Prid. Kal. Sept. Anno 2762 a.u.c.

Tag vor den Kalenden. Dies comitialis.
Das Aufreißen des Yoghurtbechers. Das Ablecken der Alufolie. Erste Betätigung der Zunge. Fallenlassen. In den Müllbeutel. Löffeln. Hasenohren heißen Löffel. Woher kommt dieses Wort? Löffelartig geformte Gefäße auch. coc(h)lear: Löffel (mit dessen spitzem Ende die Schnecken aus der Schale gezogen werden). coclea: Schneckenförderer; Förderschnecke. Die Worte sind Förderschnecken. Telezungenbetätigungen. Als Anleitung zum Knopfdrücken am Faxgerät. War aber unbrauchbar. Letztlich dann doch die gescannten Seiten per Mail. Peu à peu. Das Ganze als Ganzes weigerte sich wegen der wohl annähernd 20 MB, in meinem Postfach zu landen. Was einer beispielsweise seiner kranken Schwester, seinen beiden Töchtern, der unehelichen Tochter in den 40er Jahren vermacht im Böhmischen. „Meine frühere Ehegattin“, aber das ist alles abgefunden. Solche Sachen wieder. Wo jemand versucht, ans verlorene Sudetenland sich anzuknüpfen. Wo Realität nicht mehr Realität. Da mag einer sonst was vererben. Davor. Darum geht’s auch im Flâneur von Hallberg. Denn der ganze heute ausgelesene Rest spricht über Nicht-Mehr-Vergangenheit-Sein im Noch-Nicht-Gegenwart-Sein. Man ist nicht mehr mit dem sozialistischen Regime verheiratet und weiß nicht mehr, mit wem. Ob überhaupt. Kommt mir gerade recht als Transit- und Grenzmetapher. Und fast schon angemessen der Figur, die ich vorgebe zu sein. B.L. im Transit, um G.L. zu besuchen. Um dann die Welt zu ficken. Wie’s mal gedacht war. Zungenbetätigungen des weiteren: ich brauchte Zigaretten. „Gialle“. Und mußte mich mit der Cousine über das Wo und Wann morgen in Rom einigen. Also gut: vorm Kino, Piazza Barberini. Sie wisse, wie ich aussehe. Wie das? Auf den Mails von mir erscheine ein Hinweis auf Facebook, da sei ein Bild von mir. Wie das? Von mir kommt dieser Hinweis jedenfalls nicht. Na egal. Muß mir noch überlegen, wo ich sie und ihren Mann hinführe. Off the Road. Ansonsten fand ich heute dieses aus der Firma Italien:

Quelle: >>> La Repubblica. B.Lusconi als Kandidat für den Friedensnobelpreis. Nebst entsprechender Hymne an Silvio. Keine Satire. Virtuelle Wirklichkeit in der Mediendiktatur Italien. G.L. wollte noch etwas sagen, aber sie steht jetzt an der Balkontür. Ich ahne, mit zusammengekniffenen Augen. „Da“, sagt sie. Und zeigt auf die Geräusche, die aus der Gartenanlage kommen. Helle Stimmen. Und brummt ein „Verkehrsgeräusche“ und hebt den Blick, als wolle sie den Berg bewegen.

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7 Responses to Prid. Kal. Sept. Anno 2762 a.u.c.

  1. Avatar Terpsichore says:

    Lecke nicht …
    wenn das Herz
    auch bricht.
    (wegen der Chemie,
    die an der Folie ist…)
    In Deutschland weiß
    das jeder Hypochonder.

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