Klappentexte/Umschlagtexte. Das Arbeitsjournal des Freitags, den 17. Augst 2018. Mit nachgetragnem Jungfernkranz.

[Arbeitswohnung, 6.08 Uhr
Erster Latte macchiato
France Musique:
Edgar Varèse, Arcana pour orchestre (1927/1969)]
Nun, liebste Freundin, ist Das Ungeheuer Muse also in Druck. Der Tag gestern verging unter anderem damit, den Text der vierten Umschlagseite zu bestimmen – etwas, das für mich stets schwierig ist und mir den Tagesanbruch tatsächlich vergällte. Entsprechend gallig schrieb ich eine Email. Sie wurde aber gut aufgefangen, da war mein Kopf schon weniger eng.
Besonders mißbehagt mir, wenn ich selbst an Texten beteiligt sein soll, bzw. muß, in denen über meine Arbeiten gesprochen wird, sie irgendwie beworben werden soll. Ich glaube auch einfach nicht, daß irgendwer ein Buch aufgrund eines Klappentextes kauft; selbst habe ich derart Absurdes nie getan. Deshalb ist es mir am allerliebsten, bleibt die Rückseite leer, am zweitliebsten, steht dort einfach ein Zitat aus dem Buch.
Genau darauf, auf ein Zitat, lief es denn abends auch hinaus.
Nun war noch die Einfärbung der U4 zu bestimmen. Naheliegend wäre gewesen, das Gesicht in die Rückseite hinein auslaufen zu lassen und zur Grundtönung der Seite den Farbton des vorne gezeichneten Flügels zu nehmen. Nur wirken Farben je anders, ob sie sich in gezeichneten Strichen oder Flächen breiten. An den Mustern, die der Buchgestalter schickte, war das schlagend zu erkennen. Wir „landeten“ bei Ochsenblut – ein Vorschlag Cristoforos Arco.
Jetzt können wir alle – der Verleger, die Lektorin und ich – nur hoffen, daß die Druckerei den Band bis zu der >>>> Werkschau auch fertigbekommen haben wird.
Interesssant übrigens, daß mir erst jetzt, heute morgen, die ikono-,sagen wir,-narrative Verbindung zu meinem zweiten Gedichtband, Der Engel Ordnungen, auffällt. Wirklich, Freundin, ich habe daran vorher nicht anders daran gedacht, als daß tatsächlich die Gedichte miteinander verwandt sind – viel deutlicher als bei der Aeolia oder gar den Elegien der Fall, um von dem noch unabgeschlossenen Béartzyklus erst gar nicht zu sprechen. Ach wie gerne sähe ich den im nächsten Jahr fertig und vielleicht auch erschienen! – Aber erst einmal sind, bei Septime, die Erzählungen dran.

Dann, gleichzeitig – die Arbeiten liefen parallel -, brachte ich den ersten Überarbeitungsteil des Ghost-Romans zuende, sandte ihn meiner Contssa abends für die Agentin hinaus, mit der sich grad auch auch ein zweites Buchprojekt gestaltet, an dem ich etwas mitbastle – indes mich bereits in der letzten Woche die Einladung zu >>>> Le Vi Arte  erreichte, einem Weinfest bei Koblenz, auf dem ich aus meinen Büchern lesen soll. Ich deutete es gestern schon an. Die Veranstalterin liebäugelt mit Anderswelt; ich selbst halte die Trilogie für solch ein Fest für nicht sehr geeignet, favorisiere entschieden die Gedichte, vor allem auch, weil man sie in kleineren Einheiten vermitteln kann und weil ihr Vortrag, um einen sinnvollen Eindruck zu vermitteln, keine Tour de force erfordert. Auch haben sie mehr, ich sag mal, identifikatorische Halteschlaufen. Wiederum meine Erzählungen möchte ich derzeit nicht verschießen, sondern, bis ich aus ihnen (wieder) öffentlich vortrage, den Band bei Septime abwarten.

Morgen geht es erstmal an die Ostsee – zu meiner nächsten Hochzeitsrede. Ich werde sehr früh aufbrechen müssen; die Zugfahrt ist ein bißchen langwierig und die Zeremonie bereits auf 14 Uhr angesetzt. Zurückfahren werde ich erst übermorgen, will ein bißchen schwimmen. So bekomme ich vom Meer im Sommer doch noch ein bißchen etwas mit, auch wenn es nur, wie Fichte sagt, ein Brackwasser ist. Delphine gibt es bisweilen dennoch darin. Auch davon wird in diesem Buch erzählt, aus dem ich in dem nun kommenden Herbst (möge er sich ruhig noch etwas Zeit lassen) einige Male wieder vortragen werde − eine Vorstellung, die mich in eine eigenartige Spannung versetzt. Als säße ich in einer Zeitmaschine der aber Simultanität. Als Arbeit indes der nächsten Woche steht mir erst einmal wieder die, alle Jahre wieder, Fertigung der neuen Steuererklärung ins Haus. Auch dafür wird es gut sein, vorher ein wenig in einem Meer geschwommen zu haben. Für poetische Arbeit falle ich dann nämlich vier oder fünf Tage komplett aus. Festgesetzter Abgabetag ist der 3. September; wegen Le Vi Arte ziehe ich die Ausarbeitung der Erklärung vor.

Haben Sie, Freundin, einen guten Tag!

Ihr ANH
[France musique contemporaine:
Wim Henderickx, Empty mind I: Ecstasy pour hautbois et dispositif électronique (2016)]

Ach so, damit Sie was zu lachen haben:

Nachts schickte mir mein Verleger noch eine Fotografie, die er als neues Autorenportrait verwenden wollte, „um“, wie er schrieb, „die Zielgruppe auf Männer zu erweitern.“ Allein, ich fürchte, daß wir sie komplett ändern würden. Schon stünden mir erneute Nachtbillets ins Haus, in denen es um Lyrik allerzuletzt gehen würde, allenfalls um Lürick zuerst. – Voilà!:

 

 

 

 

 

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