und das meer antwortete….

…. zurückgelassen trägt der gläserne körper die muschel schwebend über dem nassen grund. ich richte mich wieder auf. es ist warm, fast schwül liegt eine graublaue dunstglocke über dem strand von scharbeutz. wie von wind bewegtes glas sehen die kleinen wellen aus, die leise zu meinen füßen ankommen. ich zieh die schuhe aus, verknote die schnürbänder, hänge sie mir über die schultern, die hosenbeine krempele ich hoch. das wasser ist fast warm. warm und weich auch der schlick. bleibe ich eine weile stehen, versinke ich bis zu den knöcheln. manchmal grabe ich mit meinen zehen auch, damit ich ein stück tiefer einsinke. farben betupfen von weitem den strand, es sind die bunten regenschirme, die getragen werden. mir macht der regen nichts aus. meerwasser an den füßen, himmelswasser auf dem kopf. ich laufe kilometer hin und wieder zurück. auf dem hinweg bedauere ich, daß die seebrücke so voll von menschen ist, auf dem rückweg ist sie, weil es jetzt viel stärker regnet, vollkommen leer. also nichts wie rauf, auf die seebrücke. nasse, mit farbigen flechten bewachsene holzgeländer an den seiten, braungerilltes nasses holz unter mir, schmale planken, auf dem hinteren teil der brücke immer wieder mit glänzenden stahlstreben verbunden, darunter grünes sehr klares wasser, braune fetzen von algen schwimmen hier und da. mehrere kinder baden bereits, ein mann trägt seine ganzen sachen geschultert bis zu seinem verankerten boot durch das hüfthohe wasser. netter rücken kann entzücken. den strand hoch und runter laufe ich eine ganze weile vor mich hin, die augen meiner seele suchen, auf den boden gerichtet eine antwort. ob das meer sie mir gibt?, frage ich mich. immer wieder fotografiere ich das, was ich sehe, finde es schade, daß ich keinen magneten mitgenommen habe, als ich den dunklen sand, die sogenannten schwermineral-seifen am oberen im sand befindlichen wellensaum entdecke. diese dunklen sandbänder sind sandkörner schwerer minerale, wie magmatit, ilmenit und quarz. sie sind magnetisch. zwischen den bunten algen immer wieder die glaskörper der quallen, die die ebbe zurückließ. „gestern war es sehr windig, deshalb die vielen quallen“, sagt der kellner, der mir den milchkaffee bringt. ich nehme die tasse, frage, ob ich mich dahinten auf das holz setzen darf. „die tasse aber wiederbringen“, antwortet er. eine stunde bleibe ich da sitzen, der regen hat inzwischen aufgehört… von wind um die nase nichts zu spüren.

„geh ich jetzt noch ein stück?“, frage ich mich. „ja“, höre ich. also stehe ich auf, bringe die tasse zurück, bezahle… und gehe weiter. in der zwischenzeit sind nur noch sehr wenige menschen am strand. von weitem sehe ich etwas dunkles im wasser liegen, eine kleine sandbank ist dazwischen, gewährt mir den grund, um zu diesem dunklen fleck zu gelangen. als ich davor stehe, sehe ich einen stein, einen großen brocken, unregelmäßig geformt, wie ein stück schlacke aussehend, mit kleinen darin eingebetteten steinen. ich geh in die hocke, um ihn näher zu betrachten. ganz ruhig liegt er da im klaren wasser auf dem hellbraunen sand. eine weile sehe ich ihn mir so an, dann greift meine hand hin, nimmt ihn hoch, und dreht ihn um. ich sehe das, was ich sehe, und eh ich mich versah, saß ich mit dem hintern im vermeintlichen sand, der aber unter der wasseroberfläche war. ich bemerkte es zunächst nicht, vertiefte mich in diesen anblick.

und das meer antwortete…..

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