Wölflingsthor (2).

Ich hatte überhaupt keine Lust mehr auf Frau Schneider. Außerdem wurde Rulle natürlich doch bestraft. Obwohl er gar keine Schuld hatte. Und auch an uns ging das nicht ohne Strafe vorüber.
„Ihr seid ein solches Katastrophen-Quartett!” rief Frau Klicker. Da fiel unser Name zum ersten Mal. Obwohl wir doch, wenn man Frau Schneider mitrechnet, ein Quintett sind.
Natürlich war das ungerecht. Aber als Herr Niebel mit seinen beiden toten Wellensittichen in der Hand bei sich zuhause ankam, da hatte sich schon eine riesen Menge vor seinem Haus versammelt. Die Leute starrten alle zur Garage und zeigten mit den Fingern aufs Dach. Da stand nämlich, erzählte Kaiser, der Porsche oben drauf. Das war für die Leute genau so unfaßbar wie für meinen Vater sein Klavier in dem Baum. Auch die Polizei konnte das nicht erklären. Aber sie fand das Garagenfenster ausgehakt. Und Rulle war drinnen was aus der Tasche gefallen. Das fand man jetzt auch. Außerdem hatten uns Nachbarn von Herrn Niebel gesehen, daß wir fast eine Woche lang da vorm Haus, so nannten das die Leute, ‚herumgelungert’ haben… – von wegen ‚gelungert’! Jedenfalls erkannte man uns wieder. Das war sehr unangenehm, das war sogar scheußlich. Und zwar konnte man uns mit dem Porsche natürlich nichts nachweisen, weil wir ja auch nicht wußten, wie der da raufgekommen war. Aber weil die Innentür von der Garage in das Haus von Herrn Niebel nie abgeschlossen ist und weil der Vogelkäfig immer noch aufstand, dachten jetzt alle, wir hätten die Wellensittiche rausgenommen und ermordet, um uns für die schlechten Zensuren von Herrn Niebel zu rächen. Dabei konnte das auf jeden Fall nicht für Kaiser stimmen. Außerdem war Rulle der einzige, der schmal genug war, um überhaupt durch dieses Seitenfenster zu passen. Deshalb bekam er auch den meisten Ärger. Vor allem mit seinem Zuhause. Zusätzlich kam jetzt heraus, daß wir fast die ganze Woche lang die Schule geschwänzt hatten.
Wir versuchten alles, den Leuten zu erklären, worum es in Wirklichkeit ging. Wir versuchten, ihnen die Gefahr zu erklären, die von dem KEN ausgeht und daß Herr Niebel ein Agent von KEN ist, und daß das Kommitee mit der Mafia zusammenarbeitet, die Rulles Laden abgebrannt hat. Aber keiner glaubte uns. Das Schlimmste war, daß nicht nur die Lehrer gegen uns waren, sondern jetzt auch die anderen Schüler, weil die mit den Wellensittichen alle so ein Mitleid hatten. Obwohl jetzt klarwar, daß uns Herr Niebel mit seinem Porsche betrogen hatte. Daß gar nichts von seinen Aufrufen stimmte, wir müßten auf die Umwelt achten, man dürfe kein Auto fahren wegen der Abgase und so.

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