Er schafft‛s nicht in die Oberstadt. Im Arbeitsjournal des Dienstags, den 7. November 2017. Mit Maria Furtwängler.


[Arbeitswohnung, 7.41 Uhr]

Oder schafft es halt doch, bzw. meint, es zu schaffen – sofern er sich von seiner Frau trennt. Was wiederum an Bobby liegt, der sein polizistisches Herrchen selbst nach dessen Tod nicht verließ, sondern vierzehn Jahre lang, heißt es, neben dessen Grab gewacht hat. Friedhofsbesucher fütterten ihn.
Unklar bliebt, wie er starb, so unklar, wie ob Ecker wirklich den geschilderten Spaziergang machte oder nicht – tatsächlich im Wortsinn versonnen (so, wie man verfällt) – am Eingang des Greyfriars Kirkyards stehengeblieben. Woraufhin er kehrtmacht, sich im Hotel in seine Etage zurückheben läßt, die Tür öffnet und seiner noch im Bett liegenden, seiner so frühen Rückkehr wegen überraschten Frau seine Entscheidung mitteilt. Und das Gelächter, das aus ihm ausbrechen will, verbindet ihm die bis dahin vor ihm verschlossene Topografie. So >>>> meine tägliche Morgenlektüre,

die ich freilich erst begann, nachdem ich – um sechs Uhr hoch, Latte macchiato usw. – einiges andre erledigt, etwa >>>> die Tagesplanung entworfen und per Email den morgigen Arzttermin bestätigt hatte, bzw. per Netzformular. Die Nacht war wieder unruhig. Mich hatte auch meine Lieblingskomissarin des Tatorts verärgert, Maria Furtwängler, nicht weil sie auf einen brutalen männlichen Übergriff nach quasi Lehrbuch reagierte, also nicht reagierte, sondern weil sie sich nach einer genauso unerträglichen, wie der Übergriff war, „Musik” ausgelassen bewegte, will sagen: tanzte. Sie, die Musik, war genauso brutal wie die beiden jungen Männer, die sie erst beim Pinkeln mit ihrem Handy filmen (vor der Damentoilette stand die übliche Schlange an – ich werde nie begreifen, weshalb Frauen dann nicht die Toiletten der Herren benutzen; jedenfalls ging sie, Frau Furtwängler, hinaus und hockte sich zwischen zwei Autos –) und dann, als sie verlangt, daß die primitiven Jünglingsrüpel es löschen, von ihnen zusammengeschlagen wird. Genau das tut, wenn auch „nur” mit der Seele, die aber gefeierte Schlagermusik.
„Na jà”, entgegnete nachts in Facetime die Löwin, als ich ihr meinen Ärger erzählte, „so stand‛s halt im Drehbuch.” „Dann lehnt man so eine Rolle ab.” Hätte jedenfalls ich getan. Mein Ärger war wahrscheinlich aber nur deshalb so groß, weil meine Imago der Furtwängler mit ihr selbst nicht länger deckungsgleich blieb. Womit wir in >>>> die gestrige Diskussion zurückgefallen sind – oder mit ihr weitergekommen.
Weshalb Frau Furtwängler meine Lieblingskommissarin ist, muß ich, denke ich, nicht länger ausführen. Man(n) muß sie nur ansehen, sie hören, ihre eleganten, zugleich stets zurückgenommenen Gesten wahrnehmen, die Zwischentöne in ihren Blicken; der Tatort „selbst” ist mir da ziemlich egal. Wobei ich nicht einmal zu sagen weiß, ob sie als Schauspielerin gut ist; die Löwin bezweifelte es: „Sie ist als diese Kommissarin gut, das allerdings.” Tatsächlich habe ich sie in anderen Filmen auch noch nie gesehen. Ist mir aber wurscht. Ähnlich ging es mir eigentlich nur noch bei Romy Schneider, und geht es noch. Sie muß(te) nur sein, und es beglückt(e) mich und macht(e) aus mir einen ruhigen, sich selbst gewissen Mann, der zugleich berauscht ist.
Durchgehend, meine ich, stets. Bei anderen Projektionen (die Jolie, die Catterfield) geschieht‛s mal in diesem, dann jenem Film, in anderen wiederum gar nicht.
Geht‛s mir mit Männern eigentlich auch so?
Eher nicht. Ich nehme sie ja nicht erotisch wahr oder nur kaum, nicht mal Til Schweiger (den ich, Sie wissen es, Freundin, als Schauspieler schätze – wie oft, ach, haben Sie deshalb die Nase gerümpft!, aber ich beharre auf seiner Qualität), erst recht nicht Matthias Brandt (den ich als Schauspieler sogar bewundere), nicht mal Richard Gere (den alten, der junge war nicht wirklich interessant). – Marlon Brando vielleicht? Nein, auch nicht, wiewohl hier ein Bild von ihm angepinnt ist, das ich der Löwin wegen – Sie dürfen es den Impuls einer Eifersucht nennen – fast einmal abgepinnt hätte:

Ohne Titel


Gut, das Tagwerk wie nun schon fast wieder „üblich”; entnehmen Sie‛s dem DTs. Allerdings eine Pause dazwischen, wenn meine Madame LaPutz herumwirbeln wird. Heute werde ich aber deshalb nicht flüchten, sondern endlich, da aber konzentrierte Arbeit nicht recht möglich, das von Freund M. reparierte Nettbückerl einrichten, also die nötigen Programme aufspielen usw.
Außerdem bin ich gespannt, was meine Contessa sagen wird, der ich gestern abend die ersten Seiten des Tonbandprotokolles geschickt habe, schätzungsweise ein Fünftel bis Sechstel des später gesamten.

Letzte Durchsicht gestern noch der nun in Druck gehenden >>>> Kammermusik. In etwa zwei Wochen wird das Buch zur Auslieferung bereitstehen; ich werd es Ihnen annoncieren.
Ah jà, und meine Rezension der wundervollen Out of Land-CD ist >>>> bei Faustkultur erschienen. Ich habe es gestern auf der Hauptsite schon annonciert, aber weiß, Freundin, doch, daß Sie Die Dschungel meist direkt über die Arbeitsjournalrubrik aufrufen, und nicht wenige tun es so m i t. Da kann hier ein neuerlicher Hinweis nicht schaden.

Ihr
ANH

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2 Kommentare zu Er schafft‛s nicht in die Oberstadt. Im Arbeitsjournal des Dienstags, den 7. November 2017. Mit Maria Furtwängler.

  1. Hübsch allerdings, was >>>> Nienke Jos zu meinem >>>> gestrigen Titelschlagwort bei Facebook schrieb:

    Und außerdem ist oben genanntes Wort zum Weglesen. Ja, ich gehöre zu denen, die das nicht aushalten. So direkt und ausdruckswahr. Ich will nur das Eichhörnchen.Den aber – wie hieß es noch mal gleich? – nagetierhaft irren Blick. Ausdruckswahr. Grandioses Wort.

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