Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 19. August 2018.

[Hohe Düne, 6.27 Uhr
Mövenrufe und hohes, wie unhörbares Kreischen der Mauersegler]

 

 

Nun bleibe ich doch etwas länger, weil ich gestern abend spontan zusagte, den Abbau zu, sagen wir, supervidieren; ich werde dann, schätze ich, am frühen Nachmittag nach Berlin zurückreisen und abends so wieder dort sein, daß ich mit meinem Sohn essen gehen kann. Das versprach ich ihm gestern.
Schon die Herfahrt war eine Art Reise im Orientexpress gewesen: Viele Leute hatten sich für ein Ostseewochenende entschieden und waren mit Kindern und also vielen Koffern aufgebrochen, stauten sich in Oranienburg bereits auf dem Bahnsteig. Da der nach Warnemünde durchfahrende Regionalexpress aber keine Vorrichtungen zur Aufbewahrung von Gepäck hat, ja nicht einmal Gepäcknetze oder auch nur Ablagen für Hut und Schal kennt, stauten sich Mensch und Ding in den Gängen des Zuges und auf den Treppen. Die Stimmung war aber gut, es wurde sehr viel gelacht.
Es ist ein weiträumiges Gelände, man kommt – ein paar Schritte vom Bahnhöfchen weg – nur mit der Fähre hinüber. Weshalb es Hohe Düne heißt, ward mir nicht klar; ich würd sie ‚flache Düne‘ nennen.
Das Zelt für die Party bis in die Nacht direkt am Strand; die Zeremonie in dem zwar kleinen fast schlichten und wahrscheinlich dennoch exklusivsten Raum des Yachtresidenz, bzw. des Kongreßzentrums: vorgeschoben und sich spitz auf die noch spitzer werdende Freiterrasse ausgehend ein eher Zimmer als Raum in der Form eines geschlossenen Bugs, der direkt über die Flußmündung hinausweist. „Mein“ Paar ist der Sportseefahrt sehr verbunden; daher auch die Wahl des Orts.
Nachdem ich gesagt hatte, dann dürfe nun die Braut den Bräutigam küssen wie er sie, war ich in den Hintergrund getreten und, sozusagen, abgetaucht, um mich aus dem Zentrum zu nehmen, in dem man(n) als Redner immer steht. Doch scheint, daß ich mit einem Mal verschwunden war (war runter ans Wasser, auf das ich hinaussah), ein bißchen Irritation hervorgerufen zu haben; ich hatte gedacht, nun, mit dem Kuß, würden alle nach vorne drängen, um dem Paar zu gratulieren. Aber sie scheinen auf etwas wartend sitzengeblieben zu sein, das nun komme. Ich hätte moderieren müssen, möglicherweise. Doch habe die Irritation nur kurz gewährt.
Muß ich mir merken fürs nächste Mal. Das noch aber nicht terminiert ist.

Hier gleiten ständig die langgezogenen Hauskomplexen gleichenden Riesenfähren von und nach Skandinavien vorm Fenster vorbei; ihre Architektur erinnert an den Miethausbau der Aidamare, die schräg hinter mir am Kai liegt, nur daß ihnen die regressive Bugbemalung fehlt, gleichsam eine für Kinder, nicht für erwachsene Menschen (mir wäre es schon von daher peinlich, drauf eine Kreuzfahrt zu buchen).

Um zehn geht’s mit dem Abbau los; er meint das Zelt mit Festinterieur. Bis dahin schau ich mal, was es als Fisch zum Frühstück gibt. Außerdem mag ich nochmal eine Runde schwimmen; tat ich gestern frühabends bereits. An einem Meer bin ich in diesem Sommer ja noch gar nicht gewesen.
Mal sehn, ob mir für die Béart etwas einfällt.

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