Dreigroschenoper, Hamburg, Laeiszhalle, 11. Juni 2009

Schon als junger Mann begeisterte sich der britische Tenor Ian Bostridge für die Dreigroschenoper, nicht zuletzt durch eine langweilige Studentenaufführung – irgendwann wollte er das besser machen. Jetzt ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Am 11. Juni 2009 stand er als Mackie Messer auf der Bühne der Hamburger Laeiszhalle – in einer konzertanten Aufführung des Werkes von Brecht/Weill. Cool, blasiert, zynisch, unnahbar, mit streng zurückgekämmtem Haar, in dunklem Anzug und Krawatte, die er später in Erwartung seiner Hinrichtung lockerte, steigerte er sich stimmlich und mimisch-gestisch bis zum Schluss gemäß immenser Bandbreite seines Potenzials. Psychopathisch, von den dunklen übergangslos in die undurchdringlichen glatten Seiten seines zwielichtigen Charakters taumelnd – so legte er seine Rolle an und hielt sie durch, bis einem der Atem stockte. Dorothea Röschmann überzeugte ebenbürtig als Polly Peachum, differenziert, stimmlich alle Farben und Register bietend – ein ergreifendes künstlerisches Kammerspiel. Angelika Kirchschlager überraschte als Jenny, interpretierte punktgenau, tiefgründig, hatte die Möglichkeit, das Publikum in ihrer Hurenrolle mit Humor und Sexappeal kurz zum Schmunzeln zu bringen, belohnt mit einem der zahlreichen Zwischenapplausausbrüche. Hanna Schwarz, Opernurgestein und jugendlich wie am ersten Tag ihrer großen Karriere, hier als Cecilia Peachum, und Cora Burggraaf (Lucy Brown) fügten ihren hochkarätigen Beitrag zur Ensembleleistung hinzu, in gleichem Atemzug sei Florian Bosch (Tiger Brown) genannt. HK Gruber agierte in der Doppelfunktion des Jonathan Jeremiah Peachum und Dirigenten des Klangforum Wien mit dem Chorus sine nomine (künstlerische Leitung Johannes Hiemetsberger). Kauzig, knorrig, hielt er das in den 80er Jahren von Beat Furrer gegründete Ensemble zusammen, auch wenn man manchmal fürchtete, dass er während seiner vokalen Parts die Präzision für die schwierigen Einsätze des Orchesters vernachlässigen könnte. Was dann doch einmal Vorschub leistete für ein zu frühes Einsetzen des Sprechers Christoph Bantzer, der das dann aber mit Humor überspielte.

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