‚comfortably numb‘

das teatro sesi im fiesp an der avenida paulista ist ein uncharmanter blauer kinobestuhlter ort. the bad plus (ethan iverson, piano; reid anderson, bass; dave king, drums) gingen um kurz nach acht an die instrumente und dekomponierten ein stück von ligeti, song x von ornette coleman, und stauten zeit in den physical cities mit dem drumstickstakkato eines an diesem abend viel bejubelten dave king, der grosse rhythmusstörer. dann baten sie wendy lewis auf die bühne.
wenn es so etwas wie einen sekundären popgewinn gibt, dann hat ihn the bad plus ganz für sich ausgeweidet, und mit wendy lewis haben sie eine stimme hinzugewonnen, die den dekompositeuren just the basic facts zurück gibt, she can show you where it hurts. man ist erstaunt von dieser unprätentiösen kleinen frau, die pfadfindergleich dem zerspielten einen weg zurück zur erinnerten melodie bahnt, ohne sie bloß mehr als anklingen zu lassen. neil youngs heart of gold beginnt als e. s. t., oder e. s. t. klang immer schon etwas nach neil young. das ist die grosse leistung, man schielt durch den pop und sieht den jazz ganz scharf. pink floyds comfortably numb rief nie so viel gänsehaut hervor wie unter seiner völligen zersetzung an diesem abend, u2s new year’s day wird wieder hörbar, es ist, als präparierten sie das am pop heraus, was er selbst zu oft wieder verschüttet. so kann es gehen. und über die schwelle dieser kargen bühne klingt erneut leslie fiedler an: cross the border – close the gap.

http://www.thebadplus.com

sp, 10.6.’09

Dieser Beitrag wurde unter Konzerte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu ‚comfortably numb‘

  1. Depeche Davis sagt:

    dekompostierung: umgekehrt lässt sich auch hören, dass viele poptitel sogar zu gut sind, als dass ihnen eine dekompostierung durch jazz schaden könnte. was musik ist, bleibt musik, das ist wie bei küchenabfällen. einem komposthaufen schadet es nicht, wenn er manchmal umgewendet und durch die forke geschüttelt wird. – er braucht es sogar, wird besser davon.
    desterhalb switcht es auch in die andere richtung, wenn mäßige Jazznummern, die bisher nur bescheiden geblinkert haben, mit ein bisschen pop-Elsterglanz erst richtig den knall für die charts kriegen. so hat sich beides immer inspiriert. das zeigt leben.
    wo die e-musik noch leben zeigt, hat sie das auch gemacht, so ein paar volkstänze oder märsche versinfoniert. jo jo… spui ma musi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.