DIE ZWEITE AUFGABE. Virtuelles Seminar.

Frau und Mann begegnen einander, er macht sie an oder sie ihn, will verführen vielleicht, will vielleicht auch nur einen freundschaftlichen Kontakt oder sich unterhalten. Oder hat sich auf Anhieb verliebt. Das sei für die Aufgabe nicht festgelegt. Es können Mädchen und Junge sein, junge Frau und junger Mann, alte Frau, alter Mann, egal, meinetwegen auch Mann und Mann, Frau und Frau. Die einzige Vorgabe, die ich eingelöst erwarte, ist folgende:

Es wird ein reiner Dialog geschrieben. Es gibt keine Regieanweisung, keine Szene. Sie schreiben so:

SIE: (Text)
ER: (Text)
SIE:
ER:
.
.
.usw.

Versuchen Sie, die Personen über ihre Gesprächsführung zu characterisieren. Versuchen Sie, über die Gesprächsführung den Ort der Handlung zu characterisieren. Versuchen Sie vor allem, in das Gespräch eine Dynamik hineinzubekommen, auf der man lesend surfen kann, so daß man weiterlesen will.
Beschränken Sie sich auf zwei, höchstens drei Seiten Text. Es ist nicht wichtig, daß Sie zu einem Ende finden, wichtig ist, daß das Gespräch nicht stockt – was ja einer solchen Situation auch real entspricht: Wie krieg ich das hin, daß keinem von uns beiden der Stoff ausgeht? Wenn etwas von der Flirt-Situation sinnlich herüberkäme, wäre das wunderbar.

Bin gespannt.

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47 Responses to DIE ZWEITE AUFGABE. Virtuelles Seminar.

  1. Die Zeichnung Sie: Entschuldigen Sie, aber ist das nicht die Frau dort drüben?
    Er: Bitte – ich, oh…
    Sie: Bitte, lassen sie nur, ich wollte sie wirklich nicht stören. Zeichnen sie ruhig weiter, mir gefällt die Zeichnung, wirklich. Wegen mir brauchen sie nicht aufhören. So schlagen sie doch das Büchlein wieder auf!
    Er: Es ist nur. Ich…
    Sie: Nein, nein – interessieren sie sich nicht für mich, Bleiben sie ganz bei ihrem Sujet. Wenden sie sich nicht davon ab. Schauen sie sich nicht nach mir um. Ich gucke ihnen einfach weiter über die Schulter, wenn sie erlauben.
    Er: Nun ja, es macht mich etwas verlegen.
    Sie: Das kann ich nicht glauben.
    Er: Nun, ich weiß nicht…
    Sie: Aber sie sitzen hier, unter freiem Himmel; sie setzen sich unter Leuten, beobachten, zeichnen. Sie fallen doch auf, hier auf der Terrasse unter all den verliebten Pärchen, den Zeitungslesern, den alten Frauen mit ihren Hunden auf dem Schoß, die auch schon mal die Sahne von dem Kuchen schlecken dürfen…
    Er: Fürchterlich, nicht wahr.
    Sie: Oh, darauf können wir uns leicht einigen! Nun seien sie nicht so zimperlich: Öffnen sie ihr feines Büchlein.
    Er: Es ist fast fertig. Ich hätte nicht mehr für lange…
    Sie: Dann nur zu! Seien sie ein Guter.
    Er: –
    Sie: Ich finde sie schön… Ein wenig – verwegen. Verzeihen sie, wenn ich sie das jetzt so frage, – ach zeichnen sie ruhig weiter. Ist das denn eine Bekannte von ihnen?
    Er: Nein, ich kenne sie nicht. Sie ist eher – ein Opfer.
    Sie: Nein! Nein, nein ,nein, das kaufe ich ihnen nicht ab.
    Er: Sie glauben mir nicht?
    Sie: Aber bitte, junger Mann, das war doch nur so dahin gesagt von ihnen. Koketterie – bestenfalls. Ihre Zeichnung zeigt kein Opfer, sondern eine Täterin. Triebhaft ist sie, eine Eva mit einem schönen roten Apfel zwischen den Beinen, wenn sie mich fragen. Da ist kein Opfer! Oder Keuschheit! Weder da, noch dort!
    Sie: Schauen sie mal wie die Frau mit der anderen spricht! Ich müsste raten, wenn ich Männer beim Gespräch betrachte und aus ihren Gesten und ihrem Habitus versuchte zu entziffern, was sie besprechen. Wenn ich rate, dann tippe ich meist auf Fußball, Formel 1 und Autos – vor allem wenn sie besonders begeistert bei der Sache sind! Wahrscheinlich liege ich immer Falsch.
    Sie: Wissen sie, in Männern erkenne ich nur Klischees. Er: Und bei Frauen ist das Anders?
    Sie: Ja, dann blicke ich in einen Spiegel. Sie können bei den beiden Freundinnen dort womöglich auch nur raten – aber sagen sie mir doch: worüber unterhalten sich die beiden Frauen gerade?
    Er: Keine Ahnung.Mein Zeichnen ist immer so eine Art Assoziation zu dem Tun und Denken meiner – verzeihen sie – „Opfer“. Das Denken unterstelle ich den Beobachteten nur. Auch ihr Sprechen. Mein Bleistift unterstellt. Das Papier unterstellt.
    Sie: Wie meinen sie das?
    Er: Natürlich ist die Realität die meine Zeichnung aufdeckt komplett gegensätzlich zu der Wirklichkeit. Ich entblättere sie -jedes Sujet übrigens-, egal ob Frau oder Mann, Schön im weitesten Sinne, oder hässlich. These, Antithese, Synthese vielleicht?
    Sie: Oh – der Herr wird philosophisch. Nun, dass er sich da mal nicht verplappert. Ihre Zeichnung gibt vieles her, aber sicherlich keine Philosophie…“
    Er: Was dann? Sie wissen also Bescheid, wie?
    Sie: Ihre Zeichnung da ist ein Spiegel dessen, was die Frau denkt und fühlt. Sie offenbart sich ihrer Freundin, so wie nur Frauen sich Frauen gegenüber offenbaren. Sie spricht schamlos über ihren letzten Mann, den nächsten Liebhaber, ihre intimsten Träume. Sie breitet sich aus! Sie öffnet sich… und begehrt.
    Er: Warum denken sie zeichne ich etwas, von dem sie glauben dass es für mich nicht sichtbar ist; was ich nicht sehen kann?
    Sie: Es kommt mir vor als wären sie in der Lage die Realität zu biegen. Sie durchstoßen mit ihrem Bleistift Zeit und Raum. Ich denke, ich werde Sie Einstein nennen!“
    Er: Dann habe ich nochmal Glück gehabt! Sie lassen mir Luft zum!
    Sie: Wie meinen sie das denn?
    Er: Zum Glück haben sie mich nicht Michelangelo getauft. Das wäre eine Last. Auf der anderen Seite: Immerhin schenken sie mir aber die Nähe zu einem Genie!
    Sie: Lieber Einstein, sie fragten mich doch nach meiner Wahrnehmung. Vielleicht sehe ich erst ihr Bild und danach die Frau so, wie sie sie zeichnen.
    Er: Oder?
    Sie: Vielleicht sehe ich aber zunächst die Frau und in ihr das was sie zeichnen. Was mich neben dem wunderbaren Motiv interessiert, ist ihr Weg in die Realität, die sie in der Zeichnung finden.
    Er: Sie meinen die Bildwirklichkeit!
    Sie: Vielleicht, ja.
    Er: Was sonst?
    Sie: Vielleicht ist das was sie gerade darstellen erst vor kurzem passiert oder es wird in Zukunft passieren. So lese ich die Wirklichkeit ihrer Zeichnung im Vergleich zu der Szene die sich vor uns abspielt. Ihre Zeichnung ist für mich authentisch und wahr. Sie scheinen sich dieser Wahrhaftigkeit aber nicht bewusst zu sein.
    Sie: Welches Bewusstsein führt also den Stift?“
    Er: Schauen sie doch: Ihre Kleidung ist nicht betont aufreizend. Ihres Körpers bewusst und fraulich, ja. Das Hemd mit dem Dekolletee. Die Jeans sind elegant aber nicht außergewöhnlich. Letztlich ist es ihr Körper selbst, der sich in ihrer unscheinbaren Hülle Bahn bricht. Ihre Schenkel füllen den Stoff und bilden Form. Es sind nicht die Schuhe, die anziehend sind, es ist das Stück Körper oberhalb der Schuhe, unterhalb der Jeans, der bedeutend ist. Der Knöchel ist Körper, ist Frau, ist Sex, ist bedeutend… Gerade im Moment spielen ihre Hände entspannt um ihren Nacken. Sie tut es immer dann, wenn ihre Freundin spricht. Ihre Schenkel öffnen sich, immer wenn sie sich zu ihrer Freundin vorbeugt, um eine größere Vertraulichkeit zu erreichen. Meistens lachen die Frauen dann auf und lassen sich zurück, gegen die Lehnen ihrer Stühle fallen. Da sehen sie?
    Sie: Ja!
    Er: Und jetzt kann man sehen, wie sich ihr ganzer Körper öffnet, in eben diesem Moment der geringster Kontrolle – widerstandslos.
    Sie:Sehen sie mal, wie die schöne Frau ihre Blicke immer wieder suchend über den Platz streifen lässt.
    Er: Das geht schon die ganze Zeit so. Wen ihre Augen berührt, der fühlt sich angesprochen.
    Sie: Haben sie das überprüft?
    Er: Eine Reihe Männer kam bereits hier vorbei. Nur ein kurzer Blickkontakt genügte und man konnte beobachten wie die Herren mal aufrechter, mal breiter, mal beschwingter weiter schritten. Meist fuhren sie sich mit der Hand durch das Haar, sobald sie der Aufmerksamkeit der Schönen für Augenblicke gewahr wurden. Zwei von ihnen wählten den selben Weg wiederholt, nur um ein weiteres Mal den eigenen Eindruck zu bestätigen und vor allem: um von ihr gesehen zu werden! Sie: Und sie? Hat sie auch sie…?
    Er: Zwischendurch schien mir, ihr Blick streifte den meinen. Mir war als wüsste sie Bescheid. Da war so ein Zug um ihrem Mund, etwas in ihren Augen, das zu sagen schien: >Dein Spiel habe ich durchschaut!<
    Sie: Aber all das ist nur scheinbar Oberfläche.
    Er: So will ich das auch sehen. An dieser Oberfläche bewegen sich eine – was sage ich, mehrere Spielarten der Wirklichkeit, die entscheidenden Einfluss auf mein Zeichnen nehmen. Verstehen sie?
    Sie: Weiter Einstein!
    Er: Der Kontext der Realität ist natürlich in erster Linie Objekt, Licht, Raum. Auf Ebene eins, sozusagen.
    Er: Auf Ebene 2 strömen weitere Einflüsse ein, wie: Laute, Umfeld, Stimmungen.
    Sie: Und, Einstein?
    Er: Auf Ebene 3 bin ich. Da bin ich frei und nur minimal gebunden. Das ist der Ort der Obsessionen und Visionen, der Identifikation.
    Sie: Ja.
    Er: Ich habe ein Buch nur für Fabriken. Eines für Vögel. Ich habe viele Bücher. Dieses ist für Menschen, die ich in Gedanken ausziehe. Ich stelle mir vor, ich stehle ihre Persönlichkeit, entführe sie und sperre sie in diesen Käfig. Meine Arbeit ist nicht gerecht. Sie dient nur mir. Ich fühle mich schamlos im Umgang mit denen… Tatsächlich schäme ich mich für diese Notizen.
    Sie: Wofür? Warum?
    Er: Ich analysiere und bewerte. Ungefragt. Sind sie Bibelfest?
    Sie: Einstein, ich bitte sie…!
    Er: …Du sollst dir kein Bildnis machen. Sie wissen schon. Ich finde all die Menschen in ihrer Nacktheit echt. Wirklicher als in ihren Hüllen – aber darin liegt die Anmaßung der Bilder! Es ist, wie sie schon sagten – und nun verstehe ich erst die Bedeutung-: ich biege die Realität, die Zeit. Ich notiere einen Zustand – oder skizziere einen Aggregatzustand, den weder diese Menschen noch Andere je so wahrnehmen werden. Allerdings hat die Wirklichkeit eine Option auf eine solche Szene… Früher oder später… Ich zerpflücke und vereinige Realitäten unter der Prämisse meiner eigenen Ästhetik. In diesem Falle ist es die Nacktheit.
    Sie: Einstein, ich verstehe deine Skrupel immer noch nicht…
    Er: Ich erhebe mich über sie.
    Sie: Und?
    Er: Sie haben keine Wahl, oder?
    Sie: Und deswegen Opfer?
    Er: Ich denke schon…
    Sie: Nein, Einstein, du schämst dich stellvertretend!
    Er: Wie das? Wofür stellvertretend?
    Sie: Du verinnerlichst. Du nutzt dabei ein Medium, dass nach außen muss. Was tust du? Du klappst den schweren, schwarzen Deckel über deine Gedanken zu und verschließt sie. Du bist ein Vampir!
    Er: Da hast du es!
    Sie: Daher also die Scham?
    Er: Vielleicht…
    Sie: Nein Einstein, deine Scham rührt nicht daher, dass du ein Mittel hast, dich der Äußerlichkeiten anderer -und deiner eigenen, wohlgemerkt- zu entledigen. Dein Medium offenbart ja nicht nur das Motiv. Die Zeichnung leuchtet dich aus.
    Er: Wie?
    Sie: Du bist diese Frau!
    Er: –
    Sie: Ich wünschte mir – und ich meine das ganz ehrlich-, ich wünsche mir wirklich einmal in deinem Buch zu landen.
    Er: –
    Sie: Ich will von dir aufgesammelt werden, Einstein. Ich will mich mit dir zwischen den Seiten deines Buches vermählen und weist du was?
    Er: –
    Sie: Ich freue mich dann zu wissen, dass ich es bin, die du dir einverleibst. Du aber, hast vielleicht den Wunsch oder den Widerwillen, ich könnte es sein, den du da zeichnest.
    Er: –
    Sie: Einstein, wenn du dich umdrehst, mache ich dir eine Szene! Ich weiß, dass es nicht deine Stärke ist, so etwas durchzustehen. Also guck weiter nach vorne und gib mir einige Minuten.
    Er.

    • @Gumbricht (zum Dialog). <>[Von hier….]
      Sie: Entschuldigen Sie, aber ist das nicht die Frau dort drüben?
      Er: Bitte – ich, oh…
      Sie: Bitte, lassen sie nur, ich wollte sie wirklich nicht stören. Zeichnen sie ruhig weiter, mir gefällt die Zeichnung, wirklich. Wegen mir brauchen sie nicht aufhören. So schlagen sie doch das Büchlein wieder auf!
      Er: Es ist nur. Ich…
      […bis hier sind die ER-Einwürfe verlegenheitshalber hingeschrieben. Das ist zu merken. Und worauf bezieht sich der Frau „Lassen Sie nur“? Das sollte, vor allem am Anfang, deutlich sein.]
      Sie: Nein, nein – interessieren sie sich nicht für mich[Das würde, glaube ich, keine erstmals so angesprochene Frau so sagen. Zumal d a s fast pädagogisch rüberkommt und rein psychologisch ein Übertritt ist, indem es eine indirekte Hierarchie aufmacht:], Bleiben sie ganz bei ihrem Sujet. Wenden sie sich nicht davon ab. Schauen sie sich nicht nach mir um. Ich gucke ihnen einfach weiter über die Schulter, wenn sie erlauben.
      Er: Nun ja, es macht mich etwas verlegen. [Reagiert er hier wirklich pycho-logisch wirklich? Vielleicht einfach härter: „Sie machen mich verlegen“. Überhaupt macht der Dialog bislang den Eindruck einer Geschlechtsumkehrung, und was SIE sagt, sagte eigentlich er…]
      Sie: Das kann ich nicht glauben.
      Er: Nun, ich weiß nicht…
      Sie: Aber sie sitzen hier, unter freiem Himmel; sie setzen sich unter Leuten, beobachten, zeichnen. Sie fallen doch auf, hier auf der Terrasse unter all den verliebten Pärchen, den Zeitungslesern, den alten Frauen mit ihren Hunden auf dem Schoß, die auch schon mal die Sahne von dem Kuchen schlecken dürfen…[Ui, Achtung, sexueller Doppelsinn, zumal wenn man den Satz auf „auch“ betont. Den Doppelsinn würde er merken… Und wieso fällt ein Mann auf, der zeichnet?]
      Er: Fürchterlich, nicht wahr.
      Sie: Oh, darauf können wir uns leicht einigen! Nun seien sie nicht so zimperlich: Öffnen sie ihr feines Büchlein (wieder).
      Er: Es ist fast fertig. Ich hätte nicht mehr für lange…
      Sie: Dann nur zu! [Eine solch forsche Frau muß mehr Profil in der Sprache bekommen, im D u k t u s der Sprache; vergessen Sie nicht, daß sie notwendigerweise etwas leicht Provozierendes hat. Man könnte das über eine gewisse Schnippischkeit hinbekommen. Zumal mit dem altertümelnden:[Seien sie ein Guter.
      Er: –
      Sie: Ich finde sie schön… [Das ist hier gut! Hier b e k o m m t die Frau Profil: Forderung.]Ein wenig – verwegen. [:Darauf m u ß er reagieren. Dem müssen Sie sich stellen.] Verzeihen sie, wenn ich sie das jetzt so frage, – ach zeichnen sie ruhig weiter. [Ganz unwahrscheinliche Frage für die Situation. Wären die beiden bekannt, sie säßen beisammen, oder man merkte, daß die Bekannte Modell sitzt:]Ist das denn eine Bekannte von ihnen?
      Er: Nein, ich kenne sie nicht. Sie ist eher – ein Opfer.[:Ein so scheuer Mann sagt solch einen Satz? Und gucken Sie mal, wie sich sofort die Funktionen der Gesprächsführung umkehren, unabsichtlich, unter den Fingern des Autors:]
      Sie: Nein! Nein, nein ,nein, das kaufe ich ihnen nicht ab.
      Er: Sie glauben mir nicht?
      Sie: Aber bitte, junger Mann, das war [?] doch nur so dahin gesagt von ihnen. Koketterie – bestenfalls. Ihre Zeichnung zeigt kein Opfer, sondern eine Täterin. Triebhaft ist sie, eine Eva mit einem schönen roten Apfel zwischen den Beinen [Überlegen Sie mal, was für eine Frau das sein müßte, die so etwas sagt…], wenn sie mich fragen. Da ist kein Opfer! Oder Keuschheit! Weder da, noch dort!
      ___________
      [Personenwirrwarr der Dialogpartner:]
      Sie: Schauen sie mal wie die Frau mit der anderen spricht! Ich müsste raten [Welche Funktion hat das hier, daß sie „raten“ müßte. Das ist reines Dahingesage.], wenn ich Männer beim Gespräch betrachte und aus ihren Gesten und ihrem Habitus versuchte zu entziffern, was sie besprechen. Wenn ich rate, dann tippe ich meist auf Fußball, Formel 1 und Autos – vor allem wenn sie besonders begeistert bei der Sache sind! Wahrscheinlich liege ich immer FFalsch.
      Sie: Wissen sie, in Männern erkenne ich nur Klischees. Er: Und bei Frauen ist das Anders?
      Sie: Ja, dann blicke ich in einen Spiegel. Sie können bei den beiden Freundinnen dort womöglich auch nur raten – aber sagen sie mir doch: worüber unterhalten sich die beiden Frauen gerade?
      Er: Keine Ahnung.Mein Zeichnen ist immer so eine Art Assoziation zu dem Tun und Denken meiner – verzeihen sie – „Opfer“. Das Denken unterstelle ich den Beobachteten nur. Auch ihr Sprechen. Mein Bleistift unterstellt. Das Papier unterstellt.
      Sie: Wie meinen sie das?
      [Hier wird deutlich, daß dem Autor die Figuren nicht vor Augen stehen, sondern er sich eigentlich in den Figuren nur mit sich selbst unterhält.]
      ______________
      Er: Natürlich ist die Realität die meine Zeichnung aufdeckt komplett gegensätzlich zu der Wirklichkeit.[:Das ist kein gesprochener Satz mehr. Können Sie machen, in französischen Spielfilmen funktioniert so etwas perfekt – aber dann muß das gesamte Gespräch so angelegt sein.] Ich entblättere sie [: Sagt keiner, der am Anfang des Gespräches ein solches Hascherl war.] -jedes Sujet übrigens-, egal ob Frau oder Mann, Schön im weitesten Sinne, oder hässlich. These, Antithese, Synthese vielleicht?
      Sie: Oh – der Herr wird philosophisch [Es ist überhaupt nicht klar, weshalb sie, die hm anfangs so über war, jetzt unter ist. Da fehlt ein entscheidender Schritt im Dialog. D a s ist dann wieder gut:] . Nun, dass er sich da mal nicht verplappert. Ihre Zeichnung gibt vieles her, aber sicherlich keine Philosophie…“
      Er: Was dann? Sie wissen also Bescheid, wie?
      Sie: Ihre Zeichnung da ist ein Spiegel dessen, was die Frau denkt und fühlt. Sie offenbart sich ihrer Freundin, so wie nur Frauen sich Frauen gegenüber offenbaren [Banaler Satz, viel zu banal für die jetzt entstandene Situation.]. Sie spricht schamlos über ihren letzten Mann, den nächsten Liebhaber, ihre intimsten Träume [Wieso Träume? Sie wird ihrer Freundin eben n i c h t „Träume“ erzählen, sondern Konkretes. Das i s t es ja gerade, was da zwischen Frauen funktioniert.]. Sie breitet sich aus! Sie öffnet sich… und begehrt.
      Er: Warum denken Sie, zeichne ich etwas, von dem sie glauben dass es für mich nicht sichtbar ist; was ich nicht sehen kann?
      Sie: Es kommt mir vor als wären sie in der Lage die Realität zu biegen [Woher n immt sie d a s denn? Sicherlich nicht aus seiner Gesprächsführung..]. Sie durchstoßen mit ihrem Bleistift Zeit und Raum [Für diese Wendung muß das Gespräch entweder ironisch oder begeistert geführt sein. Beides ist aber nicht der Fall.]. Ich denke, ich werde Sie Einstein nennen!“
      Er: Dann habe ich nochmal Glück gehabt! Sie lassen mir Luft zum [Hier fehlt was.]!
      Sie: Wie meinen sie das denn?
      Er: Zum Glück haben sie mich nicht Michelangelo getauft. Das wäre eine Last. Auf der anderen Seite: Immerhin schenken sie mir aber die Nähe zu einem Genie![:Würde er das, wäre er’s, wirklich so sagen?]
      Sie: [Das hier sollte viel viel früher schon dastehen, sofort bekäme der Dialog den nötgigen drive.]Lieber Einstein, sie fragten mich doch nach meiner Wahrnehmung. Vielleicht sehe ich erst ihr Bild und danach die Frau so, wie sie sie zeichnen.
      Er: Oder?
      Sie: Vielleicht sehe ich aber zunächst die Frau und in ihr das was sie zeichnen. Was mich neben dem wunderbaren Motiv interessiert, ist ihr Weg in die Realität, die sie in der Zeichnung finden.[Jajajaja, das ist die I d e e. Und die trägt wirklich, wenn man sie von Anfang an in den Blick nimmt. Hier darf nicht eine Sekunde herumgeredet werden.]
      Er: Sie meinen die Bildwirklichkeit!
      Sie: Vielleicht, ja.
      Er: Was sonst?
      Sie: Vielleicht ist das was sie gerade darstellen erst vor kurzem passiert oder es wird in Zukunft passieren. So lese ich [Normativer! Setzender!:] ist die Wirklichkeit ihrer Zeichnung im Vergleich zu der Szene die sich vor uns abspielt. Ihre Zeichnung ist für mich authentisch und wahr. Sie scheinen sich dieser Wahrhaftigkeit aber nicht bewusst zu sein.
      Sie: Welches Bewusstsein führt also den Stift?“
      Er: Schauen sie doch: Ihre Kleidung ist nicht betont aufreizend. Ihres Körpers bewusst und fraulich, ja. Das Hemd mit dem Dekolletee. Die Jeans sind elegant aber nicht außergewöhnlich. Letztlich ist es ihr Körper selbst, der sich [Aua!:]in ihrer unscheinbaren Hülle Bahn bricht. Ihre Schenkel füllen den Stoff und bilden Form. Es sind nicht die Schuhe, die anziehend sind, es ist das Stück Körper oberhalb der Schuhe, unterhalb der Jeans, der bedeutend ist. Der Knöchel ist Körper, ist Frau, ist Sex, ist bedeutend… Gerade im Moment spielen ihre Hände entspannt um ihren Nacken. Sie tut es immer dann, wenn ihre Freundin spricht. Ihre Schenkel öffnen sich, immer wenn sie sich zu ihrer Freundin vorbeugt, um eine größere Vertraulichkeit zu erreichen. Meistens lachen die Frauen dann auf und lassen sich zurück, gegen die Lehnen ihrer Stühle fallen. Da sehen sie?
      Sie: Ja!
      Er: Und jetzt kann man sehen, wie sich ihr ganzer Körper öffnet, in eben diesem Moment der geringster Kontrolle – widerstandslos.
      [Hier ist Er plötzlich ganz auf Ihrer Höhe… das hat das Gespräch bislang nirgendwo dramaturgisch hinbekommen, es wird jetzt rein behauptet.]
      Sie:Sehen sie mal, wie die schöne Frau ihre Blicke immer wieder suchend über den Platz streifen lässt.
      Er: Das geht schon die ganze Zeit so. Wen ihre Augen berührt, der fühlt sich angesprochen.
      Sie: Haben sie das überprüft?
      Er: Eine Reihe Männer kam bereits hier vorbei. [:Papier, reines Papier. Auch so spricht niemand in einem Gespräch:] Nur ein kurzer Blickkontakt genügte und man konnte beobachten wie die Herren mal aufrechter, mal breiter, mal beschwingter weiter schritten. Meist fuhren sie sich mit der Hand durch das Haar, sobald sie der Aufmerksamkeit der Schönen [!!! Wie kriegen Sie diese Männlichkeit und Setzungsfreude mit der anfänglichen „Verlegenheit“ zusammen?] für Augenblicke [Wortwahl:]gewahr wurden. Zwei von ihnen wählten den selben Weg wiederholt, nur um ein weiteres Mal den eigenen Eindruck zu bestätigen und vor allem: um von ihr gesehen zu werden! Sie: Und sie? Hat sie auch sie…?
      Er: Zwischendurch schien mir, ihr Blick streifte den meinen. Mir war als wüsste sie Bescheid. Da war so ein Zug um ihrem Mund, etwas in ihren Augen, das zu sagen schien: >Dein Spiel habe ich durchschaut!<
      Sie: Aber all das ist nur scheinbar Oberfläche.
      Er: So will ich das auch sehen. An dieser Oberfläche bewegen sich eine – was sage ich, mehrere Spielarten der Wirklichkeit, die entscheidenden Einfluss auf mein Zeichnen nehmen. Verstehen Sie?
      Sie: Weiter, Einstein! [Hier hätte ich die Ironie jetzt verlassen und wäre in d a s voll eingestiegen:]
      Er: Der Kontext der Realität ist natürlich in erster Linie Objekt, Licht, Raum. Auf Ebene eins, sozusagen.
      Er: Auf Ebene 2 strömen weitere Einflüsse ein, wie: Laute, Umfeld, Stimmungen.
      Sie: Und, Einstein?
      Er: Auf Ebene 3 bin ich. Da bin ich frei und nur minimal gebunden. Das ist der Ort der Obsessionen und Visionen, der Identifikation.
      Sie: Ja. [Dialogsführungs-Verlegenheit.]
      Er: Ich habe ein Buch nur für Fabriken. Eines für Vögel. Ich habe viele Bücher. Dieses ist für Menschen, die ich in Gedanken ausziehe. Ich stelle mir vor, ich stehle ihre Persönlichkeit, entführe sie und sperre sie in diesen Käfig. Meine Arbeit ist nicht gerecht. Sie dient nur mir. Ich fühle mich schamlos im Umgang mit denen… Tatsächlich schäme ich mich für diese Notizen.
      Sie: Wofür? Warum?
      Er: Ich analysiere und bewerte. Ungefragt. Sind Sie bibelfest?
      Sie: Einstein, ich bitte sie…! [Um was? Neinnein, diese Verlegenheiten führen einen dazu, solch unlautere, spöttische Fragen zu stellen.]
      Er: …Du sollst dir kein Bildnis machen. [:Banalität: Dazu muß niemand bibelfest sein.] Sie wissen schon. [Eben.] Ich finde all die Menschen in ihrer Nacktheit echt. Wirklicher als in ihren Hüllen – aber darin liegt die Anmaßung der Bilder! Es ist, wie Sie schon sagten [retardiert gräßlich:]und nun verstehe ich erst die Bedeutung-: ich biege die Realität, die Zeit. Ich notiere einen Zustand – oder skizziere einen Aggregatzustand, den weder diese Menschen noch Andere je so wahrnehmen werden. Allerdings hat die Wirklichkeit eine Option auf eine solche Szene… Früher oder später… Ich zerpflücke und vereinige Realitäten unter der Prämisse meiner eigenen Ästhetik [:Das hat er hier? So wirkt er nirgends.]. In diesem Falle ist es die Nacktheit.
      Sie: Einstein, ich verstehe deine Skrupel [Was für – und sowieso – „Skrupel“?] immer noch nicht…
      ______
      [Dieser Passage ist typisch für die Unentschiedenheit der Dialogführung: Erst versteht er nicht, dann sie nicht, dann versteht er, dann versteht sie… und alles ohne psychologisch über den Dialog hergeleitet zu sein. Das führt dazu, daß die Charactere völlig verwischt bleiben.]
      Er: Ich erhebe mich über sie.
      Sie: Und?
      Er: Sie haben keine Wahl, oder?
      Sie: Und deswegen Opfer?
      Er: Ich denke schon…
      Sie: Nein, Einstein, du schämst dich stellvertretend!
      Er: Wie das? Wofür stellvertretend?
      Sie: Du verinnerlichst. Du nutzt dabei ein Medium, dass nach außen muss. Was tust du? Du klappst den schweren, schwarzen Deckel über deine Gedanken zu und verschließt sie. Du bist ein Vampir!
      Er: Da hast du es!
      Sie: Daher also die Scham?
      Er: Vielleicht…
      ______________
      Sie: Nein Einstein, deine Scham rührt nicht daher, dass du ein Mittel hast, dich der Äußerlichkeiten anderer -und deiner eigenen, wohlgemerkt- zu entledigen. Dein Medium offenbart ja nicht nur das Motiv. Die Zeichnung leuchtet dich aus.
      Er: Wie?
      Sie: Du bist diese Frau!
      Er: –
      Sie: Ich wünschte mir – und ich meine das ganz ehrlich-, ich wünsche mir wirklich einmal in deinem Buch zu landen.
      Er: –
      Sie: [JA! Das ist eigentlich schön, sehr schön. Aber da müssen Sie h i n k o m m e n, genauer: da muß sie ihn hinführen, und dazu hat sie hier nur die Möglichkeit der Dialogführung.]Ich will von dir aufgesammelt werden, Einstein. Ich will mich mit dir zwischen den Seiten deines Buches vermählen und weist du was?
      Er: –
      Sie: Ich freue mich dann zu wissen, dass ich es bin, die du dir einverleibst. Du aber, hast vielleicht den Wunsch oder den Widerwillen, ich könnte es sein, den du da zeichnest.
      Er: –
      Sie: Einstein, wenn du dich umdrehst, mache ich dir eine Szene! Ich weiß, dass es nicht deine Stärke ist, so etwas durchzustehen. Also guck weiter nach vorne und gib mir einige Minuten.
      Er. [Schönes Ende mit dem einen Gedankenstrich.]

    • Ich bin natürlich erschüttert Vor allem aber tut es mir fast schon leid Sie so viel Text ausgesetzt zu haben. Danke für Ihre Zeit und die Akribie bei der Lektüre. Ich gebe Ihnen in allen Einlassungen recht. Ich will später, wenn ich wieder Zeit finde kurz erläutern was mir beim Schreiben geschehen ist, welche Idee ich verfolgte und wie es zu Unstimmigkeiten gerade zu Anfang kommt.

      Ihre entscheidende Feststellung ist die, dass der Autor sich mit sich selbst unterhält. Unbeholfen fühlte ich mich schon bei der Umsetzung des Dialoges. Was es war, dass mich irritierte konnte ich gleichwohl nicht heraus lesen. Jetzt weiß ich es. Die Kernidee haben Sie immerhin entdeckt und mit dem Ende kann man arbeiten. Vielleicht wollte ich zu sehr um eine Theorie herum einen Dialog konstruieren.

      Und die AUAs, die tun wirklich weh.

      Aber wenn es darum geht zu verstehen, wo die Grenze zwischen Text und Dichtung verläuft, ist dieser Kurs sehr lehrreich für mich.

    • @Gumbricht. Ich meine nichts, von dem, was ich hier schreibe, böse. Manches – wie die Aua’s – erläutert aber mehr, als es irgend eine Umschreibung könnte. Ich geh mit meinen eigenen Arbeiten ganz ebenso um und l a ß mit ihnen – wenn am Text geblieben wird – ebenso umgehen. Für Dichtung gilt das, was >>>> die große Paglia über Sexualität sagt: Sie ist kein Frühstück im Freien.
      Aber bei allem: Dies hier hat die Arbeitsbasis eines Gespräches Gleicher unter Gleichen, bei dem der eine Gleiche halt ein Fachgebiet hat.

  2. Bella Er: Entschuldigen sie, würden sie mir bitte ihre kleine Hacke für einen
    Moment leihen?
    Sie: Aber ja, ich bin sowieso gerade fertig geworden.
    Er: Ihr Mann?
    Sie: Ja, mein Mann. Es ist schon drei Jahre her.
    Er: Tut mir leid.
    Sie: Und wen haben sie hier?
    Er: Niemanden, das heißt…
    Sie: —
    Er: Also ihnen vertraue ich das jetzt an: es ist Bella.
    Sie: Bella? Ihre Frau?
    Er: Nein, mein Hund.
    Sie: Ihr H u n d?
    Er: Ja. Verraten sie mich nicht. Bitte. Es gibt doch keinen Tierfriedhof
    hier in der Stadt und Grund und Boden besitze ich auch nicht.
    Sie: Ich verrate sie nicht. Versprochen. Wo liegt sie denn?
    Er: Da hinten bei der Hecke wo die Geranie steht.
    Sie: Wie haben sie sie denn hier her gebracht?
    Er: Oh, das war nicht schwierig. Bella ist – ich meine war – ein
    Rehpinscher. Ich habe sie in eine selbst getöpferte Vase gelegt und
    sie in einer Einkaufstasche hergebracht.
    Sie: Sie vermissen ihre Bella, nicht wahr?
    Er: Ja, sehr, sie war alles was ich hatte. Sehen sie, ich muß schon wieder
    weinen.
    Sie: Oh, Verzeihung, ich wollte sie nicht zum weinen bringen.
    Er: Ist nicht schlimm, es erleichtert ja auch.
    Sie: Ich konnte nie weinen, schon von Kind an. Das tut manchmal richtig
    weh, hier,im Hals.
    Er: Wie alt war ihr Mann?
    Sie: Als er starb zweiundsiebzig. Wir sind gleichalt gewesen, Jahrgang
    Zweiunddreißig.
    Er: Genau wie ich!
    Sie: Wirklich?
    Er: Ja, wirklich. Das ist ja ein netter Zufall.
    Sie: Sagen sie mal, glauben sie nicht, dass Bellas Grab auffällt durch die
    Blumen?
    Er: Doch, ich habe jeden Tag Angst, dass es ausgehoben ist wenn ich
    komme. Aber ohne Blumen kann ich mir das Grab auch nicht
    vorstellen.
    Sie: Sie kommen täglich her?
    Er: Ja, täglich.
    Sie: Wie lange ist sie denn schon tot, ihre Bella?
    Er: Erst sechs Tage.
    Sie: Mein Beileid.
    Er: Danke. Ach, was ich sie fragen wollte: kennen sie diesen
    Friedhofswärter, den kleinen mit den stechenden Augen?
    Sie: Ja, den seh ich manchmal.
    Er: Ich glaube er beobachtet mich.
    Sie: Wirklich? Sind sie sicher?
    Er: Ziemlich sicher. Hoffentlich findet er Bella nicht.
    Sie: Aber das ist doch ganz schrecklich, wenn sie immer Angst haben
    müssen!
    Er: Was soll ich denn tun? Ich wüßte nicht, wohin ich sie sonst
    bringen sollte. Die Tiere im Wald sollen sie doch auch nicht
    ausgraben.
    Sie: Nun weinen sie mal nicht. Hier, nehmen sie das Schäufelchen.
    Er: Wozu?
    Sie: Ich gehe jetzt Schmiere stehen und sie graben Bella aus.
    Er: Ausgraben?
    Sie: Ja. Ausgraben. Wir setzen sie im Garten hinter meinem Haus bei.
    Er: Das wollen sie tun für mich?
    Sie: Warum nicht? Sie können zu dem Grab kommen so oft sie wollen.
    Er: Auch täglich?
    Sie: Gerne. Vielleicht können wir ja auch hin und wieder Tee zusammen
    trinken oder einen Wein?
    Er: Ich weiß gar nicht wie ich ihnen danken soll.
    Sie: Nicht weinen. Graben sie lieber, hier ist eine Tasche, da können sie
    die Urne hineinstellen.

    • @schreiben wie atmen (zu Bella). Das ist eine sehr poetische Idee. Hier meine ersten Lektoratsvorschläge. Achten Sie auf Dialog-Geschwindigkeit, vermeiden Sie Dialogfüllsel. Bleiben Sie immer ganz nah an der Gesprächsdynamik. Dazu gehört auch, daß Sie auf wegführende Details verzichten wie etwa, daß der Hund ein Rehpinscher war. Kleiner Hund reicht. Der Rehpinscher hat zudem die Tücke, daß man das Wort gern auf die Person, die es emphatisch ausspricht, überträgt. Ihr Text will aber ja nicht denunzieren, sondern anrühren. Im Einzelnen:

      Er: Entschuldigen sie, würden sie mir bitte einen Moment lang die ihre kleine Hacke für einen
      Moment
      leihen?
      Sie: Aber ja, ich bin sowieso gerade fertig geworden.
      Er: Ihr Mann?
      Sie: Ja, mein Mann... Vor Es ist schon drei Jahren her.
      Er: Tut mir leid. [Das würde man, selbst an einem Grab, so nicht sagen. Eher in d e m Sinn: „Ja, es ist schwer.“ Sofort hat man auch den Dialogpartner richtig mit drin.]
      Sie: Und wen haben sie hier? Ihre Frau..?
      Er: Niemanden Nein…, das heißt…
      Sie: —
      Er: Also ihnen vertraue ich das jetzt an: e
      Es ist Bella.
      Sie: Bella? Nicht Ihre Frau?
      Er: Nein, mein Hund.
      Sie: Ihr H u n d?
      Er: Ja. V Bitte verraten sie mich nicht. Bitte. Es gibt doch keinen Tierfriedhof hier in der Stadt und Grund und Boden besitze ich auch nicht. [Das würde ich gar nicht erzählen, weil es zu sehr banalisiert. Lassen Sie es beim Fakt, zumal es als Motiv wirklich schön ist.]
      Sie: Ich verrate sie nicht. Versprochen. Wo liegt sie denn?
      Er: Da hinten bei der Hecke wo die … bei der Geranie steht. [Denken Sie an die Situation: Man würde den Arm ausstrecken und zeigen, nicht erklären. Erklären Sie im Dialog, wird das papieren.]
      Sie: Wie haben sie sie denn hier hereingeschmuggelt gebracht? Das fällt doch auf!
      Er: Sie ist… war… nur ein kleiner Hund, ein g a n z kleiner… Oh, das war nicht schwierig. Bella ist – ich meine war – ein Rehpinscher.
      Sie: Sein Sie nicht traurig…
      Er:
      Ich habe sie in eine selbst getöpferte Vase selbst getöpfert… gelegt und sie in einer Einkaufstasche hab ich sie hergebracht.
      Sie: Sie vermissen sie sehr, ihre Bella , nicht wahr?
      Er: Ja, sehr, sIie war alles was ich hatte. Sehen sie, ich muß schon wieder weinen.
      Sie: Oh, Verzeihung, ich wollte sie nicht zum wWeinen Sie nicht… kommen Sie mal… bringen.
      Er: Ist nNicht schlimm, es erleichtert einen so. ja auch.
      Sie: Ich konnte nie weinen , sSchon von als Kind an nicht. Das tut manchmal richtig weh, hier, schaun Sie mal, im Hals.
      Er: Wie alt war ihr Mann?
      Sie: Als er starb zweiundsiebzig. Wir sind gleichalt gewesen, Jahrgang
      Zweiunddreißig.
      Er: Genau wWie ich!
      Sie: Wirklich?
      Er: Ja, wirklich. Das ist ja ein netter Zufall!.
      Sie: Sagen sie mal, gGlauben sie nicht, dass Bellas Grab auffällt durch die
      Blumen?
      Er: Doch, iIch habe jeden Tag Angst, dass es ausgehoben ist wenn ich komme. Aber ohne Blumen … das geht nicht. kann ich mir das Grab auch nicht
      vorstellen.

      Sie: Sie kommen täglich her?
      Er: Ja, tTäglich.
      Sie: Seit wann? Wie lange ist sie denn schon tot, ihre Bella?
      Er: Erst sSechs Tage. [In einem Dialog, also in Rollenpörosa d ü r f e n Sie die Sprache beugen.]
      Sie: Mein wirkliches Beileid.
      Er: Danke. Ach, was ich sie fragen wollte: kKennen sie diesen Friedhofswärter, den kleinen mit den stechenden Augen?
      Sie: Ja, dDen seh ich manchmal. [Sie erreichen sehr viel mehr Geschwindigkeit – und damit Glaubwürdigkeit -, wenn Sie sich angewöhnen, so oft wie möglich auf Antwort-Wörter zu verzichten und einfach gleich die Aussage aussprechen zu lassen.]
      Er: Ich glaube er beobachtet mich.
      Sie: Wirklich? Sind Sie sicher?
      Er: Ziemlich sicher. Hoffentlich findet hebt er Bella nicht aus.
      Sie: Aber das ist doch ganz schrecklich, wenn sie immer Angst haben
      müssen!
      Er: Was soll ich denn tun? Ich will auch nicht… wüßte nicht, wohin ich sie sonst
      bringen sollte. Die Tiere
      im Wald … daß sie andere Tiere… sollen sie doch auch nicht ausgraben.
      Sie: Nun weinen sie mal nicht. Hier,So nehmen sie das Schäufelchen schon! S .
      Er: Wozu?
      Sie: Ich gehe jetzt Schmiere stehen und s
      ie graben Bella aus, und ich paß auf.
      Er: Wieso..? Ausgraben?
      Sie: Ja. Ausgraben. Wir setzen sie im Ich habe einen Garten hinter meinem Haus, da setzen wie sie bei.
      Er: Das wollen Sie tun für mich?
      Sie: Warum nicht? Sie können dürfen so oft zu dem Grab kommen so oft , wie Sie wollen.
      Er: Auch tTäglich?
      Sie: Gerne. Wir Vielleicht können wir ja auch hin und wieder Tee trinken zusammen. oder einen Wein?
      Er: Ich weiß gar nicht wie ich ihnen danken soll.
      Sie: Indem Sie Nnicht mehr weinen. Graben sie lieber, hier ist eine Tasche, da können sie die Urne hineinstellen.

    • Dankeschön Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit die Sie hier bieten, und habe den Dialog Ihren Hinweisen folgend bearbeitet.
      Bei der anschließenden Leseprobe stellte sich der Text als wesentlich besser sprechbar heraus und kann nun für die Bühnenfassung innerhalb eines Stückes Verwendung finden.

    • @schreiben wie atmen. Das freut mich jetzt aber. Es macht mich sogar ein bißchen glücklich.

  3. Avatar sirenomele says:

    – er: hallo, luisa!
    sie: guten tag! – – – ich konnte die woche nicht so viel üben, wegen meiner mutter – sie hatte wieder nachtschicht.
    er: hm, das ist schade, luisa. – schade um dich.
    sie: ich hab den chopin manchmal auf der tischkante geübt – so: – stumm.
    er: das ist schön, luisa. und traurig. – aber es ist wichtig, dass du kontakt zu den tasten hast. man muss mit der anschlagmechanik so vertraut sein, als wäre es die eigene anatomie.
    sie: ja, aber was soll ich denn tun? ich meine, jetzt steht mein klavier im keller, aber man hört es trotzdem, oben –
    er: man darf doch ein klavier nicht in den keller stellen, da geht ja die feuchtigkeit ins holz –
    sie: das w e i ß ich doch!
    er: ich werde mit deiner mutter reden.
    sie: ich weiß nicht – ich glaube, meine mutter will das. sie will, dass mein klavier einfach auseinanderfällt, damit sie es nicht mehr hört, damit sie m i c h nicht mehr hört.
    er: wir werden da irgendeine lösung finden. – deine mutter kann doch nicht wollen, dass dein klavier kaputt geht. und wenn sie für dich den klavierunterricht bezahlt, dann muss sie dir auch die möglichkeit geben, zu üben. – pass auf: wenn sie nachtschicht hat, dann kommst du einfach zu mir zum üben, ja? wär sowieso gut, wenn du am flügel üben würdest. – du weißt, wo ich wohne, oder? – hast du übrigens nicht bald geburtstag?
    sie: ja – ?
    er: du wirst fünfzehn, oder?
    sie: morgen.
    er: pass auf! wir sind ab heute partner, luisa. schlag ein. mein name ist peter.
    sie: ähm, luisa
    er: luisa, es ist mir wichtig, dass du dich nicht aufgibst. wenn deine mutter nicht an dich glaubt, dann ist das egal.
    du sollst wissen, dass ich an dich glaube – ja?
    sie: – ich weiß nicht. wenn ich ihnen glauben soll, –
    er: ‚mir‘!
    sie: dir –
    er: glaube! das ist eine bitte – wir haben einiges vor, luisa – das weißt du! ich lass mir einen menschen wie dich nicht einfach kaputtmachen. wenn du pianistin werden möchtest, musst du stärker sein als alles andere da draußen.
    sie: ich bin nicht so stark.
    er: du weißt es nur noch nicht.
    sie: – chopin?
    er: meinetwegen.

    er: ritardando
    sie: was?
    er: versuch mal, an dieser stelle ein ganz leichtes ritardando.

    sie: stimmt.

    sie: es klappt heute nicht. – der lauf klappt nicht.
    er: –
    sie: peter.
    er: hm.
    sie: ich kann bei dir üben?
    er: ja.
    sie: auf deinem flügel – ?
    er: ich kann dir dann zwischendurch tee machen und wir können philosophieren.
    sie: und du glaubst an mich?
    er: ich sehe, luisa.

    sie: darf ich dir was zeigen?
    er: ja –
    sie: wenn man sich hier drauf legt und das ohr an das holz legt, dann hört man das all.
    er: mh –
    sie: ich hör‘ da oft hin, wenn ich warte, dass meine mutter aufwacht. – ich denke manchmal, wenn ich keine pianistin werden kann, dann brauch ich nur jeden tag ein paar minuten, um auf dem klavier zu liegen und das leben wird okay sein.
    er: du wirst eine große pianistin sein –
    sie: glauben sie, ich meine – glaubst du das wirklich?
    er: ja. luisa. – ich wünschte gerade – dass ich das malen könnte, wie du da drauf liegst – – – warte

    sie: was war das?
    er: skrjabin.
    sie: wahnsinn.
    er: ja.
    sie: – – – nochmal!
    er: sowas kann man nicht wiederholen.
    sie: schade. – – – darf ich was fragen? – findest du – mh, ich meine, wie w ü r d e s t du mich denn jetzt malen?
    er: vermutlich als etwas helles..
    sie: eine elfe?!
    er: vielleicht, luisa. vielleicht auch als einen sterbenskranken cherubim. oder als eine frau von vierzig jahren, mit bloßem haar – liegt auf dem flügel wie auf einem sarg – hat sich hingelegt und wartet auf die rechte erinnerung.
    sie: was für eine erinnerung?
    er: vielleicht ihr erster kuss, ihre jugendliebe.
    sie: warum der erste kuss?
    er: weil es so etwas wie eine heilige erinnerung ist.
    sie: mein erster kuss war nicht heilig, ich bin froh, wenn ich ihn vergessen habe.
    er: du hast ihn nicht geliebt.
    sie: nee. – er hatte keinen mittelfinger. – scheiße, war das ekelhaft.
    er: schade.
    sie: blödsinn.
    er: blödsinn?
    sie: liebe is‘ n scheiß.
    er: liebe ist ein ammenmärchen, aber das älteste und das jüngste ammenmärchen. – luisa. du bist noch jung.
    sie: bin ich nicht! i c h bin vierzig jahre, sechzig!
    er: – nur, dir fehlt eine erinnerung.
    sie: – – – der skrjabin war heilig – – –
    er. aber das ist musik.
    sie: aber es war auch ein kuss.
    er: küsse sind anders. fleischlicher. wärmer. musik ist verschwenderisch, sie schleudert dich hinaus –
    sie: ich will nur von musik geküsst werden! das ist gewalttätiger!
    er: ‚gewaltiger‘ –
    sie: gewalttätiger.
    er: glaub ich dir nicht.
    sie: woher willst du das wissen? nur weil du älter bist?
    er: bei dir ruft doch alles.
    sie: ja!!!!
    er: –
    sie: vielleicht.
    er: luisa, –
    sie: –

    er: gott, –

    er: „du sollst ja nicht weinen. sagt – eine – musik.“
    sie: hast du‘ n taschentuch? – meine mutter kriegt nen anfall –
    er: – ist ja gut
    sie: will nicht nach hause –
    er: musst du nicht –
    sie: hierbleiben. regentropfenprelude.
    er: zigarette –
    sie: – nee –

    • @sirenomele (zum Dialog). Sehr schöner Dialog. An einigen Stellen hapern die Übergänge, manchmal täte noch eine Verknappung gut. Und das Sprachverhalten des Älteren könnte sich characterisierend mehr von dem der Jüngeren abheben. Schwierig sind auch immer die Übergänge der Begrüßung. Aufpassen auch mit Ausrufezeichen, also wie man sie wann und wo verwendet. Das ist eine Kunst für sich.

      er: hallo, luisa! [Hier schon einführen, daß er älter ist… deswegen sagt besser e r „Guten Tag“ und s i e „Hallo“. Außerdem muß er ihr hier ermöglichen, das Gespräch aufzunehmen; deshalb sollte noch etwas dazukommen, etwa:] geht’s gut? Wir sehen uns morgen?
      sie: guten tag! – – – ich — ich konnte die woche nicht so viel üben, wissen Sie? wegen meiner mutter – sie hatte wieder nachtschicht. Sie mag den Lärm nicht, wenn sie müde ist.
      er: Lärm?
      sie: Sagt sie.

      er: das ist schade, luisa. – schade um dich., das ist nicht gut.
      sie: ich hab den chopin manchmal auf der tischkante geübt – so: – stumm. [:muß sie nicht sagen, das weiß man.]
      er: das ist schön, luisa. und traurig. – aber [Nicht so viel kommentieren, die Wertung muß aus der Prosodie des Dialogs selber hervorgehen, dann bleiben Sie näher an der gesprochenen Aktion und ziehen die Leser weiter.] es ist wichtig, dass du kontakt zu den tasten hast. man muss mit der anschlagmechanik so vertraut sein, als wäre es die eigene anatomie. [Schiefes Bild. Werden Sie hier konkreter; „Anatomie“ meint zu viel und dadurch imgrunde nichts, ist Hülse.]
      sie: ja, aber wie was soll ich denn tun? ich meine, jetzt steht mein das klavier steht schonim keller , aber man hört es aber trotzdem, oben –
      er: man darf doch ein klavier nicht in den keller stellen, da geht ja die feuchtigkeit ins holz –
      sie: das w e i ß ich doch!
      er: ich werde mit deiner mutter reden.
      sie: ich weiß nicht – ich glaube, meine mutter sie will das. sie will, dass mein klavier einfach auseinanderfällt, damit sie es nicht mehr hört, damit sie m i c h nicht mehr hört.
      er: wir werden da irgendeine lösung finden. – deine mutter kann doch nicht wollen, dass dein klavier kaputt geht. und wenn sie bezahlt doch auchfür dich den klavierunterricht für dich. Weshalb tut sie das denn dann?
      sie: sie hat auch das klavier gekauft.

      er: bezahlt, dann muss sie dich doch auch dir auch die möglichkeit geben, zu üben lassen!. – – – pass malauf: wenn sie nachtschicht hatte, dann kommst du einfach zu mir zum üben nachmittags einfach zu mir. , ja? wär sowieso gut, wenn du am flügel üben würdest.
      sie: sie meinen, wirklich?
      er: aber ja!
      –du weißt, wo ich wohne, oder? – hast du übrigens nicht bald geburtstag?
      sie: ja – ?

      er: du wirst fünfzehn vierzehn, oder?
      sie: fünfzehn. morgen.
      er: pass auf! wir sind ab heute sind wir partner, luisa. schlag ein. mein name ist ich bin peter.
      sie: ähm, luisa [:Das wissen wir, und er weiß es auch. S e i n „Peter“ soll ja nur heißen, daß sie ihn fortan beim Vornamen und duzen soll, d a s ist die Funktion seines „Ich bin Peter“. Also brauchen Sie hier eine andere Überleitung, zum Beispiel, indem sie (unbewußt) direkt auf den Kern gegenfragt:] partner?
      er: luisa, es ist mir wichtig, dass du dich nicht aufgibst. wenn deine mutter nicht an dich glaubt [:Ist das wirklich das Problem? Doch eher ein anderes. Also „dann ist das egal“ streichen und direkt mit seinem Versuch weitermachen, eine Bindung herzustellen:] , dann ist das egal.: i c h glaube an dich.
      du sollst wissen, dass ich an dich glaube – ja?

      ——
      [Das Folgende hängt durch:]
      sie: – ich weiß nicht. wenn ich ihnen glauben soll, –
      er: ‚mir‘!
      sie: dir –
      er: glaube! das ist eine bitte – wir haben einiges vor, luisa – das weißt du! ich lass mir einen menschen wie dich nicht einfach kaputtmachen.
      ——-
      [Ab hier geht der Dialog wirklich weiter:]
      er: wenn du wer pianistin werden möchtest, musst du stärker sein als alles andere da draußen.
      sie: ich bin nicht so stark.
      er: du weißt es nur noch nicht.
      [Das Folgende ist szenisch unklar. Hat ein Raumwechsel stattgefunden? Offenbar. Dann muß da zumindest ein Absatz hin:]
      sie: – chopin?
      er: meinetwegen. [Zu läppisch, zu uninteressiert. Halten Sie sich vor Augen, was er w i l l. Deshalb:]Gerne.

      er: ritardando
      sie: was?
      er: versuch mal, an dieser stelle ein ganz leichtes ritardando.

      sie: stimmt.

      sie: es klappt heute nicht. [Zu unvermittelt, weil man das „stimmt“ noch im Ohr hat. Leiten Sie da mit zweidrei Dialogpartikeln zum „das klappt nicht“ über.] – der lauf klappt nicht.
      er: einfach noch mal.
      [Hier jetzt abermals Raumkonfusion. Wenn sie bereits bei ihm waren (während des Übens), wieso geht die Szene dann wieder zum Ort des Anfangs zurück? Ist mir unklar:]
      sie: peter.?
      er: hm.?
      sie: ich kann bei dir üben?
      er: ja.
      sie: auf deinem flügel – ?
      er: ich kann dir dann zwischendurch tee machen und wir können philosophieren.
      sie: und du glaubst an mich?
      er: ich sehe, luisa.

      sie: darf ich dir was zeigen? [:Das ist jetzt sehr sehr schön!:]
      er: ja –
      sie: wenn man sich hier drauf legt und das ohr an das holz legt, dann hört man das all.
      er: mh –
      sie: ich hör‘ da oft hinein, wenn ich warte, dass meine mutter aufwacht. – ich denke manchmal, wenn ich keine pianistin werden kann, dann brauch ich nur jeden tag ein paar minuten, um auf dem klavier zu liegen und das leben wird okay sein.
      er: du wirst eine große pianistin sein werden
      sie: glauben sie, ich meinedu glaubst du das wirklich?
      er: ja. luisa. – ich wünschte gerade – dass, ich könnte das malen könnte, wie du da drauf liegst – – – warte

      sie: was war das?
      er: skrjabin.
      sie: wahnsinn. [:Das ist s e h r schön. Das ist ganz wahr aus der Rolle und ihrem Sprechverhalten geschrieben. Hier sind Sie wirklich nah an der Figur.]
      er: ja.
      sie: – – – nochmal!
      er: sowas kann man nicht wiederholen.
      [Da sie offenbar angefickt ist, lassen Sie sie im Folgenden ruhig etwas fordernd, also direkt, werden:]
      sie: schade. – – – darf ich was fragen? – findest du – mh, ich meine, wie w ü r d e s t du mich denn jetzt malen?
      [Jetzt ein Dialog-Trick, den Sie sich für alle Fälle merken können, in denen ein Dialog retardiert:]
      er: jetzt?
      sie: jetzt.

      er: vermutlich als etwas helles..
      [Nochmal der Trick:]
      sie: etwas helles?
      Er: ja.

      sie: wie… wieeine elfe?!
      er: vielleicht, luisa. vielleicht auch als einen sterbenskranken cherubim. oder als eine frau von vierzig jahren, mit bloßem [Ich hatte hier einen Lesefehler: „mit g r o ß e m Haar“ – und spüre, daß dieser Lesefehler etwas Wahres hat. Denken Sie mal drüber nach.] haar. sie liegt auf dem flügel wie auf einem sarg
      sie: sarg?
      er: auf einem sarkophag der klänge. sie
      hat sich hingelegt und wartet auf die rechte ihre erinnerung.
      sie: was für eine erinnerung?
      er: an ihren vielleicht ihr erstern kuss vielleicht , ihre jugendliebe.
      sie: warum der erste kuss das denn?
      er: weil es so etwas wie eine heilige erinnerung ist.
      sie: mein erster kuss war nicht heilig, ich bin wär froh, wenn könnte ich den ersten kuß ihn vergessen habe.
      er: du hast ihn nicht geliebt.
      sie: nee. – er hatte keinen mittelfinger.
      – scheiße, war das ekelhaft.
      er: das tut mir jetzt aber leid. Das ist schlimm. schade.
      sie: blödsinn. Der Typ hatte keinen mittelfinger. [:Als Idee übrigens toll.]
      er: blödsinn?
      sie:
      liebe is‘ n scheiß.
      er: liebe ist ein ammenmärchen [Hier jetzt ganz doll aufpassen. Wenn ER jetzt altklug wird, bzw. „Erfahrung“ raushängen läßt, hat er keine Chance mehr. Das ist an sich nicht schlimm. Aber der Dialog hat dann auch keine Chance mehr:], aber das älteste und das jüngste ammenmärchen. – luisa. du bist noch so jung.
      sie: bin ich nicht! [Bei so viel Verwundung ist sie nicht kindertrotzig, sondern entschieden:] i c h ich bin vierzig jahre, sechzig! [Jetzt eine Volte einfügen, die die Gesprächsdynamik wieder dreht:] das hast du eben selbst gesagt.
      er: – nur, aber dir fehlt eine die erinnerung daran.
      sie: – – – der skrjabin war heilig eben. Kein kuß ist so– – –
      er. aber das ist musik.
      sie: aber es war das ist auch ein kuss.
      er: küsse sind anders. fleischlicher. wärmer. [Das Folgende ist… „psycho-semantisch“ ein hängender Satz:]musik ist verschwenderisch, sie schleudert dich hinaus –
      sie: ich will nur von musik geküsst werden! [:Zu banal. Besser gleich das Gewaltthema einführen:]Musik küßt besser. Musik das ist gewalttätiger!
      er: ‚gewaltiger‘ –
      sie: gewalttätiger.
      er: glaub ich dir nicht. [Geben Sie hier seiner plötzlichen, machistischen, Hilflosigkeit Ausdruck:] Versteh ich nicht.
      sie: woher willst du das wissen? nur weil du älter bist ?. [:So h a t sie ihn.]
      er: bei dir ruft doch alles.
      sie: ja!!!![Wirklich? So schnell ist sie zu legen? Ganz sicher nicht. Ganz sicher nicht dieser Character. Da muß der Mann schon noch was Angemesseneres bieten.]
      er: –
      [Von hier an hängt die Szene wieder, hier müssen Sie sie ganz konkret vor Augen haben und das auch übermitteln:]
      sie: vielleicht.
      er: luisa, –
      sie: –

      er: gott, –

      er: „du sollst ja nicht weinen. [Das ist nicht hergeleitet, wie auch das:] sagt – eine – musik.“
      sie: hast du‘ n taschentuch? – meine mutter kriegt nen anfall –
      [Von hieraus ist der Dialog wieder gut:]
      er: – ist ja gut
      sie: will nicht nach hause –
      er: musst du nicht –
      sie: hierbleiben. Regentropfenprelude. [FEIN!]
      er: zigarette –
      sie: – nee –

    • Avatar sirenomele says:

      dankeschön erstmal! aber erst jetzt begreife ich langsam das volle ausmaß dieses missverständnisses – mir selber stand die situation deutlich vor augen, doch das ist nicht angekommen. schlecht für den schreiber – asche auf mein haupt; ich muss kurz erklären, was ich meinte.

      das sollte alles e i n gespräch sein ohne ortswechsel. die striche sind jeh nur kurze pausen, in denen z.t. eben die tasten bemüht werden – das ist ja rübergekommen -, z.t. stimmungswechsel katalysiert werden.

      der ort: ein raum in einer musikschule. luisa hat „klavierunterricht“. da steht dann entsprechend auch der flügel. – deswegen ihre entschuldigung gleich zu anfang. das dozierende palaver von peter am anfang des dialogs und luisas höflichkeit sollten ausdruck des bis dahin noch irgendwie normalen lehrer-schüler-verhältnisses sein, das dann aber kippt. luisa kann sich auf dauer nicht gegen seine offensive, wohl testosteronbedingte, weichheit wehren, weil sie zermürbt ist, obwohl sie besser als peter weiß, dass da eine grenze – ich meine nicht die moralische, die ist egal – übertreten würde.

      dann zur dramaturgie: andere stellen, die sie gestrichen hätten, sollen (z.b. „mir“ – „dir“…) luisas (eigentlich gesundes) befremden gegenüber seiner zudringlichkeit deutlich machen. es geht ja, das sollte aus der backround-story hervorgehen, tatsächlich nur darum, dass luisa jemanden braucht, der an sie glaubt und der sie – tschuldigung – einfach liebhat (denn das tut ja die mutter nicht). luisa ist an „peter“ nicht sexuell interessiert! der klavierlehrer aber spürt ihre psychische bedürftigkeit und nutzt sie aus. luisa wird verwirrt über ihre eigenen gefühle und lässt sich auf die sexuelle schiene ein. und in dem moment, da sie das gefühl bekommt, da glaubt jemand an sie und hat sie lieb und weiß, was ihr eigentlich fehlt – löst sie sich auf, ihre „coolness“. sie heult (mein jott, dat klavier im kella und die eigene mutter -) und dann ist auch irgendwie alles möglich zwischer ihm und ihr. was genau, ist eigentlich fast irrelevant.

      was dann die striche zum schluss anbelangen, da hatte ich ziemlich deutliche vorstellungen. fragte mich, was da von anderen (!) hineinprojiziert werden kann. würde es am liebsten von jedem gern wissen, der das gelesen hat. finde nicht, dass man da zu einer einheitlichen lösung kommen muss.

      nun ja, da hab ich mir vor lauter andeutungen wohl wieder selbst eine falle gebaut. auf dem sprachmaterial sollte aber wohl auch nicht gesurft werden, surfen ist viel zu schnell – . das sollte eben kein flirten sein, sondern eine beschissene verführung und mir selbst wird ein bisschen schlecht, wenn ich daran denke, dass sie sich nur geküsst haben mögen, weil es, so harmlos das äußerlich erscheint, von der sache her ekelhaft ist.

      was andere änderungen betrifft, bin ich zwar nun auch zimperlich, aber verstehe, was sie meinten und das ist eine gute arbeitsgrundlage. deshalb nochmals: danke.

    • @sirenomele (zum Dialog ff). Die Grundsituation, Verführung einer bedeutend Jüngeren durch einen älteren Lehrer, war mir s c h o n klar, nicht aber das Ausmaß des von Ihnen gemeinten sexuellen Übergriffs. Sie schreiben ja auch selbst „Verführung“ – davon mögen wir allerdings verschiedene Begriffe haben; für mich, vielleicht auch als Mann, ist „Verführung“ in keiner Weise negativ besetzt, „Übergriff“ indessen und „Ausnutzung einer Abhängigen“ (gegen ihren Willen also) durchaus.
      Im Laufe des Tages will ich den Dialog noch einmal abklopfen, und zwar jetzt auf diejenigen Stellen, die das Mißverständnis dialogisch ausgelöst haben. Dazu brauche ich aber etwas Zeit; falls ich die heute nicht finde, hole ich das auf jeden Fall morgen nach. Ihr Vorhaben ist rein handwerklich zu interessant, als daß ich das nicht mitverfolgen und auch hier und dort entsprechend Hinweise geben wollte. Wenn Sie darstellen wollen, daß die Verführung „von der Sache her“ ekelhaft ist, was ich selber – auch nach Dialoglage – nicht so empfinde, braucht es gewiß das eine und/oder andere Signal m e h r, bzw. Modifikationen der Signale. An sich ist gegen ein Verhältnis von Schülerin und Lehrer ja erstmal nichts einzuwenden, unter der Voraussetzung, daß es sich beiderseits um gewollte Entscheidungen handelt. Ich habe da gegenüber der allgemeinen Moral eine andere Position. Wie man solch „eine Sache“ werten muß oder kann, hängt ganz wesentlich, meine ich, von dem psychischen Stand jeweils der Partner ab, bzw. des den/die Verführten vorgeblich oder eben tatsächlich ausnutzenden Älteren. Daß eine(r) Lehrer, die/die andere Schüler ist, reicht nicht.
      Es ist aber I h r e Vorgabe, das Geschehen als eines der sexuellen Ausnutzung Anbefohlener darstellen zu wollen; im Rahmen dieser Aufgabe ist allein das entscheidend, also Ihre Sicht auf das Geschehen. Meine Meinung tut da wenig bis nichts zur Sache; es steht allein eine Handwerksaufgabe an. Und zu der, wie gesagt, seh ich den Dialog nachher noch einmal detailliert durch.

    • Avatar sirenomele says:

      ich bin begeistert! – schön, dass sie es sich noch einmal anschauen.

      „abhängigkeit“ – das ist ein gutes wort. und wie gesagt, ich habe grundsätzlich keine moralischen meinungen; habe nur gesagt, mir wird schlecht und ich würde so eine situation gerne darstellen (die handwerksaufgabe, richtig). denn das ist ja das dilemma; peter handelt eigentlich nicht vorsätzlich. er hat eben nur ein interesse an luisa. luisa bemerkt ihre abhängigkeit nicht und wird sie nicht bemerken, da sie sich in diesem augenblick vielleicht auch wehren könnte. beide durchschauen ihre gefühlsmäßige situation nicht wirklich, nicht gänzlich. –

      noch etwas interessantes: peters rede klang in einer ersten version etwas gestelzter und ich habe das gestelzte mündlichsprachlicher gemacht, wodurch die situation aber an spannung verloren hat, weil peter weniger verklemmt und damit etwas sympathischer wirkt. ich konnte das irgendwie nicht wieder rückgängig machen, weil peter nicht per se unsympathisch sein soll. wie gesagt, das ging mit spannungsverlust einher; man hatte vorher mehr angst um luisa.

    • @sirenomele. Mehr Angst um Luisa. Das ist richtig. Wahrscheinlich aus meiner anderen moralischen Perspektive heraus haben meine (ja doch nur leichten) Änderungen die beiden „Spielpartner“ einander angenähert, heißt: sie einander eher ebenbürtig gemacht, als das ganz am Anfang der Fall war. Ich hatte eben auch keinen tatsächlichen Mißbrauch vor Augen. Da Sie solch einen aber darstellen wollen – also den Weg dahin -, muß hier nun abermals modifiziert werden – auch., wenn man Peter gegenüber die Gerechtigkeit walten lassen will, daß er selbst die Dynamik nicht kapiert. Ich selber habe mit der Darstellung so naiver Charactere immer etwas Schwierigkeiten, vielleicht, weil ich sie mir nicht vorstellen m a g, weil sie nun wieder m i c h ekeln… ekeln ist etwas zu hart gesagt, also: mich schrecklich langweilen, und weshalb soll ich dann von ihnen erzählen? Bin ja kein Masochist. *lacht. (Ich kann mir etwa überhaupt nicht vorstellen, was irgend ein Mann an irgend einem naivem ja, eben: Mädchen erotisch reizvoll finden könnte. Derart Pädophiles geht mir völlig ab, wobei, ob etwas pädophil ist oder nicht, eben keine Frage des Alters, sondern eine der Reife ist. Hier setzen meine Einwände an: Ich kenne 35jährige, die den inneren Zustand von 15jährigen haben, wie andersrum 15jährige Frauen, die völlig und mehr als diese 35-Jährigen Frauen-eben s i n d. Es ist keine Frage des numerischen Alters.)
      Vielleicht krieg ich später da dennoch was hin… so als Fingerzeig für Sie. „Schmieden“ müssen Sie das dann logischerweise selbst.

    • @sirenomele. Mein Verständnis Ich wollte noch meine Sichtweise einbringen, weil die anders war als ANHs und weil Sie ja gesagt haben, Sie wollten gerne erfahren, wie andere die Leerstellen gefüllt hätten.
      Die Situation hatte ich genau so verstanden, wie Sie sie jetzt in den Kommentaren nochmals beschrieben haben: die eine Klavierstunde in der Musikschule, ohne Ortswechsel, das war für mich klar, das sah ich fast vor mir. Ich sah auch ihn vor mir, nicht unsympathisch, eher unbeholfen und der Situation und seiner Lust irgendwie ausgeliefert. Eigentlich hatte die Schülerin (trotz ihrer Trauer und der fehlenden Unterstützung durch ihre Mutter) hier für mich die stärkere Position und ich dachte, dass sie es eigentlich ‚will‘, selbst wenn sie nicht alles durchschaut und sich nicht über Gefühle/Folgen klar ist (sie sagt ja ‚ja‘, dass es ruft bei ihr, das ‚gewalttätig‘ hat für sie etwas durchweg Positives und sie bleibt ja am Ende noch bei ihm, läuft nicht weg).
      Was das Ende anbetrifft, so habe ich mir tatsächlich einen Übergriff, eine Verführung (und da bleibt ja unbestimmt, wer hier wen verführt, wer auf wen übergreift, trotz des Altersunterschieds) vorgestellt, hier habe ich auch das Taschentuch eingeordnet (und in meiner vielleicht zu lebhaften Phantasie Blut hinzugefügt und warum sonst sollte die Mutter einen Anfall bekommen?).
      Wenn Sie also wollen, dass die ‚Schuld‘ bei ihm liegt, dass hier ihre Abhängigkeit als ausgenutzt erscheint, dann müssen Sie ihn meiner Meinung nach doch wieder unsympathischer machen und sie weniger selbstsicher… Obwohl es mir auch so ganz gut gefällt, gerade wenn man nicht weiß, wer hier eigentlich was will.

    • Avatar sirenomele says:

      @anh:
      na, die beiden sind ja nicht dumm, aber unwissend gegenüber ihrer „durchgehenden handlung“ oder „motivation“ oder ihrer neurotischen struktur, das entspricht ja soweit auch dem leben. – natürlich ist es so, dass der schreiber darüber etwas mehr überblick haben muss, als die figuren. – was dann der text zeigt (wenn er denn so oder so funktioniert) ist dann wiederum eine andere sache. funktionieren sollte er natürlich.

      wenn sie das aber ekelhaft finden, dann geht das aber in die richtung, die ich haben wollte.

      @sprachspielerin
      dank. mh, das gefällt mir. dass luisa sich an einem gewissen punkt auch an ihn ran macht, ist natürlich richtig. ich stell mir vor, sie ist etwas draufgängerisch, sobald sie merkt, dass sie möglicherweise bekommt, was sie braucht (wonach es bei ihr also ruft).

    • @sirenomele (weiter ff). Ja, das geht dann in die von Ihnen beabsichtigte Richtung, war nur in den bisherigen Fassungen noch nicht da. Außerdem muß der Typ etwas b e h a l t e n, was nicht-ekelhaft ist (für mich), weil ich sonst die Lektüre abbrechen würde, nicht, weil ich mich betroffen fühlte, sondern weil ich mich nicht öden mag. Und genau das sollte in einem Text ja nun a u c h nicht passieren.

      zu @sprachspielerin:
      „dass luisa sich an einem gewissen punkt auch an ihn ran macht“: Sie müssen gewahr sein, sirenomele, daß genau das die moralischen Wertungen ganz neu verteilt. D a ß sie sich auch an ihn ranmacht, wird ja in dem Dialog deutlich; mir hat das „Spaß“ gemacht, eben weil dadurch beide Figuren einander nähegerückt werden und das Mädchen etwas Raffiniertes bekommt, das seinen Reiz auch auf mich, als Leser, ausstrahlen läßt. Mit meinen Worten: Sie wird „Frau“, aber genau das schließt dann wieder die von Ihnen eigentlich gemeinte Opferrolle aus. Opfer und Täter legen sich, hier im Wortsinn, aufeinander; wenn ER verklemmt und naiv ist, ist er ja ganz ebenso Opfer. Den vermeintlichen Genuß können beide dann aber n u r aus ihrer jeweiligen Täterrolle ziehen. An diesen Punkten, geradezu immer, setzt mein Interesse ein. An diesen Punkten, so glaube ich, beginnt auch Literatur. Alles vorher ist moralische Abhandlung, meinethalben ein Text der politischen Aufklärung.

    • @sirenomele (zum Dialog fff). Die Kippstellen sind, glaube ich, diese:

      er: pass auf! wir sind ab heute partner, luisa. schlag ein. mein name ist peter.Für jemanden, der verführen will, kommt das zu früh. Schon aus erotischen Gründen: man darf da nicht kumpeln. Einem Mädchen gegenüber wäre es aber Kumpelei, nicht erotische Lockung.wir haben einiges vor, luisaDas ist geradezu unmotiviert. Es setzt nämlich ein Bündnis voraus, das schon lange vorher, und zwar intensiv, bestanden hat. H a t es bestanden, dann würde die Dynamik insgesamt anders werden. Nimmt man dieses Bündnis aber als gegeben an, dann macht dies das Mädchen stärker in der Position, also den gemeinten Mißbrauch unwahrscheinlicher.sie: peter.Hier verführt bereits s i e.er: hm.
      sie: ich kann bei dir üben?
      er: ja.
      sie: auf deinem flügel – ?
      Wenn man es s o liest, bekommt der Dialogpart hierüber schon fast was Pikantes. Vor allem in Kombination d a m i t:sie: darf ich dir was zeigen?
      er: ja –
      sie: wenn man sich hier drauf legt und das ohr an das holz legt, dann hört man das all.
      Jetzt lesen Sie mal, entkleidet von den anderen Dialogschleifen, d a s:er hatte keinen mittelfinger.Und:das ist gewalttätiger!Sie r u f t nach Überwältigung. Auf IHN bezogen heißt das: Wenn du jetzt auch so ein Schlappschwanz, so einer ohne Finger (!) in der Mitte bist, dann kotz ich los. – Und sie beharrt sogar, als er, erschreckt, zurückziehen will:er: ‚gewaltiger‘ –
      sie: gewalttätiger.
      Und dann ihre, ja, melancholische Dankbarkeit:
      sie: hierbleiben. regentropfenprelude.
      Wenn man den Dialog auf diese Weise entkernt und die Masken wegnimmt, ist zum Schluß tatsächlich ER der Verführte, wenn nicht Mißbrauchte. Um ihn da nicht völlig zum Würstchen zu machen, tut der Dialog gut daran, ihm etwas mehr Character zu verleihen. Oder aber, wie ja eigentlich gewollt, Sie schlagen die g a n z andere Richtung ein: Er hat v o r, ihre Notlage auszunutzen.

    • Avatar sirenomele says:

      charakter und indifferenz nochmals danke.

      wie gesagt, mich interessiert (ebenfalls?) nichts als moralische indifferenz. beide sind täter und opfer. das alles ist frivol u n d beidseitiger (?) missbrauch, lustvoll und lustmindernd. also: beide richtungen! – hab ich mir vielleicht zu viel vorgenommen… das indifferente scheint zu „charakterlos“ zu werden.

      ohne die pseudokumpelei würde die szene wohl doch eher noch frivol, – würde luisas backround verblassen und peters absichten zu vorsätzlich und damit moralisch verwerflich. wenn sie von anfang an sexuell aufeinander losgingen, dann wär dem ganzen die würze genommen – der übergang von einer art banalität in etwas anderes -, die psychische perversion. ich meine, dass je andere bedürfnisse auf sexuelle ebenen verschoben werden. – schön, dass ihr ruf nach überwältigung und die kurze vertrautheit danach rübergekommen sind.

      ‚gewalttätiger‘ – das ist so ein quasi-maso-ruf nach überwältigung. ich würd hier gern sartre spielen: sie w i l l und sie will n i c h t gefickt werden…. – im grunde möchte sie etwas, was man sexuell wohl auch finden kann, aber nicht sex ist. peter macht sie diskret und unfreiwillig darauf aufmerksam, dass so etwas sexuell erlitten werden kann. im grunde potenziert sie damit jedoch nur das symbolische ihres rufs. peter wird opfer indem er sie (hier oder später, mehr oder weniger) ‚missbraucht‘.

    • @sirenomele. „peter wird opfer indem er sie (hier oder später, mehr oder weniger) ‚missbraucht‘.“ Das hängt davon ab, wie der Dialog – dann ein Roman – weitergeht, was also Peter aus dieser „Eroberung“ macht. Die Geschichte würde da erst entscheidend – vorausgesetzt, daß niemand Drittes, etwa der Gesetzgeber, dazwischenfunkt und daß die beiden Beteiligten reif genug sind, ihn und niemanden sonst dazwischenfunken zu l a s s e n. Bei Peters Characterdisposition, wie sie momentan aussieht, ist es allerdings nicht wahrscheinlich, daß er das begreift. Er begriffe das freilich eher, ließe man ihm statt der Verklemmtheit etwas mehr Perversion. Dann hätte b e i d e eine Chance, Luisa u n d er.
      Dieser Dialog, wenn man ihn erstnimmt und ernst fortsetzt, fängt erst an seinem Ende an, von wirklichem narrativen Interesse zu werden. Das heißt, auch da erst würde er von wirklichem gesellschaftlichen Interesse.

    • Avatar sirenomele says:

      naja, das würde eine art road-movie (obwohl sie nicht auf der straße leben würden, aber doch so entlegen und nomadisch) und sie würden nach einer weile die brücken hinter sich ganz abbrechen (obwohl sie den ort nicht verlassen, aber der ort ist eh schon weit weg), ein ganz paar exzesse (hinter der verklemmtheit peters sitzt perversion, das käme noch raus), zwielichte außenauftitte, und auch so etwas wie erhabene momente – ein paar jahre. und dann würden sie mürbe genug sein, sich endgültig zu verlassen und jeder für sich, in einem zeituferlosen danach so oder so ähnlich weitermachen und der genuss wiegt die traumata nicht auf…

      – was ist die chance? – die beiden dürften einem hypothetischen leser einer solchen hypothetischen geschichte zuliebe nichts bereuen, da das unweigerlich als ‚einsicht‘ interpretiert würde und damit zum moralischen außenseitertum degradierte – und ich weiß aber nicht, ob das maß ihrer traumata eine solche definitive reuelosigkeit zuließe. oder soll man nur den genuss (den sexuellen) nachzeichnen und auf die traumata verzichten? – ich seh da schwarz. – was, denken sie, wäre eine chance? (was macht denn nun also mit seinem moralischen außenseitertum?)

    • @sirenomele (Roadmovie, also die Folgen). Mal Hand aufs Herzerl, klingt d a s doch

      – ein paar jahre. und dann würden sie mürbe genug sein, sich endgültig zu verlassen und jeder für sich, in einem zeituferlosen danach so oder so ähnlich weitermachensehr nach der Beschreibung einer ganz „normalen“ Paarbeziehung ein/zwei Jahrzehnte nach ihrem Beginn…
      Nein, das ist kein Pessimismus, sondern der Gedanke, daß solch ein Ausflauen nicht unbedingt dem „perversen“ Setting geschuldet sein muß, sondern eh meistens stattfindet. Zur Perversion selbst, die in Ihrem Dialog bislang aber nichts anderes als ein unmoralischer Übergriff ist, diskutierte ich das lieber außerhalb der Werkstatt, weil es direkt in die hier behandelten Handwerksfragen nicht mehr hineingehört, sie allerdings, in Ihrem Dialogfall, wohl ausgelöst hat. Vielleicht ergibt sich nach meiner zweiten Vorlesung dafür eine Grundlage. und der genuss wiegt die traumata nicht auf…😀 a etwa wäre ich mir nicht sicher. Es käme tatsächlich darauf an, wie die beiden mit dem vermeintlich oder tatsächlich Perversen umgingen. D a ß eine perverse Bewegung eine Rolle spielt, ist übrigens bei Peter viel weniger offenbar als bei Luisa, bei ihm könnte das sogar g a r keine Rolle spielen; bei ihr spielt es in jedem Fall eine. Um das zu erläutern, müßte ich aber ebenfalls schon wieder in die Perversionstheorie hineintauchen, was ich, jedenfalls hier, erst noch gerne vermiede.die beiden dürften einem hypothetischen leser einer solchen hypothetischen geschichte zuliebe nichts bereuen, da das unweigerlich als ‚einsicht‘ interpretiert würde und damit zum moralischen außenseitertum degradierteStimmt. Aber warum sollten sie bereuen, aus welch anderem Grund, ecco, als dem, der bei „normalen“ Paarbeziehungen nach ein paar Jahren ebenfalls quält?oder soll man nur den genuss (den sexuellen) nachzeichnen und auf die traumata verzichten?Das kann man gar nicht, weil sich der Genuß in perversen Dynamiken zu den Traumata proportional verhält; ohne sie gäbe es ihn gar nicht.was, denken sie, wäre eine chance?Selbsterkenntnis. Und Bejahung. Wenn es sich allerdings bei Peter um einen Verklemmten handelt, der sein Handeln nicht begreift, k a n n das alles nur in Zusammenbrüchen enden.. (was macht denn nun also mit seinem moralischen außenseitertum?)Wenn Sie lieben – fragen Sie sich dann, ob Ihre Liebe sozial sanktioniert ist? Na also.

      [Ich gebe zu, daß ich hier pro domo spreche, weil ich selbst moralische Normen gerne übertrete; rückblickend, und das sind ja nun einige Jahre, habe ich so gut wie keinen Übertritt bereut; jeder hat bereichert: beide Seiten. Auch dann, wenn die Folgen sozial unangenehm wurden. In den angenehmen Fällen ist das, was Sie als Mürbigkeit ahnen, zu fester Freundschaft geworden. Daß sowas aber auch ganz schlimm kippen kann, das will ich nicht bestreiten.]

    • Avatar sirenomele says:

      letzte, kurze antwort bin entzückt! auch wenn ich mir mit der proportionalität nicht so sicher bin – , ich werde ihrer 2. vorlesung aufmerksam lauschen.

      (ich frage mich ansonsten nicht, ob mein lieben sozial sanktioniert ist. das ist nicht das problem, oder nur meines. die literatur ist das problem, weil sie stellung nimmt.)

    • @sirenomele. Proportionalitäten. Ich bin mir erfahrungshalber sicher. Nun müssen meine Erfahrungen selbstverständlich nicht verallgemeinerbar, d.h. normativ gültig bzw. wahrheitsbildend sein, aber ich halte sie für eine rechtschaffene Grundlage, da ich sie h a b e und nicht auf theoretisches Hineindenken angewiesen bin. Deshalb glaube ich auch nicht, daß Literatur Stellung nimmt, sondern S i e nehmen – d u r c h sie – Stellung, doch ist nun das Erstaunliche dabei, daß Ihnen Ihr eigener Text, während er entsteht, sehr oft durch Ihre eigene Stellungnahme einen dicken fetten Strich macht. Das darzulegen, u.a., war der Sinn einiger Passagen >>> meiner ersten Vorlesung. Ich meine hier besonders die Passagen, die sich aufs „Ausgraben“ beziehen. Allerdings stellt sich diese, ich möchte sagen: Selbstkorrektur durch den Text erfahrungshalber erst dann ein, wenn man sich um die Form keine schweren Gedanken mehr machen muß, sondern sie sich wie die Fähigkeit, Auto fahren zu können, automatisiert hat. In dem Sinn hat Rostropovitsch einmal einem Interviewer gesagt: „Ach wissen Sie, irgendwann hört Technik auf, ein Problem zu sein.“ Er meinte hier natürlich Finger- und Fingersatztechnik am Cello usw. , gemeint ist aber letztlich das gleiche, das sogar ein Selbes ist.

    • Avatar sirenomele says:

      unproportional: noch mal ich denke mich da auch nicht theoretisch hinein, sowas ginge nicht. und – da ich langsam so meine zweifel bekomme, – : mein text ist inhaltlich so klug wie ich auf bewusstseinsebene und die infifferenz ist keine unentschiedenheit oder blödigkeit meinerseits. – das war kein automatisches schreiben, kein „graphein“, keine zufällige ausgrabung – jeder einzelne der psychischen übergänge (die sie fast ausschließlich überlesen haben, meinetwegen waren sie nicht deutlich genug) – aber ich bejahe das perverse nicht – und ich kenne es, muss ich das auch noch sagen, um meinen bereich zu verteidigen? war das nicht deutlich? – , ich habe keine lust, es zu einer frivolität zu machen oder zu pathetisieren, obwohl es auch pathos hat – , weil das unproportionale eben zu meinem erfahrungsbereich gehört. – setze ich selbstredend auch nicht allgemein, aber als meines.

      – was ich denke, wo das problem (mein problem mit dem durchgehenden ihrer kritik, für die ich trotzdem dankbar bin) liegt: ich will keineswegs eine moralische wertung (war keine drin, im text), aber auch keinen hedonismus, bei dem sich das per-vertere im kreise dreht. selbsterkenntnis: unbedingt anstreben. bejahung – hat einen reiz. selbstkritik aber auch. – das ist vielleicht etwas, was mann als unsinnlich oder unreflektiert empfinden kann. – weil es letztlich immer leichter ist, davon auszugehen, man habe die dunkelheiten des lebens schon gepachtet, insofern man diese erkannt hat und auslebt und aus lauter außenseitertum arrogant wird. bin ich wohl schlicht masochistischer oder depressiver als sie, was die sache betrifft, macht nichts – das ist der horizont meines so gewollten textes.

    • @sirenomele: Und wenn genau da die Probleme des kleinen Dialoges liegen?
      mein text ist inhaltlich so klug wie ich auf bewusstseinsebene und die infifferenz ist keine unentschiedenheit oder blödigkeit meinerseits. – das war kein automatisches schreiben, kein „graphein“, keine zufällige ausgrabung – jeder einzelne der psychischen übergänge
      -wobei ich an „zufällige“ Ausgrabungen nicht glaube, dazu bin ich zu sehr Determinist.

      Und nein, ich habe sicherlich n i c h t die Dunkelheiten des Lebens gepachtet, da ist auch ganz viel Helles, und Dunkelheit ist, stell ich mir vor, bei weitem nicht ausgeschöpft… muß es auch nicht. Womit Sie allerdings recht haben: Depressiv bin ich nicht, ich habe sogar eine ausgesprochene Tendenz, optimistisch, lebensbejahend zu sein. Ich lieb es einfach, dieses Leben. Mehr Erklärung gibt es dafür nicht. Daß ich wiederum eine männliche Perspektive auf die „Dinge“ habe, scheint mir logisch zu sein. Wobei mich weibliche Perspektiven darauf immer interessiert und nicht selten begeistert haben. Wahrscheinlich bin ich von Frauen viel stärker geprägt als von Männern.

      Es tut mir leid, wenn Sie meine Kritik jetzt persönlich nahmen; sie ist auch viel weniger als Kritik gemeint, als daß ich versuche, den Spuren eines Textes zu folgen, und was ich sehe, zeige ich. Daß ich mich dabei irren kann, ist klar. Das Problem eines veröffentlichten Texte i s t aber, daß er sich vom Persönlichen löst und allgemein w i r d. Dem gleichen Prozeß unterstelle ich meine eigenen Texte, auch da tut das manchmal weh. Aber gehört dazu, wenn man publiziert.

      Dennoch, Entschuldigung. Nichts lag mir ferner, als Ihnen zu nahe zu treten. Wobei ich auch nur angedeutet-Frivoles nach wie vor nirgendwo in dem Text und seinen späteren Modifikationen entdecken kann.

    • Avatar sirenomele says:

      bez. Und wenn genau da die Probleme des kleinen Dialoges liegen? ich denke, ich weiß, dass sie meinen, dass das problem des dialogs vermeintlich oder letztlich in peters nicht vorhandenen dom-rolle und der selbstfindung der beiden liegt – das wäre also wohl die chance; die chance, dass jeder topf einen deckel bekommt und andersherum. das wäre in der tat ein soziologischer – „gesellschaftlich relevanter“ – blick auf die sache – im sinne einer rechtfertigung von außenseitertum, aber es gibt außenseiter, die sind noch mehr außenseiter als die, die in die szene gegangen sind – aber nur, weil das, was ich erzählen wollen würde, nicht szenemäßig konventionalisiert ist, ist es keine n o r m a l e beziehung, ganz bestimmt nicht, und deshalb doch erzählenswert, weil es diffuser und namenloser ist als BDSM. wie gesagt: ich wollte etwas anderes, als sie möglicherweise denken, was ich wollen würde, aber noch nicht wüßte.

      mit „frivol“ meinte ich, dass die sache eindeutig wird, eindeutig sexuell und mit eindeutiger sexueller ausrichtung. das erscheint mir noch zu glatt, obwohl es nicht per se glatt ist. und letztlich würden sich wissenschaftliche abhandlungen auch fast noch besser machen, wenn es darum ginge, ein verständnis zu eröffnen und akzeptanz zu erreichen. wie gesagt, mir geht es in meinem kleinen dialogversuch um ein zwischenland – das sie meinetwegen als fehlende selbstfindung oder moralische verklemmtheit bezeichnen würden – aber ich thematisiere und reflektiere es. in dieser weise sich selbst suchend und findend mögen die figuren sein, aber sie sind damit hypothetisches produkt der gesellschaft, welches nach meinem wunsch an hypothetische mütter, die ihre hypothetischen töchter zum klavierunterricht schicken – in aller bodenlosen zärtlichkeit zurückgehen kann.

      immerhin bin ich mir um des namenlosen schon klarer geworden und entschuldige mich meinerseits.

    • @sirenomele. S i e müssen sich absolut nicht entschuldigen. Da gibt es wirklich keinen Grund. Und das

      in aller bodenlosen zärtlichkeit zurückgehen kann

      ist eine ganz ganz wundervolle Formulierung. Ich beneide Sie ein wenig darum.

      [Um GöttinsWillen nein! ich rede ganz sicher nicht „der“ Szene ein Wort, überhaupt keiner, geschweiger der um BDSM; gerade die empfinde ich als meistens hochpeinlich und habe mich nach gelegentlichen (Selbst)Versuchen immer sehr schnell davon distanziert. Es ist in der Tat befriedigener, und riskanter, eigene, ganz eigene Wege zu gehen. Akzeptanz, übrigens, erreicht sich; da braucht es keine Corpsgeistler.
      NB.: Es gefällt mir gut, mit Ihnen zu sprechen.]

  4. Avatar sho-shan-nah says:

    unbedingt, allerdings unverbindlich Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge. Mh… Ficken?

    Sie: …

    Er: Ja, ich weiß, das ist nicht gerade die galanteste Anmache. Ich…

    Sie: Ganz im Sinne Jelineks! Hahahaha! Das ist mir wirklich noch nie passiert.

    Er: Zigarette?

    Sie: Bitte.

    Er: Feuer?

    Sie: Gern. Also, bevor… ich auf Ihre Frage eingehe, möchte ich gerne etwas von Ihnen wissen. Mögen Sie Beethoven lieber dirigiert von Bernstein oder von Karajan?

    Er: Karajan. Und Sie?

    Sie: Ja. Panzer oder U-Boot?

    Er: Panzer. Äh… Was mögen Sie lieber? (Ich verstehe kein Wort)

    Sie: U-Boote. Vanille oder Schokolade?

    Er: Sie stellen komische Fragen! Vanille!

    Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen. Na los, Sie sind dran!

    Er: Wie?

    Sie: Fragen Sie egal was! Spielen Sie mit!

    Er: Ah.

    Er: … Knoblauch oder Zwiebel?

    Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?

    Er: Mond. Bach oder Metallica?

    Sie: Bach. Sub oder Top?

    Er: heeeeey! Sie haben den Ring bemerkt.


    Linke oder rechte Hand?

    Sie: Rechts.

    Dort müssen wir in der Tat einbiegen, Sie laufen ja geradeaus.

    Er: Oh, verzeihung, ich war abgelenkt.


    Sie sind so still.

    Sie: Marschmusik oder Walzer?

    Er: Marschmusik! Jawoll.

    Sie: Sehr schön. Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.

    Er: Wenn Sie meinen. Wo sind wir?

    Sie: Ganz in der Nähe meiner Wohnung. Noch ein paar Straßen weiter.

    Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?

    Sie: RZB. Und Sie?

    Er: Ich bin mir nicht ganz sicher.

    Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett oder nassem, heißen Asphalt ein?

    Er: Letzteres.

    Sie: –

    Er: Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.


    Da haben Sie mich ja ganz schön beiläufig aus den mir bekannten Stadtteilen weggelotzt.

    Sie: Es steht Ihnen frei, jederzeit ein Taxi zu rufen und mich stehenzulassen. Immerhin fragten Sie mich genauso beiläufig auf offener Straße nach unverbindlichem Sex.

    Er: Auch wahr. Noch eine Zigarette?

    Sie: Danke, ich habe eigene. West ist nicht so meine Marke.

    Er: Sondern?

    Sie: Raten Sie!

    Er: Mhh, Marlboro, Marlboro lights, möglicherweise sogar die 100er. Richtig?

    Sie: Falsch.

    Er: Vogue Menthol? Ach, Feuer, entschuldigung.

    Sie: Danke.


    Skifahren oder Schlitten fahren?

    Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?

    Sie: Fuchs. Wir sind da.

    • @sho-shan-nah (zum Dialog). Da habe ich aber lachen müssen heute früh um fünf, als ich Ihren Text überflog! Das ist ganz ganz wunderbar. Dennoch, wie immer, die Detail-Teufelchen:

      Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge. Mh… [Reine Verlegenheits„lösung“. Verlegen ist der Typ aber nicht, da sollte es auch seine Autorin nicht sein.] Ficken?

      Sie: [Sie machen es sich zu einfach mit den Pünktchen, f ü l l e n Sie sie!:] Bitte?

      Er: Wollen wir ficken? Ich meine… Ja, ich weiß, das ist nicht gerade die galanteste Anmache. [Auch hier jetzt den Dialogtrick anwenden, den ich vorhin >>>> sirenomele verriet:] Jelinek, oder?

      Sie: Jelinek?

      Er: Jelinek. Ich… [So kommen Sie nämlich um die rein äußerliche Beschreibung/Erklärung herum, die Sie gleich IHR in den Mund legen und die ich streiche, damit Sie in der Dialogaktion bleiben und sich keinen Hänger reinholen:]

      Sie: Ganz im Sinne Jelineks! Hahahaha! [:Sowas funktioniert in geschriebenen Dialogen quasi nie, und hier funktioniert es schon gar nicht, so ganz am Anfang.] Das ist mir wirklich noch nie passiert.

      Er: Zigarette? [:Ausgezeichneter Übergang!]

      Sie: Bitte. [Für die Mitleser: Dieses „Bitte“ im Sinn von „Ja, gerne“ ist ausgesprochen geschickt, weil es gerade an dieser Stelle und nach dieser frechen Aufforderung („ficken“) bereits zeigt, daß SIE im Prinzip bereit ist, sich einzulassen. Allerdings, wie wir gleich sehen werden, führt diese Frau an IHM erst noch die Fingerprobe durch.]

      Er: Feuer?

      Sie: Gern. Also, bevor… ich auf Ihre Frage eingehe [Zu papieren, direkt bleiben:] , möchte ich gerne etwas von Ihnen wissen. Mögen Sie Beethoven lieber dirigiert von Bernstein oder von Karajan? [Persönliche Anmerkung: Da hab ich heute morgen ziemlich gestutzt. Momentlang schoß mir hoch: Woher w e i ß sie? – Ich verrate aber nicht, weshalb, lesen Sie am kommenden Sonntag einfach die Zeitung.]

      Er: Karajan. Und Sie?

      Sie: Ja. Auch. [In einem solchen „auch“ h ö r t man geradezu, wie sie ihm den ersten Punkt zuschiebt und daß sie das genießt. Die sind schon beim Vorspiel. Klasse Dynamik.] Panzer oder U-Boot?

      Er: Panzer. Und S i e Äh… Was mögen Sie lieber? [Sowas wie „äh“ usw. ersparen Sie sich bitte, schon aus Gründen dialogischer Eleganz.] (Ich verstehe kein Wort).

      [Die Pause retardiert. Vermeiden!]

      Sie: U-Boote. Und Vanille oder Schokolade?

      Er: Sie stellen komische Fragen! [Nicht reflektieren lassen, auch nicht, wenn er’s tut. Die Reflektion überlassen Sie hier einfach den Lesern. Schon, weil das wirklich nicht zu anstrengend ist, um es von ihnen zu erwarten.] Vanille natürlich!

      Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen.

      [Jetzt m u ß er reagieren, wenn er diese Frau nicht verlieren will. Also:]
      Er: Das tut mir jetzt leid für Sie.

      Sie: Mir auch. Egal. Sie sind jetzt dran!

      Er: Wie? Ich?

      Sie: Logisch.

      [Hier eine Klammer zum Anfang einfügen, Leitmotivik; zum Beispiel so:]

      Er: Jelinek oder Strauß?

      Sie: Goethe. Hätten Sie jetzt nicht gedacht. Weiter!

      Sie: Fragen Sie egal was! Spielen Sie mit!

      Er: Ah.

      Er: … Knoblauch oder Zwiebel?

      Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?

      Er: Mond. Bach oder Metallica?

      Sie: Bach. Sub oder Top?

      Er: heeeeey! Sie haben den Ring bemerkt.


      Linke oder rechte Hand?

      Sie: Rechts. [Sehr gut, daß Sie sie hier „rechts“ und nicht etwa „rechte“ sagen lassen. Aber immer direkt bleiben und das jetzt sprachlich anschließen: rechte Hand zu rechter Einbiegung:] Rechts müssen wir lang. Nicht

      Dort müssen wir in der Tat einbiegen, Sie laufen ja
      geradeaus.

      Er: Oh, verzeihung, ich wWar abgelenkt.


      Sie sind so still.
      [Das ist zu früh. Und ist gefährlich. Das isso, als fragt man: „Woran denkst du?“ Quasi immer ergibt das dann einen zähen Durchhänger, auch und gerade in der Realität. Also vermeiden. In der Aktion bleiben.]

      Sie: Marschmusik oder Walzer?

      Er: Marschmusik! Jawoll.

      Sie: Sehr schön. [Klasse!!!!:] Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.

      Er: Wenn Sie meinen. [Reine Verlegenheitslösung. Besser sowas:] Zu eng. Wo sind wir? [Ebenfalls Verlegenheitslösung, aber nicht die des Protagonisten, sondern Ihre, der Autorin. Darf hier auf keinen Fall sein. Sondern:] Ist es noch weit?

      Sie: Ganz in der Nähe meiner Wohnung. [:Das ist komplett Papier.] Noch ein pPaar Straßen weiter. Wolln Sie jetzt schon aufgeben?

      Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?

      Sie: RZB. Und Sie?

      Er: Ich bin mir nicht ganz sicher. Weiß nicht.

      Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett ein oder von nassem, heißen Asphalt ein?

      Er: Letzteres.

      Sie: – [:Das ist auch wieder eine Verlegenheit. Lassen Sie SIE hier ganz leicht anzüglich werden, denn sie w i l l ja verführt werden, aber so, daß s i e das Spiel leitet:] Wade oder Lende?

      [Das können Sie ihn aufnehmen lassen, wobei er sich vertut, das aber statt eines „Entschuldigung“ (das er bei einer solchen Dynamik n i e sagen darf) durch sein „Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein“ wieder zurücknimmt. Also:]

      Er: Mit oder ohne? [Er meint Kondome, logisch. Merkt, daß das eine Spur zu weit ging, und sagt j e t z t:]

      Er: Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.

      —–
      [Das Folgende knistert nur so vor Papier:]

      Da haben Sie mich ja ganz schön beiläufig aus den mir bekannten Stadtteilen weggelotzt.

      Sie: Es steht Ihnen frei, jederzeit ein Taxi zu rufen und mich stehenzulassen. Immerhin fragten Sie mich genauso beiläufig auf offener Straße nach unverbindlichem Sex.
      ——
      [Diese ganze Straßenverwirrung führt zu weit ab. Die sind auch, nach Dialog in Echtzeit, für sowas noch nicht lange genug unterwegs. Viel besser ist es, Sie nehmen hier den Anfang wieder auf, etwa so:]

      Sie: Ficken oder faire l’amour? Oder wolln Sie lieber ein Taxi rufen und mich stehenlassen?
      [Sparen Sie hier die Reflektion über unverbindlichen Sex. Die beiden sprechen sowieso die ganze Zeit drüber, und jeder merkt das. Die beiden merken es auch, aber zur Regel gehört, daß man das nun gerade n i c h t verbalisiert, sondern es an etwas ganz anderem aufhängt. Deshalb fängt ER die Situation nun s o auf:]

      Er: Auch wahr. Noch eine Zigarette? [Ich weiß, das „auch wahr“ ist eigentlich zu schön, als daß Sie sich davon trennen wollten. Sie kommen aber in dieser Situation erstmal nicht dran vorbei.]

      Sie: Danke, ich habe eigene. West ist nicht so meine Marke.

      Er: Sondern? [Nein! Sondern das Spiel wieder aufnehmen. Das ist raffinierter:]

      Sie: Raten Sie!

      Er: Mhh, Marlboro , Marlboro lights , möglicherweise sogar die 100er. oder Gauleoises blondes? Richtig?

      Sie: Falsch.

      Er: Vogue Menthol? [Er muß die Führung wiederkriegen. Deshalb:] Das ist ja furchtbar! Ach, Feuer, entschuldigung.

      Sie: Danke. [Anziehen ohne Absatz und Pause:] Skifahren oder Schlitten fahren?

      Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?

      Sie: Fuchs. Wir sind da. [D a s geht raffinierter, zumal die Füchsin s i e ist:] Fuchs, wir sind da.


      Toller, toller Dialog. Was noch als loser Faden draußenhängt, ist jetzt der Ring. Das verlangt nach einer Fortsetzung oder, aber das ist die weniger gute Lösung, müßte in dem Dialog noch irgendwo verstärkt/ausgeführt werden. Abgesehen davon, rein inhaltlich: Wenn ER einen BDSM-Ring trägt, ist die Frage nach Top oder Sub überflüssig, schon weil SIE den Ring als einen BDSM-Ring erkannt hat. Nimmt man das Motiv ernst, liefe sehr wahrscheinlich auch der ganze Dialog anders; SIE würde nämlich nicht versuchen, IHN die Führung übernehmen zu lassen, sondern ihre eigene Führung ungreifbar, aber spürbar ausbauen. Außerdem: Wenn er einen solchen Ring trägt (falls ich nicht ganz falschliegen sollte hier, ich meine >>>> das), würde er die Frau auch kaum auf die Art anmachen, die den schönen Dialog überhaupt erst in Gang setzt. Etwas anderes wäre, versuchte er als Dominanter eine Dominante zu verführen. (Das gibt’s, jaja, das gibt’s. Lacht.) Das paßte dann eher. Nur trüge er dann eben nicht diesen Ring.

    • Avatar sho-shan-nah says:

      @Albannikolaiherbst Hm, welche Zeitung? (Ich weiß von nichts. Da kam nur „die Musikwissenschaftlerin prüft den Kulturkonsumenten“ in mir durch.)

      Zum O: „Er“ sollte ihn um den Hals tragen. Allerdings sind die Tragekonventionen von Szene zu Paar etc. unterschiedlich.

      Die Autorenfrage als fließenderen Übergang einzuschieben ist eine gute Anregung, mit den Straßen und dem Weg muss ich mir noch was überlegen.

      Vielen Dank für Lob&Vorschläge.

    • @sho-shan-nah (Dialog ff). Zum O:
      1) Dann ist es kein „Ring“, sondern ein „Reif“. Die Unterscheidung mag in der Szene keine Rolle spielen, in der Sprache tut sie’s sehr wohl.
      2) Das mit den Tragekonventionen mag stimmen. Aber wenn ER diesen Reif trägt, ist seine Rolle definiert. Das zerstört Ihnen dann den ganzen Dialog, abgesehen davon, daß ich es für unmöglich halte, daß ein Dominanter je so etwas tragen würde; mir selbst wären, als Dominanter, Erkennungszeichen an sich schon suspekt. Auf der submissiven Seite ist das genau anders: Beide Positionen sind komplementär. Nicht einmal für einen Switcher kann ich mir vorstellen, daß er außerhalb eines festen Settings solch ein Erkennungszeichen trägt. Mir sind allerdings Switcher-Positionen insgesamt nicht nachfühlbar, dennoch kann ich mir vorstellen, daß eine Person C einer anderen Person A gegenüber submissiv, gegenüber Person B aber dominant ist. Gerade da hätten aber Reif oder Ring immer nur in Hinsicht auf Person B, bzw. A eine Funktion. Für einen Dominanten ist überdies allein schon die Vorstellung eines Halshalters physiologisch kaum erträglich. Wenn wir deshalb davon ausgehen, daß ER in diesem Dialog submissiv ist, wird auch seine Anmache ihres psychodynamischen Beweggrundes beraubt. Das würde, wie bei einem Pullover, an dessen einem lockeren Wollfaden man zieht, Ihren gesamten Dialog aufribbeln. Das habe ich ja schon gesagt.

      Indirekt gehört auch d a s in diesen Zusammenhang, nämlich die Kulturbefragung und daraus folgend dann auch Ihre Frage an mich: „welche Zeitung“? Hätten Sie mich bei einer solchen Anmache befragt, ich hätte sofort zurückgegeben: „Fragen Sie präziser. Welchen Karajan meinen Sie? Den der 40er, den wichtigen der 50er und 60er Jahre oder den danach?“ Oder ich hätte Ihnen wahrscheinlich geantwortet: „Norrington“. Und jetzt, außerhalb der eigentlichen Fragestellung, antworte ich Ihnen dazu noch: „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“.

      P.S.: Da Sie das Thema möglicherweise interessiert: Zu BDSM habe ich mich auch in Der Dschungel verschiedentlich geäußert, etwa >>>> hier; weiteres findet sich schnell, wenn Sie in der hiesigen Search-Funktion „BDSM“ oder auch „Mißbrauch“, bzw. „Perversion“ eingeben. Zum Perversionsbegriff werde ich mich in meiner nächsten Heidelberger Vorlesung eingehend äußern, da allerdings in der Transposition auf einen poetologischen Begriff.

    • Avatar sho-shan-nah says:

      O: vielleicht könnte der Ring an einer Halskette hängen, also nicht als Reif getragen? Ich gebe zu, mir darüber schreibenderweise nicht besonders viele Gedanken gemacht zu haben. Allerdings sind mir persönlich schon auch Tops bekannt, welche einen solchen Ring an der linken Hand tragen. Außerdem: sexuelle Rollenverteilung muss nicht mit sozialem Verhalten übereinstimmen, oder? Abgesehen davon haben Sie recht. Den Ring muss man eventuell gar nicht erwähnen.

      Genauigkeit der Fragen: gut. Klar, da gibt es sicherlich auch noch weitere Spezifizierungsoptionen. Ein bisschen runterbrechen muss ich schon 🙂
      (Jetzt bin ich natürlich neugierig auf die Zeitung.)

    • @sho-shan-nah (Weiteres). Es mag solche Tops geben; ich hätte denen gegenüber aber die deutliche Tendenz, sie nicht für besonders dominant zu halten, vielleicht sind sie eher sadistisch als dominant, keine Ahnung. Mir wäre das suspekt. – Zur Rollenverteilung: Da es in Ihrem Dialog um ein erotisches Setting geht und nicht um ein soziales Verhalten (ja, ich trenne da), hängt sehr vieles an dem Ring. Weshalb man ihn um den Hals tragen sollte, will mir als Lösung auch nicht klarwerden… aber vielleicht, weil er nicht paßt, vielleicht hat man zu sehr zugenommen, den Ring aber von einer dominanten Frau geschenkt bekommen, an der man immer noch hängt. Denkbar. Da ich nicht submissiv bin, kann ich nur spekulieren. In jedem Fall müßte das dann Teil des Dialoges sein. In der Tat, Sie brauchen den Ring für diesen (nach wie vor sehr spielerischen und schönen) Dialog nicht.

      Runterbrechen? Was denn?

    • Avatar sho-shan-nah says:

      Verbesserte Version Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge.
      Ficken?

      Sie: Pardon?

      Er: Sie haben schon richtig gehört. Jelinek, oder?

      Sie: Jelinek?

      Er: Jelinek. Ich…

      Sie: Hahahaha! Das ist mir wirklich noch nie passiert.

      Er: Zigarette?

      Sie: Bitte.

      Er: Feuer?

      Sie: Gern. Eine Frage: Mögen Sie Beethoven lieber dirigiert von Bernstein oder von Karajan?

      Er: Karajan. Und Sie?

      Sie: Ja. Auch. Panzer oder U-Boot?

      Er: Panzer. Wie stehts mit Ihnen? (Ich verstehe kein Wort).

      Sie: U-Boote. Und Vanille oder Schokolade?

      Er: Vanille, Vanillesoße!

      Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen.

      Er: Tja. Pech gehabt, mh?

      Sie: Passiert. Egal. Sie sind dran!

      Er: Ich soll auch sowas fragen?

      Sie: In der T(h)at.

      Er: Jelinek oder Handke?

      Sie: Kleist. Versuchen Sies nochmal!

      Er: … Knoblauch oder Zwiebel?

      Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?

      Er: Mond. Bach oder Metallica?

      Sie: Bach. Sub oder Top?

      Er: Soso! Top. Linke oder rechte Hand?

      Sie: Rechts. Rechts müssen wir lang. Nicht geradeaus.

      Er: War abgelenkt, Verzeihung. [Würde ich gerne drinlassen, ER ist ja auch eher der gepflegte Typ]
      Himmelbett oder Wasserbett?

      Sie: Himmel, keine Frage. Marschmusik oder Walzer?

      Er: Marschmusik! Jawoll.

      Sie: Sehr schön. Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.

      Er: Wie gemütlich. Wann sind wir da?

      Sie: Sie sind ganz schön ungeduldig.

      Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?

      Sie: ErZetBeh. Und Sie?

      Er: Keine Ahnung.

      Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett ein oder von nassem, heißen Asphalt?

      Er: Letzteres.

      Sie: Justine oder Juillette?

      Er: Mit oder ohne? Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.

      Sie: Darüber brauchen wir uns doch wirklich nicht unterhalten.

      Er: Dann haben wir uns schon geeinigt.

      Sie: Oben oder unten? Oder lieber schnell die Biege machen, bevor wir da sind?

      Er: Nanana. Noch eine Zigarette?

      Sie: Nein danke. West ist nicht so meine Marke.

      Er: Marlboro lights oder Fortuna?

      Sie: Falsch.

      Er: Vogue Menthol? Oh nein! Ach, Feuer, entschuldigung.

      Sie: Danke. Skifahren oder Schlitten?

      Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?

      Sie: Fuchs, wir sind da.

      ————
      Ich habe mich jetzt sehr an Ihren Vorschlägen orientiert, weil ich sie an nahezu allen Stellen passend fand.

      Runterbrechen: Na, die Dirigentenfrage. So speziell werden Sie und Er ja nicht.

    • @sho-shan-nah (zum revidierten Dialog).

      Er: Ich habe Sie gestern im Theater gesehen. Ulrike Maria Stuart. Sie saßen in der Loge.
      Ficken?
      Sie: Pardon?
      Er: Sie haben schon richtig gehört. [Ist immer noch ungelenk. Entweder ganz weg oder in die direkte Konfrontation:] Wollen wir ficken? Jelinek, oder? verstehn Sie?
      Sie: Jelinek?
      Er: Jelinek. Ich… [Bleiben Sie mal einfach in den abgeschlossenen Sätzen. Das gibt Z u g in den Dialog. Die mit Pünktchen endenden Andeutungen haben dann Sinn, wenn Ihnen Szene erlaubt ist oder Sie gar Umgebungen ausschmücken können.]
      Sie: Hahahaha! [:Ich habe bei sowas sofort eine isney-Kater-Karlo-Assoziation, die dann sehr stört.] Das ist mir wirklich noch nie passiert.
      [Das ist jetzt schön!:]
      Er: Zigarette?
      Sie: Bitte.
      Er: Feuer?
      Sie: Gern. Eine Frage: [:Immer noch: direkt bleiben.] Mögen Sie Beethoven .
      Er: Beethoven?
      Sie: L
      lieber dirigiert von unter Bernstein oder von Karajan?
      Er: Karajan. Und Sie?
      Sie: Ja. Auch. Panzer oder U-Boot?
      Er: Panzer. Und Wie stehts mit bei Ihnen? (Ich verstehe kein Wort).
      Sie: U-Boote. Und Vanille oder Schokolade?
      Er: Vanille, Vanillesoße [:s c h ö n, diese Anfügung mit der Sauce!]!
      Sie: Ich habe mal gehört, Schokolade mögen die aufregerenden Typen.
      Er: Tja. Pech gehabt, mh?.
      Sie: Passiert. Egal [Vorschlag, statt „egal“:] Schicksal. – Sie sind dran!
      Er: Ich soll auch sowas fragen?
      Sie: In der T(h)at. [:Solch ein Spiel geht in einem Dialog (leider) nicht.]
      Er: Jelinek oder Handke?
      Sie: Kleist. Versuchen Sies n o c hmal!
      Er: … Knoblauch oder Zwiebel?
      Sie: Knoblauch. Sonne oder Mond?
      Er: Mond. Bach oder Metallica?
      Sie: Bach. Sub oder Top?
      Er: Soso! Top. Linke oder rechte Hand?
      Sie: Rechts. Rechts müssen wir lang. Nicht geradeaus.
      Er: War abgelenkt, Verzeihung. [Würde ich gerne drinlassen, ER ist ja auch eher der gepflegte Typ] [:Dann lassen Sie ihn doch vielleicht einfach n u r „Verzeihung“ sagen… das gäbe einen netten Irritations-Effekt.] Himmelbett oder Wasserbett?
      Sie: Himmel, kKeine Frage [Wenn SIE hier mal n i c h t antwortet, verliert der Dialog jegliche Redundanz und bekommt ein Stück rhetorisches Geheimnis.]. Marschmusik oder Walzer?
      Er: Marschmusik! Jawoll.
      Sie: Sehr schön. Wir sollten mal einen Ausflug im Panzer machen.
      Er: Wie gemütlich.
      Sie: Das ist keine Kategorie.
      Er:
      Wann sind wir da?
      Sie: Sie sind ganz schön ungeduldig.
      Er: Romantische Zweierbeziehung oder Polyamorie?
      Sie: ErZetBeh. Und Sie?
      Er: Keine Ahnung.
      Sie: Atmen Sie lieber den Geruch von heißem Fett ein oder von nassem, heißen Asphalt? [:Ohne das „ein“ von „einatmen“, nur also das „atmen“ verschärft die Frage um Sinnlichkeit.]
      Er: Letzteres.
      Sie: Justine oder Juillette?
      Er: Mit oder ohne? Mir fällt gerade kein Gegensatzpaar mehr ein.
      Sie: Darüber brauchen wir uns doch wirklich nicht unterhalten [:Nein! Schärfer: „Darüber unterhalte ich mich nicht.“].
      Er: Dann haben wir uns schon geeinigt. [Das ist hier ungut als Retourkutsche, zu gestelzt. Entscheiden Sie sich hier für seine Haltung. Er sagt entweder „Dann mit“ oder „Dann ohne“ – was wiederum sie folgerichtigerweise unkommentiert läßt.]
      Sie: Oben oder unten? Oder lieber schnell noch eine die Biege machen, bevor wir [Besser, dringend:] Sie da sind?
      Er: Nanana. Noch eine Zigarette?
      Sie: Nein danke. West iIst nicht so meine Marke.
      Er: Marlboro lights oder Fortuna?
      Sie: Falsch.
      Er: Vogue Menthol? Oh nein! Ach, Feuer, entschuldigung.
      Sie: Danke. Skifahren oder Schlitten?
      Er: Schlitten. Fuchs oder Hase?
      Sie: Fuchs, wir sind da.

      Das läuft jetzt wirklich schön! Aber denken Sie über die von mir vorgeschlagenen Einzelheiten noch mal nach. Der nächste Schritt d a n n wäre, Dialogsatz für Dialogsatz unterschwellig zu erotisieren… das heißt: sich die Wortwahl noch einmal anzuschauen. Nicht etwa direkte Sexualbegriffe verwenden, sondern solche Begriffe, die eine sexuelle Lesart entfernt nahelegen (hübsche Kombination, sie t r i f f t: entfernt & nahe). Jedenfalls wäre das jetzt m e i n weiteres Vorgehen. Als Tip: Den Text nunmehr, noch ohne die Wortwahl-Idee, auf meine Anmerkungen abklopfen, entsprechend umschreiben oder nicht umschreiben, dann ausdrucken und eine Woche liegenlassen, um Abstand zu gewinnen.
      Die Ring-/Reif-Problematik haben Sie superb gelöst.

  5. Avatar Maximilian Prang says:

    Er: Hi.

    Sie: —

    Er: Hast du auch die Bahn verpasst?

    Sie: Sieht so aus.

    Er: Blöde Frage, ich weiß. Du wirst wohl kaum auf den Weihnachtsmann warten.

    Sie: —

    Er: Is aber nich so schlimm.

    Sie: Was?

    Er: Dass wir die Bahn verpasst haben.

    Sie: —

    Er: Die nächste kommt um einuhrvierzig.

    Sie: —

    Er: Das ist in zwanzig Minuten. Nein! Jetzt nur noch neunzehn. Hehe.

    Sie: Könnte lange werden.

    Er: Stimmt. Deshalb hab ich mir gedacht: Sprech doch mal das nette Mädchen an, das da so
    allein rumsitzt.

    Sie: Oh Gott.

    Er: Was denn?

    Sie: Na los, sag es!

    Er: Was?

    Sie: Sag, dass ich schöne Augen habe. Dann haben wir’s hinter uns.

    Er: Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass du schöne Augen hast?

    Sie: Idiot.

    Er: Vielleicht.

    Sie: —

    Er: Ach, komm schon.

    Sie: —

    Er: Ziemlich kalt, gell?

    Sie: Könnte damit zusammenhängen, dass Winter ist.

    Er: Ich meinte dich.

    Sie: Hör zu: Scheinbar deutest du die Zeichen nicht richtig, also sag ich es dir: Ich habe keine Lust auf eine Unterhaltung!

    Er: Is ja gut. Ich hab’s verstanden, comprende, I understand.

    Sie: —

    Er: Zigarette?

    Sie: Scheiße! Nein!

    Er: Is ja gut, is ja gut. Ich rauch für uns beide. Bin ja auch nett für uns beide.

    Sie: —

    Er: Dachte nur: Du sitzt da und frierst und willst vielleicht bisschen unterhalten werden. Weißt du? Mir geht es öfter so, dann wär ich froh, wenn mich jemand anspricht.

    Sie: Oh Mann, du bist so ein Horst.

    Er: Und wie heißt du?

    Sie: Gertrud.

    Er: Haha! Ach, komm schon. Verarschen kann ich mich selber!

    Sie: Hast du was gegen meinen Namen?

    Er: Nein… entschuldige, konnte ja nicht wissen, dass du wirklich so heißt.

    Sie: Natürlich heiße ich nicht so! Denkst du, ich heiße Gertrud? Wie blöd bist du eigentlich?

    Er: —

    Sie: —

    Er: Mir ist langweilig.

    Sie: Nein, ist dir nicht.

    Er: Wie bitte?

    Sie: Du hast mich verstanden. Dir ist nie langweilig.

    Er: Stimmt. Woher weißt du das?

    Sie: Ich kenne solche Typen wie dich.

    Er: Und?

    Sie: Ihr seid selbst viel zu langweilig.

    Er: —

    Sie: —

    Er: Ok, gut. Und woran hast du mich identifiziert?

    Sie: Karierter Schal? Hallo?

    Er: Ach so. Und du denkst Fick-mich-Stiefel sind origineller?

    Sie: Immerhin hat der Schal die Stiefel angesprochen und nicht umgekehrt.

    Er: Aber nicht wegen der Stiefel.

    Sie: Sondern?

    Er: …Du hast mich einfach interessiert.

    Sie: Falsch! Du interessierst dich nur für dich selbst!

    Er: Wie bitte?

    Sie: Dein Interesse hat mehr mit dir zu tun, als mit mir.

    Er: Ich verstehe nicht…

    Sie: Du siehst in mir irgendeine deiner Fantasien.

    Er: Ich…

    Sie: Nein! Ich! habe es dir schon oft genug gesagt: Du wirst niemals eine Frau wie mich bekommen!

    Er: Moment! Kennen wir uns?

    Sie: Vielleicht.

    Er: Komm schon! Hilf mir!

    Sie: Erinnerst du dich an den Abend in der Tangente?

    Er: Welcher Abend?

    Sie: Du warst mit ihr da.

    Er: Wovon redest du?

    Sie: Du hast gedacht, an diesem Abend läuft bestimmt was.

    Er: Woher…

    Sie: Du hast ewig darauf gewartet und an diesem Abend warst du dir sicher.

    Er: Das stimmt nicht, woher willst du das wissen?

    Sie: Aber sie hat dich noch nicht mal ihr Getränk bezahlen lassen.

    Er: Das kann nicht sein!

    Sie: Dann hat sie mit diesem Typen getanzt.

    Er: —

    Sie: Du wirst nie so sein wie Er. Du bist nicht Er!

    Er: —

    Sie: Du hast getan, als würdest du es nicht sehen.

    Er: —

    Sie: Dann ist sie zu dir gekommen und hat dich um deinen freundschaftlichen Rat gefragt: Soll ich? Einfach so mal? Mit einem wildfremden Typen?

    Er: Nein!

    Sie: Und du hast dich locker gegeben: Na klar! Is doch nix dabei. Hast ihr zugezwinkert.

    Er: Is doch nix dabei.

    Sie: Eine halbe Stunde später standest du auf der Schlossmauer.

    Er: —

    Sie: Aber vorher…

    Er: Was vorher?

    Sie: …hast du mich getroffen.

    Er: Natürlich! Jetzt kann ich mich erinnern.

    Sie: Ich saß an der Bar.

    Er: Stimmt, an der Bar.

    Sie: Du hast mich angesprochen, als sie gegangen war.

    Er: Was habe ich gesagt?

    Sie: Du hast mich gefragt, ob wir uns nicht schon mal begegnet seien.

    Er: Und du?

    Sie: Ich sagte: Ja, wir haben uns mal zufällig nachts an der Bahnhaltestelle getroffen.

    Er: Und dann?

    Sie: Dann hast du gefragt, ob wir uns unterhalten hätten.

    Er: Was hast du darauf geantwortet?

    Sie: Du hattest mit mir reden wollen, aber ich nicht mit dir.

    Er: Weiter! Weiter!

    Sie: Dann habe ich dir etwas gestanden.

    Er: Was war es?

    Sie: Ich bin niemals an der Haltestelle gewesen, Maximilian.

    • @Maximilian Prang (zum Dialog). Bitte weitgehend all sowas vermeiden: „—-“, vor allem als direkte Antwort auf eine Frage. Allgemeines ganz unten, hier jetzt im Einzelnen:

      Er: Hi.
      Sie: — [Unschön, Verlegenheit.]
      Er: Hast du auch die Bahn verpasst?
      Sie: Sieht so aus.
      Er: Blöde Frage, ich weiß. [Dann sollte er nicht n o c h eine dumme Frage stellen:] Du wirst wohl kaum auf den Weihnachtsmann warten.
      Sie: — [Dito.]
      Er: Is aber nich so schlimm.
      Sie: Was?
      Er: Dass wir die Bahn verpasst haben.
      Sie: —
      Er: Die nächste kommt um einuhrvierzig.
      Sie: —
      Er: Das ist in zwanzig Minuten. Nein! Jetzt nur noch neunzehn. Hehe.
      Sie: [Das ist ganz unlogisch, daß sie jetzt plötzlich zu sprechen beginnt. Einen guten Einfall sollten Sie IHM also schon zumuten und der jungen Frau gönnen.] Könnte lange werden.
      Er: Stimmt. Deshalb hab ich mir gedacht: Sprech doch mal das nette Mädchen an, das da so
      allein rumsitzt.
      Sie: Oh Gott. [:Das hat sie so oft in den „—“ gedacht, daß sie es jetzt nie sagen würde. Hier istr die Figur unglaubhaft.]
      Er: Was denn?
      Sie: Na los, sag es!
      Er: Was?
      Sie: Sag, dass ich schöne Augen habe. Dann haben wir’s hinter uns.
      Er: Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass du schöne Augen hast? [Na, d a n n aber direkt: „Du hast schöne Augen.“]
      Sie: Idiot. [:Das stimmt jetzt, also auch die Figur.]
      Er: Vielleicht.
      Sie: — [Aufpassen! Nicht noch mal das „Oh Gott“ von oben noch verstärken.]
      Er: Ach, komm schon.
      Sie: —
      Er: Ziemlich kalt, gell?
      Sie: Könnte damit zusammenhängen, dass Winter ist.
      Er: Ich meinte dich.
      Sie: Hör zu: Scheinbar deutest du die Zeichen nicht richtig, also sag ich es dir: Ich habe keine Lust auf eine Unterhaltung!
      Er: Is ja gut. Ich hab’s verstanden, comprende, I understand.
      Sie: —
      Er: Zigarette?
      Sie: Scheiße! Nein!
      Er: Is ja gut, is ja gut. Ich rauch für uns beide. Bin ja auch nett für uns beide.
      Sie: —
      Er: Dachte nur: Du sitzt da und frierst und willst vielleicht bisschen unterhalten werden. [Nachdem sie gesagt hat, sie wolle sich n i c h t unterhalten?] Weißt du? Mir geht es öfter so, dann wär ich froh, wenn mich jemand anspricht.
      Sie: Oh Mann, du bist so ein Horst.
      Er: Und wie heißt du?
      Sie: Gertrud. [Warum antwortet sie? Auch wenn sie ihn verarscht damit, warum tut sie das? Irgend etwas müssen Sie IHM geben, das ihn locken läßt.]
      Er: Haha! Ach, komm schon. Verarschen kann ich mich selber!
      Sie: Hast du was gegen meinen Namen?
      Er: Nein… entschuldige, konnte ja nicht wissen, dass du wirklich so heißt.
      Sie: Natürlich heiße ich nicht so! Denkst du, ich heiße Gertrud? Wie blöd bist du eigentlich?
      Er: —
      Sie: —
      Er: Mir ist langweilig.
      Sie: Nein, ist dir nicht. [Auch, daß s i e jetzt in die Attacke geht, ist nicht glaubhaft. Er müßte ihr einen Grudn dafür geben, der dem Dialog bisher fehlt. (In der Realität wäre das möglicherweise etwas anders, da könnte er zum Beispiel etwas in seiner Gestik haben, das sie anspricht. Darüber verfügen Sie aber in einem Dialog nicht.]
      Er: Wie bitte?
      Sie: Du hast mich verstanden. Dir ist nie langweilig.
      Er: Stimmt. Woher weißt du das?
      Sie: Ich kenne solche Typen wie dich.
      Er: Und?
      Sie: Ihr seid selbst viel zu langweilig.
      Er: —
      Sie: —
      Er: Ok, gut. Und woran hast du mich identifiziert?
      Sie: Karierter Schal? Hallo?
      Er: Ach so. [Hier bekommt ER in der Tat mal Kraft, das ist wirklich gut, also stimmt dann auch plötzlich der Dialog.:] Und du denkst Fick-mich-Stiefel sind origineller?
      Sie: Immerhin hat der Schal die Stiefel angesprochen und nicht umgekehrt.
      Er: Aber nicht wegen der Stiefel.
      Sie: Sondern?
      Er: …Du hast mich einfach interessiert.
      Sie: Falsch! Du interessierst dich nur für dich selbst!
      Er: Wie bitte?
      Sie: Dein Interesse hat mehr mit dir zu tun, als mit mir.
      Er: Ich verstehe nicht…
      Sie: Du siehst in mir irgendeine deiner Fantasien.
      Er: Ich…
      Sie: Nein! Ich! habe es dir schon oft genug gesagt [Also die kennen sich? Das war vorher nie klar, das m ü ß t e aber klar sein.]: Du wirst niemals eine Frau wie mich bekommen!
      Er: Moment! Kennen wir uns?
      Sie: Vielleicht.
      Er: Komm schon! Hilf mir!
      ———
      [Diese jetzt folgende Geschichte ist spannend. Aber lassen Sie sie bitte viel viel früher anfangen, sonst ist auch sie nicht glaubhaft.]
      Sie: Erinnerst du dich an den Abend in der Tangente?
      Er: Welcher Abend?
      Sie: Du warst mit ihr da.
      Er: Wovon redest du?
      Sie: Du hast gedacht, an diesem Abend läuft bestimmt was.
      Er: Woher…
      Sie: Du hast ewig darauf gewartet und an diesem Abend warst du dir sicher.
      Er: Das stimmt nicht, woher willst du das wissen?
      Sie: Aber sie hat dich noch nicht mal ihr Getränk bezahlen lassen.
      Er: Das kann nicht sein!
      Sie: Dann hat sie mit diesem Typen getanzt.
      Er: —
      Sie: Du wirst nie so sein wie Er. Du bist nicht Er!
      Er: —
      Sie: Du hast getan, als würdest du es nicht sehen.
      Er: —
      Sie: Dann ist sie zu dir gekommen und hat dich um deinen freundschaftlichen Rat gefragt: Soll ich? Einfach so mal? Mit einem wildfremden Typen?
      Er: Nein!
      Sie: Und du hast dich locker gegeben: Na klar! Is doch nix dabei. Hast ihr zugezwinkert.
      Er: Is doch nix dabei.
      Sie: Eine halbe Stunde später standest du auf der Schlossmauer.
      Er: —
      Sie: Aber vorher…
      Er: Was vorher?
      Sie: …hast du mich getroffen.
      ——-
      [Sehen Sie, und d a s ist eben wieder nicht glaubhaft. An diese Geschichte hätte er sich in jedem Fall erinnert und gerade an die damit verbundene Frau. Hier hängt der Dialog.]
      Er: Natürlich! Jetzt kann ich mich erinnern
      Sie: Ich saß an der Bar.
      Er: Stimmt, an der Bar.
      Sie: Du hast mich angesprochen, als sie gegangen war.
      Er: Was habe ich gesagt?
      Sie: Du hast mich gefragt, ob wir uns nicht schon mal begegnet seien.
      Er: Und du?
      Sie: Ich sagte: Ja, wir haben uns mal zufällig nachts an der Bahnhaltestelle getroffen.
      Er: Und dann?
      Sie: Dann hast du gefragt, ob wir uns unterhalten hätten.
      Er: Was hast du darauf geantwortet?
      Sie: Du hattest mit mir reden wollen, aber ich nicht mit dir.
      Er: Weiter! Weiter!
      Sie: Dann habe ich dir etwas gestanden.
      Er: Was war es?
      Sie: Ich bin niemals an der Haltestelle gewesen, Maximilian. [Diese Pointe ist auf ersten Blick sehr verlockend, wird aber sinnlos, wenn SIE selbst acht Zeilen vorher erzählt, die beiden hätten sich zufällig nachts an der Haltstelle getroffen. Es ist dann nämlich nur noch Verarsche. Was für die an sich schöne und treffende Pointe schade wäre.]

      Also: Schneller an das Thema rangehen, die Grundgeschichte vorziehen und sich vor allem klar darüber werden, ob die Rahmengeschichte, in die die Grundgeschichte zurückgeführt wird, w a h r war. Von da aus ergibt sich dann alles mit Folgerichtigkeit.

  6. Avatar gloria_m says:

    Begegnung In meinem Text wird nicht geflirtet, ich hoffe, dass ich das Thema nicht ganz verfehlt habe. Immerhin ist es ein Dialog!

    Sie: Warum bleibt er jetzt auf einmal stehen?
    Er: Und das mitten im Wald. Sieht nicht gut aus!
    Sie: Na ja, vielleicht ist es nur eine Störung oder so.
    Er: Das sieht mir eher nach einem Personenschaden aus.
    Sie: Hoffentlich nicht!
    Er: Aber sicher doch! Wir sind mitten im Wald.
    Sie: Warum wird denn nichts durchgesagt?!
    Er: Dem Lokführer wird sicher erst noch gesagt was da los ist.
    Sie: Warum muss das gerade heute passieren?
    Er: Warum? Haben Sie einen wichtigen Termin?
    Sie: Ja, ich habe eine mündliche Prüfung heute. War ja klar, dass so was jetzt noch passieren muss.
    Er: Ach, sind Sie ’ne Studentin?
    Sie: Ja!
    Er: Sieh an! Was studieren Sie denn?
    Sie: Biologie.
    Er: Biologie? Was wird man denn da?
    Sie: Biologe.
    Er: Ich meine vom Beruf her?
    Sie: Kann man vieles werden.
    Er: Früher hat man nur eines gelernt und wurde das dann auch, heute lernt man vieles und wird nichts.
    Sie: Wenn Sie meinen.
    Er: Hören Sie das?! Da kommt schon die Polizei.
    Sie: Und das gerade heute.
    Er: So was kann ewig dauern. Erst kommt ja nur die Polizei, doch dann müssen die warten bis der Staatsanwalt da ist und dann kommt die Mordkommission. Dann wird alles fotografiert und aufgenommen. Und am Schluss eingesammelt. Das kann dauern.
    Sie: Ich Pechvogel!
    Er: Da kann man nix machen, denken Sie erst einmal an den Lokführer, dem das passiert ist – die arme Sau. Der kann doch nie wieder fahren.
    Sie: Na ja, ich versuche mal noch etwas zu lernen.
    Er: Tun Sie das. Schauen sie ruhig noch einmal in Ihr Büchlein.

    Er: Lernen Sie ruhig noch ein bisschen. Man kann eh gerade nichts tun…so mitten im Wald.


    Er: Aber eigentlich bringt das jetzt eh nichts mehr – so kurz vor der Prüfung. Legen sie lieber das Buch weg.
    Sie: Ich muss mir dieses Verfahren noch einmal genauer ansehen.
    Er: Wissen Sie, als ich in jungen Jahren meine Ausbildung gemacht habe, da mussten wir nicht so viel unnötiges Zeug lernen. Man hat einfach nur gelernt was wichtig war.
    Sie: Was ich da lerne ist auch wichtig.
    Er: Kommen Sie erstmal in mein Alter, da wissen Sie erst was wichtig ist und was nicht.
    Sie: Ich lese mal weiter.
    Er: Wissen Sie, als ich so alt war wie Sie, da war ich schon verheiratet und hatte bereits ein Kind.
    Sie: Jeder geht eben seinen eigenen Weg.
    Er: Und paar Jahre später, da hatte ich schon mein eigenes Haus gebaut. Das war vielleicht eine Arbeit, aber wenn man ein Ziel hat…
    Sie: Das hört sich wirklich sehr interessant an, aber mein Biobuch ruft. Ich muss mir wirklich noch einmal die Muskelvorgänge anschauen.
    Er: Wenn Sie was Biologisches sehen wollen, dann müssen Sie nur aussteigen junge Dame.
    Sie: Was soll das jetzt? Finden Sie das witzig?
    Er: Nein, nein. Doch, so ist das Leben eben. Da arbeitet man sein Leben lang, um dann tot umzufallen.
    Sie: So ein Gespräch hat mir gerade noch gefehlt.
    Er: Ah, ich verstehe, es ist Ihnen unangenehm über den Tod zu reden. Wissen Sie, ich habe da erst kürzlich einen Artikel über dieses Thema gelesen. Darin stand, dass die Mehrzahl der deutschen Bundesbürger den Tod einfach verdrängt. Das ist heutzutage ein richtiges Tabuthema. Sie gehören dann wohl auch zur Mehrheit.
    Also ich habe so überhaupt kein Problem damit – ich meine über den Tod zu reden. Man muss eben einmal sterben.
    Sie: Ich habe kein Problem damit über den Tod zu reden, nur habe ich gerade andere Sorgen.
    Er: Warum dann das Studium, wenn es Ihnen nur Sorgen bereitet?
    Sie: Weil ich es gerne mache.
    Er: Sie haben gerne Sorgen?
    Sie: Nein! Aber….
    Er: Schon klar. Lesen Sie weiter.


    Sie: Ach, ich kann mich jetzt sowieso nicht mehr darauf konzentrieren.
    Er: Auf einmal?
    Sie: Der Zug bewegt sich.
    Er: Er fährt zurück, dass dachte ich mir.
    Sie: Und das gerade heute!
    Er: Ja, ja!
    Sie: Haben Sie heute noch etwas Besonderes vor oder…
    Er: Ach nein, bisschen einkaufen gehen, nichts weiter. Schlendern. Bin ja schon Rentner, da kann man schon mal den Tag genießen.
    Sie: Ah ok.
    Er: Bin ja schon sehr früh in Rente. Wollte mit meiner Frau das Leben genießen. Hab schon genug in meinem Leben gearbeitet. Und als ich das sah, mit meinem Freund. Ach ja, der Hans hat immer gearbeitet. Und dann mit 60 einen Herzinfarkt bekommen, war sofort tot. Das wollte ich nicht.
    Sie: Dann können Sie nun also Ihr Leben mit Ihrer Frau genießen.
    Er: Meine Frau ist verstorben.
    Sie: Oh, das tut mir leid.
    Er: Ja ja, ein halbes Jahr nach meiner Pensionierung hat sie einen Herzinfarkt bekommen. Einfach so. Ging alles ganz schnell.
    Sie: Das tut mir wirklich leid.
    Er: Kann man nichts machen. Der Herrgott geht eben unergründliche Wege.
    Sie: Ja, scheint manchmal so.
    Er: Schau an, da sind wir auch schon wieder – wo unsere Reise begonnen hat.
    Sie: Dann werde ich wohl ein Taxi rufen müssen.
    Er: Ärgern Sie sich nicht.
    Sie: Ach nein, es gibt Wichtigeres!

    • @gloria_m (zu Begegnung).

      In meinem Text wird nicht geflirtet, ich hoffe, dass ich das Thema nicht ganz verfehlt habe. Immerhin ist es ein Dialog!
      Es m u ß nicht geflirtet werden; das war nur eine Vorgabe, um in den Dialog einsteigen zu können und die Thematik ein wenig zu begrenzen, vor allem aus Gründen der Vergleichbarkeit für Sie alle untereinander selbst.

      Sie: Warum bleibt er jetzt auf einmal stehen?
      Er: Und das … [:mehr aus der Aktion] mitten im Wald. Sieht nicht gut aus!
      Sie: Na ja, vVielleicht ist es nur eine Störung oder so.
      Er: Das sSieht mir eher nach einem Personenschaden aus.
      Sie: Hoffentlich nicht!
      Er: Aber sicher doch! Wir sind mitten im Wald.
      Sie: Warum wird denn nichts durchgesagt?!
      Er: Dem Lokführer wird sicher erst noch gesagt was da los ist. [Unwahrscheinlich, weil er wohl der erste sein wird, der we i ß, weil er g e s e h e n hat.]
      Sie: Warum muss das gerade heute passieren?
      Er: Warum? Haben Sie einen wichtigen Termin?
      Sie: Ja, ich habe eEine mündliche Prüfung heute, ja. War ja klar, dass so was jetzt noch passieren muss.
      Er: Ach, sind Sie ’ne Studentin?
      Sie: Ja!
      [:In solchen Dialogen alle Geschwätzigkeit vermeiden. Es geht nicht darum, daß man n a c h s t e l l t, wie Gespräche real geführt werden, sondern daß man ein Gespräch f ü h r t.]
      Er: Sieh an! Was studieren Sie denn?
      Sie: Biologie.
      Er: Biologie? Was wird man denn da?
      Sie: Biologein.
      Er: Ich meine vom Beruf her?
      Sie: Kann man vieles werden.
      Er: Früher hat man nur eines gelernt und wurde das dann auch, heute lernt man vieles und wird nichts.
      Sie: Wenn Sie meinen. [Retardierender Verlegenheitssatz. Da finden Sie bitte etwas anderes.]
      Er: Hören Sie das?! Da kommt schon die Polizei. Aber
      Sie: Und das gerade heute.
      Er: So was kann ewig dauern. Erst kommt ja nur die Polizei, doch
      dann müssen die warten bis der Staatsanwalt da ist und dann kommt die Mordkommission. Dann wird alles fotografiert und aufgenommen. Und am Schluss eingesammelt. Das kann dauern.
      Sie: Ich Pechvogel!
      Er: Da kann man nix machen, denken Sie erst einmal an den Lokführer, dem das passiert ist – die arme Sau. Der kann doch nie wieder fahren.

      Sie: Na ja, iIch versuche mal noch etwas zu lernen.
      Er: Tun Sie das. Schauen sie ruhig noch einmal in Ihr Büchlein.

      Er: Lernen Sie ruhig noch ein bisschen.
      Man kann eh gerade nichts tun…so mitten im Wald.


      Er: Aber eigentlich bringt das jetzt eh nichts mehr – so kurz vor der Prüfung. Legen sie lieber das Buch weg.

      Sie: Ich muss mir dieses Verfahren noch einmal genauer ansehen.
      Er: Wissen Sie, aAls ich in jungen Jahren meine Ausbildung gemacht habe, da mussten wir nicht so viel unnötiges Zeug lernen. Man hat einfach nur gelernt was wichtig war.
      Sie: Was ich da lerne ist auch wichtig. [Die SIE gewinnt kein Dialog-Format; lassen Sie sie außer Genervtheiten mal etwas sagen, das IHN fordert…]
      Er: Kommen Sie erstmal in mein Alter, da wissen Sie erst was wichtig ist und was nicht.
      Sie: Ich lese mal weiter.
      Er: Wissen Sie, aAls ich so alt war wie Sie in Ihrem Alter war [:die Unverschämtheit ruhig schärfer fassen], da war ich schon verheiratet und hatte bereits ein Kind.
      Sie: Jeder geht eben seinen eigenen Weg. [Merken Sie’s?: SIE antwortet immer nur mit Banalitäten, obwohl doch banal eigentlich ER ist. Das stört den Fortgang des Dialogs, also die Lust, in ihm weiterzulesen, ungemein.]
      Er: Und paar Jahre später, da hatte ich schon mein eigenes Haus gebaut. Das war vielleicht eine Arbeit, aber wenn man ein Ziel hat…
      Sie: Das hört sich wirklich sehr interessant an, aber mein Biobuch ruft. Ich muss mir wirklich noch einmal die Muskelvorgänge anschauen.
      Er: Wenn Sie was Biologisches sehen wollen, dann müssen Sie nur aussteigen junge Dame.
      Sie: Was soll das jetzt? Finden Sie das witzig?
      Er: Nein, nein. Doch, so ist das Leben eben. Da arbeitet man sein Leben lang, und fällt tot um um dann tot umzufallen. [:Aber insgesamt keine plausible Dialoglösung, weil da ja ein Suzidaler nicht einfach umgefallen ist.]
      Sie: So ein Gespräch hat mir gerade noch gefehlt. [:Siehe oben.]
      Er: Ah, ich verstehe, eEs ist Ihnen unangenehm über den Tod zu reden. Wissen Sie, iIch habe da erst kürzlich einen Artikel über dieses Thema gelesen. Darin stand, dass die Mehrzahl der deutschen Bundesbürger den Tod einfach verdrängt. Das ist heutzutage ein richtiges Tabuthema. Sie gehören dann wohl auch zur Mehrheit. [ABSATZ ANZIEHEN:] Also ich habe so überhaupt kein Problem damit – ich meine über den Tod zu reden. Man muss eben einmal sterben.
      Sie: Ich auch nicht, aber muß mich erstmal ums Leben kümmern. Weshalb ich jetzt weiterlesen werdehabe kein Problem damit über den Tod zu reden, nur habe ich gerade andere Sorgen.
      Er: Aber bitte! Selbstverständlich!Warum dann das Studium, wenn es Ihnen nur Sorgen bereitet?
      Sie: Weil ich es gerne mache.
      Er: Sie haben gerne Sorgen?
      Sie: Nein! Aber….
      Er: Schon klar. Lesen Sie weiter.


      Sie: Ach, iIch kann mich jetzt sowieso nicht mehr darauf konzentrieren.
      Er: Auf einmal?
      Sie:
      Der Zug bewegt sich.
      ErSie: Er fährt zurück,. [ABSATZ:]
      Sie: dass dachte ich mir.
      Sie: Und das gerade heute!
      Er: Ja, ja!
      Sie: Haben Sie heute noch etwas Besonderes vor oder…
      ?
      Er: Ach nein, bisschen einkaufen gehen, nichts weiter. S<Schlendern. Bin ja schon Rentner, da kann man schon mal den Tag genießen.
      Sie: Ah ok.
      Er: Bin ja schon sehr früh in Rente. Wollte mit meiner Frau das Leben genießen. Hab schon genug in meinem Leben gearbeitet. Und als ich das sah, mit meinem Freund. Ach ja, der Hans hat immer gearbeitet. Und dann mit 60 einen Herzinfarkt bekommen, war sofort tot. Das wollte ich nicht.
      Sie: Dann können Sie nun also Ihr Leben mit Ihrer Frau genießen.
      Er: Meine Frau ist verstorben.
      Sie: Oh, das tut mir leid.
      Er: Ja ja, ein halbes Jahr nach meiner Pensionierung hat sie einen Herzinfarkt bekommen. Einfach so. Ging alles ganz schnell.
      Sie: Das tut mir wirklich leid.
      Er: Kann man nichts machen. Der Herrgott geht eben unergründliche Wege.
      Sie: Ja, scheint manchmal so.
      Er: Schau an, da sind wir auch schon wieder – wo unsere Reise begonnen hat.
      Sie: Dann werde ich wohl ein Taxi rufen müssen.
      Er: Ärgern Sie sich nicht.
      Sie: Ach nein, es gibt Wichtigeres!

  7. Avatar Slunitschek says:

    Marle Er: M a r l e, Maria Magdalena-
    Sie: -nur Marle.
    Er: Marle, also.
    Sie: Ein Bauwagen, nicht weit. Bisweilen eine Ratte, sonst niemand. Der gelbe unter
    der Quitte-
    Er: -da lieb ich dich von der Stelle.
    Sie: Moment. Du trägst Unterwäsche, ich die Verantwortung,
    Er: ich ein Käppchen,
    Sie: nur die Quitte die Frucht; einverstanden.

    Er: Moment. Vor der Unterwäsche, wegen der Verantwortung,
    Sie: hast du kein Käppchen?
    Er: so ein Salat.

    Sie: Marle, Marle Marmelade-
    Er : -dein Fleisch so trocken wie die Quitte,
    Sie: nur weichkochen, auswringen, einmachen, kannst du mich nicht.
    Er: aber gepflückt-
    Sie: -nur aufgelesen!
    Er: reingebissen-
    Sie: -und verschluckt!
    Er: schon gut. Ich bleibe, wenn du willst.
    Sie: Ich will.

    • Avatar werb says:

      Sehr knapp-Verzeihung! SIE: Jetzt haben Sie mich doch glatt hierher gelockt!
      ER: Du hast dich nicht gewehrt!
      SIE: Du?
      ER: Du!
      SIE: Das klingt ja… Also, ich habe von nichts gewusst!
      ER: Schon klar!
      Du trägst dein Haar offen und keinen Schmuck.
      SIE: Deutsche Frauen sind eben pragmatisch. Du hättest auch eine Französin
      einladen können.
      ER: Ja.
      SIE: Lach nicht so. Sonst werd ich rot.
      ER: Es sieht dich doch niemand.
      SIE: Wehe, wenn du plauderst!
      ER: Ich weiß nicht, wovon du redest. Ich sehe nur Kleider und Gras.

    • @slunitschek: Orientierungsfrage. Gehören diese beiden Dialoge zusammen?

    • Avatar Slunitschek says:

      @herbst War von meiner Seite nicht so gedacht. Ich musste auch rätseln, ob „werb“ sich auf meine „Marle“ bezieht. Sehe aber selbst keine Anknüpfpunkte; gehe also nicht davon aus.

    • @slunitschek (zu: Marle).

      Er: M a r l e, Maria Magdalena-
      Sie: – nur Marle.
      Er: Marle, also.
      Sie: Ein Bauwagen, nicht weit. Bisweilen eine Ratte, sonst niemand. Der gelbe unter
      der Quitte-
      Er: – da lieb ich dich von [:sehr schön!] der Stelle.
      Sie: Moment. Du trägst Unterwäsche, ich trage die Verantwortung,
      Er: ich trage ein Käppchen,
      Sie: nur die Quitte die [:Grammatik?] Frucht; einverstanden.

      Er: Moment. Vor der Unterwäsche, wegen der Verantwortung, [Hier verstehe ich die Anspielung nicht.]
      Sie: hast du kein Käppchen?
      Er: so ein Salat.

      Sie: Marle, Marle Marmelade-
      Er : – dein Fleisch so trocken wie die Quitte,
      Sie: nur weichkochen, auswringen, einmachen, [Sitzt das Komma hier richtig?] kannst du mich nicht.
      Er: aber gepflückt-
      Sie: -nur aufgelesen!
      Er: reingebissen-
      Sie: -und verschluckt!
      Er: schon gut. Ich bleibe, wenn du willst.
      Sie: Ich will.


      Das ist ein sehr schöner, in seiner Abstraktheit doch fein sinnlicher Dialog mit ein paar Rätselstellchen, bei denen ich nicht weiß, ob sie rein aus der abstrakten Schreibhaltung rühren und sie weiterverfolgen, oder ob sie wirklich eine dialogische Funktion haben. Gestutzt habe ich auch bei „dein Fleisch so trocken wie die Quitte“, weil mir (was am vorhergehenden „Marmelade“ liegt) sofort Quittengelee einfiel, das ja nun gar nicht trocken ist. Trocken ist doch die Außenhaut der Quitte, sogar stumpftrocken, zumal, ist sie noch behaart. Im übrigen: eine schöne „Aufforderung zum Tanz“.

    • @werb (zu: sehr knapp-Verzeihung!). SIE: Jetzt haben Sie mich doch glatt hierher gelockt!
      ER: Du hast dich nicht gewehrt [„wehren“ ist hier sicher falsch, da er ja keine Gewalt angewendet, sondern eben „gelockt“=verführt hat]!
      SIE: Du?
      ER: Du! [:Das ist eine Verlegenheitsheitslösung, der ich anspüre, daß Sie einen Übergang brauchten; solche Wiederholungen, wie ich sie u.a. >>>> dort einführte („Jelinek?“- „Jelinek“) /?p=8673#comments , müssen auch einen Klanghof haben, um zu funktionieren. Hier ist das sowieso, da ganz am Anfang und der Dialog insgesamt sehr kurz ist, überinstrumentalisiert.]
      SIE: Das klingt ja [:Unklar, ebenso dann d a s: von w a s nichts gewußt?::]… Also, ich habe von nichts gewusst!
      ER: Schon klar! [:Das würde, wenn real in solch einer Situation ausgesprochen, zu einer Mißstimmung führen. Lassen Sie das einfach weg und machen g l e i c h hiermit weiter (ABSATZ ANZIEHEN):] Du trägst dein Haar offen und keinen Schmuck.
      SIE: Deutsche Frauen sind eben pragmatisch. Du hättest auch eine Französin einladen können sollen.
      ER: Ja.
      SIE: Lach nicht so. Ich werd sSonst werd ich rot.
      ER: Es sieht dich doch niemand.
      SIE: Wehe, wenn du plauderst!
      ER: Ich weiß nicht, wovon du redest. Ich sehe nur Kleider und Gras.

    • Avatar werb says:

      Reiner Zufall Die Texte gehören nicht zusammen! Als ich meine Texte reinstellte, stand Marle da. Ich war auch überrascht :).

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