Jan Drees: Lätta versus Alpenbutter.

In >>>> diesem, allerdings engerem literaturbetrieblichen Zusammenhang findet sich auf Jan Drees‘ LESEN MIT LINKS eine fast->>>>Analyse von angemessener Schärfe.

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12 Kommentare zu Jan Drees: Lätta versus Alpenbutter.

  1. bersarin sagt:

    Eine sehr gute Analyse von Drees. Ebenso lesenswert in der „Zeit“ die Kritik von Burghard Müller „“Miroloi“: Hier stellt sich jemand dumm“

    https://www.zeit.de/2019/35/miroloi-karen-koehler-patriarchat-feminismus-roman

    Ansonsten verweise ich an dieser Stelle auch noch kurz auf meinen Text zu dieser Sache auf AISTHESIS.

    https://bersarin.wordpress.com/2019/08/22/krise-der-kritik-kritik-der-krise-zu-einer-debatte-um-karen-koehlers-miroloi/

  2. Kommentare von Facebook sagt:

    Sabine Scho: na ja, ich würde sagen, die angemessenheit erweist sich erst beim eigenen lesen, ich war bei der lesung… dieses buch wird, warum auch immer, gerade geschlachtet, was ich hörte, ist des furors, der gerade auf es niedergeht, nicht angemessen. es ist böswillig, was da geschieht, dazu muss ich das buch nicht mal besonders mögen, um das zu sehen.
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    Lars Hartmann: Das stimmt nicht im Ansatz, Sabine Scho. Es gab durchaus gute und lobende Kritiken – sogar einige. Wer allerdings ein Buch veröffentlicht, muß dann auch mit der Kritik leben, insbesondere dann, wenn es prominent auf einer Buchpreisliste steht. Da muß sich der Text eben auch befragen lassen. Und einen entsetzlichen Kitsch sollte ein Kritiker halt einen entsetzlichen Kitsch nennen – Jan Drees und auch Müller in der „Zeit“ haben dezidiert gezeigt, wo dieser Roman klemmt. (Wer will kann das übrigens schon in Köhlers Debüt „Wir haben Raketen geangelt“ sehen. Das ist nicht gute Prosa, sondern Kunstgewerbe.)
    Die Aufgabe von Literaturkritik ist es nicht, zu streicheln, sondern solche Mechanismen zu benennen. Nicht daß man sich markttrendy ein Zeitgeistthema heraussucht, sondern daß die Autorin ihrem Stoff ästhetisch nicht gewachsen sich zeigte, ist das eigentliche Problem. Schreiben kann man, worüber man mag, wenn man es gut macht.

    Sabine Scho die kritik ist pures mansplaining, die naive autorin, hört mir doch auf. ein bisschen die unbedarftheit tätscheln, iris radisch doch neulich bei anke stelling auch schon.

    Lars Hartmann Und es gibt eben Leute, die beugen sich in der Literatur nicht der Zeitgeistscheiße. Und das ist auch gut so.

    Sabine Scho herr im himmel, ich beuge mich nicht, was soll das eigentlich heißen, ich sehe nicht, ein sich nicht beugen können, ich sehe nur stoizismus und unbelehrbarkeit, aber bitte.

    Lars Hartmann Ich finde nun aber an main- und mansplaining nichts Schlimmes. Ansonsten bin ich der Ansicht, daß man einen Kuhstall nicht ein Rosenbeet nennen sollte. Das gilt auch für die Literatur. Utta Danella ist keine große Literatur. Und das kann Literaturkritik benennen und begründen

    Sabine Scho wenn sie daran die größt freude hat, wegen mir.

    Lars Hartmann Ich habe auch nicht gesagt, daß Du Dich beugst.

    Sabine Scho manche verwechseln haltung auch mit starrsinn.

    Lars Hartmann Mich interessieren in solchen Fällen die Mechanismen und ich benenne Minderqualität. Daß es solche gibt und dies zu leugnen, ist in der Tat Starrsinn und da kann ich Dir mit dem Satz zur Haltung nur recht geben. Ich bin Externer, ich bin kein Autor, ich muß im Betrieb kein Geld verdienen und ich scheiße auch auf meinen Ruf. In diesem Sinne kann ich es mir leisten zu sagen, daß der Kaiser eben oft sehr nackt ist.

    Sabine Scho ich kenne doch die mechanismen, irgendwie rede ich mir meinen scheiß auch immer schön, aber ich bin doch auch so klug, den mechanismus zu kennen und mir zu sagen, ich kann halt nur schreiben, was ich schreiben kann und ob das auf ein geneigtes auge trifft, was weiß denn ich?
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    Sabine Scho ich weiß nur eins, zwingen kann ich es nicht, auch wenn ich gern würde.

    Sabine Scho eins weiß ich aber ganz sicher: starr nicht ständig auf dein ziel, dann wirst du es verfehlen, daran ist einige wahrheit.

    Lars Hartmann Wie jemand schreibt, muß ja auch jeder selbst wissen und das sind komplexe Prozesse, die man mit sich, mit seinem Lektor, mit Freunden und Lesern im Nahbereich, die einem als Korrektiv zur Seite stehen ausmachen. Oder eben mit sich selbst in der Kammer…Mehr anzeigen

    Sabine Scho ich möchte sagen, wenn das kritik ist, dann muss sie aber auch noch einiges lernen, nämlich einem gedruckten werk nicht seine berechtigung abzusprechen, über das ja auch lektoren und verlage und nicht nur eine kleine naive autorin entschieden haben. „Wenn das aber Literatur ist, und so sieht’s ja wohl aus, dann hat sich der Literaturbegriff in den letzten Jahren radikal gewandelt und wir brauchen neue Maßstäbe der Schönheit, des Stils und des Geschmacks. Sie müssten uns helfen zu klären, womit und in welcher Hinsicht ein Buch wie ‚Miroloi’ überhaupt zu vergleichen wäre und wie man dann entsprechend werten könnte.“ aber, was solls, es haben alle noch sich zum label gemacht, womit man sie meinte diskreditieren zu müssen, impressionisten, fauve, popliteratur. müsste baßler eigentlich wissen.

    Sabine Scho das ist so was von mansplaining, das tut schon weh. und damit kommt man heute nicht mehr weit und das ist gut so. – „Wenn das aber Literatur ist…“ au weia, wenn das ein literaturprof ist… dann hat er ja schon viel gesehen… es muss mir nicht gefallen, um zu verstehen: das ist literatur, so viel müsste man verstanden haben, denke ich. ansonsten diskreditiert man sich nämlich nach kräften selber. knieschuss

    Lars Hartmann Ach Gottchen, erst will man als Autorin ganz feministisch sein. Und wird dann inhaltlich diese Literatur kritisiert, kommt man mit Mansplaining als Selbstimmunisierungsstrategie gegen Kritik. Wenn also Kritik an einem Buch voll mit kitschigen Sätzen, mansplaining ist – schönes Todschlagwort übrigens und in dieser Art und Leere eben auch zugleich abstrakt und nichtssagend -, dann scheint mir dieses Mansplaining inzwischen doch eine gute Sache zu sein. Also weiter mangesplaint.
    Es geht nicht darum, Köhler ihr Schreiben abzusprechen, sondern Thema ist, daß das, was sie macht, keine gute Literatur ist, sondern vielmehr Kunstgewerbe und Wellnesskunst. Jeder mag soviel Worpsweder machen wie er will. Nur sollte man dabei seine Ansprüche nicht überspannen. Ich würde eben bei Leuten wie Precht auch nicht sagen, daß das in einem emphatischen Sinne Philosophie ist, was die uns da präsentieren.

    Sabine Scho da oben wird köhler ganz klar abgesprochen, dass das literatur sei, nach akademischen kriterien, heißt es übersetzt: ist es keine, denn dann brauchen wir neue kriterien und, ja, könnte durchaus sein. ist ja nahezu immer so, dass die kriterien mit ihren gegenständen entstehen!

    Lars Hartmann Und noch einmal: einen Kuhstall nennen wir nicht wohlduftendes Rosenbeet. Hier auf diese Weise die Unterschiede mal eben flugs einzuebnen, weil einem die Kritik nicht schmeckt und dann mal schnell zum anything goes zu switchen, alles sei ja doch irgendwie auf seine Art Literatur, läuft bei mir nicht. Da sind wir nämlich bei der ästhetischen Beliegibkeit. Aber diese Strategien merke ich mir natürlich für den nächsten Martin Walser-Roman und ich freue mich da schon, wenn ich der feministische Kritik mit ihren eigenen Waffen begegne.

    Sabine Scho hier geht es nicht um kuhställe und rosenbeete, hier geht es um bücher. schon das allein ist eine unverschämtheit.
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    Lars Hartmann Im emphatischen Sinne wäre z.B. „Wir haben Raketen geangelt“ keine Literatur. Zumindest keine gute. Sicherlich gehört das Buch zur Literatur, wenn man Literatur in einem weiten und allgemeinen Sinne nimmt. Wie auch Utta Danella dann und Konsaliks „Der Arzt von Stalingrad“ zur Literatur gehören.

    Sabine Scho ich schrieb schon: rede über die beliebigkeit, an die gebildeten unter ihren verächtern und lesen sie mal musils: blech reden!

    Lars Hartmann Es geht um die Qualität eines Buches! Das ist doch nun wirklich nicht so schwer zu erfassen.

    Lars Hartmann Und wenn Du den“Arzt von Stalingrad“ und Grassens „Blechtrommel“ ernsthaft nciht unterscheiden willst oder kannst, dann ist Dir da leider nicht zu helfen.

    Sabine Scho ach, ich muss diese diskussion auch gar nicht führen, beklagt euch halt alle weiter, das sei keine literatur, das ist keine malerei, als ob william turner das je gejuckt hat, wenn andere mit ihrem regelkatalog ankamen. vielleicht seid ihr einfach nicht mutig genug, vielleicht ist es genau umgekehrt und eine köhler hat sich nie gebeugt! so kann man es nämlich auch mal betrachten!
    vielleicht habt ihr alles getan, damit man euch endlich wahrnimmt und genau da liegt die pershing im mais!

    Lars Hartmann Und wenn ich Dir eine Leseempfehlung zurückgeben darf, dann rate ich Dir zu Adornos Ästhetischer Theorie und zu seinen Noten zur Literatur. Darin findest Du Begründungen, warum es gelungene Kunst gibt und solche, die ins Kunstgewerbe ragt. Diese Unterschiede sind nicht ins Belieben und Meinen gestellt.

    Sabine Scho „nur, wenn, was ist, sich ändern lässt, ist das, was ist, nicht alles“ dichtete schon adorno und in der literatur, in der kunst kann immer alles auch anders sein!

    Lars Hartmann Köhler schreibt einen maistreamigen Wohlfühlsound. Und da Feminismus gerade die Ideologie der Stunde ist, schient sie eben auf diesem Ticket zu reiten. Das war bereits im Raktetenbuch zu beobachten. Kann man alles machen, wenn die Prosa gelungen ist. Wenn nicht, dann muß das aber benannt werden. Das ist die Aufgabe der Literaturkritik.

    Sabine Scho kunst und literatur lebt von kontingenz!

    Lars Hartmann Der Adorno-Satz ist eben nur kein Plädoyer für Minderqualität. Sondern er läßt sich bestens gegen solche Marktmechanismen und die Köhlerisierung der Literatur wenden

    Sabine Scho ja, dann benennt es doch fleißig weiter und schaut, wie weit ihr mit dem ticket kommt! köhleresierung der literatur. ick fass et nüsch

    Lars Hartmann Und mit Allgemeinplätzen, wovon Kunst wie lebt, ist doch niemandem geholfen. Kunst lebt allenfalls davon, daß das Werk gelingt. Das kann man bei Köhler leider nicht sagen

    Sabine Scho dafür muss ich texte von köhler nicht mögen, um hier zu lesen, was nun wirklich gar nicht mehr geht.

    Lars Hartmann Und wenn man Adornos Aufsatz zu Hans G. Helms, nämlich „Voraussetzugen“ liest, dann kann man in etwa ahnen, was Adorno von einem Großteil der Gegenwartsliteratur hielte. Unter der Voraussetzung bzw. dem normativen Maß des Avancierten haben wir es hier mit dem Ende der Literatur zu tun. Es west nur noch die Literatur als Ware nach. Es geht beim Köhlertext nicht ums Mögen. Sondern ums mißlingen und wie man eben marktförmig seine Texte schreibt. (Wobei ich hierbei zugebe, daß das eine Mutmaßung ist, denn die Intentionen eines Autors sind uns prinzipiell unzugänglich, es sei denn wir selbst wären dieser Autor.)

    Sabine Scho es gab auch mal das ende der pferdedroschke, fortbewegt wurde sich danach dennoch. wenn alle so marktförmig ihre texte hinbiegen könnten, wenn das alle so genau wüssten, dann ginge es der branche wohl besser, als es ihr geht. die wahrheit ist, niemand weiß es so genau, es werden teure titel eingekauft, die auf dem deutschen mark nich…Mehr anzeigen. als wenn es den auktorialen zampano gäbe, der schon wüsste, wie der hase läuft! wir wissen es alle nicht!

    Lars Hartmann Ja, wenn es denn besser wird: Schön. Zumindest gibt es ja durchaus und immer wieder gute Literatur. Nur ist all das eben kein Plädoyer für Beliebigkeit: Da schreibe ich dann mal irgendwas und das wird dann schon irgendwie gut sein. (Und ich frage mich … Nein, wie der Hase läuft, weiß niemand. Dafür ist eben Ästhetik und eine von der Ästhetik her inspirierte Literaturkritik im Sinne der literarischen Romantik auch, zuständig. (Und das meint nun nicht die der tagesaktuellen Feuilletonkritik, die macht was anderes, das ist auch ok, aber es ist eben nicht von der Ästhetik her. Oder nur selten.) Und freilich ist es mir klar, daß es für einen Autor, für eine Autorin nicht schön ist, verrissen oder hart angegangen zu werden. Insofern sollte Kritik am Text und damit an der Sache orientiert sein. Dennoch muß oder sollte man bestimmte Dinge innerha…Mehr anzeigen

    Sabine Scho ich übersetze mal: autoren und literaturkritiker des betriebs beklagen sich über bücher, die nicht literatur sind, dass sie eine leserschaft haben. sprich, kolleg*innen verdienen geld unter einem ihnen falsch erscheinendne label. stellen sie sich vor, ich wäre keine nutte, nähme aber für sexuelle dienstleistungen geld, ob ich dann den verband deutscher prostituierter in aufruhr versetzte? und, was soll man dann den freiern sagen, fickt doch lieber die zertifizierten huren? wird nicht funktionieren! lesen ist etwas, da finden buch und leser*in höchstpersönlich zusammen und müssen sich gefallen, ganz egal, was die kritik noch dazu sagt. je länger man liest, desto klarer wird einem das. kritik ist schön, aber bringt mich auch nicht immer zu dem, oder hält mich von ihm ab, was mir persönlich gefällt und ein lesendes publikum besteht nicht nur aus literaturwissenschaftler*innen und das ist auch gar nicht schlimm. oder, wie odo marquard es mal ausdrückte: ein sockenhersteller, der nur socken für sockenhersteller herstellt, hat ein problem.

    Alban Nikolai Herbst @Sabine Scho: Dann diskutierst Du dort halt nicht mehr, sondern dienerst Dich weiter den Multis an. Sie werden sich freuen. Ist eine gut passende Mainstram-Haltung. @Lars Hartmann: Ich brauche noch etwas Zeit, um die Kopien zu formatieren; dauert halt. Ist aber alles schon lesbar.

    Lars Hartmann Richtig so! Ich mache dort weiter. Das Medium Fb ist kritisch zu sehen.

    Sabine Scho ja, ist bekannt, auch bekannt ist, dass ich auf die dschungel keinen bock mehr habe, dort zu kommentieren. also, klappe zu, affe tot. denk, was du willst, tust du eh, wenn es dir hilft, bitte. den multis, soll ich dir meine steuererklärung schicken! dann schickst du mir deine, dann kannst du ja vieles gerne an den fakten weiter vorbei meinen.

    Lars Hartmann Mach doch meinetwegen mal eine Ausnahme, Sabine Scho. Dschungel ist allemal besser als Facebook. Wenn Du ein gutes Essen willst, gehste ja auch nicht zu Kentucky Fried Chicken.

  3. bersarin sagt:

    Zu Sabine Schos letztem Kommentar:

    Deine Übersetzung, Sabine Scho, funktioniert leider nicht. Nicht daß Bücher eine Leserschaft haben, ist das Problem. Konsalik hat auch eine Leserschaft, bis heute. Utta Danella hat sie. Das stört die meisten Literaturkritiker nur am Rande. Die Leserin oder der Leser sind nicht der Maßstab der Kritik, so wie eben über die Qualität eines Buches nicht die Bestsellerliste entscheidet – darauf stehen Fizek und Konsorten. Insofern solltest Du den Unterschied zwischen Markt und Kritik bzw. ästhetischer Kritik machen. Weil irgendein Roman, der im Selfpublishing publiziert wurde, bei Amazon ein Super-Ranking hat, sagt das noch nichts über die Qualität des Buches. Es kann gut sein, daß das ein gutes Werk ist, muß es aber nicht. Dies muß man intern prüfen. Wenn ich Dir hier meine Erzählungen mit 16 Jahren hinlege und die verlegte jemand, dann müßte ich mich damit abfinden, wenn das als mindere Literatur durchgeht. Und solche Kritik muß dann eben auch Karen Köhler über sich ergehen lassen, auch wenn es vielleicht nicht angenehm für sie sein mag. Wer sich jedoch exponiert, muß mit dieser Kritik leben.

    Interessant ist Dein Beispiel übrigens, wenn man es auf die Bücher von Sarrazin oder Götz Kubitschek ausdehnt. Ist es dann auch noch egal, was da im Buch steht? Denn das Buch hat ja anscheinend viele Leserinnen und Leser. Und Sarrazin zierte immerhin die Bestsellerlisten. Also wird da doch was dran sein. Der Leser will es so. Soviel zu den Sockenherstellern.

    „oder, wie odo marquard es mal ausdrückte: ein sockenhersteller, der nur socken für sockenhersteller herstellt, hat ein problem.“

    Das Problem von Marquard ist, daß er Quantität und Qualität nicht trennen kann. Sockenträger sind oft nur bedingt dazu befähigt, über die Qualität eines Stoffes zu urteilen, sie sind keine Schneider. Der Umgang mit Kunst jedoch ist, wenn diese Analogie gestattet ist, ähnlich dem des Schneiders mit Stoffen, Farben und mit Gewebe. Er prüft, er besitzt Erfahrung im Urteil über die Qualität eines Anzugs, weil er in seinem Leben schon viele viele Stoffe befühlt und berührt hat. Er war in Stoffhandlungen, hat probiert. Und das eben macht auch der wissende Literaturkritiker und ebenso der Laie und auch diejenigen, die mit einem gewissen Anspruch über Bücher bloggen.

    • @Bersarin zu Sabine Scho: Sie wird Ihnen hier nicht antworten, vielleicht Ihre Entgegnung nicht einmal lesen. Sie ist Facebook quasi hörig – völlig egal, welche Urheberrechtsverletzungen, Marktstrategien und dergleichen das Unternehmen, ja, begeht. Genau deshalb spreche ich von Hörigkeit – ein gerade für diese von mir hoch geachtete Künstlerin erschreckendes Mitläufertum. Es erinnert mich an das, was mir der Wiener Uhrmacher Neidhardt erzählte: Die kleinen Werkstätten werden von den großen, oft multinationalen Unternehmen schlichtweg durch Nichtlieferung von Ersatzteilen boykottiert – bis sie ihre Lädchen schließen müssen. Mit diesem „Verfahren“ geht Schos Weigerung Hand in Hand: Kommentiert wird nur noch auf den multinationalen Sites, die „Kleinen“ werden ignoriert. Das paßt übrigens perfekt zum Pop, der, wie ich anderwärts schrieb, „Ästhetik des Kapitalismus“.

      • bersarin sagt:

        So ist es: das sind Mechanismen, die ganz wesentlich für eine Warengesellschaft sind. Wenn dann die Monopole installiert sind, ist es, so vermute ich, schnell auch vorbei mit all den Freizügigkeiten.

        Alle Nas lang kommt man mit einer Kritik an der Gesellschaft und oft wird bei Lächerlichkeiten das ganz große Besteck ausgepackt – ich erinnere nur an den Brüderle-Satz vom Dirndl. Aber bei basalen Dingen, die unser aller Leben prägen, sei das eben Pop oder seien das gigantische Internetkonzerne, die mit unseren Daten Geld machen, wird es oft ganz still im Walde. Und alle Vögel alle singen mit. Unser Protest, sofern er den statt hat, ist seltsam verdreht.

        Davon einmal abgesehen, daß diese Facebookdebatten im digitalen Nirwana versanden, wenn man sie sich nicht privat irgendwo abspeichert. Bei einem Blog jedoch lassen sie sich qua Stichwort und Themensuche im Grunde relativ mühelos wieder auffinden und nachlesen.

  4. Kommentare von Facebook sagt:

    Sabine Scho das geheimnis gelingender beziehung, jeglicher couleur besteht vor allem darin: den anderen den anderen mit seinen vorlieben sein lassen zu können. just sayin.

  5. Kommentare von Facebook sagt:

    Salih Jamal Wenn der Kritiker sagt: „Es ist aus den und den Gründen nicht gut,“ und der Leser sagt: „Aber es hat mein Herz berührt,“ dann zählt das eine nicht mehr und das andere nicht weniger. Meinungen, die belegt werden, sind für mich genau so gut wie die ganz subjektiven und persönlichen.
    Die Frage ist mit was wird das Produkt in die Welt geworfen?
    Wenn es als ein neuer Zauberberg angepriesen wird, dann muss es sich auch der Auseinandersetzung stellen.
    Ich selbst habe mein Debüt damals wie folgt beworben: „Ein neuer Werther in einer neuen Zeit.“ Warum wohl? Nicht weil ich mich für besser als den ollen Goethe halte. Nein, sondern weil es vielleicht ein kleines bisschen vom Werther hat, aber allein die Aussage verkauft. Und dafür darf man mein Buch gerne aufs Schafott führen. (Was denn auch so geschehen ist.) Aber es hat Herzen berührt, die wohl möglich ohne den reißerischen Text das Buch nie entdeckt hätten. Das weiß ich ja durch die vielen Rückmeldungen.

  6. bersarin sagt:

    @ Salih Jamal:
    Es geht aber in der Kunstkritik nicht einfach nur ums private Empfinden. Natürlich kann sich jemand von Rosamunde Pilcher, Konsalik, Fitzek oder von Utta Danella berührt fühlen. Warum auch nicht? Aber man kann zugleich auch anfangen, nach Gründen und nach Mechanismen zu suchen, weshalb etwas das Herz berührt. Gegen Herzensberührungen ist ja nicht per se etwas zu sagen und Kunst ist keine Veranstaltung der „Gesellschaft für reinrationales und emotionsloses Denken“. Wenn man also nach solchen Gründen forscht, kommt man womöglich schnell auf den Punkt, wo ein Text tatsächlich immanent funktioniert und nicht nur einfach im Reiz-Reaktions-Schema bestimmte Mechanismen auf simple Art triggert und wo man schnell bemerkt, daß ein Roman nach einem Schema heruntergeschrieben wurde. Und so vermag ein Leser zu sondieren. Denn Kritik im etymologischen Sinnen bedeutet ja eben nicht: verreißen, vernichten, sondern kommt aus dem Griechischen und heißt „unterscheiden“, „trennen“ – vom griechischen krínein.

    Wer sich hinreichend lange mit Literatur beschäftigt – ähnlich dem Handwerker, der immer wieder im Umgang mit Holz sich schult, bald einen schlechten von einem guten Stuhl zu unterscheiden vermag –, der wird auch bemerken, wo Texte standardisiert sind und Gefühle qua eines Mechanismus abrufen – mithin, fatale Dialektik, das Gegenteil von Gefühl – und wo eine Prosa oder Lyrik tatsächlich über manchmal komplizierte Mechanismen etwas in der Leserin, im Leser freizusetzen vermag. Gerade das an der Kitsch-Literatur, das sich als das Unmittelbarste und scheinbar Echte ausgibt, ist nachgerade konstruiert und alles andere als echt und unmittelbar. Es ist geschickt kalkulierte Ware. Das eben unterscheidet Kunstgewerbe – unter anderem – von Kunst.

    Wie sehr solche kulturindustriellen Produkte eben Massenbetrug sind und damit eben die Menschen um das beste bringen, zeigte Adorno in seinem Kapitel über Kulturindustrie in der „Dialektik der Aufklärung“ und ebenso in dem lesenswerten Aufsatz gut 15 Jahre später: „Résumé über Kulturindustrie“ aus dem Jahr 1963.

    • Salih Jamal sagt:

      Genau das sehe ich auch so, und das wurde im gesamten Hin und Her nicht verstanden, oder man wollte es nicht verstehen. Das ist es, was Jan Drees ja auch sagen wollte. Wenn etwas hoch angepriesen wird, muss es auch hohen Vergleichen standhalten. Ökonomische Interessen schützen davor nicht.

  7. Pingback: Das Arbeitsjournal des Sonntags, den 1. September 2019. | Die Dschungel. Anderswelt.

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