierung bildet sich ein leerer Raum aus. Ich muss meine Lider schließen, um wieder zu sehen. Ich denke: Haar. Und – da ist es! Das Haar. Die Kopfhaut mit einem schematischen Haar und einer freundlich grinsenden Milbe. Eine Zeichnung aus meinem Kinderbuch. Mein Anteil an der platonschen Idee. Endlich.
    Ich bin auf dem Bedeutungshof angelangt. Ich schaue mich um. In der Mitte des Hofes liegt ein einzelnes leuchtendes Sandkorn. Es strahlt kreisförmig auf die Pflastersteine aus. Ich stehe noch einige Schritte davon entfernt. Wo sich der Lichthof verliert, tauchen die Pflastersteine zunehmend in Dunkelheit. Seltsamer Weise zieht mich diese Dunkelheit stärker an, als das Licht. Ich wage einige Schritte in sie hinein, halte meinen Arm schützend und suchend nach vorne ausgestreckt. Zuerst sehe ich die festen Steine unter mir noch schemenhaft, dann hat es für einen kurzen Augenblick den Anschein des absoluten Nichts. Plötzlich dieser Geruch. Ein süßlich, schweißiger Geruch. Der Geruch eines Fells. Instinktiv bekomme ich Angst. Eine lähmende Angst. Etwas nähert sich oder ich nähere mich ihm. Ein überheller Ton durchsticht mein Ohr. Panisch packe ich zu, greife in ein Fell. Vor mir öffnen sich zwei Augen. Ein Schrei gefriert in meinem Hals. Ich erstarre, reiße panisch die Lider hoch. Die zwei Augen vor mir – es sind meine, im Spiegel. Meine Finger berühren die reflektierende Fläche.

    Ich schaue auf die Haarparabel.

    Jetzt will ich es wissen! Definitiv. Ich schließe wiederum meine Augen, denke: Haar. Die Zeichnung aus dem Kinderbuch. Dann der Bedeutungshof. Diesmal gehe ich in die andere Richtung, auf das Licht zu. Meine entschlossenen Schritte treffen auf die Pflastersteine. Einer beginnt zu wackeln. Ich teste seine Festigkeit mit meiner Fußspitze. Unproblematisch. Doch bereits mit dem nächsten Schritt beginnt auch das Gefüge in seinem Umfeld zu wackeln. Vorsichtig setze ich meinen Fuß. Der Boden scheint immer noch zu tragen. Ich bin nicht mehr weit entfernt. Plötzlich beginnen einige Steine nach unten weg zu brechen. Meine Schritte finden immer weniger festen Halt. Das Gefühl des Fallens stellt sich bereits in meinem Körper ein. Jedoch: Mit einem letzten Sprung greife ich das Sandkorn. Ende.
    Ich komme mir vor wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“, der das letzte Lichtkorn benennen muss. Ich betrachte es, doch seine Helligkeit blendet mich. Ich kann nichts erkennen. Absolute Dunkelheit. Ich schließe meine Augen und sehe mich selbst mit geschlossenen Lidern vor dem Spiegel stehen, die Hand an der reflektierenden Fläche.

    Die Haarparabel.

    Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. – Die Mathematik.

    Errechnung des Maximums der Haarparabel:

    Axiome: 1) Auf meinem Kopf befindet sich ein Kartesianisches Koordinatensystem
    2) Das Haar beschreibt eine Normalparabel von der Form: (i) f(x) = – x2
    3) Die Parabel berührt das Koordinatensystem im Ursprung

    Notwendige Bedingung für ein Maximum: f’(x) = 0; xM : x- Wert im Maximum;
    yM : y- Wert im Maximum;

    f’(x) = -2x
    → 0 = -2x ↔ xM = 0
    Einsetzen in (i) ergibt: f(0) = 0 ↔ yM = 0

    Hinreichende Bedingung: f’’(x) < 0

    f’(x) = -2x
    → f’’(x) = -2 q.e.d

    Meine Berechnungen ergeben also, dass das Maximum der Haarparabel und somit der Anfang meines Kopfes im Punkt P(xM/yM) = P(0/0) liegt. Er ist folglich im wahrsten Sinne des Wortes ursprünglich. Was mich nicht wundernimmt, denn genau dieses Ergebnis habe ich in den Axiomen bereits festgelegt. Die Präzision meiner neuen Sprache geht leider zu Kosten der Realitätsnähe. Ich habe bei der Berechnung nämlich eine Kleinigkeit ausgespart: Das restliche Universum, inklusive mich selbst.

    Ich entschließe mich, das Haar einfach herauszurupfen und von neuem zu beginnen. Ich habe ja noch rund 20 000 Versuche und dann eine Glatze. Langsam beginne ich zu verstehen, was Sie uns über das Wasserglas sagen wollten, Herr Herbst.

    • @ Maximilian Prang (fff). (Zum neuen Versuch). Bravouröse Lösung, vor allem im Abdrehen am Ende. Das ist toll. Aber reduzieren Sie den Text jetzt, nehmen Sie alles raus, was geschwätzig ist. Ich geh dazu nur mal über den Anfang und kommentiere, den Rest machen Sie selbständig.

      Ganz oben: Das dürfte eine der Haarspitzen sein [Wie wir gleich hören werden: eben nicht. Also überflüssig, reines Einstiegsgeschwurmel:]. Ich kann allerdings keine einzelne, herausragende erkennen. Jedoch: [Hier fangen Sie eigentlich erst an:]Eines der Haare wölbt sich in Parabelform zum höchsten Punkt, taucht mit der Spitze wieder ins Resthaar ein. Dementsprechend [:Gestelze.] verlieren sich seine Pigmente [:die Pigmente des Haars?] vor dem hellen Hintergrund des Hintermir. Erst in der Masse prägt es das individuelle Merkmal ‚dunkelblond’ aus. Für sich ist es transparent. Ich versuche es mit den Augen zu fixieren, das Skalpell anzusetzen. Je fester ich zupacke, umso deutlicher entzieht es sich meinem Blick. Die Photonen der Deckenlampe werden bei speziellem Einfallswinkel über die Haarparabel in meine Augen reflektiert. Dadurch entsteht ein dünner, leicht gekrümmter Lichtstreifen dort, wo sich das Haar mutmaßlich befinden muss. Sieht aus wie eine winzige, eingefrorene Sternschnuppe. Die einzige Information, der einzige Anknüpfungspunkt: Eine eingefrorene Sternschnuppe. Ich denke: Haar. Das Wort verklingt in meinem Kopf, bekommt nichts zu fassen. Ich sage: Haar. Der Laut verhallt im Bad, dringt nicht durch die Oberfläche des Spiegels. Ich schreibe: Haar. Die Lettern verschwimmen, sagen mir nichts mehr. Ich zweifle: Haar? Hahr? Hah? Haa? H?
      Meine Hand greift automatisch zu den Augen und, reibt sie. Zurück zu den Fakten: Ich schaue genauer hin, aAls hätte jemand zum Himmel gezeigt: „Schau! Eine Sternschnuppe!“. Schon zu spät. Sie verschwindet abermals mit der Vehemenz meines Blickes. Am Punkt meiner Fixierung bildet sich ein leerer Raum aus. Ich muss meine Lider schließen, um wieder zu sehen. Ich denke: Haar. Und – da ist es! Das Haar. Die Kopfhaut mit einem schematischen Haar und einer freundlich grinsenden Milbe. Eine Zeichnung aus meinem Kinderbuch. Mein Anteil an der Die platonischen Idee.ABSATZ.
      Endlich.
      Ich bin auf dem Bedeutungshof angelangt. Ich schaue mich um.
      In der Mitte des BedeutungshHofes liegt ein einzelnes leuchtendes Sandkorn . Es und strahlt kreisförmig auf die Pflastersteine aus. Ich stehe noch einige Schritte davon entfernt. Wo sich der Lichthof verliert, tauchen die Pflastersteine zunehmend in zunehmende Dunkelheit. Seltsamer Weise zieht mich diese Dunkelheit stärker an, als das Licht. Ich trete wage einige Schritte in sie hinein, suchend stecke ich halte meinen Arm aus schützend und suchend nach vorne ausgestreckt. Noch sind unter mir Zuerst sehe ich die festen Steine unter mir noch schemenhaft, dann ist hat es für einen kurzen Augenblick den Anschein des absoluten nur noch Nichts. Bis auf den Plötzlich dieser süßlichen Geruch. Ein süßlich, schweißiger Geruch. [:Im übrigen riecht Schweiß spitz, nicht süßlich. Süßlich ist Geschlechtsgeruch.] Es ist dDer Geruch eines Fells. [Das hier muß e r z ä h l t und darf nicht nur äußerlich behauptet werden:] Instinktiv bekomme ich Angst. Eine lähmende Angst. Etwas nähert sich oder ich nähere mich ihm. [Hier jetzt nicht übertreiben!:] Ein überheller Ton durchsticht mein Ohr. Panisch packe ich zu, greife in ein Fell. Vor mir öffnen sich zwei Augen. Ein Schrei gefriert in meinem Hals. Ich erstarre, reiße panisch die Lider hoch. Die zwei Augen vor mir – es sind meine, im Spiegel. Meine Finger berühren die reflektierende Fläche.

      Ich schaue auf die Haarparabel.
      [DER FOLGENDE ÜBERGANG SITZT NICHT:]
      Jetzt will ich es wissen! Definitiv. Ich schließe wiederum meine Augen, denke: Haar. Die Zeichnung aus dem Kinderbuch. Dann der Bedeutungshof. Diesmal gehe ich in die andere Richtung, auf das Licht zu. Meine entschlossenen Schritte treffen auf die Pflastersteine. Einer beginnt zu wackeln. Ich teste seine Festigkeit mit meiner Fußspitze. Unproblematisch. Doch bereits mit dem nächsten Schritt beginnt auch das Gefüge in seinem Umfeld zu wackeln. Vorsichtig setze ich meinen Fuß. Der Boden scheint immer noch zu tragen. Ich bin nicht mehr weit entfernt. Plötzlich beginnen einige Steine nach unten weg zu brechen. Meine Schritte finden immer weniger festen Halt. Das Gefühl des Fallens stellt sich bereits in meinem Körper ein. Jedoch: Mit einem letzten Sprung greife ich das Sandkorn. Ende.
      Ich komme mir vor wie Bastian aus der „Unendlichen Geschichte“ [:führt viel zu weit weg!], der das letzte Lichtkorn benennen muss. Ich betrachte es, doch seine Helligkeit blendet mich. Ich kann nichts erkennen. Absolute Dunkelheit.

      [VIELLEICHT EINFACH DIE PASSAGE HIERÜBER GANZ STREICHEN UND DAMIT WEITERMACHEN:]
      Ich schließe meine Augen und sehe mich selbst mit geschlossenen Lidern vor dem Spiegel stehen, die Hand an der reflektierenden Fläche, an den Axiomen:.

      Die Haarparabel.

      Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. – Die Mathematik.

      Errechnung des Maximums der Haarparabel:

      Axiome: 1) Auf meinem Kopf befindet sich ein Kartesianisches Koordinatensystem
      2) Das Haar beschreibt eine Normalparabel von der Form: (i) f(x) = – x2
      3) Die Parabel berührt das Koordinatensystem im Ursprung

      Notwendige Bedingung für ein Maximum: f’(x) = 0; xM : x- Wert im Maximum;
      yM : y- Wert im Maximum;

      f’(x) = -2x
      → 0 = -2x ↔ xM = 0
      Einsetzen in (i) ergibt: f(0) = 0 ↔ yM = 0

      Hinreichende Bedingung: f’’(x) < 0

      f’(x) = -2x
      → f’’(x) = -2 q.e.d

      Meine Berechnungen ergeben also, dass dDas Maximum der Haarparabel und somit der Anfang meines Kopfes liegenim Punkt P(xM/yM) = P(0/0) liegt. So weit mein Haar. Er ist folglich im wahrsten Sinne des Wortes ursprünglich. Was mich nicht wundernimmt, denn genau dieses Ergebnis habe ich in den Axiomen bereits festgelegt. Die Präzision meiner neuen Sprache geht leider zu Kosten der Realitätsnähe. Ich habe bei der Berechnung nämlich eine Kleinigkeit ausgespart: Das restliche Universum, inklusive mich selbst.

  11. Maximilian Prang sagt:

    @ANH Kritik Vielen Dank für die Vorschläge. Ich kann und konnte auch schon beim letzten Text Ihre Korrekturen nachvollziehen. Bei Geschwätzigkeit gibt es kein Pardon, die muss weg. Allerdings haben wir anscheinend auch eine unterschiedliche Vorstellung von Literatur. Sie gehen von einem intellektuellen Leser aus, jemand, der genauso viel Erfahrung mit komplexen Texten hat wie Sie. Aber das ist nicht mein Adressat. Ich will möglichst viele Leser erreichen. Sie haben zu meinem ersten Text angemerkt: „Sie wollen sicher nicht dem Leser nach dem Mund reden.“ Doch, in gewisser Weise schon. Ich versuche zu sein wie der Rattenfänger von Hameln, mit Leseratten. Es wäre ungeschickt, Zwölftonmusik zu spielen. Ich versuche eine Mischung aus Beethoven und Jay-Z.
    Konkret zum Text: Wenn ich das Ende entsprechend Ihrem Vorschlag kürze, dann entsteht der Eindruck, dass die Mathematik tatsächlich zu einer Lösung des Problems führe. Genau das soll allerdings nicht der Fall sein. Wenn man schreibt, dann läuft man Gefahr, dass sich die mangelnde Präzision (Bedeutungshöfe) der einzelnen Worte zum Ende hin aufsummiert und man orientierungslos dasteht. Die Mathematik schließt das aus, indem sie zu Anfang klare Axiome definiert. Allerdings kommt sie mit ihrem rein logischen Vorgehen auch immer nur zu diesen Axiomen zurück. Sie ist eine reine Umformulierung, in sich selbst gefangen, eine Tautologie. Da ich Mathematik als eine am äußeren, rationalen Spektrum angesiedelte Sprache ansehe, dachte ich, dass diese Darstellung etwas zu ihrer These mit dem Wasserglas beiträgt. Beschreibt man es mit Mathematik, dann bleibt es ein Wasserglas, benutzt man Worte, so findet es Anbindung zum Kosmos. Es gibt einen Trade-off zwischen Präzision und dem Finden von Verbindungen. Man kann nicht beides maximieren.

    • @Maximilian Prang. „Ich will möglichst viele Leser erreichen.“ Dann sollten Sie Lore-Romane schreiben. Dagegen ist nichts einzuwenden; aber: Insoweit ich hier von Literatur spreche, geht es mir um Grundlagen für Dichtung. Wobei Ihr Beethoven-Beispiel ziemlich hinkt, da gerade dieser Komponist zu seiner Zeit in einigem zurechtgestutzt wurde; ich denke da insbesondere an die Bläsereinsätze in der Dritten; um von den späten Streichquartetten zu schweige, die – Höhepunkte der globalen Kompositionskunst insgesamt – noch bis in die Fünfziger des letzten Jahrhunderts selbst Musik-Experten für mißlungen galten.
      Was Ihr mathematisches Ende anbelangt, so habe ich das durchaus als parodistisch gesehen und d a r a u f mit Lust reagiert und nicht etwa, weil ich es als einen Beschreibungsansatz ernstgenommen hätte. Es ist ja gerade das Unterlaufen des Beschreibungsansatzes.
      Der Rattenfänger von Hameln erinnert mich an den „langen Marsch durch die Institutionen“ der 68er, die ernsthaft glaubten, die Institutionen subversiv unterlaufen zu können, aber ihrerseits geradezu restlos von den Instanzen unterlaufen worden sind. Abgesehen davon, daß „ich will möglichst viele Leser erreichen“ immer schon voraussetzt, man wisse, was diese zu lesen vermögen und was nicht. Ich halte diesen Satz in seiner Endkonsequenz für manipulativ und arrogant, auch und gerade, wenn er aus einer starken Menschenliebe heraus gesprochen ist.

    • Ich habe eben einen Kommentar von ferromonte gelöscht, der mein Vorgehen persönlich kritisiert. An sich ist das in Ordnung, aber gehört nicht hier in die Werkstatt, nicht von einem, der weder an der Werkstatt teilnimmt noch eigene Texte zur Diskussion stellt. Täte er es, wäre es etwas anderes.
      Im übrigen steht es Werkstatt-Teilnehmern selbstverständlich frei, mein Vorgehen zu kritisieren; ihnen gegenüber stelle ich mich hier j e d e r Diskussion. Nicht aber einem Anwurf von außen, dem persönliche Vorbehalte zugrundeliegen.
      Genau so habe ich neulich ein Lob gelöscht, das von außen kam; auch dieses gehörte hier nicht hin. Ich habe jetzt der inneren Weisheit gehorcht und für meine persönlichen Kritiker >>>> eine eigene Rubrik eingerichtet.
      ANH
      24.11.07, 15.20 Uhr

    • Hallo Herr Prang,

      ich will agr nicht zu sehr auf die von Ihnen beanspruchte Leserschaft eingehen. Der Text den Sie formuliert haben würde aufgrund seiner Lust zu Erzählen auch jene nicht vergraulen, die Sie als Zielgruppe im Kopf haben. Und wenn doch, dann ließe sich in einem Rollback die Geschichte analog zu ANHs Streichungen in das verwandeln, was Ihnen vorschwebt, da bin ich sicher.

      Mich fasziniert viel eher, dass der Text „trotz“ der Streichungen funktioniert. Und mich fasziniert wie Streichungen funktionieren. Eine der größten Herausforderung ist für mich das Redigieren eigener Texte – ich weiß darum, wie nötig sie es hätten! Vor allem der „Geschwätzigkeit“ und dem „Redundanten“ auf die Schliche zu kommen. Beides Elemente, die auch in einfacher angelegten Texten die Qualität ausmachen (Ich möchte da Astrid Lindgren erwähnen oder auch, aktueller: Kerstin Boje, C. Funke). Einfachheit ist, glaube ich am schwierigsten herzustellen. Wenn das ihr Ziel ist, ist es eine Wahl des Sujets, viel eher, als die Wahl der Mittel. Eine mathematische Formel – nur als Beispiel – lockt nicht jeden aus der Reserve.

      Zu dem Ende der Geschichte; gekürst wurde:

      Die Haarparabel.

      Natürlich! Ich benötige eine andere Sprache, um den definitiv höchsten Punkt, den Anfang meines Kopfes zu finden, eine präzisere. – Die Mathematik.

      Errechnung des Maximums der Haarparabel:

      Axiome:

      …dann folgt die Formel…

      Meine Berechnungen ergeben also, dass dDas Maximum der Haarparabel und somit der Anfang meines Kopfes liegen im Punkt P(xM/yM) = P(0/0) liegt. So weit mein Haar. Er ist folglich im wahrsten Sinne des Wortes ursprünglich. Was mich nicht wundernimmt, denn genau dieses Ergebnis habe ich in den Axiomen bereits festgelegt. Die Präzision meiner neuen Sprache geht leider zu Kosten der Realitätsnähe. Ich habe bei der Berechnung nämlich eine Kleinigkeit ausgespart: Das restliche Universum, inklusive mich selbst.

      Ich muss feststellen, dass die Streichungen NICHTS erzählen. Sie erklären einen Prozess für den Sie ein sehr schön eingeleitetes Bild entwickelt haben. Das ist auch einem Leser, der sich vielleicht mit hoher Literatur schwer tut nicht unbedingt ein Gewinn. Kästner ist noch so ein Erzähler, der ziemlich Präzise ist. Er benutzt teilweise, wie andere Jugend und Kinderbuchautoren das Mittel des präsenten Erzählers, wenn sie die Wirklichkeitsebenen der Welt der Erwachsenen mit der der Kinder abgleichen wollen. (Ich entschuldige mich mal prophylaktisch bei allen anwesenden Germanisten und Poetikdozenten, die es wahrscheinlich besser wissen als ich – es ist lediglich meine Erfahrung als Leser und Vorleser, der ich hier folge).

      Herr Prang, wie ich Sie verstanden habe, erzähle ich nichts Neues. Es ist nur als Überlegung aus Ihrer Replik entstanden und deswegen schreibe ich es hier her. Das folgende knüpft an Ihre Kritik, Herr Prange im Grunde gar nicht an:

      Ich kann ANHs Forderung nach Dichtung gut folgen (wie Sie im Grunde ja auch), da ich es als Anspruch an eine Verdichtung von Inhalt und Sprache verstehe, die durchaus auch genreübergreifend wirkt. In Anlehnung an die Debatte, die ANH durch die Mitteilung bezüglich der Streichung eines Beitrages hier unten andeutete, möchte ich hinzufügen, dass es in dieser Werkstatt nur darum gehen kann eine Methodik zu erfahren. Es ist mit einer Meisterklasse zu vergleichen – im besten Sinne. Die Schüler verlassen sich auf die Könnerschaft des Meisters. Man erduldet den Meister auch und gerade in seiner Persönlichkeit, weil diese sein Denken und Können ausmacht (Ich glaube Ihnen, Herr ANH, wurde unter anderem Eitelkeit unterstellt – so waht?). Wer diesen Raum verlässt, der wende sich anderen Meistern zu, dass ist nur billig und recht und vor allem: notwendig.

      Ich hoffe das war nicht allzu geschwätzig…

    • sirenomele sagt:

      ‚ich will möglichst viele leser erreichen.‘ – da sträubt sich mir das nackenhaar. ganz abgesehen davon, dass ich dann keine literatur lesen möchte, die viele leser erreichen möchte. ja, ich würde sogar darum bitten, dass man mich davor verschone.

      ehrlich gesagt, wenn mir etwas vorräsonniert wird, dann empfinde ich DAS als menschenfeindlich. ich will selbst denken und selbst fühlen, denn das gehört zu mir als einem menschen. und ich möchte ernst genommen werden als leser!!! – den konsens stabilisieren, das tun schon viel zu viele.

      – und irgendwie ist das doch auch eine wichtige funktion von literatur überhaupt – das aufzubrechen, was jeder dem anderen nach dem munde zu reden glaubt.

  12. claudia_g sagt:

    Spieglein, Spieglein … Das Schönste an mir waren meine langen Haare. Eine Löwenmähne, ungezähmt und unberechenbar, ihr glänzendes Volumen erntete allgemeine Bewunderung. Der Glanz der früheren Jahre ist noch nicht ganz verloren, doch scheint er unauffälliger, kaum wahrnehmbar für jene, die sich nicht die Zeit nehmen und einen Moment lang stehenbleiben, um ihn bewusst zu betrachten. Inzwischen ist meine Haarpracht zurechtgestutzt, gebändigt vom Frisör. Beim letzten Besuch büßte sie auch ihr Volumen ein, um den Anforderungen für den modernen Bubikopf zu entsprechen. Jetzt sind meine Haare aufgeräumt, mit einem Schnitt für praktische Frauen, die nicht die Zeit haben sich jeden Morgen die Haare zu machen und kunstvolle Alltagsfrisuren zu zaubern, oder die Haare jeden Tag zu waschen und zu föhnen. Mit einem Schnitt für dynamische Frauen, die nicht im Nacken schwitzen wollen, und sich das schöne Gesicht auch nicht mit Haaren wie Vorhängen zudecken wollen. Mit einem Schnitt für geradlinige Gesichtszüge. Einen farblichen Akzent setzt die dunkelbraune Tönung, sie passt gut zu den dunklen Brillen. Die sind neu und zentraler Blickfang im sonst ungeschminkten Gesicht. Sie haben diese Form wie man sie heutzutage häufig sieht, Rechtecke um die Augen, aber die Rechtecke meiner neuen Brille sind leicht geschwungen und wirken mädchenhaft und schenken dem Gesicht eine angenehme Sanftheit. Die optischen Gläser verkleinern die dahinterliegenden, blaugrünen Augen, die wie Katzenaugen aussehen, wenn man sie geschickt betont. Neugierig schauen sie hervor und glänzen, wenn ich lache. Mein Lachen ist ansteckend. Es ist herzlich und ehrlich, aber nicht von der übertriebenen Fröhlichkeit, mit denen einem manche Mitmenschen begegnen. Ich mag meine ausgeprägten Lachfalten um Mund und Augenwinkeln, sie haben Charakter und vermitteln eine gewisse Seriosität. Tatsächlich haben sich die meisten Fältchen um meinen Mund und den Kinnbereich versammelt, sie erscheinen aber nur wenn ich Grimassen schneide, was selten genug vorkommt. Vielmehr vermittelt mein Mund mit seiner einzigartigen Mimik Emotionen, die manchmal lieber unbemerkt sein wollen, sich aber dennoch nicht verstecken. Die Lippen sind solide, von einem bleichen Rot, weder dünn noch dick oder besonders aufregend. Sie verdienen Anerkennung, denn sie bilden eine erfolgreiche Synergie mit meinen ebenmäßigen, weißen Zähnen und bekommen dadurch eine nicht zu unterschätzende Menge an Aufmerksamkeit.
    Mein Gesicht wirkt um Jahre jünger, als es eigentlich ist. Es trotzt geschickt den Stürmen und Niederschlägen während den Jahreszeiten und holt sich seine enorme Lebensenergie von niemand geringerer als der Sonne. Selbst Dürreperioden hält es erfolgreich stand und sieht dabei noch vital und gepflegt aus. Es ist ein Überlebenskünstler, ein unverbesserlicher Optimist und Schönfärber, ein Träumer, das sich beinahe ins eigene Spiegelbild verliebt hat.

    • @claudia_g. Mit einer prinzipiellen Bemerkung für alle. Das ist aber ein schöner Text! Er spielt auf eine angenehme Weise mit dem Ich-Ideal und läßt völlig offen, ob dieses Ich-Ideal einer Realität entspricht oder Wunschbild ist. Beides ist möglich, auch die Mischung von beidem, mit je unterschiedlichen Anteilen, ist möglich. Es ist ein offener Text für offene Menschen, die kein Problem damit haben, sich zu mögen. Es ist eine Art Gegentext zu >>> der mathematischen Parodie und hat dieselbe Qualität, eine Lösungsidee zu entwickeln.
      Prinzipiell: Wenn Sie sich „abschreiben“, haben Sie alles poetische Recht der Welt, das auch nicht-kritisch zu tun, alles Recht der Welt, sich zu verschönen, alles Recht der Welt, eine F i g u r zu entwerfen. Wichtig ist dabei, daß Sie dieses Abschreiben k ö n n e n, also deutlich sehen, was Sie dann poetisieren. Und wichtig ist, daß eine Art Psychogramm der Figur dabei herauskommt, die transferierbar ist, die sich also von Lesern nachfühlen läßt. Im Fall d i e s e s Textes hier glaube ich, daß man schon arg verdünnt sein muß, um da nicht ein Lächeln auf die Lippen gestrichen zu bekommen. (Ich hätte mir nur an Ihrer Stelle den letzten Nebensatz abgespart, weil er die ganze Bewegung mit einem kleinen schlechten Gewissen wieder durchstreicht. Das hat der Text nicht nötig.)
      Und wie immer: Dennoch. Im einzelnen:

      Das Schönste an mir waren [Klasse Einstieg, wenn man sich die Aufgabenstellung vor Augen führt. Das ist ausnehmend frech, da mit dem Imperfekt anzufangen. Man ist sofort davon eingenommen.] meine langen Haare [Und aber: „Mein langes Haar“; bitte darauf achten.]. Eine Löwenmähne, ungezähmt und unberechenbar, ihr glänzendes Volumen erntete [Idiomatik zu abgegriffen, da finden Sie was anderes.] allgemeine Bewunderung. Der Glanz der früheren [Streichung: sie bekommen eine Anspielung mit hinein, eine ausgesprochen ironische, weil man sofort ans „Brot der frühen Jahre denkt. Solche indirekten Schlenker ließe ich mir nicht entgehen.] Jahre ist noch nicht ganz verloren, doch scheint er unauffälliger zu sein [!!!], kaum wahrnehmbar für jene [„jene“ ist immer unschön, wenn nicht ein „diese“ vorausgegangen ist, wenn man also nicht einen Kreuzbezug herstellen will; ich ziehe bei sowas immer „jemanden, der“ vor – auch wenn das den Nachteil patriarchaler Sprachstrukturen im Gefolge hat], die sich nicht die Zeit nehmen und einen Moment lang stehenbleiben, um ihn bewusst zu betrachten. Inzwischen ist meine Haarpracht zurechtgestutzt, gebändigt vom Frisör [Vielleicht einfacher, um Redundanz zu vermeiden: „vom Friseur zurechtgestutzt“.]. Beim letzten Besuch büßte sie auch ihr Volumen ein, um den Anforderungen für den modernen Bubikopf zu entsprechen. Jetzt sind meine Haare aufgeräumt [das „aufgeräumt“ ist toll.], mit einem Schnitt für praktische Frauen, die nicht die Zeit haben sich jeden Morgen die Haare zu machen und kunstvolle Alltagsfrisuren zu zaubern, oder die Haare jeden Tag zu waschen und zu föhnen [Hier wäre weniger Erklärung mehr Präsenz, schon weil der „Schnitt für praktische Frauen“ sehr stark ist und man den Ausdruck durch Erklärung abschwächt.]. Mit einem Schnitt für dynamische Frauen, die nicht im Nacken schwitzen wollen, und sich das schöne Gesicht auch nicht mit Haaren wie Vorhängen zudecken wollen. Mit einem Schnitt für geradlinige Gesichtszüge. Einen farblichen Akzent setzt die dunkelbraune Tönung, sie passt gut zu den dunklen Brillen [Das macht den Eindruck, als trüge die Beschriebene mehrere Brillen gleichzeitig.]. Die sind neu und zentraler Blickfang im sonst ungeschminkten Gesicht. Sie haben diese Form wie man sie heutzutage häufig sieht [Das ist ein Un-Satz.], Rechtecke um die Augen, aber die Rechtecke meiner neuen Brille [also doch nur eine…] sind leicht geschwungen und wirken mädchenhaft und schenken dem Gesicht eine angenehme mädchenhafte Sanftheit. Die optischen Gläser verkleinern die dahinterliegenden, blaugrünen Augen, die wie Katzenaugen aussehen, wenn man sie geschickt betont [:sowieso, da vorher erzählt worden ist, die Frau schminke sich nicht.]. Neugierig schauen sie hervor und glänzen, wenn ich lache. Mein Lachen ist ansteckend. Es ist herzlich und ehrlich, aber nicht von der übertriebenen Fröhlichkeit, mit denen einem manche Mitmenschen begegnen [Nicht moralisieren.]. Ich mag meine ausgeprägten Lachfalten um Mund und Augenwinkeln, sie haben Charakter und vermitteln eine gewisse Seriosität [Hier gerät man ins Nachdenken. Es i s t etwas an der Formulierung, aber sie stört auch. Eine Lösung habe ich momentan nicht. Den Gedanken selbst sollte man auf keinen Fall verlieren, aber der Schwung darf nicht retardieren.]. Tatsächlich haben sich die meisten Fältchen um meinen Mund und den Kinnbereich versammelt, sie erscheinen aber nur wenn ich Grimassen schneide, was selten genug vorkommt [erklärender Unfug.]. Vielmehr vermittelt mein Mund mit seiner einzigartigen [Das ist zuviel. Man sollte als Leser völlig ungewiß bleiben, ob die Autorin etwas ernst meint oder nicht.] Mimik Emotionen, die manchmal lieber unbemerkt sein wollen, sich aber dennoch nicht verstecken. Die Lippen sind solide [:Toll. Und zwar h i e r, weil es eigentlich überhaupt nichts sagt und trotzdem ein Bild schafft.], von einem bleichen Rot, weder dünn noch dick oder besonders aufregend. Sie verdienen Anerkennung, denn [>: sehr schöne, völlig irre Logik in diesem „denn“.] sie bilden eine erfolgreiche Synergie [:Klasse! nur das „bilden“ ist unschön.] mit meinen ebenmäßigen, weißen Zähnen und bekommen dadurch eine nicht zu unterschätzende Menge an Aufmerksamkeit.
      Mein Gesicht wirkt um Jahre jünger, als es eigentlich ist. Es trotzt geschickt den Stürmen und Niederschlägen während denr Jahreszeiten [Das würde ich in ein Bild präzisieren; man könnte sich etwa für e i n e Jahreszeit entscheiden; sofort würde die ganze Szene sinnlich aufgeladen.] und holt sich seine enorme Lebensenergie von niemand geringerer als der Sonne [schöner vielleicht noch: „und holt sich seine enorme Lebensenergie direkt aus der Sonne“.]. Selbst Dürreperioden [aufpassen, weil vorher von Niederschlägen die Rede war, da brauchen Sie einen Übergang.] hält es erfolgreich stand und sieht dabei noch vital und gepflegt aus. Es ist ein Überlebenskünstler, ein unverbesserlicher Optimist und Schönfärber, ein Träumer, das sich beinahe ins eigene Spiegelbild verliebt hat. [:Dieses ganze Ende hängt leider. Finden Sie einen vitalen Abschluß, vielleicht sogar etwas Erzählerisches.]

  13. svarupa sagt:

    Ich möchte etwas zum Thema „Etwas sehen“ sagen. Es soll auch kein Text zum geforderten Thema sein. Wenn Sie Herr Herbst der Meinung sind, dass mein Eintrag hier nicht richtig ist, dann verschieben sie ihn.

    Ich habe mir vorgestellt, dass ich eine Frau sehe, die am Tisch sitzt und in einen vor ihr stehenden Spiegel schaut, aber nicht, dass ich diese Frau bin… nein. Als Beobachterin, die die Interaktion zwischen der Sehenden und ihrem Gesehenen betrachtet – dabei stellte sich vorrangig folgende Frage ein: „Warum sieht sie überhaupt ein Gesicht?“. Meine Antwort kam prompt: „Weil wir Menschen dieses Etwas, was diese Frau da jetzt im Spiegel sieht, eben mit der Begrifflichkeit „Gesicht“ benannt haben“. Hätten wir statt „Gesicht“ den Begriff „Kartoffel“ gewählt, würde die Frau in dem Spiegel jetzt eine Kartoffel betrachten und dächte sich gar nichts dabei. Sie würde die Kartoffel genau so definieren und interpretieren, wie sich für sie die Begrifflichkeit „Gesicht“ definiert und interpretiert… ich sage absichtlich interpretiert.

    Die nächste Frage, die sich mir stellte: „Was wäre eigentlich, wenn wir keine Begrifflichkeiten hätten, „wären“ (hier im Sinne von Sein) wir dann (nur noch)?“, so, wie die Präsenz des Glases Wasser?.

    Um beim Wasserglas zu bleiben, die Präsenz des Glases Wasser würde ich zum Beispiel empfinden, wenn mir einer das Wort „Wasserglas“ aufschriebe. Nicht „Glas Wasser“, oder „ein Glas Wasser“, oder „ein Glas mit Wasser“, oder „Wasser im Glas“. Das was ich sehe, kann ich in Worte kleiden, aber nicht das, was ich beim Sehen fühle… denn die Präsenz eines Glases Wasser fühle ich. Versuche mal einer das Gefühl der Präsenz eines Baumes zu beschreiben; es ist immer das Gefühl für Etwas – und jeder hat sein eigenes Gefühl dafür.

    Es ist sehr schwer, hier bewusst zu unterscheiden, zwischen dem Sehen und dem Interpretieren der Form, und dem Sehen des Gefühls für die Form. Ich sage absichtlich „Sehen des Gefühls für die Form“… das Auge übermittelt uns die Informationen, aber es müssen unterschiedliche Schnittstellen sein. Die eine Schnittstelle verleitet dazu, nur das zu sehen, was man empfindet, die andere ist etwas ruhiger veranlagt, die sieht das, was sich durch die Begrifflichkeiten definiert… und dann gibt es da noch eine Schnittstelle… diese ist ganz leise im Hintergrund… hier genau empfinde ich die Präsenz eines Glases Wasser, denn hier werde ich auf diese Präsenz an sich aufmerksam gemacht, vielleicht weil mir die Präsenz an sich hier etwas be:deutet (bedeutet im Sinne von Aussage der Präsenz an sich und der Schönheit dieser „Nurpräsenz“). Dieser Schnittstelle sollte man mehr Aufmerksamkeit widmen, denn hier entwickeln sich die Bedeutungshöfe…

    Zum Schluß überlegte ich, ob die Frau wirklich ein Gesicht sieht. Sie sieht Augen, Augenbrauen, eine Stirn, das Haar, den Mund, die Ohren, das Kinn, die Wangen – ein Gesicht besteht aus der Summe seiner Einzelteile, nehme ich aber diese Einzelteile wieder weg, ist auch das Gesicht nicht mehr da. Andererseits können Augen, Augenbrauen, Stirn, Haar, Mund, Ohren, Kinn und Wangen nicht ohne das Gesicht existieren.

    • sirenomele sagt:

      es gibt sprachen, da heißt ‚gesicht‘ anders. ‚face‘ zum beisspiel, oder ‚visage‘ – aber das ist schnuppe, was die aufgabenstellung betrifft. ‚gesicht‘ ist ein wort, eine bedeutung, eine identität, eine konvention, ein verstandesbegriff meinetwegen – hier geht es doch um physis, auf die verwiesen wird und hinter die identität ‚gesicht‘ ist nicht zurückzudenken, höchstens psychotisch.

      ‚die präsenz eines wasserglases würde ich zum beispiel empfinden, wenn einer das wort „wasserglas“ aufschriebe.‘ – ein dummes gegenbeispiel: sage mir den namen deines liebsten… (und ich schreibe ihn auf und schreibe ’sex‘ daneben.) ‚wasserglas‘ – es gibt die lust an der reinen präsenz eines wortes. und die lust an der präsenz des wasserglases.

    • svarupa sagt:

      Ihre Antwort ist nicht unklug, macht aber einen Kurzschluß, insofern, als sie keine Zwischenräume zuläßt, sondern nach festen Zuordnungen strebt.

    • @sirenomele. Ist aber die „reine Präsenz eines Wortes“ unabhängig von seinen Bedeutungs-Assoziationen? Falls nicht, kann die Präsenz eines Wortes schon deshalb nicht rein sein, weil sich diese Assoziationen von Subjekt zu Subjekt unterscheiden. Sieht man ein Wasserglas-selbst, ist das anders. Oder begehe ich da jetzt einen Gedanken(!)fehler?

    • sirenomele sagt:

      @svarupa

      ja, ich habe versucht, auf das feste, die zuordnungen, die im text selbst existieren, rückzuverweisen. ich wollte jene grenzen etwas nachzeichnen, die sich da zu verlieren schienen. – man soll mich nicht falsch verstehen, mich beschäftigt das thema selbst schon lange. man kann diese philosophie bis ins bodenlose treiben und mich selbst begleiten solche ganz konkreten wahrnehmungen.

      das hat eine psychotische komponente, vielleicht – neben der mystischen, und der erkenntnistheoretischen, der metaphysischen, der religiösen… man mag das dumm finden, aber ich bin ganz froh, dass es doch solche grenzen gibt. egal wie willkürlich sie sind, aber sie halten die umwelt in einer ordnung, die es zum leben braucht. indem man die grenzen infrage stellt, hat man doch das gefühl für sie noch nicht verloren. meine anmerkung sollte kein kurzschluss sein, sondern war vielleicht etwas therapeutisch motiviert. – wie gesagt, ich stelle keineswegs infrage, dass es „zwischenräume“ gibt. aber wir müssen, wenn wir miteinander reden, uns auf die grenzen einlassen, in den zwischenräumen versinkt man in jeglicher hinsicht.

      @anh

      jetzt wird es kompliziert. rede ich von ‚präsenz‘, meine ich nichts als die reine präsenz, die faktizität eines sinnesdatums oder die sinnliche signifikanz. natürlich gibt es persönliche assoziationen, aufladungen, erinnerungen, gefühle – ja, bei einem wort sogar so etwas wie seine bedeutung – aber das drückt der begriff der präsenz nicht aus. es ist sicherlich davon auszugehen, dass „reine präsenz“ überhaupt nicht wahrnehmbar ist, weil sich immer schon anderes hineinmischt, aber wir reden ja davon und müssen uns auf so eine bedeutung von ‚präsenz‘ verlassen können – selbst wenn sie nie rein ist, nie empirisch. („empirisch“, das gleiche problem. – das betrifft ja im übrigen auch die ‚evidenz‘. auf das, was evident ist, beziehen wir uns schon vom standpunkt der reflexion aus. (eine frage meistens, und das evidente soll die antwort liefern oder eine gewissheit) – das führt zu weit…)

      insofern haben ein wasserglas und ‚wasserglas‘ beide eine (ideale) präsenz. das wort ‚wasserglas‘ hat dann noch eine bedeutung (der ‚zeicheninhalt‘ oder wie saussure genannt hat). und es kann nun sein, dass man vorstellungen bekommt. das sind aber vorstellungen, meinetwegen sind die vorstellungen präsent, das ist aber keine sinnliche präsenz und ich beharre auf diesen unterschied.

      ich betrachte dann (entsprechend, das hatte ich schon impliziert) auch ein reales wasserglas nicht ohne gefühle, erinnerungen, assoziationen. dieses ding hat für mich einen ausdruck, es lebt (glücklicherweise, weil ich lebe). und sie, die gefühle, mögen noch so unscheinbar sein, sie sind da. ein glas wasser ist für mich zum beispiel eine schöne vorstellung. ich empfände vielleicht *schön*, wenn ich eines betrachtete. das zu erklären, würde jetzt länger….

  14. Maximilian Prang sagt:

    HAL 9000 Zuerst will ich ein Missverständnis ausräumen: Es ging mir nicht darum, Herrn Herbst zu kritisieren. Das steht mir nicht zu. Ich bin in sein Schreibseminar, um etwas zu lernen, das will ich immer noch. Ich habe meinen Standpunkt dargelegt, weil ich abgrenzen wollte zwischen handwerklichem Können und Vorstellung von Literatur. Ersteres erhoffe ich immer noch von Herrn Herbst zu erlernen.
    Zu den Lore-Romanen: Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was ein Lore-Roman ist. Ich schätze etwas Ähnliches wie ein Groschenroman. Ich habe mich mit Herrn Herbst erster Vorlesung intensiv auseinandergesetzt. In die U- Kategorie will ich mich nicht einordnen. Für mich ist beispielsweise „Das Parfüm“ von Süskind ein großes Vorbild. Ein Weltbestseller mit einer unheimlichen, philosophischen Tiefe. Jedoch: Dieser Roman packt selbst einen Leser, der noch nie etwas von Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“ gehört hat. Bereits von der ersten Seite an spürt man den roten Leitfaden, den Sog, der einen in eine ungeheuerliche Geschichte hineinzieht. Das ist ein sehr hoher Anspruch. Mit diesem anzutreten bedeutet, mit dem Scheitern rechnen zu müssen. Faszinierender Weise lebt der Autor selbst in beinahe vollkommener Isolation und hat doch so viele Menschen erreicht.
    Zum Rattenfänger: Nachdem ich die Anmerkungen sirenomeles gelesen habe, erscheint mir diese Metapher problematisch. Zugegeben: Der Rattenfänger hört sich vielleicht nach Sportpalastrede an. Eine politische Aussage will ich auf keinen Fall mit meinen Texten verknüpfen. Politik bewegt sich für mich auf einer konkreteren Ebene als Literatur.
    Zu Beethoven: Ich habe diesen Namen benutzt, um eine Kollision zu konstruieren. Beethoven vs. Jay-Z. Im naiven Sprachgebrauch steht Beethoven neben Mozart als das Beispiel schlechthin für die klassische Musik. Diese Namen kennt man überall auf der Welt. Wie unzeitgemäß ihre Musik in ihrer eigenen Epoche war, spielt dabei keine Rolle.
    Zu den Kürzungen am Ende: Inzwischen habe ich auch durch Anmerkungen sironmeles und Herrn Gumbrichts eingesehen, dass die Erklärungen zu meinem Rechenweg am Ende des Textes wahrscheinlich zu theoretisch sind und der Leser sich dadurch belehrt fühlt. Das will ich vermeiden. Die Korrekturen sind absolut gerechtfertigt.

    PS: Ich habe kein Problem mit Kritik, auch nicht persönlicher Natur. Selbst wenn man mich mit dem um Gnade bettelnden Computer HAL vergleicht.

    • @HAL 9000. Lachend: Computer brauchen keine Gnade. (Ui, was’n Satz! Wie sagte Cäser zu seinem Schreiber gern? „Schreibe Er das auf, was ich da eben gesagt habe.“]

      Zu Ihrer Erwiderung melde ich mich später. Ich muß jetzt wirklich erstmal unter die Dusche, und Bart steht mir auch nicht.

    • @Maximilian Prang. Mein Computer-Problem, von dem Sie >>>> in meinem Arbeitsjournal vielleicht gelesen haben werden, hat meine Arbeit insgesamt aufgehalten, so daß ich Ihnen jetzt erst, verspätet, antworten kann. Ich geh direkt auf die Ihnen wichtigen Punkte:

      : Für mich ist beispielsweise „Das Parfüm“ von Süskind ein großes Vorbild. Ein Weltbestseller mit einer unheimlichen, philosophischen Tiefe. Jedoch: Dieser Roman packt selbst einen Leser, der noch nie etwas von Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“ gehört hat. Bereits von der ersten Seite an spürt man den roten Leitfaden, den Sog, der einen in eine ungeheuerliche Geschichte hineinzieht. Das ist ein sehr hoher Anspruch.

      Gar keine Frage. Nur schätze ich Süskinds Roman anders als Sie ein. Ich finde es ein sehr schönes, wie man früher sagte „gutes“ Buch, nicht aber eines, das dem nahekäme, was mir als nachpostmoderne Romandichtung vorschwebt. Süskind geht nicht von ungefähr in die historische Vergangenheit; zusammen mit seinem sinnlichen Thema zieht das Leser, ganz klar. Es ist auch übertragbar, aber weiß keinen Ausdruck und will ihn auch gar nicht wissen für das, was gegenwärtig jeden bis unter die Haut bedroht und verändert. Insofern kann ich die philosophische Tiefe nicht sehen, jedenfalls nicht als über das hinausgehend, was der gegenwärtigen Anthropologie und allgemeinen Selbstbildern entspricht. Das historistische Element des Romans b l e i b t historisierend.
      Nun ist dagegen nichts einzuwenden, als ein s e h r guter Unterhaltungsroman steht Das Parfum ganz sicher unfechtbar da. Und natürlich kann er für Sie mit einigem Recht ein Vorbild sein, wie für andere junge Autoren ebenso selbstverständlich. Dagegen anzugehen, ist ganz sicher nicht Aufgabe (m)einer Schreibwerkstatt.

      Faszinierender Weise lebt der Autor selbst in beinahe vollkommener Isolation und hat doch so viele Menschen erreicht.Sehn Sie, das finde ich völlig un-faszinierend. Wie ein Autor persönlich ist, was er persönlich tut usw., das finde ich alles belanglos. Ich sage dasselbe über Thomas Pynchon, der von einem ganz anderen Kaliber ist. All diese Strategien, Ich-Verweigerung, Ich-Inszenierung usw. sehe ich als Strategien der Vermarktung, und zwar auch dann, wenn sie „eigentlich“ nicht so gemeint, sondern ganz authentisch sein sollten. Ich habe mir angewöhnt, durch die Autoren „persönlich“ einen dicken Strich zu machen und nur auf die Texte zu achten; sonst wären mir Figuren wie etwa Céline völlig unlesbar.Politik bewegt sich für mich auf einer konkreteren Ebene als Literatur.Da Politik aber, als etwas, das von Motivationen gemacht wird, in den Köpfen entsteht, in denen Gedanken entstehen, läßt sich Literatur so wenig ausklammern wie irgend eine andere Kunstgattung, die der Denkende rezipiert und ja auch fühlt. Das ist jetzt aber k e i n e Rede für eine agitatorische Literatur.Im naiven Sprachgebrauch steht Beethoven neben Mozart als das Beispiel schlechthin für die klassische Musik.In w e s s e n naiven Ohren? Sie stolpern hier über ein unbewußtes Zielgruppendenken, wie ja auch schon der Begriff der klassischen Musik selbst eine hochgradige Absurdität ist. Es ist nicht schlecht, sich einmal darüber klarzuwerden, wie vieles an der sog. klassischen Musik eigentlich Pop ist, und zwar auch, was ihre künstlerische Güte anbelangt. Rein harmonisch hat sie der Pop sowieso viel mehr beerbt als etwa die Neue Musik oder der Jazz. Diese Namen kennt man überall auf der Welt. Wie unzeitgemäß ihre Musik in ihrer eigenen Epoche war, spielt dabei keine Rolle.Doch, das tut es. Die wirklichen Bewegungen außer acht zu lassen und sie bewußt außer acht zu lassen, bedeutet, bewußt fälschen zu wollen. Spätestens wenn einem Zusammenhänge zurechtgerückt werden, ist das keine Option mehr – es sei denn, was legitim, aber eben dann raffiniert wäre, man macht Fälschung zu einer Kategorie der Ästhetik. Das hieße dann aber, die Vorstellung des naiven Lesers völlig zu verlassen. Es ist ein erster Schritt in die Moderne. Ich habe das eine Zeit lang so getan, und ein bißchen tu ich das immer noch weiter. Darüber werde ich in einer meiner nächsten beiden Vorstellungen sicherlich noch sprechen.

  15. Spiegel-Wir Braunes Haar bis auf die Schulter. Ach was – Braun. Grau! Schon Grau. Vergesse ich, wenn ich nicht gerade von dir angestarrt werde, vergesse es gerne. Da machst du Augen, was? So komisch graugrüne Augen, viel zu klein für dein Gesicht. Die vereinzelten Wimpern haben sich am Lidrand entlang voneinander separiert. Beleidigte kleine Haare, wie die der zu dünnen Augenbrauen, die sich über die hohe Stirn davonmachen wollen. Ohne dich geht’s mir besser. Jetzt halte ich mich an den Worten fest, um nicht in die großen Poren am doppelten Kinn zu fallen. Da steht ein dunkles hartes Haar hervor. Ich fühle es deutlich wenn ich darüberstreiche. Damenbart. Ausreißen? Solltest dir mal den Damenbart ausreißen, ist kein Spaß dich anzusehen. Pferdegesicht. Weit weg vom Ideal. Umrahmt von – nein Locken kann man dazu nicht sagen. Da guckst du böse! Sehe schon wie deine Stirn sich in einen quergelegten Faltenrock wandelt, aber es sind wirklich keine Locken. Ein paar Korkenziehersträhnen die in einem borstigen Gestrüpp hängen. Seitenscheitel. Zieht alles in die Länge. Und dann noch hinter die Ohren geklemmt links und rechts. Gibst du mit deinen freigelegten Ohren an? Die sind ja wirklich ganz hübsch, als gehörten sie gar nicht dir. Sieh mal an, da kannst du doch noch ein wenig schmunzeln. Aber bilde dir bloß nichts darauf ein. Dein Lächeln zeigt in zwei verschiedene Richtungen. Schiefer Mund, Oberlippe zu schmal, die Rinne zwischen ihr und der Nase lang und zu tief für meinen Geschmack. Wenn du lächelst verkriechen sich die Mundwinkel in den Falten die von den Nasenflügeln ins Tal hinunter stürzen. Da wirst du gleich wieder ernst. Gut so, das erspart den schlaffen Wangen die Mühe sich gegen die Schwerkraft zu wehren. An der Nasenwurzel das hochkant gestellte Istgleich lockt deine flüchtenden Brauen wieder in die Tiefe. Die Augenschatten wirken jetzt noch dunkler, das macht das Grün der Augen grüner, sieht ganz gut aus, tragisch irgendwie. Wenn du versuchst deine Nase anzusehen schielst du. Der Nasenrücken eine Sichel, darauf der kleine flache Sattel. War früher mal eine Stupsnase – wirklich, wenn du mich nicht ansiehst ist sie das noch immer: Stupsnase mit Sommersprossen. Deine blasse olivgrüne Haut, sie wird im Sommer wahrscheinlich genauso leicht braun wie meine. An der linken Schläfe die blaue Ader – wie sie klopft. Die habe ich auch, wenn ich den Finger darauflege spüre ich unser Leben.

    • @schreiben wie atmen (zum Portrait).

      Braunes Haar bis auf die Schulter. Ach was – Braun. Grau! Schon Grau. Vergesse ich [Unlogisch, da Sie ja nur g u c k e n. Das würde ich also anders, etwa mit einem Überraschtsein, einleiten.], wenn ich nicht gerade von dir angestarrt werde, vergesse es gerne. Da machst du Augen, was? So komisch [wegen „komisch“: versuchen Sie mal, so wenig wie möglich zu kommentieren.] graugrüne Augen, viel zu klein für dein Gesicht. Die vereinzelten Wimpern haben sich am Lidrand entlang voneinander separiert [Unterstreichungen: redundant D a s wiederum ist schön.]. Beleidigte kleine Haare, wie die der zu dünnen Augenbrauen, die sich über die hohe Stirn davonmachen wollen [Das Bild versteh ich nicht: sie müßten ja ausgedehnt sein, um über die Stirn überhaupt zu reichen.]. Ohne dich geht’s mir besser [:Guter Einfall!]. Jetzt halte ich mich an den Worten fest, um nicht in die großen Poren am doppelten Kinn zu fallen [Und zwischen Brauen und Kinn? Da hat der Blick nichts gesehen? In der Logik des Blickens bleiben!]. Da steht ein dunkles hartes Haar hervor. Ich fühle es deutlich wenn ich darüberstreiche. Damenbart [E i n Haar macht einen Bart? Nie! Das Folgende dann einfach weg, dann wird die Emotion deutlicher, stärker:]. Ausreißen? Solltest dir mal den Damenbart ausreißen, ist kein Spaß dich anzusehen. Pferdegesicht. Weit weg vom Ideal. [:Mit sowas schwächen Sie alles wieder ab.] Umrahmt von – nein Locken kann man dazu nicht sagen. [Im Folgenden den Kinderton vermeiden:] Da guckst du böse! SIch sehe schon, wie sichdeine Stirn sich in einen quergelegten Faltenrock verwandelt, aber es sind wirklich keine Locken. Ein paar Korkenziehersträhnen die in einem borstigen Gestrüpp hängen. Der Seitenscheitel . Zzieht alles in die Länge. Und dann noch hinter die Ohren geklemmt [Der Seitenscheitel? Nie nich‘!] links und rechts. Gibst du mit deinen freigelegten Ohren an? Die sind ja wirklich ganz hübsch, als gehörten sie gar nicht dir. Sowas hast du? – Ah, Sieh mal an, da du kannst du doch noch ein wenig sogar schmunzeln.! Aber bBilde dir bloß nichts darauf ein!. Dein Lächeln zeigt in zwei verschiedene [:überflüssig, wären sie nicht verschieden, wären es nicht zwei.] Richtungen. Schiefer Mund, die Oberlippe istzu schmal, das ist gräßlich, die Rinne zwischen ihr und der Nase verläuft viel lang und zu tief für meinen Geschmack. Wenn du lächelst verkriechen sich die Mundwinkel in den Falten die von den Nasenflügeln ins Tal hinunter [Was’n für’n Tal?] stürzen. Da wirst du gleich wieder ernst. Gut so, das erspart den schlaffen Wangen [Das ist zuviel.] die Mühe sich gegen die Schwerkraft zu wehren [:Das ist pur geblödelt.]. An der Nasenwurzel das hochkant gestellte Istgleich [:Was meinen Sie bitte damit?] lockt deine flüchtenden Brauen wieder in die Tiefe [Ich denke, die wollen über die Stirn hinwegfliehen? Und wieso sind Sie jetzt plötzlich wieder da oben? Blick-Logik!]]. Die Augenschatten wirken jetzt noch dunkler, das macht das Grün der Augen grüner [:Nimmt also das Grau hinweg?], sieht ganz gut aus, tragisch irgendwie [:Mutiger: „sieht ganz gut tragisch irgendwie aus“.]. Wenn du versuchst deine Nase anzusehen schielst du [:In einem Spiegel nicht. Außerdem weiß jeder, daß man – ohne Spiegel – dann schielt. Müssen Sie nicht schreiben.]. Der Nasenrücken eine Sichel, darauf der kleine flache Sattel. War fFrüher war das mal eine Stupsnase – wirklich, wenn du mich nicht ansiehst, ist sie’s das noch immer: Stupsnase mit Sommersprossen. Deine blasse olivgrüne Haut, sie wird im Sommer wahrscheinlich genauso leicht braun wie meine. An der linken Schläfe die blaue Ader – wie sie klopft. Die habe ich auch, Und wenn ich den Finger darauflege auf die blaue Schläfenader lege, dann spüre ich unser Leben.
      Gehen Sie nach den Kürzungen und Revisionen noch einmal ganz von vorn durch den Text. Bin gespannt, was dabei herauskommt.

  16. dr wenn ich in den spiegel sehe, bin ich überrascht und irritiert. die vorstellung, dass dieser anblick für die menschen, die mit mir zu tun haben, alltäglich ist, fällt mir schwer. obwohl das denken in vorstellungen und imaginären projektionen zu meinem geistig-emotionalen handwerkszeug gehört, blende ich die eigene erscheinung wohl die meiste zeit aus und will gar nicht wissen, wie ich aussehe. doch es lohnt sich der blick auf das eigene gesicht: knapp an den augen, vor allem am rechten auge, in dem hohlraum zwischen augenlied, augenbraue und nasenrücken, dort schält sich die haut seit monaten erfolgreich ab, bisweilen auch blutig. die hautpartikel rund um meine augen fallen von mir ab, fallen als sanfter schnee auf dunkle tischplatten, bringen wohl auch oft meine augen zur produktion von tränen. der genaue blick in die braun strukturierten flächen der iris, die sich hinter dem glas der augäpfel rund um die schwarzen pupillen wie ein vorgarten legt, zeigt in beiden augen sehr ähnliche muster, die an nasse erdstrukturen erinnern, sich auffaltende verwerfungen rund um einen abgrund, dessen boden nicht einmal zu erahnen ist. ständige bewegung der augen in ihren höhlen – nach einiger zeit des intensiven betrachtens überlagern sich die bilder und löschen sich gegenseitig aus, daher wandert der blick nun zu anderen regionen, ruhelos, immer auf der suche nach neuen eindrücken, will vergleichen und entdecken. auf der derzeit gut sichtbaren stirn, die sich über den augen aufwölbt, finden sich kleine narben, teilweise erinnerungen an eine heftige pubertät, als die pickelvulkane explosiv ihre eiterlava ausstießen und die haut im gesicht dauerhaft formten. eine zeit, in der auch aus dem munde, der fast als antipode der stirn gegenüberliegt, viele brutale sätze drangen, geboren aus der damaligen fixen gewissheit, dass worte keine macht haben. inzwischen ist der mund mit seinen durchaus fleischig-sinnlichen lippen sanfter geworden, hat, auch mithilfe der hinter der stirn ruhenden gehirnmasse, gelernt worte zu schätzen, sie überlegter und weniger brutal einzusetzen. stirn und mund als achse: mit der stirn rannte ich als kind gegen wände, rammte den kopf in tische, verlor einen kampf gegen eine eisplatte, was zu einer kleinen narbe führte, die immer noch auf meiner stirn zu sehen ist. meine hörner sind durch diesen kampf in der kindheit abgestossen worden, die unweit der schläfe sichtbaren leichten höcker links und rechts an der stirn geben dem schädel einen leicht martialischen anschein, vor allem wenn die haare wie derzeit nicht die umrisse dämpfen, sondern als stacheliges kleid sich um die konturen schmiegen. jetzt, wo die haare sie nicht verdecken, ist der blick auf meine ohren frei, diese sind auffallend klein. es gelingt diesem gesicht kaum, ein lächeln zu erzeugen. der blick in mein eigenes gesicht verursacht bei mir oft trauer und unangenehme erinnerungen, da ich den menschen sehe, der schon viel gelitten hat, und das leid aus diesen augen zu mir spricht. es ist diese einsamkeit, die so tief in den augen ruht, in den gesichtszügen eingebrannt scheint, die mich dann veranlasst, die beobachtung meines eigenen gesichtes zu beenden und vom spiegel abkehrend den rest der für mich sichtbaren welt auf meine schultern zu heben und zu einem wesentlichen teil von mir zu erklären.

    • lieber herr herbst, war ich zu spät mit meinem beitrag zur schönen ersten aufgabe?
      würde so gerne von ihnen eine rückmeldung zu meinem versuch erhalten, würde aber auch gut verstehen, wenn sie wegen arbeitsdruck prioritäten setzen müssen.
      großartiges projekt übrigens!

      (dieser kommentar kann gerne gelöscht werden, da es ja zum seminar an sich nichts beiträgt)

    • Lieber David Ramirer, das habe ich einfach übersehen, Pardon. Ich geh da heute noch bei. Und: Nein, das paßt s c h o n hierher. Ich bin sowieso der Meinung, daß die kleinen Lektorate, die ich hier durchführe, für a l l e sind, nicht nur für den jeweiligen Autor. Sonst hätte ein solches virtuelles Seminar gar keinen Sinn, und ich könnte, wie das sonst üblich ist, Text für Text je mit seinem Autor durchgehen.

    • ich bin schon sehr gespannt auf ihre anmerkungen zum text und danke ihnen für die rasche rückmeldung.

    • @ramirer (zum Selbstportrait). Der Ansatz dieses Psychogramms ist nachvollziehbar und wäre es noch viel mehr, wenn sie ihn g l e i c h literarisierten, zum Beispiel, indem Sie den Text „Atlas“ nennen. Damit da kein unguter Geschmack entsteht, würde ich gerade diesen Text von allem Anfang an in der 3. Person Singular erzählen. Dann bekommt er einen drive, der jetzt immer wieder deshalb stockt, weil es Stellen gibt, die den Kitschverdacht nahelegen oder doch den Verdacht eines irgendwie Larmoyanten; das muß unbedingt ganz weg. Der Ich-Ansatz funktioniert dann und n u r dann, wenn Sie keine Spur von Mitleid zeigen, sondern kalt betrachten und schildern. Das bedeutet aber, daß sowas wie Ihr jetziger Einstieg wegmuß. Er ist sowieso, besonders für den Einstieg, allzu selbstreflektierend. Machen Sie sich dabei klar, daß es bei dem, was Sie sehen keine Unsicherheit g i b t; das, was Sie sehen, i s t. Wenn Sie diese Haltung als Ausgang nehmen, werden spätere reflektierende Passagen funktional moderater. Im Einzelnen:

      wenn ich in den spiegel sehe, bin ich überrascht und irritiert. [:Das interessiert nur Sie und sonst keinen. Also weg. Die Irritation muß dem Leser passieren.] die vorstellung, dass dieser anblick für die menschen, die mit mir zu tun haben, [:Das setzt etwas Sentimentales in den Raum.] alltäglich ist, fällt mir schwer. obwohl das denken in vorstellungen und imaginären projektionen zu meinem geistig-emotionalen handwerkszeug gehört, [Das sehen Sie im Spiegel? Wieso wollen Sie dem Leser schon vorn vorherein sagen, daß Sie ein Intellktueller sind? Das wird er aus Ihrer Art der Beschreibung dann schon erschließen können (müssen).] blende ich die eigene erscheinung wohl [Ecco!] die meiste zeit aus und will gar nicht wissen, wie ich aussehe. doch es lohnt sich der blick auf das eigene gesicht: [Hier geht’s überhaupt erst los! Rechnen Sie mal das Verhältnis von Einleitung und eigentlichem Text aus.] knapp an den augen, vor allem am rechten auge, in dem hohlraum zwischen augenlied, augenbraue und nasenrücken, dort schält sich die haut seit monaten erfolgreich ab, [in die psychische Textbewegung gehen und verstärken:] mit großem Erfolg und bisweilen auch blutig. die hautpartikel rund um meine augen fallen von mir ab, fallen als sanfter schnee auf dunkle tischplatten, bringen wohl auch oft meine augen zur produktion von tränen [:Papier.]. der genaue blick [:Nein! Beschreiben, was der Blick s i e h t, nicht, daß geblickt wird. Daß geblickt wird, ist die Voraussetzung des Textes und muß deshalb nicht wiederholt werden.] in die braun strukturierten flächen der iris, die sich hinter dem glas der augäpfel rund um die schwarzen pupillen wie ein [Ich spiele mal:] runder vorgarten legt, zeigt in beiden augen sehr ähnliche muster, die an nasse erdstrukturen erinnern, die sich auffaltende verwerfungen rund und um einen abgrund verwerfen, dessen boden nicht einmal zu erahnen ist [Das ist Kitsch. Bleiben Sie in der Beschreibung, erzählen Sie ein B i l d, etwa sowas:] sich in Dunklem verliert. Und ständige bewegungen sich die der augen in ihren höhlen [:Wo sonst?]das nach einiger zeit des intensiven betrachtens überlagertn sich die bilder und löschten siech gegenseitig aus [Machen Sie eine A k t i o n daraus und bleiben Sie dabei am Ball:], daher wandert der blick nun zu anderen regionen, [„zu anderen Regionen“ ist sowieso Kitsch und sagt vor allem nix.] ruhelos ist das, immer auf der suche nach neuen eindrücken dem eindruck, gierig will das vergleichen, die kleinen Narben vergleichen, die sich und entdecken. auf der derzeit gut sichtbaren stirn , die sich über den augen wölben,aufwölbent, finden sich kleine narben, teilweise erinnerungen an eine heftige die pubertät, nach all diesen Jahren, als die pickelvulkane, aus denen sich explosiv ihre die eiterlava ausstießen. Das hat und die haut für immer gezeichnet wie die im gesicht dauerhaft formten. eine zeit, in der auch aus dem munde, der fast als antipode der stirn gegenüberliegt, viele brutalen sätze, die der Mund damals sprach drangen, geboren in aus der damaligen fixen gewissheit sprach, dass worte keine machtlos sind Das ist nun sanfter geworden, wie haben. inzwischen ist der mund selbst [Und jetzt mutiger werden!:], mein schöner Mund, die mit seinen durchaus fleischig-sinnlichen lippen, sanfte Lippen r geworden, die hat, auch mithilfe der hinter der stirn [:Sowieso, reines Papier, wie auch die „ruhende Gehirnmasse. Das schaudert einen.] ruhenden gehirnmasse, gelernt worte zu schätzen , sie überlegter und weniger brutal einzusetzen. Die stirn und dermund als sind die achse: gegen die Wände rannte die Stirn mit der stirn rannte ich als kind gegen wände [:„als Kind“ ist schon viel zu erklärend.], rammte den kopf in die tische , verlor einen kampf gegen eine eisplatte [:Das muß ausgeführt werden, und die Formulierung hier nach ist wieder Papier:], was zu einer kleinen narbe führte , die immer noch auf meiner stirn zu sehen ist [Logisch, sonst kämen Sie nicht drauf.]. meine hörner sind durch diesen kampf in der kindheit abgestossen worden [Gejammer, hat hier überhaupt keine Funktion. Die Hörner selber, als physischer Eindruck, sind aber toll und wichtig. Das darf ni c h t fallen], die unweit der schläfe sichtbaren leichten höcker links und rechts an der Schläfe sind der stirn geben dem schädel einen leicht martialischen anschein Zeichen der Wut, jetzt, unter der Stachelhaube vor allem wenn die des haars</<e wie derzeit nicht die umrisse dämpfen, sondern als stacheliges kleid sich um die konturen schmiegen. jetzt, wo die haare , das sie nicht verdeckten . Frei ist der blick auf die meine ohren frei, diese sind auffallend kleine. Und als sie lächelt, es gelingt diesem gesicht kaum, ein lächeln zu erzeugen. der blick in mein eigenes gesicht verursacht bei mir oft trauer und unangenehme erinnerungen, da ich den menschen sehe, der schon viel gelitten hat, und das leid aus diesen augen zu mir spricht. es ist diese einsamkeit, und als sich die Lippen dabei nicht rühren die so tief in den augen ruht, in den gesichtszügen eingebrannt scheint, die mich dann veranlasst, die beobachtung meines eigenen gesichtes zu beenden und hebe ich mich vom spiegel auf und kehre mich abkehrend den rest der für mich und hebe die sichtbaren welt auf meine schultern zurück heben und zu einem wesentlichen teil von mir zu erklären.
      Wohlgemerkt, das ist jetzt nur ein Vorschlag. Er hat den Vorzug, daß aus Ihrer Selbstbetrachtung unversehens eine Erzählung wird.

    • lieber herr herbst, es ist das erste mal, dass ich mich einer solcherart professionellen textbetrachtung stelle und empfinde ihre korrekturen, anmerkungen und hinweise als unbeschreiblich zärtlichen und liebevollen vorgang. haben sie vielen dank für die ihnen sicher viel an anstrengung (und überwindung?) abgerungene hingabe an meinen so sehr im anfangsstadium befindlichen text.
      ich hoffe, dass ich das gelernte verinnerlichen kann.
      schönen abend!

  17. werb sagt:

    Deutschwetterblick Sie sprechen von vertrauten Dingen – träumen? Einladende Klarheit, stechende Helligkeit des Blicks versucht ziellosem Suchen entspringende Skepsis zu überlisten.
    Es scheint, Sie warten darauf, links und rechts der Lider erste Zeichen einer ausweglosen Alterung in der noch viel zu jungen Haut zu finden – Ihr Anspruch an die Zeichen? Verlebte Freude!
    Können Sie sie sehen?

    Sehen Sie noch mehr?
    Ah, richtig!

    Die Brauen:
    Die Rechte, zärtlich gebeugt! Sanftmut einer launischen Natur? Die Linke strotzt, belustigt, vor Zweifel, ob der Anspruch der…Deutschwetteraugen gelingen werde.
    Die unbezwingbare Form dieser LINKEN Braue, welche die Züge des Gesichts so einseitig krönt, ist bereit zum Tigersprung! Fortwährende Spannung, plötzliche Hebung vernichtet die bestimmte Sanftheit der Züge – es kokettiert der Pessimismus.

    Und dann?
    Braue hinab! Damoklesschwert! Fall!

    Fallen?
    Ja, gern! Darf ich bitten?

    Hinab zum Mund!
    Denn um der zweiflerischen linken Braue die STIRN zu bieten, neigt er stur jedes Lächeln nach rechts! HA!

    Aufstehen?
    Garantiert!

    Ja, dieser Mund lacht auch mit Tränen. Und dafür ist die Nase da:
    Leitet jede Trauer in die Winkel dieses Mundes, dessen Zähne ihrer Salzigkeit erlegen sind. Das warme Salz der Trauer hat sie ausgebleicht.
    Kamen so die Flecken auf die KUH?

    Antworte schon!

    Dafür hat es ja zwei Ohren! Antworte schon! Das eine ist doch extra weiter oben, falls Du größer bist. Das andere ist extra weiter unten. Bist Du kleiner?

    Du bist doch nicht etwa…gleich groß?!
    Dann kann ich dich nicht hören!

    Zieh mich an den Haaren!
    Deren Länge sagt, wie alt sie sind. Warum ist das nicht bei allen Dingen so?
    Heller fühlen sie sich an, als sie es sind! Weicher fühlen sie sich an. Sie brechen trotzdem leichter als wir.

    Immerhin habe ICH schon Narben! Die Haare können doch nur brechen! Die Narben sind vom Fallen. Haare fallen auch. Ich habe ja gesagt, dass ich aufstehe!
    Und Ihr?
    Tja!

    Nur das, sonst nichts, was mein Gesicht verspricht!
    Oder hat es sich versprochen?

    • @werb (zu Deutschwetterblick).

      Sie sprechen von vertrauten Dingen – träumen? Einladende Klarheit, die stechende Helligkeit des Blicks versucht die einem ziellosemn Suchen entspringende Skepsis zu überlisten.[Was bringt Ihnen der Manierismus einer Auslassung von Artikeln? Nein, genauer: Was bringt das dem Text? Gegen Manierismus etwas einzuwenden, bin ich sicher unter den letzten, aber gerade darum interessiert mich die poetische Valenz, die so etwas hat oder haben soll.]
      Es scheint, Sie warten darauf, links und rechts der Lider erste Zeichen einer ausweglosen Alterung [Was wäre eine Alterung, die n i c h t ausweglos ist? Die Begriffskombination klingelt nur, mehr nicht.] in der noch viel zu jungen Haut zu finden – Ihr Anspruch an die Zeichen? Verlebte Freude!
      Können Sie sie sehen? [:Das ist schön, sehr lebendig.]
      Sehen Sie noch mehr?
      Ah, richtig!
      Die Brauen:
      Die Rechte, zärtlich gebeugt! Sanftmut einer launischen Natur? Die Linke strotzt, belustigt, vor Zweifel, ob der Anspruch der…Deutschwetteraugen gelingen werde. [:Hübsch. ABER: Anspruch auf was? N u r „Anspruch“ ist inhaltsleer.]
      Die unbezwingbare Form dieser LINKEN Braue, welche die Züge des Gesichts so einseitig krönt, ist bereit zum Tigersprung! Fortwährende Spannung, [Artikel!] plötzliche Hebung vernichtet die bestimmte Sanftheit der Züge – es kokettiert der Pessimismus.
      Und dann?
      Braue hinab! Damoklesschwert! Fall!
      Fallen?
      Ja, gern! Darf ich bitten?
      Hinab zum Mund!
      Denn um der zweiflerischen linken Braue die STIRN zu bieten, neigt er stur jedes Lächeln nach rechts! HA! [schöne characterisierende Idee.]
      Aufstehen?
      Garantiert!
      Ja, dieser Mund lacht auch mit Tränen. Und dafür ist die Nase da:
      Leitet jede Trauer in die Winkel dieses Mundes, dessen Zähne ihrer Salzigkeit erlegen [Aua.] sind. Das warme Salz der Trauer hat sie ausgebleicht.
      Kamen so die Flecken auf die KUH? [:Albern. Aber warum eigentlich nicht?]
      Antworte schon!
      Dafür hat es [W a s hat zwei Ohren?] ja zwei Ohren! Antworte schon! Das eine ist doch extra weiter oben, falls Du größer bist. Das andere ist extra weiter unten. Bist Du kleiner?
      Du bist doch nicht etwa…gleich groß?!
      Dann kann ich dich nicht hören!
      Zieh mich an den Haaren!
      Deren Länge sagt, wie alt sie sind [Inwiefern tut sie das?]. Warum ist das nicht bei allen Dingen so?
      Heller fühlen sie sich an [Sie verfolgen eine Art absurder Erzählstrategie, bei der mir aber nicht klar wird, was sie soll. Die Gefahr, daß man nur blödelt, ist sehr nah.], als sie es sind! Weicher fühlen sie sich an. Sie brechen trotzdem leichter als wir. [Also: Sie fühlen sich weicher an, als sie sind, brechen trotzdem leichter als wir. Aus dem „trotzdem“ ist zu folgern: Sie sind eigentlich hart, wir hingegen sind weich. – Nun bricht aber ohnedies nur etwas, das hart ist; Weiches läßt sich allenfalls knicken…]
      Immerhin habe ICH schon Narben! Die Haare können doch nur brechen! Die Narben sind vom Fallen. Haare fallen auch. Ich habe ja gesagt, dass ich aufstehe!
      Und Ihr?
      Tja!
      Nur das, sonst nichts, was mein Gesicht verspricht!
      Oder hat es sich versprochen? [Auch hier wieder: Ein Spiel mit assonanten Bedeutungsebenen, bei dem ich aber nicht eigentlich bemerkte, wozu da gespielt wird.]

      Ingesamt finde ich das einen ungewöhnlichen Ansatz, der aber wohl bis in die Einzelheiten präzis durchgeführt werden muß, um tragfähig zu werden.

  18. werb sagt:

    Rund und voll ist es Rund und voll ist es, aber es kennt auch Kanten. Die urbane Weiterentwicklung der grobschlächtigen, beleibten böhmischen Landfrauen mit ihren schweren, dunklen Röcken und den wirschen, harten Zügen ist es. Sieht nicht nach Hunger aus – noch nie gehabt. Die Wangenknochen sind stark. Der Schädel wird in absehbarer Zeit den Urvorfahren ähnlich sein. Die sahen auch so aus, auch große starke Zähne und kräftige Kiefer.
    Zwischen den breiten Wangen liegt eine Nase, die von vorn ebenmäßig und klein aussieht, im Profil dann aber sehr gerade ist und recht groß aus dem Gesicht herausragt. Sie sieht nicht energisch aus, aber entschieden. Darunter gleiten von den unterschiedlich großen, aber nicht sehr großen Nasenlöchern zwei kleine Kämme weg in die Oberlippe und bilden ein kleines Grübchen.
    Der Mund ist weich und mittelvoll. Die Oberlippe ist etwas schmaler als die Unterlippe und fällt seitlich sanft nach außen weg. Die Unterlippe ist sehr voll und lässt den Mund ein gutes Stück geöffnet sein, wenn sie entspannt im Gesicht ruht. Die zwei Kämme des Oberlippengrübchens treten an der Unterlippe wieder hervor, diesmal etwas weiter rechts und links und setzen sich gen Kinn fort, wo sie auf halber Strecke zwischen diesem und dem Mund enden. An derselben Stelle schimmern blaue Adern aus der hellen Haut hervor. Das Kinn ziert eine große, längliche ungerade Narbe, die sich von der Mitte her gen links auffallend ausbreitet. Darunter, nur von unten her zu sehen, ist eine zweite Narbe, die mittig liegt und sich über die gesamte Länge des Kinns zieht. Die obere ist auffällig rot, die untere bereits verblasst.
    Die Strecke vom Kinn bis zur Nase ist ebenso lang wie diese selbst bis zu der Stelle, da sie sich in den Brauen verliert: Die Stirn wiederum ist ebenso hoch wie die Nase lang.
    Die Augen liegen nicht sehr tief in den Stirnhöhlen und auch die Augenbrauen sind nicht sehr stark ausgeprägt, sondern dunkelblond wie das Haupthaar. Das rechte Auge liegt mitsamt seiner Braue etwas höher als das linke und hat im Gegensatz zum linken Auge kein Schlupflid. Dieses wird nämlich von der linken, tiefer liegenden Braue etwas überdeckt.
    Die Augen sind groß und geöffnet, so weit, dass das runde Grün-Blau-Gelb-Gemisch fast ganz zu sehen ist. Es erscheint je nach Licht und umgebenden Reflektoren sehr verschiedenfarbig und ist daher nur schlecht beschreibbar. Die Behörden der Bundesrepublik Deutschland haben sich auf grün geeinigt, wie ein Pass verrät, und viele andere Bürger sagen das auch. Der Blick wechselt meistens zwischen kühl, hart, emotional, schäl, leidenschaftlich, melancholisch oder belustigt oder sehr warmherzig.
    Die Wimpern sind sehr lang, aber so hell, dass ihr Besitzer selbst es vorzieht, sie zu Schwärzen, da sie die natürliche Blässe bis hin zur Farblosigkeit doch sehr betonen. Zur Seite hin neigen sich die Augen leicht nach unten weg. Umrandet sind sie durch die geringe Mächtigkeit der Haut ebenfalls von bläulichen Bahnen. Am äußeren Ende der linken Braue befindet sich oberhalb dieser ein ovales Mal, Relikt der Masern, welches links an eben dieser Stelle auch zu finden ist, jedoch kleiner und unscheinbarer.
    Die Stirn ist gerade und besitzt eine ausgewogene Höhe im Vergleich zum Rest des Gesichts. Die Haut ist an den Augen und zwischen Wangen und Mund zu vielen kleinen Lachfältchen und an der Stirn zu vielen kleinen Denkerfältchen gefurcht. So, wie sich dünne, junge Frauenhaut eben furcht. Die reine glatte Haut ist im ganzen Gesicht fein behaart, weiß, wie Flaum. Die Haare sind lang, dünn, strapaziert, sagen Friseure und mittel- bis dunkelblond mit Kupfernuancen. Sie verdecken beinahe die wohlgeformten Ohren, deren runde Läppchen je ein kleines Loch haben. Der Hals ist dünn und lang und hat auf halber Höhe eine erste Querfalte.
    Das Gesicht ist klassisch und feminin, sagen die Fachleute.

    • @werb (zu: Rund und voll ist es.] Das ist eine ausgezeichnete Lösung der gestellten Aufgabe. Mein Kompliment. Zwar gibt es immer noch mal einen Ausreißer in Vorbedeutetes oder Vorgewußtes, aber das ist hier nicht schlimm, weil es den Ton des Textes individualisiert, ohne von dem, was Sie sehen, abzulenken. Ein paar sprachliche Ungelenkheiten sind darin, manches, das Sie im Portrait-Interesse verknappen können. Ich hab hierunter ein paar solche lektorierenden Hinweise gegeben.

      Rund und voll ist es, aber es kennt auch Kanten. [Wunderbar!:]Die urbane Weiterentwicklung der grobschlächtigen , beleibten böhmischen Landfrauen mit ihren schweren, dunklen Röcken und [Die Röcke gehören einfach nicht in ein Portrait. – Und d a s ist möglicherweise schon zuviel, weil es der Anfangsformulierung durch Erklärung Schlagkraft nimmt:] den wirschen, harten Zügen ist es. Sieht nicht nach Hunger aus – noch nie gehabt. Die Wangenknochen sind stark. Der Schädel wird in absehbarer Zeit [Was meinen Sie damit? Im Alter? Oder in der Weiterentwicklung dieses Menschntyps?] den Urvorfahren ähnlich sein. Die sahen auch so aus [Punkt. Dann ist es normativ. Oder s t a t t des ersten Satzteils nur:] (die hatten), auch große starke Zähne und kräftige Kiefer.
      Zwischen den breiten Wangen liegt eine Nase, die von vorn ebenmäßig und klein aussieht, im Profil dann aber sehr gerade ist und recht groß weit aus dem Gesicht herausragt. Sie sieht nicht energisch aus, [Spielen:] istaber entschieden. Darunter gleiten von den unterschiedlich großen, aber nicht sehr großen [durch die nahe Wiederholung von „großen“ wird das sprachlich unschön.] Nasenlöchern zwei kleine Kämme [:toll!!] weg in die Oberlippe und bilden ein kleines Grübchen [Statt des „bilden“ fällt Ihnen ganz sicher noch etwas Schöneres, Nahes, ein.].
      Der Mund ist weich und mittelvoll. Die Oberlippe ist etwas schmaler als die Unterlippe und fällt seitlich sanft nach außen weg. Die Unterlippe ist sehr voll und lässt den Mund ein gutes Stück geöffnet sein offen, wenn sie entspannt im Gesicht ruht. Die zwei Kämme des Oberlippengrübchens treten etwas weiter rechts und links an der Unterlippe wieder hervor, diesmal etwas weiter rechts und links und setzen sich gen [unnötiger Stelz.] Kinn fort, wo sie auf halber Strecke zwischen diesem und dem Mund enden. An derselben Stelle [direkter: „dort“] schimmern blaue Adern aus der hellen Haut hervor. Das Kinn ziert [wirklich? Sie wechseln hier den Ton in eine indirekt negative Wertung; weshalb?] eine große, längliche ungerade Narbe, die sich von der Mitte her gen links auffallend ausbreitet. Darunter, nur von unten her [:unschön.] zu sehen, ist eine zweite Narbe, die mittig liegt [sie „liegt“? Echt?] und sich über die gesamte Länge des das Kinns zieht. Die obere ist auffällig rot, die untere bereits verblasst.
      Die Strecke vom Kinn bis zur Nase ist ebenso lang wie diese selbst bis zu der Stelle [unschön; im übrigen: klassischer Leonardo: 1:1:1.], da [:dieses „da“ ist an dieser Stelle sehr schön, weil es etwas erzählerisch Weiches in die Beschreibung hineingibt.] sie sich in den Brauen verliert: Die Stirn wiederum ist ebenso hoch wie die Nase lang.
      Die Augen liegen nicht sehr tief in den Stirnhöhlen und auch die Augenbrauen sind nicht sehr stark ausgeprägt, sondern dunkelblond [blond, schon gar dunkelblond muß nicht nicht ausgeprägt heißen…] wie das Haupthaar. Das rechte Auge liegt mitsamt seiner Braue etwas höher als das linke und hat im Gegensatz zum linken Auge anders als das linke kein Schlupflid. Dieses [:Bezugsfehler; nicht das Schlupflid ist gemeint.] wird nämlich von der linken, tiefer liegenden Braue etwas überdeckt.
      Die Augen sind groß und geöffnet [:Das ist unfreiwillig komisch: als wären sie immer offen.], so weit, dass das runde Grün-Blau-Gelb-Gemisch fast ganz zu sehen ist. Es erscheint je nach Licht und umgebenden Reflektoren sehr verschiedenfarbig [:sprachlich nicht erfaßt, sondern leer-deskriptiv.] und ist daher nur schlecht beschreibbar [Sowas prinzipiell: w e g! Wenn etwas nicht beschreibbar ist, laß ich’s bleiben und sag nichts drüber. Stellen wie diese sind klebrig.]. Die Behörden [:mehrere? haben die diskutiert? Konkret bleiben.] der Bundesrepublik Deutschland haben sich auf grün geeinigt, wie ein Pass verrät, und viele andere Bürger sagen das auch [:ungeschickt.]. Der Blick wechselt meistens zwischen kühl, hart, emotional, schäl [???], leidenschaftlich, melancholisch oder belustigt oder sehr warmherzig [:Aber der ganze Satz ist Unfug, weil er imgrunde aussagt: der Blick kann alles sein. Kann er das, bringt seine Beschreibung nichts mehr.].
      Die Wimpern sind sehr lang, aber so hell, dass ihr Besitzer selbst [:Was wäre denn ein Besitzer als nicht-selbst?] es vorzieht, sie zu Sschwärzen, da sie die natürliche Blässe bis hin zur Farblosigkeit doch sehr betonen [:Deshalb würde man doch gerade n i c h t schwärzen. „doch sehr“ sagt ja „zu sehr“.]. Zur Seite hin neigen sich die Augen leicht nach unten weg. Umrandet sind sie durch die geringe Mächtigkeit der Haut [:Diese Formulierung ließ mich stutzen. Sie hat was. Es stört aber auch etwas an ihr. Da bin ich uneins. Wahrscheinlich fehlt eine sinnliche Evidenz.] ebenfalls von bläulichen Bahnen. Am äußeren Ende der linken Braue befindet sich oberhalb dieser [:unschön.] ein ovales Mal, Relikt der Masern, welches links an eben dieser Stelle [:Das geht nicht: „an anderer Stelle an eben dieser Stelle“; es ist ja eben eine a n d e r e Stelle.] auch zu finden ist, jedoch kleiner und unscheinbarer.
      Die Stirn ist gerade und besitzt eine ausgewogene Höhe im Vergleich zum Rest des Gesichts [:Redundant. Das haben Sie bereits oben mit Leonardos 1:1:1 ausgedrückt.]. Die Haut ist an den Augen und zwischen Wangen und Mund zu vielen kleinen Lachfältchen und an der Stirn zu vielen kleinen Denkerfältchen [:Vielleicht etwas spielen: „Denkerchenfalten“, das geht in schöne ironische Spannung zu „Lachfältchen“.] gefurcht. So, wie sich dünne, junge Frauenhaut eben furcht. [:An sich ist das, auch mit dem Umgangston, sehr schön. Dennoch habe ich die Neigung, hier normativ zu schreiben: „So furcht sich junger Frauen dünne Haut.“] Die reine glatte Haut [Haut/Haut.] ist im ganzen Gesicht fein behaart, weiß, wie Flaum. Die Haare sind lang [:Hier aufpassen: „die Haare“ bezieht sich in der semantischen Folge auf den Flaum; da es aber sowieso „das Haar“ heißt, wenn Kopfhaar gemeint ist, läßt sich die kleine Ungeschicklichkeit schnell lösen.] , dünn, strapaziert, sagen Friseure [:schön! Hier hat die Abweichung von der Aufgabe Sinn.] und mittel- bis dunkelblond mit Kupfernuancen. Sie verdecken beinahe die wohlgeformten [:auch hier bin ich mir unsicher; besser, sie beschrieben die Schönheit.] Ohren, deren runde Läppchen je ein kleines Loch haben. Der Hals ist dünn und lang und hat auf halber Höhe eine erste Querfalte.
      Das Gesicht ist klassisch und feminin, sagen die Fachleute. [Stimmt das mit dem „klassisch“, wenn Sie doch oben auf das Böhmisch-Bäuerliche abgestellt haben?]
      Ingesamt hab ich jetzt noch eine Neigung zu Hilfsverben (haben) gefühlt, die Sie vielleicht durch volle Verben zu ersetzen versuchen sollten. Ansonsten, come detto, prima.

    • Maximilian Prang sagt:

      Auf jeden Fall kein Grund zur Bescheidenheit.

    • werb sagt:

      an Herr Herbst Herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Korrekturen.
      Es ist herrlich, wie Sie die Texte entkernen und von Kitsch, Redundanz und Sinnlosigkeit befreien. Der Diskurs ist fast interressanter als die Texte, wobei ich damit den Beiträgen der Gruppe keine Qualtität absprechen möchte. Ihre Kritik schmerzt teilweise erheblich und tut dennoch gut, weil sie nicht nur allgemein lehrreich ist, sondern persönlich von allerhöchstem Gewinn.
      Ich stimme mit Ihren Korrekturen überein und gestehe, daß einige Stellen nicht wohlüberlegt und inhaltlich sowohl als sprachlich mangelhaft strukturiert sind.
      Ob ich die zweite Aufgabe noch rechtzeitig bearbeiten kann, weiß ich leider noch nicht, werde es aber versuchen!
      Ich freue mich auf das nächste Seminar!

    • herr werb, Sie sagen was ich meinte. Es ist schmerzhaft, weil es Ästhetik zu einem räumlichen Phänomen werden lässt, der Distanz zwischen dem Hier und dem Dort. Die Qualität ist gleich der Distanz, die Distanz ist gleich dem souveränen Umgang mit dem Text, das Hier ist der Versuch, das Dort ist die Dichtung.
      Dabei verstehen wir, Herr Herbst, nicht ihre Einwände und Korrekturen als schmerzhaft, sondern einzig, dass sie zutreffen und wir erkennen müssen, dass das Lesen zwar schon gelingt, aber noch besser werden muss.
      Dabei dachten wir: das ist unser Pfund! Dachten wir doch, dann schreiben wir mal, lesen können wir ja. Aber nein, nein, könnten wir lesen, dann fänden wir doch das was wir erst in ihren Korrekturen sehen! Dieser ganze Prozess – und das ist das Heilsame und Tröstende- der Prozess des Lesens, des Korrigieren, ist partiell zu erlernen, da bin ich sogar sicher. stimmt aber der Kern des Textes und wenn ja: erkennen ich ihn?
      Wie auch immer: nichts ist persönlich zu nehmen an ihrer Kritik, sie geht viel zu sehr in den Text, als dass sie persönlich sei. Das wollte ich ihnen noch sagen, als ich ihren abschließenden Kommentar zu meinem Dialog las…

    • werb sagt:

      Lieber Herr Gumbricht, ich bin erstaunt, dass Sie mich für Herr werb halten. Mir war gar nicht aufgefallen, dass in meinen Texten nicht klar wird, dass ich eine Frau bin. Das amüsiert mich! Ich wußte nicht, dass ich so sehr in der Kategorie Mensch statt Mann-Frau denke. Nehme mich eigentlich schon als letztere war :-)!
      Eine Sache sehe ich anders als Sie:
      Herr Herbst hat sicher nicht die Absicht, uns persönlich zu kritisieren, aber ich empfinde es dennoch als höchst persönliche Angelegenheit, wenn auch im Rahmen allgemeiner literarischer Angelegenheiten. Über diese Werkstatt habe ich einen Erkenntnisschub bekommen, wie lange nicht. Das gebe ich offen zu. Das betrifft dabei auch meine eigene Person. Nicht nur aus der Korrektur meiner Texte, sondern auch der der anderen nehme ich mehr als nur literarische Anregungen mit.
      Als Dozent würde ich mich über soviel Wirkung freuen! Sind Sie sicher, Herr Gumbricht, dass sie es nicht „persönlich“ nehmen?!
      Herzliche Grüße!

    • @werb. Daß Sie eine Frau sind. Geht aus Ihrem Text, finde ich, allerdeutlichst hervor. Und damit meine ich nicht nur, was expressiv verbis dasteht. (Andererseits könnte man, gerade hier in Der Dschungel, wo so etwas längst Tradition hat, auch davon ausgehen, ein Mann formuliere ganz bewußt als Frau, bzw. umgekehrt. Das gab es auch schon. Unterstellte man so etwas aber Ihrem Text, er wäre exemplarisch gelungen, und Sie m ü s s t e n das als Kompliment auffassen.)

      Persönlich kritisieren: Wenn jemand an einem Kunstwerk arbeitet und erhält dafür Kritik, dann m u s s er/sie es als a u c h persönlich auffassen; das geht gar nicht anders, weil alleine in Kunst noch die Chance besteht, nicht-entfremdet zu arbeiten. In keinem anderen Beruf ist das mehr so. Eben aus diesem Grund kennt ein Künstler auch keine Freizeit. Er wüßte gar nicht, was er damit anfangen sollte. Kritik am Kunstwerk läßt eine Kritik an der Person gar nicht umgehen. Hier in der Werkstatt wird das über die Pseudonyme etwas gemildert, aber nur gegenüber anderen, nicht gegenüber einem selbst. Das ist mir völlig bewußt.

    • june sagt:

      seltsam, spannend und amüsant. ich hätte werb auch für einen mann gehalten.
      spätestens nach „Der Schädel wird in absehbarer Zeit den Urvorfahren ähnlich sein. Die sahen auch so aus, auch große starke Zähne und kräftige Kiefer.“

    • @june. Da sich das aber auf die „böhmischen Landfrauen“ bezieht, sie hinten also wieder als Textklammer aufnimmt, ist der stark männliche Ausdruck doch allein darüber begründet, daß man solche Robustheit eher Männern zuschreibt – was nun bei der „böhmischen Landfrau“ gerade nicht stimmt. Denken Sie einmal an den Schrecken, die die germanischen Barbarinnen den zarten römischen Legionären Cäsars bereitet zu haben scheinen…

    • june sagt:

      ich fand es ja einfach nur witzig, dass auch bei mir dieser eindruck entstand. ohne nachzudenken, einfach im lesen. für mich war „werb“ ein mann.

      und wenn „werb“ sagt: “ Ich wußte nicht, dass ich so sehr in der Kategorie Mensch statt Mann-Frau denke. „
      dann liegt es vielleicht genau auch daran, dass in meiner welt mensch = mann immer noch eine bedeutende rolle zu spielen scheint, sonst wäre mir das wohl nicht passiert.

      gehört aber nicht hierher, lieber alban. ich muss mich ohnehin sehr beherrschen nicht ständig völlig off-topic dazwischen zu quatschen so gerne lese ich hier mit und so viel fällt mir auf, das mit der eigentlichen intention der „werkstatt“ freilich nichts zu tun hat.

    • @june. Dennoch sind Sie von Herzen eingeladen, solches, das z u r Intention der Werkstatt paßt, jederzeit beizutragen – einfach als von jemandem „von außen“, von der ich weiß, wie sensibel sie auf Texte reagiert. Bei manchem kann ja durchaus auch einfach betriebsblind sein.

  19. yvonne erber sagt:

    haare. gesicht. scham meine haare sind länger als 70 cm.
    sie sind braun, im unteren bereich gewellt und deutlich heller.
    manche strähnen erscheinen mir nach dem waschen sogar blond.

    ich sehe mich, wenn ich an mich denke, immer gleich von hinten, mit diesem braunen haarschwall, der manchmal die eigenschaft hat, ein dreieck zu bilden und meinen kopf kleiner erscheinen zu lassen, als er ist.
    ich weiss das von fotos, die mich von hinten zeigen, vor allem im gegenlicht.

    würden sie mich von hinten betrachten, würde ihnen sofort diese fülle ins auge stechen.
    sie bildet ein langschenkeliges dreieck, oben abgerundet.
    so gesehen habe ich eher ein köpfchen, von dem aus sich die haare nach unten hin auseinanderstrebend ausbreiten.

    sicher denken sie: so eine haarpracht habe ich schon lange nicht gesehen!
    daher würden sie mich aus einer menschenmenge heraus sofort wahrnehmen.
    ich hingegen würde ihren blick auf mich keineswegs sehen.
    ich habe schon lang trainiert, blicke auf mich, auch wenn ich sie spüre (wie einen kitzel an der wange, eine heiße stelle am rücken) zu übergehen.
    sogar nach einem flüchtigen seitenblick würden sie denken: wer ist die dort, die mit den glänzenden langen braunen haaren?
    ich hab das schon oft gehört, ohne darauf näher einzugehen.

    niemals würde ich mir meine haare abschneiden oder zulassen, dass andere das tun.
    sie sind seit der 4. klasse gymnasium immer ungefähr gleich lang gewesen.
    ungefähr muss ich deshalb sagen, weil es ja friseusen gibt, die das wort fingerbreit zwar zu verstehen scheinen, aber dann trotzdem 8 oder gar 10 cm abschneiden.
    ich lasse das immer im heimatort machen, zu ostern und zu weihnachten, wenn ich meine eltern besuche.

    ich frisiere meine haare so, dass ein mittelscheitel entsteht, und lege sie vorne so nach rechts, dass der ansatz verdeckt ist.
    auch wenn ihnen das nicht auffällt und sie mich gar fragen: was wollen sie, ich sehe keinen schwund?, würde ich antworten: ich verstecke den schwund.
    jetzt gelingt es mir noch; doch wie wird es 3, 4 Jahren sein?
    sollten sie also auf den gedanken kommen, von einer haarfülle zu sprechen, um die sie mich beneiden, würde ich ihnen entgegenhalten: sie kennen die wahrheit nicht!

    es befriedigt mich sicher nicht, sie erfolgreich getäuscht zu haben.
    mich selbst kann ich auf keinen fall täuschen.
    in mir gräbt beständig dieser schmerz wegen des langsamen, von anderen scheinbar unbemerkbaren haarverlusts.
    davon kann ich mich durch nichts ablenken.

    insofern ist eine annäherung von hinten gefährlich.
    ich könnte mich plötzlich umdrehen, und sie erblicken mein gesicht.
    es ist eine maske, nicht für sie, für mich.
    sie werden vielleicht von meinem gleichmässigen kräftigen augenbrauen fasziniert sein.
    oder von meinen augen, blau, gross und leicht verschwimmend, auch wenn nur ein leichter wind geht.
    sie werden vielleicht meinen geraden blick loben.
    denn aus meiner schnellen verlegenheit kann ich in momenten, in denen ich von mir und meinen fähigkeiten überzeugt bin, auch eine strahlende stärke hervortreten lassen, die sie – das werden sie glauben müssen – einfach abblitzen lässt.

    ich schau ihnen schnurstracks ins gesicht, sie können mir nicht entkommen.
    jetzt müssen sie alle meine schwachstellen, meine unregelmässigkeiten und schiefheiten, das unproportionale an mir bemerken.

    sie wissen es nicht: auch sie funktionieren in ihren erwartungen nach den regeln des goldenen schnitts.
    es geht um eine goldene schnittmenge, die sie unbewusst mit sich herumtragen und an der sie mit jedem betrachtungsblick ihr gegenüber messen müssen.
    sie erwarten sich ein schönes durchschnittsgesicht und werden von meinem haaren abgelenkt.
    schauen sie genauer hin!

    ja, meine nase wird manchmal gelobt.
    näschen, sagen die dann.
    aber etwas hochnäsiges ist auch daran, ein wenig bambihaftes, damit auch kindhaft männliches.
    das rührt sie oder verwirrt sie.

    aber sehen sie nicht diese viel zu dünne oberlippe, die sich so eigentümlich hin- und herwindet und schließlich im rechten mundwinkel verschwindet?
    manchmal drehe ich einfach die unterlippe nach oben, um in die illusion einer gewissen vollkommenheit zu geraten.
    ich nage an meiner oberlippe, ich habe sie beinahe abgenagt, in den mund hineingesogen.
    hätte ich das schon als kleines mädchen durchschaut, wäre sie mir erhalten geblieben, und ich könnte mit einem gewissen wohlwollen meinen mund betrachten.

    immerhin – ich habe eine möglichkeit, diesem anblick zu entgehen, die sie wahrscheinlich nicht haben: ich werfe meine haar nach vorn, mit einem sehr kräftigen schwung.
    ich muss mich dabei weit ausholend nach hinten beugen und dann das ganze haargewicht dazu bringen, sich über meinen kopf hinweg nach vorn zu verlagern.
    dabei werfe ich den kopf in richtung füsse und stoppe in knhiehöhe.
    dann schleifen die haare schon am boden.

    und jetzt, was glauben sie, was ich jetzt tue?
    etwas sehr beruhigendes – ich hebe den kopf ganz langsam.
    was sehen sie?
    keineswegs mein gesicht, sondern ungefähr dasselbe, das sie von hinten gesehen haben.

    mein gesicht, mit meinen haaren verhüllt – wie geht es mir dabei?
    ich sehe sie nicht; niemanden sehe ich.
    ich spüre meine haare auf meiner haut, so, als wäre ich noch das mädchen, dem zum ersten mal die haare so lang gewachsen sind.
    sie riechen gut.
    sie schützen mich vor ihrem blick.

    • @yvonne erber. Auch an alle. Dieser Text gefällt mir sehr sehr sehr. Ich hätte mich auch schon längst dazu geäußert, auch hier und da lektoriert; nur bin ich derzeit mit meiner Zweiten Vorlesung für Donnerstag in Verzug und muß mich betont d a m i t beschäftigen. Deshalb bitte ich um Nachsicht, auch die anderen Teilnehmer, deren Texte ich in dieser Werkstatt noch nicht „begutachtet“ habe. Ich werde das ganz sicher nachholen; vielleicht schaffe ich es aber auch schon am Donnerstag tagsüber, wenn meine Vorlesung denn „netzfähig“ zubereitet sein wird. Ich will sie ja wieder zeitgleich zur realen Vorlesung abrufbar in Die Dschungel einstellen.
      Ihrer aller
      ANH.

    • @yvonne erber (zu: haare. gesicht. scham).

      meine haare sind länger als 70 cm. [Abermals: Das bedeutet, daß a l l e Ihre Haare so lang sind, also auch Achsel- und Schamhaar. Sie werden zugeben, daß man dann komische Bilder vor die Augen bekommt… *lacht leis.]
      sie sind braun, im unteren bereich gewellt und deutlich heller.
      manche strähnen erscheinen mir [Meinen Sie wirklich eine E r s c h e i n u n g, also incl. religiöser Implikation? Oder nicht doch eher „kommen mir nach dem Waschen sogar bloind vor“?] nach dem waschen sogar blond.

      ich sehe mich, wenn ich an mich denke [Ist das eine nötige Folge der Aufgabenstellung?], immer gleich von hinten, mit diesem braunen haarschwall, der manchmal die eigenschaft hat, ein dreieck zu bilden [:wo?] und meinen kopf kleiner erscheinen zu lassen, als er ist.
      ich weiss das von fotos, die mich von hinten zeigen, vor allem im gegenlicht.

      würden sie mich von hinten betrachten, würde ihnen sofort diese fülle ins auge stechen [U-sprachlich; doch etwas, das sticht, ist spitz. Ist Fülle spitz?].
      sie bildet ein langschenkeliges dreieck, oben abgerundet.
      so gesehen habe ich eher ein köpfchen, von dem aus sich die haare nach unten hin auseinanderstrebend ausbreiten. [Dann stimmt die Beschreibung nicht. Wenn das Haar oben abgerundet ist, dann kann es, wenn es sich nach unten ausbreitet, nur rein surreal ein Dreieck ergeben.]

      sicher denken sie: so eine haarpracht habe ich schon lange nicht gesehen! [Nö. Sondern w e i l ich bereits oft eine Haarpracht gesehen habe und sehe, kann ich mir jetzt die Ihre vorstellen.]
      daher würden sie mich aus einer menschenmenge heraus sofort wahrnehmen. [Nur dann, wenn Sie auch noch so hochgewachsen sind, daß Ihre Haarpracht gleichsam über der Menge schwebt…]
      ich hingegen würde ihren blick auf mich keineswegs sehen. [redundant, wenn ich Sie eh von hinten sehe.]
      ich habe schon lang trainiert, blicke auf mich, auch wenn ich sie spüre (wie einen kitzel an der wange [gestrichen, weil ich Sie ja von hinten anschau.], eine heiße stelle am rücken) zu übergehen.
      sogar nach einem flüchtigen seitenblick [:wessen?] würden sie denken: wer ist die dort, die mit den glänzenden langen braunen haaren?
      ich hab das schon oft gehört, ohne darauf näher einzugehen [Welche Funktion hat das hier? Zumal Sie mit diesem Text drei Seiten lang darauf eingehen… das ist pure Rhetorik und tut dem Text nicht gut.].

      niemals würde ich mir meine haare abschneiden oder zulassen, dass andere das tun.
      sie sind seit der 4. klasse gymnasium immer ungefähr gleich lang gewesen.
      ungefähr muss ich deshalb sagen, weil es ja friseusen gibt, die das wort fingerbreit zwar zu verstehen scheinen, aber dann trotzdem 8 oder gar 10 cm abschneiden.
      ich lasse das immer im heimatort machen, zu ostern und zu weihnachten, wenn ich meine eltern besuche [ACHTUNG!: Semantisch bezieht sich, daß Sie das machen lassen (!!), auf die 8 oder 10 c,.].

      ich frisiere meine haare so, dass ein mittelscheitel entsteht, und lege sie vorne so nach rechts, dass der ansatz verdeckt ist.
      auch wenn ihnen das nicht auffällt und sie mich gar fragen: was wollen sie, ich sehe keinen schwund?, würde ich antworten: ich verstecke den schwund.
      jetzt gelingt es mir noch; doch wie wird es 3, 4 Jahren sein?
      sollten sie also auf den gedanken kommen, von einer haarfülle zu sprechen, um die sie mich beneiden, würde ich ihnen entgegenhalten: sie kennen die wahrheit nicht!

      es befriedigt mich sicher nicht, sie erfolgreich getäuscht zu haben.
      mich selbst kann ich auf keinen fall täuschen.
      in mir gräbt beständig dieser schmerz wegen des langsamen, von anderen scheinbar unbemerkbaren haarverlusts.
      davon kann ich mich durch nichts ablenken.

      insofern [verfrüht, wenn die Erklärung erst danach kommt.] ist eine annäherung von hinten gefährlich.
      ich könnte mich plötzlich umdrehen, und sie erblicken mein gesicht [Daran ist rein aus dem Text noch kein Schrecken zu entnehmen.].
      es ist eine maske, nicht für sie, für mich.
      sie werden vielleicht von meinem gleichmässigen kräftigen augenbrauen fasziniert sein [Was ist daran gefährlich?].
      oder von meinen augen, blau, gross und leicht verschwimmend, auch wenn nur ein leichter wind geht [schöner rätselhafter Satz].
      sie werden vielleicht meinen geraden blick loben.
      denn aus meiner schnellen verlegenheit kann ich in momenten, in denen ich von mir und meinen fähigkeiten überzeugt bin, auch eine strahlende stärke hervortreten lassen, die sie – das werden sie glauben müssen – einfach abblitzen lässt.

      ich schau ihnen schnurstracks ins gesicht, sie können mir nicht entkommen.
      jetzt müssen sie alle meine schwachstellen, meine unregelmässigkeiten und schiefheiten, das unproportionale an mir bemerken [Weshalb? Das wird nicht klar, zumal bei hervortretender strahlender Stärke.].

      sie wissen es nicht [:Woher weiß die Erzählerin das?]: auch sie funktionieren in ihren erwartungen nach den regeln des goldenen schnitts.
      es geht um eine goldene schnittmenge, die sie unbewusst mit sich herumtragen und an der sie mit jedem betrachtungsblick ihr gegenüber messen [:gestelzt] müssen.
      sie erwarten sich ein schönes durchschnittsgesicht [Im Gegenteil!] und werden von meinem haaren abgelenkt.
      schauen sie genauer hin!

      ja, meine nase wird manchmal gelobt.
      näschen, sagen die [wer?] dann.
      aber etwas hochnäsiges [:Schön. Da vorher eine Stupsnase assoziiert wird.] ist auch daran, ein wenig bambihaftes, damit (:!!!) auch kindhaft männliches [:Das bekomme ich nicht zu einem glaubhaften Bild.].
      das rührt sie oder verwirrt sie.

      aber sehen sie nicht diese viel zu dünne oberlippe, die sich so eigentümlich hin- und herwindet und schließlich im rechten mundwinkel verschwindet?
      manchmal drehe ich einfach die unterlippe nach oben, um in die illusion einer gewissen vollkommenheit zu geraten [:Das ist s e h r schön!].
      ich nage an meiner oberlippe, ich habe sie beinahe abgenagt, in den mund hineingesogen.
      hätte ich das schon als kleines mädchen durchschaut [:daß sie sie in den Mund saugen?], wäre sie mir erhalten geblieben, und ich könnte meinen Mund mit einem gewissen wohlwollen meinen mund betrachten.

      immerhin – ich habe eine möglichkeit, diesem anblick zu entgehen, die sie wahrscheinlich nicht haben: ich werfe meine haar nach vorn, mit einem sehr kräftigen schwung.
      ich muss [in der Aktion bleiben:] beuge mich dabei weit ausholend nach hinten beugen und schleudre dann das ganze haargewicht dazu bringen, sich über meinen kopf hinweg nach vorn zu verlagern.
      dabei werfe ich den kopf [ungewollt komisch: Selbstköpfung.] in richtung füsse [wo er dann aufknallt] und stoppe in kniehöhe [Das ginge nur, wenn Sie ihn auffingen. Bitte genau formulieren, damit semantisch sowas gar nicht erst passiert.]
      dann schleifen die haare schon [wieso „schon“?] am boden.

      und jetzt, was glauben sie, was ich jetzt tue?
      etwas sehr beruhigendes – ich hebe den kopf ganz langsam.
      was sehen sie?
      keineswegs mein gesicht, sondern ungefähr dasselbe, das sie von hinten gesehen haben.

      mein gesicht, mit meinen haaren verhüllt – wie geht es mir dabei?
      ich sehe sie nicht; niemanden sehe ich.
      ich spüre meine haare auf meiner haut, so, als wäre ich noch das mädchen, dem zum ersten mal die haare so lang gewachsen sind [:Da assoziiert man jetzt einen sekundenbruchteilschnelle Sofortwuchs. Da Sie einen solchen sicher nicht meinen, sollten Sie den ganzen Satz umformulieren.].
      sie riechen gut [Da haben Sie recht: ich rieche gut. – Tücke der durchgehaltenen Kleinschreibung.].
      sie schützen mich vor ihrem blick [dito: ich Sie.].

      Übrigens, das mit der „scham“ im Titel ist mir dunkel geblieben, wenn man mal von dem spontanen Bild 70 cm langen Schamhaars absieht.

    • yvonne erber sagt:

      lieber hr. herbst!

      etwas verspätet: ich bedanke mich für ihre detailgenaue analye und auch für ihre geduld mit weniger sprachgewandten bzw. schreiberfahrenen zeitgenossinnen.
      ich habe die meisten von ihnen vorgeschlagenen korrekturen übernommen.
      dabei bin ich auch auf ein manko gestossen, das mir vorher nicht so bewusst war: lange haare sind – nicht nur im wörtlichen sinn – oft eine grosse belastung.
      sie hindern mich, gewisse termine wahrzunehmen; oder ich komme zumindest zu spät.
      ich stehe auf und sehe sofort eine haarige aufgabe vor mir: ich muss das haar so hinkriegen, dass es einigermassen geglättet wirkt, also eine frisur zustande bringen.
      und ausserdem ist das, was ich im text nur angedeutet habe, viel schlimmer – der haarverlust.
      steckt darin nicht eine eigentümliche perversion: während ich einerseits nicht davon lassen kann, mit meiner „haarpracht“ andere beeindrucken zu wollen, sehe ich hauptsächlich den verlust vor mir, der mich noch mehr schmerzt, weil ich ja auch gern den märchenaspekt damit verbinde.
      „die Zauberin gab dem Kinde den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.
      Rapunzel ward das schönste Kind unter der Sonne.
      Als es zwölf Jahre alt war, schloss es die Zauberin in einen Turm, der in einem Walde lag, und weder Treppe noch Türe hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen.
      Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich hin und rief: „Rapunzel, Rapunzel, Lass mir dein Haar herunter.“
      Rapunzel hatte lange prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold.“
      ist es dieses rapunzelgefühl, das meinen täglichen kontrollblick auf stirn und schläfen noch schmerzhafter macht?
      ps: darf ihnen noch unter „allgemeines“ in den nächsten tagen einen weiteren text vorlegen?

    • @yvonne erber. (Zum P.S.) Nur zu!

  20. peer dhu sagt:

    Spiegelendzeit

    Das gesicht – ich – sicht – geh noch nicht & geh weiter.
    Weiter wohin ?
    Eigentlich eine explosion, der spiegel nur ein reinigungsakt.
    Das haar am hinterhauptbein zusammengebunden zu einem zopf,
    dünne strähne ratten schwanz bis runter zum sakralteil der wirbelsäule.
    Die stirn, von ironischer häufigdistanzierung – eingebildet, dumm fragend ?
    Als relikt aus einer anderen zeit wieder fast von faltenlinien geglättet –
    Augen auch.
    Augen im gegensatz ganz genau auf.
    Die ränder vorerst sanft imaginiert.
    Inneres hartes auge, attraktivitätsverlust hahahaha : wohin -wohin :
    wohin ?
    Splitter, das herauskrachen, gelbergelber blitz.
    Vorher
    roter blitz, violetter blitz ( violentwitz )
    Orangeweiss, myriadisiert, paffpaff gezogen die schläfe runter bis zur nasenspitze.
    das thema verfolgt, die reanimation des versuchs, iris, das runde –
    Jetzt rundrundrundrundrund .
    oxymorons pantasierend aufspritzend ?
    Es wird viel schwerer
    Grosse trauer ohne schlechte prophetie
    Zwischen den ohren, das ohr, die ohren …
    Härchen drinnen auf der gehörschnecke und verwandtes herausquellend.
    Keine ahnung, keine ahnung nicht bis in die nächst woche rein ?
    Bekanntes, entschlossenes terrain erhofft :
    Ein anderes, weicheres, ungleich weicheres,
    problemvermeidung
    ( Und doch stringenz nicht verlieren wollen. )
    Spiegel im narzissmus ?
    Der den.
    Reflexionskreislaufgewimmerblastmitleid.
    Eine hat mich geliebt, als ich mich vom spiegel dessen ungeachtet abgebrüht verabschiedete.
    Sie sagte du spielst gut klavier.
    Ein mund noch.
    Klang schreien.
    Die axt niemals über den tasten spiegeln.
    Den salon zerstören.
    In der wüste spielen.
    Zwischen sich und dem nichts und dem spiegel.
    Fata morgana.
    Karawanen sehen.
    Grosser durst.

    • peer dhu sagt:

      muss noch redlicherweise dazu sagen, dass ich mich in versuchen befinde, die ich
      durchaus ernst nehme, die aber poetik nicht hermetisch auffassen.
      mich interessiert textfluss in all ihrer kontingenz.
      möchte das partikel reingestellt sehen mit einer frage :
      lässt sich aus der geschlossenheit trotzalldem noch ein aufbruch erkennen –
      betrachte aber ein mögliches prinzip hoffnung im text nicht realisiert :
      ein subjektives problem ?

    • @peer dhu. (Zu: Spiegelendzeit). Das gesicht – ich – sicht – geh noch nicht & geh weiter [:Das fängt hier wie ein speziell zum Vortragen geschriebener Text an, was aber hierunter dann wieder verlassen wird. Solche Sachen wie „gesicht-ich-sich“ funktionieren als gelesenes Sprachspiel nicht gut, weil man sofort sieht, worauf das hinauslaufen soll.].
      Weiter wohin ? [:Und das wirkt dann verlegen, auch ein bißchen pubertär.]
      Eigentlich [:Was heißt hier „eigentlich“? Wovon grenzt sich der Autor da ab?] eine explosion, der spiegel nur [Und wieso „nur“?] ein reinigungsakt.
      Das haar am hinterhauptbein zusammengebunden zu einem zopf [„Zopf“ ist etwas anderes als „zusammengebunden“],
      dünne strähne ratten schwanz bis runter zum sakralteil der wirbelsäule [Schönes Bild, auch wenn ich mich frage, wo dieser Sakralteil denn ist.].
      Die stirn, von ironischer häufigdistanzierung – eingebildet, dumm [:beißt sich mit „ironisch“] fragend ?
      Als relikt aus einer anderen zeit [:unklar. Und: aus welcher? Einer persönlichen? Einer historischen? Das klingt s e h r nach Wortblasen-] wieder fast von faltenlinien geglättet [:gramm. Unklar: sind die Faltenlinien geglättet oder glätten sie?]
      Augen auch [:das bezieht sich auf die Falten??].
      Augen im gegensatz ganz genau auf.
      Die ränder vorerst sanft imaginiert [:Wieso das, wenn Sie doch in den Spiegel schauen?].
      Inneres hartes auge, attraktivitätsverlust hahahaha [:auch unklar, wieso innere Augen zu Attraktivitätsverlust führen.] : wohin -wohin :
      wohin ?
      [DIESES GANZE FOLGENDE BILD KANN ICH NICHT REALISIEREN:]
      Splitter, das herauskrachen, gelbergelber blitz.
      Vorher
      roter blitz, violetter blitz ( violentwitz )
      Orangeweiss, myriadisiert, paffpaff [???] gezogen die schläfe runter bis zur nasenspitze.
      das thema verfolgt, die reanimation des versuchs, iris, das runde –
      Jetzt rundrundrundrundrund .
      oxymorons [:Eisenhölzer? Wo? Warum das hier?] phantasierend aufspritzend ?
      Es wird viel schwerer
      Grosse trauer ohne schlechte prophetie [Das ist auch so ein völlig unverbundener Satz, bei dem ich das Gefühl habe, daß ein Magnetstück sich vergeblich anstrengt zu fliegen.]
      Zwischen den ohren, das ohr, die ohren … [:Reihung unklar. Wenn ich Ihrem Blick folge, ist zwischen den Ohren sicher nicht das Ohr.]
      Härchen drinnen auf der gehörschnecke [:Hier müssen Sie physiologisch aufpassen, weil die Härchen, die man zuerst assoziiert, diejenigen sieht, die von außen sichtbar sind – vor allen bei alten Leuten. Hat man dieses falsche Bild erst einmal, kommt man nicht mehr so schnell davon weg und schlägt, wie ich eben tat, in >>>> wikipedia nach. Damit ist man dann g a n z aus dem Text raus.] und verwandtes [:Was meinen Sie damit? Einmal abgesehen davon, daß der Ausdruck sprachlich unschön ist. Außerdem klingt d a s dann nach — Ohrenschmalz:] herausquellend.
      Keine ahnung, keine ahnung nicht bis in die nächst woche rein [Was ist gemeint? Und wozu plötzlich Umgangssprache?] ?
      Bekanntes, entschlossenes terrain erhofft [Wer hat erhofft oder erhofft immer noch?]:
      Ein anderes, weicheres, ungleich weicheres,
      problemvermeidung [:Es wird überhaupt nicht klar, daß überhaupt ein Problem vorliegt.]
      ( Und doch stringenz nicht verlieren wollen. ) [:Gute überraschende Bemerkung.]
      Spiegel im narzissmus ?
      Der den.
      Reflexionskreislaufgewimmerblastmitleid [Dieses Unwort bringt Ihnen und dem Leser nichts.]
      Eine hat mich geliebt, als ich mich vom spiegel dessen ungeachtet abgebrüht [:„als ich dessen geachtet abgebrüht“… nee wirklich: aua.] verabschiedete.
      Sie sagte du spielst gut klavier. [Hier passiert jetzt endlich mal etwas, das Duft hat.]
      Ein mund noch.
      Klang schreien.
      Die axt niemals über den tasten spiegeln. [Auch gut. Ich hab den Eindruck, daß Sie erst hier jetzt in dem ankommen, was Sie erzählen wollen.]
      Den salon zerstören.
      In der wüste spielen.
      Zwischen sich und dem nichts und dem spiegel.
      [:Zwei s e h r schöne Zeilen. Dann aber brechen Sie ins allzu Bekannte weg:]
      Fata morgana.
      Karawanen sehen.
      [Wobei dieser Schluß wieder etwas interessant Doppeldeutiges hat, und er funktioniert, weil er sowohl Metapher als auch das konkrete Ergebnis der zuvor angespielten Wüstenhitze ist:]
      Grosser durst.

    • @peer dhu (zu Ihrem Selbstkommentar). An diesem Satz läßt sich ganz gut zeigen, welches Problem Ihre Arbeiten durchzieht:

      muss noch redlicherweise [:völlig unklar, was der moralische Term hier soll.] dazu sagen, dass ich mich in versuchen befinde, die ich
      durchaus ernst nehme, die aber poetik nicht hermetisch auffassen [„die ich ernst nehme, die aber nicht hermetisch sind“ – das arbeitet mit einem Enthymem: nämlich ungesagt, daß andere nur das ernst nehmen, w a s hermetisch sei. Solche Dinge, ich eigentlich fraglich sind und allenfalls These, setzen Sie in Ihren Texten oft als Wahrheiten schon voraus. Wer in sich andere Wahrheit hat, versteht dann gar nichts mehr. Auf diese Weise stellen Sie unfreiwillig eine Hermetik her, die Sie gerade vermeiden zu wollen erklären….]

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