Narren.

 

Liebe ohne Pathos ist Mißbrauch der Geliebten.

 

 

(DLXXXVIII)

 

Unter dem Vorwand, der Narr gefährde die Sicherheit und Ordnung
meines Lebens, ließ ich ihn einschließen, obwohl er doch als Re-
bell gegen jede Freiheitsbeschränkung für mein wahres und würdi-
ges Leben aufgetreten ist. Insgeheim wünsche ich sogar, der To-
bende möge ausbrechen, obwohl ich ihn andererseits mit starken
Willensfäden angekettet habe an einem Ring aus Selbstironie, der
beweglich ist un ihm erlaubt, an der Kette im Kreis zu laufen.
Diese Ironie mische ich in alles, was mir gefährlich werden
könne, so wie man ein Gegengift in jeden Becher schüttet, den
man verdächtig findet. Sollte der Narr jemals ausbrechen wollen,
er würde doch, zwischen Tür und Angel, nur hilflos an der Kette
und dem Ring zerren, selbst wenn die Tür offen stünde. Welch ab-
scheulichen und lächerlichen Betrug wir mit uns selber treiben!
Jeannie Ebner, Tagebuch eines Verzauberten (1973)

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