Optimistischer Fatalismus. Im Tauge/Nichts von Norbert W. Schlinkert.

[NACHTRAG, 4. März:
Siehe jetzt auch dort.]

Welche eine grandiose Begriffsschöpfung → dieses Autors!

Die aus der Antike heraus verbürgte, der adligen Oberschicht vorbehaltenen Lebensart des aktuell und damit auf Dauer gelingenden Lebens ist ihm dabei nicht fremd, nur eben nicht auslebbar über den Tag hinaus, woraus folgt, jeder Tag ist ihm ganz ein Leben, die Nacht ein Traum und  und der Morgen eine Wiedergeburt.
Tauge/Nichts, 69

Und etwas später wird, was hier schon → aus einer kleinen Novelle herausgeperlter Klein-Essay ist, sogar Nukleus einer Romantheorie:

(…) der Schreiber weiß dem Willen der Romanfigur (…) nun also immer weniger entgegenzusetzen, obgleich der Schreibende gleichzeitig keineswegs nur Büttel der Romanfigur (…) ist. Doch nur aus dieser binären Konstellation kann überhaupt ein guter Roman, ein Kunstwerk entstehen (…). Die Erschaffung eines aus den Zeilen steigenden Taugenichts ist also allein Sache des Taugenichts! Niemand anders kann das, hier und ausschließlich hier, in der Selbsterschaffung, ist der Taugenichts vollständig taugend!
Tauge/Nichts, 77

(Allerdings hätte ich auf die Ausrufezeichen verzichtet, sie stampfen zu sehr mit dem Fuß auf, wo ohnedies klar ist, wer recht hat. Aber dann – und hier nun muß ein solches Zeichen hin: — die Folge!: daß der erste Satz einer Erzählung der einzige sei, der alleine dem Autor zukommt. So steht’s auf S.77.)

→ Bestellen.

This entry was posted in Essays, Hauptseite, Kulturtheorie, NOTATE, Rezensionen, Zitate and tagged , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

9 Responses to Optimistischer Fatalismus. Im Tauge/Nichts von Norbert W. Schlinkert.

  1. Avatar top says:

    Ah, endlich, gleich mal bestellt, Schlinkert ist eh immer gut. Hoffentlich nimmt ein aufmerksamer Verlag auch mal irgendwann Ankerlichten ins Programm, das habe ich damals gern gelesen, ich weiß noch, wie ich immer auf das nächste Kapitel gewartet habe. Danke jedenfalls für die Erwähnung.

  2. @top: Bei Amazon offenbar >>>> schon jetzt. (Die Vertriebswege sind dort andere als im „normalen“ deutschen Buchhandel, besonders wohl bei über die Schweiz zu bestellenden Büchern.)

    • Avatar top says:

      Ja, weil, wenn ich das richtig sehe, dort nach Bedarf gedruckt und ausgeliefert wird, während der Buchhandel das „richtige“ Buch geliefert bekommt? Egal, ich habe jetzt zwei Bestellungen laufen, mal sehen, wer schneller ist (und eines kann man ja verschenken oder es kommt in den hiesigen öffentlichen Buchspender).

  3. @top (ff): Nein, nein, das ist Unfug. Amazon druckt nicht die Bücher anderer Verlage, sondern bestellt sie wie ein Grossist und liefert sie aus. Ein wie von Ihnen gewähntes Vorgehen verstieße strafbar gegen das Urheberrecht. Allerdings, bei amazon-eigenen Produktionen mag es anders sein, darüber weiß ich nichts zu sagen.

    (Schöne Idee, das mit dem Buchspender.)

    • Avatar top says:

      Also bei mir erfolgte der Verkauf und Versand nicht durch Amazon direkt, sondern durch BOD, books on demand, so dass ich davon ausging, dass die erst auf Nachfrage drucken und liefern. Das können Sie auch auf der Buchseite sehen. Avisiertes Lieferdatum ist in meinem Fall der 26. bis 28. Februar.

      • @top (fff): Book on demand, BOD, ist ein eigenes Verlagsunternehmen, das mit etk-books, editon taberna kritika, meines Wissens genauso wenig zu tun hat wie amazon. Sehr wohl kann amazon BOD aber vertreiben, wie eben jeden anderen Verlag auch. In Schlinkerts mir vorliegenden Buch, von der edition taberna kritika verlegten Buch ist BOD im Impressum nicht vermerkt; ich habe eben direkt nachgesehen.

  4. Avatar top says:

    Nochmal kurz hier zu Wort gemeldet, denn ich habe jetzt auch endlich das Buch gelesen und eben noch Ihre Besprechung bei faustkultur und da schreiben Sie: „Leider hält sich aber die Erzählung nicht durch, sondern reflektiert sich im zweiten Teil noch einmal selbst – und da, deshalb mein „leider“, ohne das Fließen einer Geschichte.“. Ich finde, da sind Sie ein bißchen zu streng, da es sich ja um einen Essay handelt, ich habe ihn trotz der biographischen Bezüge durchaus als „getrenntes Ding“ gelesen. Man wird ja als Leser ein bißchen an der Nase herumgeführt -wenn es im ersten Teil heißt: „Ende der Geschichte“ – und dann kommt noch die kleine Geschichte vom Kirchenaustritt-, was nun biographisch wahr ist oder auch nicht, aber das finde ich gut, man denke nur an all die sinnlosen Journalistenfragen a la „Ist Ihnen das wirklich passiert?“. Und der zweite Teil muss ja als Essay nun keine Geschichte erzählen. Nur schade, dass der erste Teil so kurz ist, ich hätte gern noch mehr davon gelesen.

    Übrigens war mein Buchhändler doch schneller als Amazon, dessen Exemplar landete im lokalen Buchspender und ward auch schon nach dem Wochenende nicht mehr gesehen 😉

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .