An Parallalie. Von Quasimodo aus dem rätischen Arkadien.

In meiner Ausgabe der >>>> Gedichte Salvatore Quasimodos findet sich die folgende Herrlichkeit:

Negli alberi uccisi
ululano gli inferni.
Dorme l’estate nel vergine miele,
il ramarro nell’infanzia di mostro.

Del mio odore di uomo
grazia all’aria degli angeli,
all’acqua mio cuore celeste
nel fertile buio di cellula.


Diese Verse gehn in mir um und um. Aber Christoph Ferber übersetzt die zweite Strophe so, daß ich ein grammatisches Problem, vielleicht eine Unkorrektheit spüre; das mag aber allein an dem Komma liegen, das den drittletzten Vers vom vorletzten trennt. Nach Ferber ergibt sich folgende Eindeutschung:Für den Menschengeruch in mir
fleht um Gnade die Engelslüfte,
das Wasser im fruchtbaren Zellendunkel
mein himmlisches Herz.

Wie übersetzte das >>>> der Dichter, du ?

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6 Responses to An Parallalie. Von Quasimodo aus dem rätischen Arkadien.

  1. Avatar parallalie says:

    sei’s in den totgeschlagenen bäumen
    heulen wind-ich die höllen.
    der sommer schläft sich honig-keusch,
    die eidechs’ noch als ungeheuerkind

    daß ich nach mensch rieche
    dafür im fruchtbaren zellendunkel
    um vergebung die engelluft,
    das wasser mein himmlisches herz

    • Avatar Die Italophile says:

      Nachdichtung „Die Ausschöpfung des wahren Sinns aber, der in einem Text oder in einer künstlerischen Schöpfung gelegen ist, kommt nicht irgendwo zum Abschluß, sondern ist in Wahrheit ein unendlicher Prozeß. Es werden nicht nur immer neue Fehlerquellen ausgeschaltet, so daß der wahre Sinn aus allerlei Trübungen herausgefiltert wird, sondern es entspringen stets neue Quellen des Verständnisses, die ungeahnte Sinnbezüge offenbaren“ (Gadamer, 1960)

      In unserem Italienischkurs haben wir uns daran verkünstelt, dies Gedicht zu übersetzen. Unsere Lehrerin, Italienerin, verstand den zweiten Teil überhaupt nicht, schon im Italienischen nicht. Ein Frage der Hermeneutik, sagte sie.

      Ich finde, die Nachdichtung ist Ihnen sehr gut gelungen, Parallalie. Eben auch nicht so ganz klar, wie schon im Italienischen. Vieles bleibt offen, der eigenen Interpretation überlassen. Nur: Wo haben Sie das „wind-ich“ her? Es ist schön, paßt auch rhythmisch, aber im italienischen Text finde ich es nicht.

    • Avatar parallalie says:

      sehr schönes zitat, das von Gadamer: Celans „mit den Sackgassen sprechen“, und ich werd‘ nicht müd‘, mir und andern dieses immer wieder vorzusagen.

      der sinn der zweiten strophe ergab und ergibt sich mir aus der hypothese des „chiedere grazia di qualcosa a qualcuno“ – „jemanden für etwas um verzeihung bitten“. wodurch es gar keine frage mehr der hermeneutik ist. il cuore, nel fertile buio di cellula, [chiede] grazia all’aria degli angeli, all’acqua, del mio odore di uomo“. genauso habe ich übersetzt, aber eben doch wie Quasimodo das verb fortlassend. wobei reizvoll war, dass das wasser und die engelluft zwar im akkusativ stehen, aber wie nominative aussehen: so kommen noten zustande: die in der aufeinanderfolge miteinander klingen. nur das herz ist nominativ. Ferbers „um gnade flehen“ halte ich für unangemessen, weil zu sehr ein religiöses streifend, zu sehr ein buße tun. im bewußtsein bleibt beides: der menschengeruch und das ganz anders schlagende herz.

      „wind-ich“: mein wind-I (wind-ei). weil rhythmisch tatsächlich etwas fehlte zwischen heulen und höllen. mit „ululare“ und all‘ den silben und sibyllen (che sibilano) assoziierte ich den wind. der wind also dem verb immanent. es könnten auch wölfe sein oder hunde. aber: „Gli pare di sentire l’ululare della bora dietro le finestre“, finde ich grad‘. ich hatte im ohr das krachen gefällter bäume ringsum im tal. und dann der gedanke an die windschneisen, die dadurch entstehen.

    • Avatar parallalie says:

      man könnte noch weiter gehen:

      daß ich nach mensch rieche
      dafür im fruchtbaren zellendunkel
      um vergebung die luft der engel halber
      das wasser mein himmlisches herz

      ….

      (engelpest?)

    • Avatar Die Italophile says:

      Nachdichtung @parallalie
      Ich kann mir also eine Szene vorstellen, in der mein himmlisches im fruchtbaren Zelldunkel schwimmendes Herz die Engelluft und das Wasser um Vergebung bittet, weil ich nach Mensch rieche?

      Ja, so könnte es gemeint sein. Das fehlende Verb irritiert eben. Und der sich ganz am Ende befindende Nominativ. Aber schön ist es, so rumzurätseln und dann doch auf einen Sinn zu kommen.

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