Der Fürst der Demokratie.

In der Demokratie herrscht die Masse, und wenn man deren Gesetze bedient, herrscht man selbst – und m e h r noch als sie, ja eigentlich, indem man sie für den eigenen Machtzuwachs nutzt. Man müßte einen neuen Machiavell schreiben, einen für die Demokratie oder, um es weniger beschönigend zu formulieren: für die Dynamik der Massengesellschaft.

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22 Responses to Der Fürst der Demokratie.

  1. Avatar Ina Eff sagt:

    Canetti, Masse und Macht.

    • @Ina Eff. Nur daß eben Machiavell Anweisung, bzw, Lehrbuch war. Das Zynische an diesem Umstand ist, eben nach den Erfahrungen mit Hitlerdeutschland, schmerzhafter.

      Ansonsten, selbstverständlich, einverstanden.

    • Avatar Ina Eff sagt:

      Nun, wenn Sie durchaus Anweisungen wollen (wozu?), werden Sie wahrscheinlich bei dem Doktor Joseph Goebbels fündig. Ich kann nicht sagen, wie viele seiner Einsichten immernoch ihre Gültigkeit haben, fürchte aber, es sind genauso viele, wie beim Machiavell. Nun sagen Sie, es gibt aber kein Vademekum von Goebbels, sondern nur seine Tagebücher. Sicher. Aber daran ersieht man auch das Abstossende des Vorhabens; im Grunde müsste man ein Goebbels-Destillat herstellen. Selbst, wenn man ihn nicht zur Vorlage hernimmt, läuft es auf eben das hinaus. Ich wiederhole: Wozu?

    • @Ina Eff (ff). Das ist nun eines der klassischen Netz-, aber auch sonst Lese-Mißverständnisse. Karl Kraus hat während seiner Lesungen gegen solche Fälle ein Schild hochgehalten, auf dem „Vorsicht Ironie!“ stand. Mein „man müßte“ ist allerdings eine, zugegeben, sehr bittere Ironie, und solch ein Buch wäre eines, in der Tat, der Schwarzen Literatur. Bisweilen braucht es so etwas aber.

      Mit Goebbels haben Sie sowieso recht: Kaum eine Erkenntnis des modernen Marketings, die sich nicht auf direktem Weg ihm „verdankte“. Das ist in der modernen Massenführung nicht anders als in der >>>> modernen Raumfahrt, deren Hebamme ebenfalls das sogenannte Dritte Reich war. Für die CIA gilt >>>> Ähnliches.

  2. Avatar MelusineB sagt:

    Die Masse gibt es nicht.

    (Drum kann sie auch nicht herrschen.)

    Den Satz in der Klammer hätte ich beinahe nicht geschrieben. Denn er w i r k t der Absicht entgegen. Und darum geht es ja: Die Effekte nicht mit den Fakten zu verwechseln. „Politik und Macht sind nicht dasselbe. “ (Luisa Muraro)

    • Doch. Es gibt sie. Und sie herrscht, indem man nach ihren Bewegungsgesetzen durch sie hindurchherrscht. Wie die funktionieren, konnte man gut sehen, als Obama am Großen Stern sprach. Man sieht es aber auch an den Rundfunkanstalten und überhaupt allerwo: Quote ist eine Kategorie von Masse.
      Auch Frau Murao, die ich aber nur von Ihrem Zitat jetzt kenne, muß ich widersprechen: Politik und Macht s i n d dasselbe (genauer: das gleiche). Nicht aber sind es Politiker und Macht; da stimmte ich zu.

    • Avatar MelusineB sagt:

      „Man“? Ein verdächtiges Wort, nicht wahr? Das i m m e r mehr ver- als aufdeckt.
      Sie selbst, lieber ANH, haben mehr als einmal auf den Unterschied zwischen Autorität und Macht hingewiesen. Wenn Sie das weiterdenken, werden Sie des Unterschiedes zwischen Macht und Politik gewahr. Es ist Teil jener Strukturen, die Sie kritisieren, diese Verwechslung von Macht und Politik zu befördern, gleichsam jede Idee davon, jeden Gedanken an eine Politik, die nicht mit Macht identisch ist, als unrealistisch, als phantastisch abzuwerten (denn diese Zuschreibung gilt hier als Abwertung).

      Diotima: Autorität ohne Macht – hier: http://gleisbauarbeiten.blogspot.de/2012/08/diotima-2-ohne-macht-autoritar.html

    • Zu „man“ und mehr. Ein verdächtiges Wort in anderen Zusammenhängen, hier einfach das Wort für: „es wäre jedem möglich gewesen und war es“, wobei ich die rein-männliche Form „jedem“ jetzt mal bewußt stehen lasse, weil ich meine, daß eine Diskussion über sprachliche Gender-Correctness (Geschlechtskorrektheit) ein tatsächlich anderes Feld eröffnen würde, unter dem sich der eigentliche Konflikt ganz hübsch, wie in einen Schießgraben, veranonymisieren kann.

      Aber jetzt dazu:gleichsam jede Idee davon, jeden Gedanken an eine Politik, die nicht mit Macht identisch ist, als unrealistisch, als phantastisch abzuwertenWo hätte ich das getan, zumal meine Sympathie dem Phantastischen ja gilt? Ich werte nicht ab, handle selbst im Widerspruch zum Pragmatismus, aber erlebe immer wieder und hab es soeben grad wieder erlebt, daß über Wohl und Wehe allein die Macht der Masse (einer Summe ihrer von wenigen gemachten Bedürfnissen und ihrer „tatsächlichen“ Bedürfnisse) entscheidet, bzw. Realität und Handeln der Mächtigen bestimmt – wobei, um’s noch zu komplizieren, „tatsächliche“ Bedürfnisse nicht besser sein müssen als die gemachten; Markt aber, und er alleine entscheidet, funktioniert nur über Masse – es sei denn, man (!) – gut, gut, auch „frau“ – ist so begütert, daß eine(n) alles dies nicht scheren muß. Oder: man (!), und frau ganz genauso, schwimmt mit und fühlt sich darin auf der Höhe der Zeit. Was man (!) wohl dann auch ist.)

    • Avatar MelusineB sagt:

      Missverständnisse – In dem Satz, den Sie zitieren, sind „die Strukturen“ das Subjekt. Nicht Sie. Daher ist Ihre Abwehr („wo hätte ich das getan“) verfehlt. Sie haben „das“ (nämlich: die Fiktion der Identität von Macht und Politik um des eigenen Machterhalts willen aufrechtzuerhalten) nicht getan. Aber Sie sind darauf hereingefallen. Denn: Wer oder was ist denn „die Macht der Masse“ – die Auszubildende im Einzelhandel, der kleine Drogendealer, der sich den dicken Mercedes ausgeliehen hat, die Fleischereifachverkäuferin, der übellaunige Studienrat kurz vor der Pensionierung, die verschrobene Pensionärin im Altersheim, der nerdige IT-Spezialist, die alleinerziehende Mutter auf Hartz IV im Plattenbau (um die Klischees auf die Spitze zu treiben). Und welche Bedürfnisse wären die „besseren“? Jene die Sie oder ich oder wer dafür hält? Wer spricht für wen? Wer hat entschieden? Und warum? Die Masse ist eine Fiktion. Manche glauben sogar „die Masse“ wäre das, was die BILD-Zeitung dafür ausgibt. Zum Beispiel. Fragen Sie sich mal, wem das nützt. Die Massen-Verachtung. Und die Massen-Haltung. Und die ganze „Vermassung“. Das müssen Sie sich nicht fragen, das wissen Sie ja. Denen, die „Masse machen“. Es gibt sie nicht. Sie wird – als eine Fiktion – geschaffen. Um bestimmten Entscheidungen den Anschein der „Alternativlosigkeit“ zu verleihen. Als eine Möglichkeit. Schröder könnte das Buch schreiben, den neuen Machiavelli. Lupenrein.

      Die „Macht der Masse“ a l s Demokratie auszugeben, ist denunziatorisch. Denn der demokratische Rechtsstaat schützt gerade das Individuum – und nicht die Masse. Er ist im übrigen auch nicht identisch mit „dem Markt“. Dass einige seiner Funktionsträger das nicht begreifen oder bewusst das Recht brechen, ändert daran nichts. Worüber Sie empört sind, ist daher auch eher nicht die Demokratie, sondern der Versuch, das marktwirtschaftliche Prinzip auf alle Lebensbereiche auszudehnen. Gegen diese Okkupation, die in der Tat weit vorangeschritten ist, muss die Demokratie aber verteidigt werden, statt sie mit ihr zu identifizieren.

      Anders gefragt: Welche staatliche Organisationsform wäre Ihnen denn lieber als die Demokratie? Wenn Politik Herrschaft, also Macht ist, woran Sie festhalten (was aber ich bestreite, weshalb ich in dieser Falle nicht sitze), wer soll denn dann herrschen?

    • „Die Masse ist eine Fiktion.“ Und wie jede wirkliche fiktion ist sie realitätsbildend. Dies das eine.
      Das andere: Wir haben keine Demokratie. Deswegen kann ich Ihnen auf Ihre Frage antworten, daß die Regierungsform, die ich mir wünsche, die Demokratie wäre. Demokratie setzt aber, damit sie funktionieren kann, bei allen möglichst gleich, und zwar eine hohe Bildung voraus.
      Wir wissen aus dem Marketing, wie gut Marketing funktioniert. Weshalb funktioniert es so gut? Weil es eben Bedürfnisse g i b t (erzeugte wie tatsächliche, womit ich – sehr ungefähr ausgedrückt, ich weiß – „ursprüngliche“ meine), die sich bedienen lassen, egal ob die Fiktion der Masse (also der Höhe des Umsatzes) „nur“ Fiktion ist oder nicht. Weshalb und nach welchen Kriterien wählen Menschen? Nach den gleichen, nach denen sie auch einkaufen, in den jeweiligen Moden mitschwimmen usw. Eine funktionierende Demokratie wäre eine, deren Bürger unabhängig davon und unabhängig von Gruppen“zwängen“, Abhängigkeiten usw. wählten, also nach je ihrer eigenen Individualität. Das würde auch bedeuten, daß persönlich für Wahlergebnisse geradegestanden wirdn, also Verantwortung übernommen werden müßte, zum Beispiel, und wirklich rein persönlich, für jeden, der während eines Nato-Einsatzes von Natosoldaten verletzt oder gar erschossen wird. Usw. Wo nämlich zumindest der Wille, solche Verantwortung zu unternehmen, vorhanden wäre. Demokratie bedeutet auch, daß man sich keine Sorgen um den Arbeitsplatz machen muß, so daß man nicht, wie mein Bruder tat, CDU wählen muß, weil das „meinem Arbeitgeber guttut, so daß ich meine Stelle behalten kann“ usw.
      Es ist auch kein Versuch, das marktwirtschaftliche Prinzip auf alle Lebensbereiche auszudehnen, sondern daß es längst ausgedehnt ist, ist Fakt, jedenfalls auf alle Bereiche, die marktrelevant sind oder sein könnten.

      Schon das Wort „herrschen“, übrigens, macht mir ein hartes Unwohlsein. Ich will weder herrschen noch beherrscht werden, sondern gleich gültig unter gleich Gültigen sein. Sexuelle Spiele nehme ich hier aus, weil sie – immer – ein Bearbeitungs-Reflex dessen sind, was ist, bzw. traumatisch war; sie sind von der Politik so ausgeschlossen wie die Künste, für die etwas ähnliches, jedenfalls verwandtes, gilt oder, wie eine Freundin einmal treffend formulierte: „Machtspiele gehören ins B e t t“.

    • Avatar MelusineB sagt:

      Erfolgreiche Mythen Ich kann nicht auf alle Aspekte eingehen. Aber ich bin in fast jeder Hinsicht anderer Meinung: die Überhöhung der Demokratie zu einem idealen Staat von Bildungsbürgern – das ist sehr deutsch gedacht. Und sehr idealistisch.

      Ich gehe jetzt nur mal hierauf ein: „Es ist auch kein Versuch, das marktwirtschaftliche Prinzip auf alle Lebensbereiche auszudehnen, sondern daß es längst ausgedehnt ist, ist Fakt, jedenfalls auf alle Bereiche, die marktrelevant sind oder sein könnten.“ Das genau bestreite ich. Es ist ein Mythos, den Linke und Rechte mit Verve verteidigen, entspricht aber keineswegs der Lebenswirklichkeit und lässt sich empirisch nicht halten. Die meisten, ach so ungebildeten Menschen handeln in den allermeisten Fragen nicht marktwirtschaftlich. Auch wenn ihnen das gern unterstellt wird: von Ihnen so gut wie von den tumben Ökonomen. Aber das muss Sie nicht sehr beunruhigen, polemisiere ich mal, denn die deutsche ökonomische Wissenschaft hat von der deutschen Philosophie wenigstens eins gelernt: Schere dich nie um die Empirie.

    • Avatar UNECA sagt:

      Einen Aspekt der Diskussion…. …darf ich versuchen, zu erhellen: Den Mythos Marketing. Herbst sagt: „Wir wissen aus dem Marketing, wie gut Marketing funktioniert.“ Was meinen Sie damit? Dass die Marketing-Fachleute genau wissen, wie sie Bedürfnisse „Triggern“ können? Reden Sie mal mit einem Marketing-Fachmann. Der Konsument, die Masse, verhält sich wie eine Amöbe; alles ändert sich. Ständig. Ich darf Henry Ford zitieren, dessen Aussage ein paar Jahrzehnte alt ist und die sich auf die Werbung, also streng genommen nicht auf den übergeordneten Komplex „Marketing“ bezieht: „Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte.“ Die Korrumpierung der „Masse“ stellt sich vielleicht etwas schwieriger dar, als Sie sich das vorstellen.

  3. Avatar René Gato sagt:

    Wir haben derzeit eine Mischung aus Timokratie und Demokratie vorliegen, wage ich das Wort. Und ob Demokratie die Idealform der Regierung ist oder nicht, ergibt sich aus dem allein, was sie bedeutet. Es steht außer Frage, dass die Grundversorgung von Menschen nicht mit Füßen getreten werden sollte. Genau so steht außer Frage, dass ein (Groß- oder zumindest)Teil der Menschen keine darüber hinaus gehenden Zwecke kennt und zu verfolgt. Es ist aber schade, wenn diese deswegen einfach nivelliert werden… (Schaffen die aber nicht, Freunde, das wissen wir doch!) Weil Regierung (für mich) nicht allein die Grundbedürfnisse befriedigt, sondern darüber hinwegsteigt, wo sie befriedigt sind, nicht alle Menschen aber über die Grundbedürfnisse hinaus noch etwas verfolgen (es GIBT Hedonisten), kann Demokratie nicht die gesamte Bedeutung von Regierung erschöpfen, also auch nicht die optimale Staatsform sein. Leider gab es den guten König oder auch nur eine aristokratische Gesellschaft nur in Utopien, nie in der Wirklichkeit. Deswegen – und nur deswegen, so meine Meinung – sind wir bei der Demokratie stehen geblieben, die eigentlich nicht einmal bis zur Demokratie reicht. – Aus Desillusionierung.
    Zusatz1: Man verstehe mich nicht falsch, einen guten König halte ich schon aus Gründen der geistigen Einschränkungen der menschlichen Gehirnkapazität für eine rein fiktive Angelegenheit. Eine Aristokratie ist allerdings im Rahmen des Denkbaren. (Und Ariston heißt der Beste und man versteht unter dem Besten nicht den, der nach dem „survival of the fittest“ am besten [ungeachtet seiner geistigen Vermögen!] gegen natürliche Einflüsse gewappnet ist, um Missverständnisse zu vermeiden.)
    Zusatz2: Zum Thema Genderifizierung der Sprache: „JedeR StudentIn hatte seine/ihre Unterlagen auf seinem/ihrem Tisch liegen, als die Vorlesung begann.“
    Und in solchen Sätzen stelle man sich einen Roman geschrieben vor. Ich halte das für selbstredend.

    • Avatar Heißluftstrahl sagt:

      @René Gato „Es steht außer Frage, daß die Grundversorgung von Menschen nicht mit Füßen getreten werden sollte.„, schreiben Sie. Die Frage wäre vielleicht noch zu stellen, weshalb das außer Frage stehe. Weil Sie das so empfinden? Das ehrte Sie zwar, hülfe aber nicht substanziell weiter.

      Daß die Grundversorgung von Menschen tatsächlich „mit Füßen getreten“ wird, ist unschwer im demokratisch verfaßten Europa zu beobachten. Damit siedeln Sie konsequenterweise Ihre weiteren Ausführungen entgegen der beobachtbaren Umstände im Bereich der Irrelevanz an. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Ihnen dorthin zu folgen.

      „Genau so steht außer Frage, daß ein (Groß- oder zumindest)Teil der Menschen keine darüber hinaus gehenden Zwecke kennt und zu verfolgt“., schließen Sie überraschenderweise an. Das nun ist schlicht falsch. Mit der nachfolgenden, daran anknüpfenden Argumentation setzen Sie also ein Boot mit einem klaffenden Loch ins Wasser und machen dazu an Land stehend emsig Ruderbewegungen. Die sprachliche Überbindung von Zustimmung zu der einen Aussage auf die andere stammt aus der Demagogenwerkzeugkiste und funktioniert nur bei Unaufgeklärten oder Abgelenkten. Ich wollte Sie wissen lassen, daß Sie das wissen sollten (kann nämlich böse ausgehen, wie man weiß).

      Zu Ihrem Zweifel an der Empirie erlaube ich mir ebenfalls eine kleine Anmerkung. „Empirisch“ wird eine mittels Induktion konstruierte und Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebende Theorie belegt. Das „Vorliegende“ belegen zu wollen, bedeutete lediglich, Tautologien zu schaffen – was nicht Zweck der empirischen Forschung ist, wie Sie leicht einsehen werden.

  4. Avatar René Gato sagt:

    @MelusineB Etwas ließe sich „empirisch nicht belegen“ – was soll das eigentlich bedeuten? Empirisch lässt sich nur belegen, was vorliegt, d.h. was erreicht worden ist, nicht, was erreicht werden kann. Etwas ließe sich „nicht empirisch belegen“, ist gar kein Argument. Und es ist, wenn man hinhorcht ein sehr konservatives Denken, auch wenn es den gegenteiligen Effekt erzielen möchte…

    • Avatar MelusineB sagt:

      @RenéGato ANH spricht an der Stelle von dem, was Fakt sei. Fakten kann man empirisch belegen.

      „Ein konservatives Denken“ können Sie mir gern attestieren. Das stört mich nicht. „Horchen“ Sie nur weiter hin :-), vielleicht entdecken Sie auch noch etwas Liberalismus. Sollte mich nicht wundern.

    • Avatar Dr. Shiwago sagt:

      Hunde, die bellen, bellen beissend.

      ( Bitte formulieren Sie das gemäss Ihres soweit zuhanden seienden threads weiter )

      (( ))

      ..

      ((( wenn redende redend handeln ))):)

  5. Avatar bersarin sagt:

    Der Mythos von Demokratie und Empirie Fakten und Empirie sind leider eine sehr trügerische Angelegenheit: Wat den einen sin Uhl is den andern sin Nachtigal, wie der Volksmund sowie der heimatliche Mundartdichter Fritz Reuter wußten. Und wie immer in solcher Aporie der Empirie steht dann Beispiel gegen Beispiel: der eine schreibt von Fällen, wo sich Menschen nicht marktgerecht verhalten (die neuere Spieltheorie hat diesbezüglich Feldforschung gemacht. Die Bedingungen dieser Experimente würden mich schon sehr interessieren.) Andere Studien zeigen verwaltete und derangierte Subjekte, die genau den Erwartungen entsprechen, die marktgerecht an sie gestellt werden. Was ist hier Faktum und was Interpretation? Aber es hilft in solcher Situation, wo ein Meinen gegen das andere steht, dann durchaus der Blick von einer anderen Perspektive, von einem Metapunkt, der die Bedingungen, unter denen solche Diskurse und Diskussionen stattfinden, in den Blick nimmt. Hegel hat die Arbeitsweise dieses Empirismus recht anregend und ungeheuer aufregend in seiner „Phänomenologie des Geistes“ vorgeführt. Diese Analyse wirft dann ein ganz anderes Licht auf all die vermeintlichen Fakten, die sich unendlich sammeln und horten lassen wie Alberich oder Golum ihren Schatz bewahren möchten, und die sich gegeneinander ausspielen lassen. Zu jeder soziologischen Studie gibt es mindestens eine Gegenstudie, und wie man mit statistischen Erhebungen Meinungen und Marketing machen kann, weiß jede/r, die oder der sich mit Statistik beschäftigte.

    Aber wenn wir uns auf der Ebene der Empirie bewegen wollen: im vorauseilenden Gehorsam hetzen die, welche es im Grunde nicht nötig und am Ende so sehr nötig haben, genau diesem marktwirtschaftlichen Prinzip hinterher. Ich wüßte mir ansonsten den Umstand derart hoher und guter Bundes- und Landtags-Wahlergebnisse insgesamt genommen – für die Grünen, die CDU, die FDP und die SPD bei einer Wahlbeteiligung von rund 70 % – nicht zu erklären. Die einen werden sagen: Gute demokratische Mehrheiten, die anderen sehen dies als genau die Vereidigung auf das Prinzip von Marktwirtschaft, der alle Parteien grosso modo huldigen. Wenn’s drauf ankommt, machen Bürgerin und Bürger ihr Kreuz an der richtigen Stelle. (Aber dieser Deal hält nur, solange noch etwas zum Verteilen da ist und die Ideologie der Sozialen Marktwirtschaft, ins Bewußtsein geträufelt, geglaubt wird. Wenn der Arsch aber auf Grundeis ist und nichts mehr zum Verteilen da, dann gnade Gott oder sonstwas.)

    „denn die deutsche ökonomische Wissenschaft hat von der deutschen Philosophie wenigstens eins gelernt: Schere dich nie um die Empirie.“ Das mag für die National-Ökonomie Schmollers oder Schumpeters gelten. Die gegenwärtige Ökonomie der BRD ist stramm empirisch ausgerichtet, und sie trötet mit empirischen Studien ausgerüstet kräftig ins Horn des freien Marktes: Womit wir wieder bei den Begriffen Freiheit, Demokratie und Marketing für Marktwirtschaft wären, das bis in die Talk-Shows, Daily Soaps sowie die Prozesse „politischer Willensbildung“ (ein herrlich verdinglichtes Wort) hineinreicht. (Stichwort INSM)

    Und noch etwas: eine Philosophie, deren letzter Stand die Empirie ist, bedeutet nicht nur, ihren eigenen Begriff zu konterkarieren, sondern ebenfalls, sich auf das, was ist, auf das Bestehende, zu vereidigen und sich dadurch (gewollt oder ungewollt) zum Komplizen zu machen. Der Margaret Thatcher zugeschriebene Ausspruch, es gebe keine Gesellschaft, sondern nur Individuen, bezeichnet nicht nur das Mantra einer asozialen Marktwirtschaft, deren Freiheit es ist, die Waren so zu verkaufen und die Geschäfte zu tätigen, wie es gefällt und profitbringend sich auswirkt, sondern zugleich die Ideologie dieses Empirismus, der nicht wünscht, daß Menschen über ihre Hut- oder heute besser: Baseballkrempe hinaus zu blicken vermögen, sondern ihren Blick hübsch brav und ordentlich immer auf den Fußboden und den Wegesrand zu heften: „Immer schön auf dem Teppich bleiben!“, so spricht der Bürger, der lange schon keiner mehr ist.

    Karl Marx hat übrigens das Kapital nicht geschrieben, weil er sich zwanzig oder dreißig Fabriken anschaute, sondern weil er auf die Bedingungen der Möglichkeit von Wert- und Kapitalbildung seinen Blick richtete. Trotzdem ist dieses Buch reich an Bespielen. (Z.B. Seniors letztes Stündchen)

    Demokratie erfordert in der Tat Wissen und Kompetenz (womit zugleich eine Weise der phronesis verbunden ist). Auf der Agora innerhalb der Polis mochte diese Form von Bildung einzulösen sein; in einem komplexen Staatsgebilde nicht mehr. Parteiendemokratie delegiert diese Kompetenzen. Und es wurde sich darauf verlassen, daß die delegierte Kompetenz kompetent ausgeübt wurde. Wenige kontrollierten diesen Verschiebebahnhof. Insofern ist Demokratie noch nicht, sondern bleibt ein Herzustellendes.

    Die Überschrift für diesen Text hätte auch lauten können: Sisyphos

    • Avatar Dr. Schiwago sagt:

      Die Gesellschaft soll kein Labor sein –

      ( Gut behütet wie ein geliebtes Geheimis den durch eminent schädlich sein könnende Versuche Versehrbaren ? )

      .. dass FrauMan einzigartig sein wollen ( insofern ) – ? )

      Oh ihr Schwärmerinnen und Schwärmer

    • „Wenige kontrollierten diesen Verschiebebahnhof“. Und sie tun es weiter (andere Wenige tun es weiter), aber ohne, daß sie >>>> „ariston“ w ä r e n: Das „Beste“, bzw. „Tüchtigste“ ist durch gesellschaftliche Position ersetzt. Das ist einer erstarrten Aristokratie nicht unähnlich. Sie tun es mit erbitterter Ignoranz, die, indem sie die vorgeblichen Interessen der Mehrzahl im Blick hat und damit gleichzeitig mitdefiniert, vor allem die eigenen Interessen im Blick hat, nämlich, um aus der Zuschrift eines Freundes zu zitieren, mit Entscheidungen, „die auf nummer sicher“ gehen: „namen, die marketingtechnisch funktionieren. daß es dabei um literatur geht, ist allenfalls beiläufig relevant.“
      Mein „Pincipe“-Text hat, bewußt inkonkret bleibend, auf ein neues, soeben bekanntgewordenes Beispiel reagiert. Der Skandal ist, daß mittlerweile das, was für die „normale“ Warenwelt gilt, unterdessen, und zwar wissend und freiwillig, also: wollend, von den Main players (!) auf die Lebensbedingungen der Künste übertragen worden ist und weiterübertragen wird, und zwar wird „Quote“ jetzt schon als Entscheidungsmerkmal hergenommen, indem sie überhaupt erst gemacht wird. Das Hypothetische wird zum Faktum gemacht und eben daran verdient.

    • @bersarin. @MelusineB. Auf der Agora innerhalb der Polis mochte diese Form von Bildung einzulösen sein; in einem komplexen Staatsgebilde nicht mehr..Ich glaube, daß Sie damit den Kern des tatsächlichen Problems getroffen haben. Deshalb reagieren auch heute q u a s i Aristokraten, nämlich Spezialisten (seien es tatsächliche, seien es Delegierte von durchaus direkt aufzeigbaren Wirtschafts- und/oder Militärinteressen); um das demokratische Grundgefühl aufrechtzuerhalten oder zu erzeugen, wird dies auf eine Weise als Volkswille supponiert, die an die „volkseigenen“ Betriebe der DDR erinnert; hiergegen helfen nur außerparlamentarische Oppositionen, auch dann, wenn sie in der Zwickmühle sitzen, nicht selbst mit Spezialisten aufwarten zu können. Diese Rolle – im Prozeß der gegenwärtigen Delegationsdemokratie – spielen momentan >>>> die Piraten. Vor dreißig Jahren hatten die Grünen sie inne, davor die APO-Aktivisten

      @MelusineB: Insofern ist Kritik an der Demokratie Teil des demokratischen Prozesses selbst. Es wird verdächtig, wenn ein Kritiker der Demokratie ständig ausweisen soll, selbst ein Demokrat zu sein, ja es kann ein demokratischer Akt des Widerstands sein, wenn er das genau deshalb verneint, sich also weigert, vor dem Fetisch Demokratie Glaubensbekenntnisse abzulegen. Andernfalls würde der Begriff zum Vorschein: zu einem inhaltsentleerten Fetisch eben. Bisweilen habe ich den Eindruck, daß genau das schon geschehen ist. Für die ästhetische Gestalt dieser Entleerung steht, mitsamt seiner Unkonturiertheit, was mit ihm eigentlich gemeint sei, der Pop. In diesem Sinn auch Günter Gaus: >>>> „Ich bin kein Demokrat mehr“.

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