III, 385 – Stationäre Kreisfahrt

Sie sind absolut bequem, diese Schnellzug|riffe, muß man nicht lange suchen, um die platte Form des Ergebnisses der Differenz zwischen Vorriff und Nachriff in den Griff zu bekommen, aber dennoch ohne irgendwie vorgreifen zu wollen, was der Nachgrapscher eh’ in der Hinterhut, nein, trägt er ja nicht, und Nachhut eignet sich auch nicht, weil das eher so nachschleichende Aufpasser sind und Vorhut auch wieder so ein dummes Wort ist, dem ein “a” zu fehlen scheint, obwohl selber einer, dem das fehlt, nur daß sein Preputium nirgends als Reliquie auftaucht, weder an einem noch an mehreren Orten (und dies, die Preputium-Geschichte die einzige Vollnarkose in seinem Leben, und der Neid auf den einen anderen Knaben, im Krankenhauszimmer, der ein dickes Buch las (“Ein Kampf um Rom”)), parat hat, wenn überhaupt, aber hinterhältig ist er auch wieder nicht, es liegt ihm nicht, er tut’s nur auf der Lauer, nämlich liegen, während er wartet auf die Ver- und Abfertigung der…
“Daß mich der Teufel hol’! Dean! Wer ist denn da im Auto?” “Hallöchen, altes Haus, na Marylou. Und Ed Dunkel.” Ein bißchen gestelzt diese Übersetzung von “On the road” ins Italienische. Lauter “passati remoti”: feci, andammo, fummo, aprii… so redet doch keiner. Liegt so offen vor mir, Seite 111. Mondadori.
So “ähnlich” tauchte Tullia vom B&B gestern auf, als ich gerade meine Kürbis-Ravioli zählte, da die Packung für zwei Personen war und ich tatsächlich die zweite Person für den nächsten Tag auszählen wollte. Sie schwenkte wild mit zwei Weinflaschen, die ganz offensichtlich aus dem Bio-Laden stammten, neben ihr einer, der mir als ein Bekannter vorgestellt wurde. Ich nickte vorsichtshalber, aber konnte ihn nirgendwo hinstecken. Utschland, so viel wurde klar. Kurz, spontane Spachtelei mit deutschen Gästen. “Absolut vegetarisch.” Von mir aus hätte es auch vegan sein können. Also rüber mit Ninno-Wein, Kürbis-Ravioli und Parmesan.
Die Ravioli aß dann der Sohnemann, der immer so einen Hunger habe. Hm. Wir fünf Adults Zucchini, Tomaten, ein Spiegelei, Brot, in Essig eingelegte Zucchini. Gut, daß Sohnemann zwei dicke, fettige Ravioli überließ. Icke! Denn die andern waren eher zögerlich.
Wie sich herausstellte, war ich dem Deutschen vor zwei Jahren schon mal begegnet. Wir hatten uns am Rasthof Göttingen verabredet. Ich kam dorthin aus der Gegend von Wolfsburg, er aus Berlin mit Antonio, dem Mann aus der Poebene, der sich damals mit Tullia in Berlin getroffen und dort beide sich mit mir. Tullia war indes nach I. am Kaiserstuhl zum Schönwetterbauern gereist, und dorthin sollte es dann mit Antonio gehen, während der Berliner, der eigentlich ein Kasseler ist, nach Kassel fuhr. Und vom Kaiserstuhl sollte es dann zu dritt zurück nach Italien gehen.
So weit ins Gewesene sinnen mochte ich nicht. An diesen Antonio zurückzudenken, ist schon fatal.
Natürlich kam man auch auf den Schönwetterbauern zu sprechen, und auch auf seine Japanerin. Die Vorgeschichte wurde erzählt. Auf die Notwendigkeit des Heiratens wegen der Aufenthaltsgenehmigung. Und daß sie gern ein Kind haben wolle. L’ami belgique kam mir in den Kopf, auch nicht mehr der jüngste, also Anfang fünfzig.
Tullia fiel natürlich nichts besseres ein, als mich anzustoßen mit einem “und du?”. Worauf ich ins Singen kam: “when I get older loosing my hair”… – und sie mein Gesumme mit “sixtyfour” ganz richtig abschloß.
Die beiden aus Berlin, zu denen ich keinen wirklichen Draht fand, gingen eine Runde durch den Ort drehen, Tullias neuer Mac fing an zu schmusen, so ging dann auch ich. Muß ich mir als Dritter nicht unbedingt antun.
Um dann festzustellen, Island habe verloren. Am Nachmittag war ich tatsächlich versucht gewesen, irgendeine Möglichkeit zu einem Livestream zu finden. Das übliche Problem mit ARD und ZDF: Leider in Ihrem Land nicht verfügbar. Bis ich schließlich am Ende herausfand, es sei hierzulande B.Lusconis Mediaset zuständig. Damit sah ich problemlos 2-3 Minuten vom Spiel, bis ein Fenster auftauchte: Melde dich an! Die Mail für die Anmeldebestätigung kam aber erst, als schon alles vorbei war. Ob ich das Ganze heute aktiviere, weiß ich noch nicht. Es gibt einen Konflikt hiermit. Da muß ich unbedingt hin. Möglicherweise mit ein paar Exemplaren der Kammermusik, vielleicht tauchen ja verirrte Expats auf…

im kurveninnern
der worte
der nur noch
geringe
bodenkontakt
sogar ein hirsch ist da

räderpaare
und dann und wann
der versuch
das gewicht
der welt
um die ecke
zu bringen

„stationäre
kreisfahrt“

außenlastig
mitten in dem schwunge

Von hier. (Und zurück vom Film. Arturo großartig wie schon die anderen Male bei Stummfilmen: seinem Spiel gelingt, Teil des Films zu werden.
Ein Exemplar ‘Kammermusik’ verkauft.)


III, 384 – tedeschitudine und roundabout

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Ein Kommentar zu III, 385 – Stationäre Kreisfahrt

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