Sich nie gebeugt zu haben. (Ein Gender-Nachlaß).

Ich habe mich „männlichen“ Ideologien nie gebeugt und werde mich jetzt | auch nicht „weiblichen“ beugen. Auch dann nicht, wenn es deutliche Nachteile nach sich zieht und sogar existentielles Bedrohtsein bedeutet – was in der „politisch korrekten“ Konsensgesellschaft bisweilen schon heute der Fall ist. Doch wenn eines Tages, nachdem ich gestorben sein werde, alleine von mir übrig bliebe, ich sei niemals korrupt gewesen, wär es mein Leben bereits w e r t. Das könnt ich vererben, und werd’s. Denn was mit meiner Dichtung post mortem geschieht, habe ich-selbst nicht in der Hand.

(19.50 Uhr:
Arbeitsnotat nach einem nicht sehr schönen Briefwechsel, dem einige Gespräche folgten.)

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8 Responses to Sich nie gebeugt zu haben. (Ein Gender-Nachlaß).

  1. Avatar Phyllis sagt:

    Auch ich habe heute vier Zeilen lang über „gendering“ nachgedacht:
    >>> https://taintedtalents.de/2019/08/26/genderkorrrrrekt/

    Meins schrieb ich vorhin nebenbei, wohingegen der Text oben wie die Essenz eines extrem ausgelebten Lebens wirkt. Ganz sicher werden sich weitere Aromen hinzugesellen. Auch welche von helleren Tagen.

    • @Phyllis: Sie wollen nicht, „die“ Frauen, wie Sie in Ihrem (so kurzen wie schönen, fast lyrischen) Gedankennotat schreiben, „ins Lot bringen“, sondern ein Lot ist ihnen fern. Sie wollen – Macht (und haben sie bereits). Nachvollziehbar daran ist, daß die Opfer endlich einmal Täter sein wollen. Was sie nunmehr sind. Und was sie „ausbauen“ wollen. Das indes läßt die fast determinierte Logik aller Revolutionärinnen und Revolutionäre greifen, die zur Macht gekommen sind und Kader gebildet haben: sie, diese Macht, aufrechtzuerhalten und zu erweitern – um jeden Preis, auch den der eines schließlich gewissenlosen Bruchs der Rechtsstaatlichkeit. Momentan ist es „nur“ – noch – Meinungsdiktatur, schulterschlüssig mit dem Pop. Daß dabei der Replikation von Menschen zugearbeitet wird, die wiederum im ökonomischen Interesse liegt, wird durchaus bewußt inkauf genommen. – Ich werde in einem gesonderten Beitrag auf den Denunziationskasten des venezianischen Dogenpalastes zu sprechen kommen, der bis Ende des 18. Jahrhunderts in Funktion war. #metoo hat unterdessen genau die Funktion dieses Bocca di Leone übernommen, für die Moderne – g e g e n den Gedanken jeglicher Rechtsstaatlichkeit – wieder praktikabel gemacht. Und aus Angst beugen sich alle, vor allem Männer. Wobei ihre Angst begründet ist, nicht eigener Verschulden wegen, sondern allein, weil sie Mann sind. Es obsiegt die Diffamierung – wenn man(n) Mann ist, in jedem Fall.
      Was hierunter Mona schreibt, stimmt. Die für die Machtübernahme mit allen, auch unrechtmäßigen, nämlich besonders qua Diffamierung taktierenden Frauen sind sich erneut der Macht des Sexus bewußt geworden – als politischem Mittel aber, das sie, nur negativ, so radikal einsetzen wie irgend eine Mätresse zuvor tat. Es ist nicht der fundamentalistische Islam, der den Rechtsstaat gefährdet – er bedroht ihn nur -; es sind die Folgen von #metoo. Wobei von „Gefährdung“ schon gar nicht mehr gesprochen werden kann. Vielmehr ist der Bruch längst erfolgt.
      Es geht übrigens noch viel weiter: Mit dem Machtmittel „Sexus“ wird der Sexus-selbst attackiert, teils schon auf den Müll geworden. Das Ergebnis wird ebenfalls im Interesse der (kapitalistischen) Ökonomie liegen: replikante Menschenerzeugung. Auch dem spielt die Gender-Ideologie zu.

  2. Avatar Mona sagt:

    Immer mehr Leute versuchen sich zu positionieren, indem sie ihren Arsch hochhalten, in der instinktgenauen Wahrnehmung, dass neben der Moral und der Politik- das Sexuelle zu den schweren Zeichen gehört, mit denen Macht akkumuliert.

    • @Mona:
      Ja. Siehe meine Antwort auf Phyllis. „Ihren Arsch hochhalten“ ist eine umso feinere Formulierung, als man(n) es mit dem Schwanz ja nicht mehr tun darf. Woran freilich auch Frauen Leidtragende sein werden. Nur nebenbei bemerkt, geht die Fruchtbarkeit westlicher Männer auf fast entsetzliche Weise zurück, seit einigen Jahren bereits. Schauen Sie mal in die Statistiken. (Es betrifft durchaus nicht nur ältere Männer, sondern auch junge. Wir können geradezu dankbar für die Migranten sein, die hierherkommen. Also wenn es uns darum getan ist, daß Europa nicht einfach ausstirbt. Gut, die Industrie wird eine höchst lukrative Lösung finden.)

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