Katzen der Wahrheit. Das Arbeitsjournal des Dienstags, den 3. Oktober 2017.


[Arbeitswohnung, 10.39 Uhr
Eric Truffaz Quartett, >>>> Doni Doni]

Um kurz nach fünf hoch, seit etwa halb sechs an der ersten Überarbeitung des gestern fertig gewordenen Kark-Jonas‘ gesessen. Auch damit fertig geworden. An die Lektorin hinausgeschickt, auch aber an die Löwin, weil mich gerade bei diesem Text ihre Leser:innen:meinung interessiert. Es ist doch bei solch, in den Urfassungen, alten Erzählungen immer die Frage, ob sie innere Brisanz – sei es formaler, sei es inhaltlicher – behalten haben, um ihr neues Erscheinen noch zu rechtfertigen. Ich selbst mißtraue meinem Dafürhalten. Da aber der Kark-Jonas für alles Spätere entscheidend war, vielleicht auch geblieben ist, hörte ich gerne verschiedene Meinungen zu ihm – gerade weil ich sehr früh das autobiografische Schreiben verlassen, bzw. mein eigenes reales Erleben fiktionalisiert habe.
Und die Überschrift des nächsten alten Textes habe ich bereits in die Datei geschrieben: Hans Steffen zieht in den Krieg. Aber jetzt erstmal an den Ghostroman wieder. Es sind, ich erzählte es Ihnen, Freundin, vor ein paar Tagen schon, eine ganze Reihe Ergänzungen quer durch den an sich fertigen Text nacheinzustreuen. Und eine Szene fehlt noch ganz, bzw. die von mir verfaßte muß durch eine neue, anders gestaltete ersetzt werden. Dafür fehlen mir ein paar Informationen; danach wird es schnell gehen. Bis zur Messe werde ich wohl doch fertig werden, auch wenn ich am Sonnabend und Sonntag >>>> durch ein Seminar gebunden bin. Der Montag und der Dienstag danach sind bis zu dessen Abend frei. Da wiederum gibt es die >>>> zweite neue Lesung aus Meere; ich werde sie am Donnerstag hier in Der Dschungel noch gesondert annoncieren; ebenso auf Facebook.

[Helbock, Preuschel, Schmölzer, >>>> Into the Mystik
Für die neuen Musiken übrigens Dank an diadorim]


Eigentlich hatte ich ja Tennstedts Mahler V wiederhören wollen. Nun jà, dann kam mir ein persönliches Facebookgespräch dazwischen.

In den Erzählband müßten eigentlich auch die Marlboro-Prosastücke (1981) mit hinein, die seit langem nicht mehr lieferbar sind. >>>> Septime wird über den Händen die Köpfe zusammenschlagen, zumal man dort ja imgrunde auf einen neuen Roman scharf ist, allerdings für 2020. Je mehr ich aber sichte, desto wichtiger scheint mir der immerhin vorgezogene Erzählband zu sein. Anders als mein Temperament will, muß ich aber strikt zwischen nur-erzählenden und Mischtexten unterscheiden, die auch als Glosse durchgehen könnten. Die werde ich nicht mit aufnehmen können, sonst wird der Band unstemmbar.

Und immer noch bleibt offen die Frage eines Verlages für meine sich anstauenden Gedichte. Was mir gestern der Leiter eines Literaturzentrums schrieb (ich nenne ihn nicht, um ihm nicht Probleme zu bereiten), bringt das Problem auf den Punkt:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich deiner Wurzelsuche nach dem Ursprung eines faden Realismus und seines Diktats zustimmen kann. Deine ist sicherlich galanter als meine, die einzig auf folgender Beobachtung fußt: Der Mensch will nicht überfordert werden, und der Mensch im Jahre 2017 schon gar nicht. Ich seh’s doch an den Zahlen. Es drängt die Leute zur Prominenz und zur Gefälligkeit. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Künstler*innen das erkennen und ihre Poetik – bewusst, unbewusst, wurscht – anpassen. (…) Sich eben nicht anzubiedern. Das erlebst du doch kaum noch. Wenn selbst bei den wichtigen Verlagen ein Zauber bewirkte, dass die auf den Markt hin geschriebenen Bücher verschwänden, ich fürchte, die Regale wären plötzlich deutlich leerer.
Was ich jedenfalls sagen will: Die Leut‘ wollens realistisch, weil das der Modus ist, der sie nicht allzu sehr fordert. Alles hübsch kleinklein wiedererkennbar, die Grundstruktur schon mal verstört nicht. Das ist eben der Konsumwille, der sich da durchsetzt, allerorten, bei den Verlagen, beim Handel, nicht zuletzt bei uns Veranstaltern.

Da bleiben Dichter wie >>>> Christopher Ecker „natürlich” am Rande stecken, der heute >>>> in meine Morgenlektüre fragte: „Drei Katzen suchen dich heim. Die erste heißt ‚Angst‘, die zweite heißt ‚Zweifel‘, doch die dritte ist einfach bloß eine Katze. Wer kann weiterleben, wenn er weiß, daß diese dritte Katze die fürchterlichste von allen ist?”
In der Tat, liebste Freundin, wer denn kann es unter uns?

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