Arbeitsjournal. Mittwoch, der 3. Juni 2009.

6.53 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
In einem lange währenden Albtraum verschlafen: in den Tönen des Weckers war ein Ungeheuer, ein böser Mann versteckt, ein Schwarzer Magier, der, schaltete der Wecker auf „Schlummer“funktion, in einen nächsten Wecker überströmte: er wollte aus den Weckertönen in die Welt. Die Welt hinter den Spiegeln war hier die Welt hinter den Weckertönen, die Weckertöne waren die Grenze zwischen beiden Welten; es war ihm gelungen, „in“ diese Grenze hineinzukommen und wartete nun auf eine Furt… Erst ein Anruf holte mich da raus, jetzt der Kaffee. Um neun hab ich Cellounterricht, in ein und einer Viertel Stunde werd ich von hier losradeln; es sieht nach Regen aus, aber so, als käme ich noch ohne diesen Regen „durch“.
Sehr kluge Bemerkungen >>>> sumuzes zum poetologischen Ansatz des New-York-Romans >>>> dort. Ich war gestern spätabends zu müde, um noch drauf einzugehen. Werde ich wahrscheinlich später tun.

11.24 Uhr:
Hier liegt, sah ich gerade, dieses Gedicht noch herum: Wir haben zu töten verlernt; irgendwie ließ ich’s liegen, aber will wieder dran. Bin zurück. Da das Geld vom WDR gekommen ist, hab ich dann bei >>>> Mitte Meer zugeschlagen: einen frischen Steinbutt, der sehr gut für zwei langte: 1,2 kg; dann das 2,5 kg schwere Hinterstück eines ein Jahr lang gereiften Serrano-Schinkens; eine harte spanische Wildschweinsalami, eine lange ganze italienische Bergsalami; die hängt schon, hängen sollte das eigentlich alles. Nichts davon darf in den Kühlschrank, alles muß der Luft ausgesetzt bleiben und weiterhärten.Ich erinnere mich, daß mein Onkel einmal einen ganzen Schinken gekauft hat, den er im Keller aufhing; halbjahrsdrauf war er völlig vermadet. Ich kann mit sowas aber umgehen, es stört mich nicht, Maden auszuklopfen und dann das Fleisch & Brot zu essen; es stört mich verpacktes Essen, es stören mich die hygienischen Nahrungsmittelkondome, ich will, wenn ich Wurst anfasse, sie auch anfassen, will fettige Hände bekommen, Hände, die riechen. Ich mag auch Wurst in Scheiben nicht, man muß sie selber schneiden, alles andere ist entfremdet. Meine Güte, eben, der Schinken, den aus der Verpackung holen, er war nicht sämig, nein glitschig, fantastisch, nein, ich wasche meine Hände jetzt nicht, sondern lasse den Geruch dran und lasse das Fett in die Haut ziehen. Wenn ich nachher duschen werde, geht er früh genug ab. Es hat etwas ungemein Sinnliches, so zu riechen, das kriegt was Autoerotisches hier am Laptop.
Will eben die zweite Tranche von >>>> Pruniers Übersetzung fertigmachen und einstellen. Dann Mittagsschlaf. Dann muß ich dringend ans virtuelle Seminar. „Zwischendurch“ wird mein Bub für seine Hausaufgaben und das Cellospiel herkommen.

Dieser Beitrag wurde unter Arbeitsjournal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.