Nachleviearte. Das Arbeitsjournal des Montags, den 3. September 2018.

[Adenauerflughafen Köln/Bonn, Halle C, 11.36
50 Minuten vor Boarding]
Ein neuer, mag ich nun sagen, Freund, der mich vorgestern auch abgeholt hatte, brachte mich heute an den Flieger zurück. Ernst ist der stützende, so sein Familienname, Rabe hinter >>>> Le Vi Arte, ein Glückkontakt für alle, die ihm begegnen; kein Mensch bei Sinnen hielte ihn für 70, die er tatsächlich – unwahrscheinlicherweise – alt ist; alleine sein Herz, aber früh schon, hat ihm Sorgen bereitet; es war dies eben keine Frage des Alters. Nun aber schlägt es gefaßt und lief gestern frühnachts, spazierte im Dunklen über den Hügel vorbei am Reitstall heim, eine Flasche Wein und ein Glas dabei für den Weg; nachbei solle es, erzählte er heute früh, ein Feuerwerk gegeben haben, von dem aber er erst gedacht: Oh, es gibt jetzt das Nordlicht auch schon über der Eifel. Seinen ebenso langen wie alten Volvo hatte er vor dem Anwesen stehen gelassen.
Denn lange hatten wir noch zusammen gesessen, Simone, die Gastgeberin des kleinen feinen Sommerfestes, ihre Mutter, er und ich, bei manch Kulinarie, die übriggeblieben, um – ecco! – vom Weine zu schweigen:

 

 

Die Sommergäste waren seit frühabends fort, das Gröbste war bereits aufgeräumt, Ernst rief höchst menschlich zur Pause. Wir haben dann enorm viel gelacht. Die Lesungen waren wunderbar gelaufen, meine beiden vortags wie gestern, die Menschen, wie die jüngeren so die älteren, verstanden; als ich die Neunte Elegie las, weinte im Publikum eine Frau. So etwas hatte ich noch nie erlebt.
Es gab nach meinen Sonnabendlesungen Wünsche seitens der Hörer:innen: ob ich nicht nächstentags auch Prosa lesen könne? Was ich tat, allerdings aus dem Zenbook, weil die erzählenden Bücher nicht vorrätig waren, auch das Traumschiff leider nicht.

Alban Nikolai Herbst

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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