Bevor ich einfahr. Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 24. Juni 2018.

[Arbeitswohnung, 18 Uhr
Radio France contemporaine:
Tradit Normandie, Trois fois du pied]
Quasi unentwegt seit sechs Uhr am Schreibtisch. Wichtig war, selbstverständlich, die Patientenverfügung; bei Hirnschädigung auf keinen Fall lebenserhaltende Maßnahmen; dazu Bereitschaft zur Organspende erklären. Sollte ich sterben, sollen andere, wenn es möglich ist, von meinem Körper weiterleben können. Allerdings schließe ich auch dazu lebenserhaltende Maßnahmen aus, wenn sie sich über einen längeren Zeitraum erstrecken müssen; einzwei Tage hingegen wären in Ordnung.
Dann war endlich mein Testament zuendezuschreiben. Dabei geht es vor allem um die literarische Nachlaßfrage: Wer soll bestimmen, was mit meinen Arbeiten weiterhin geschieht und was nicht geschieht; wer hat das Recht, in sie nachträglich einzugreifen, zum Beispiel lektorierend. Usw. Mir ist seit langem klar, wer; aber das muß schriftlich fixiert werden. Und weil mir meine Contessa erklärte, letztlich gelte nur die Handschrift, mußte ich mit meinen Hieroglyphen alles noch wortgetrau abschreiben. Dies dann eingescannt und als Kopie ausgedruckt. Hat ziemlich Zeit gekostet. War aber ohne eine Spur von Nervosität, geschweige denn von Angst besetzt: einfach pragmatisch für den Fall vorsorgen, daß.
Woraufhin an ein Exposé zu gehen war, für die Contessa. Hatte ich ihr gestern zugesagt, es noch vor dem Krankenhausaufenthalt hinzubekommen. Bekam es hin. Da war’s dann sehr später Mittag.
Fein, dachte ich. Jetzt eine Stunde schlafen.
Doch ausgestreckt kamen mir Gedanken: Was, wenn jetzt wirklich was passiert? Was, wenn der Arbeits-USB-Stick schlappmacht? Du hast deine Arbeit seit Wochen nicht mehr ge/backup/t! – Ließ mir keine Ruhe. Also wieder auf und den Backup durchführen lassen. Nicht aber nur des „Werke“-Ordners, nein, auch das ganze übrige Zeug.
Zwischendurch mich rasieren – naß. Völlig vergessen, daß ich diesen Blutverdünner nehme. Prompt mich geschnitten. Das kann was werden, dachte ich, wenn das jetzt dauernd weiterblutet. Ich wollte schließlich noch unter die Dusche. – Wurde aber nix; der Alaunstift wirkte wie immer, einmal drüber, Schluß mit Bluten. Hm, ob die Tabletten überhaupt wirken bei einem wie mir?
Kaum war ich mit der Dusche fertig, klingelte लक्ष्मी, die morgen früh einen Handwerker empfangen muß, dem ich erstens nicht mehr absagen konnte, zweitens nicht wollte: Der Heißwasserboiler leckt schon seit Tagen. Hatte ich s c h o n mal. Da stand schon die Küche unter Wasser. Blöd, wenn man dann nicht da ist. – लक्ष्मी erzählte vom Konzert der Rolling Stones, zeigte Bilder und kurze Clips. Prompt, als sie gegangen, meldete sich, wegen der ANH-Werkschau im September, Benjamin Stein. Auch er wird nun mit auf dem Podium sitzen. Nebenbei hat er die Kommentarleiste Der Dschungel neu gestaltet, so daß sie endlich überschaubar ist. Vorher fand selbst ich nicht wirklich gut durch.

Und so, tja, ging es den gesamten Tag über bis eben weiter, darinnen noch ein langes Gespräch mit Cristoforo Arco. Aber jetzt aber muß ich wirklich packen, für morgen packen, danach etwas essen.

Genießen Sie Ihren Abend.

ANH

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2 Kommentare zu Bevor ich einfahr. Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 24. Juni 2018.

  1. Bruno Lampe sagt:

    kommt mir vor wie das einfahren in eine autobahn, aber autobahnen haben auch ausfahrten! wir treffen uns am nächsten rastplatz. in bocca al lupo!

  2. Marion Koepf sagt:

    Natürlich geht alles gut. Denke fest an Sie und drücke die Daumen.

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