Das Argojournal des Mittwochs, dem 24. Oktober 2012. Darinnen Argo (286): Abstrakte Hirnräume.

9.45 Uhr:
[Arbeitswohnung.]
Sitze seit Viertel vor sieben an der Argo-Wiederlektüre und habe ein kniffliges Denkproblem: einen logischen Fehler nämlich in der Handlung entdeckt, nur eine Kleinigkeit, aber eben knifflig. Deshalb werde ich heute hier nicht viel schreiben. Wahrscheinlich. Auch an Musik ist nicht ein entferntesten zu denken.
Abends Treffen mir einem nun auch schon nicht mehr g a n z jungen Kollegen, dessen Arbeit ich sehr schätze, mit dem mich aber auch eine teilgemeinsame Geschichte verbindet – bis hinein in die Literatur-direkt. Wir haben über zehn Jahre nicht mehr miteinander gesprochen. Jetzt ändert sich das.

Zurück in den Text.

10.48 Uhr:
>>> Sowas hält echt auf, rein formalisierenderweise, aber es geht ja auch um mein Buch. Dafür sagte eben der Freund ab, krankheitshalber, was mir nun wieder die Möglichkeit gibt, vielleicht doch mit der Re-Lektüre weiter heute voranzukommen, als mir das nach dem Gekniffel noch möglich zu sein schien. Das ich auch noch gar nicht ganz aufgelöst habe. Wie auch immer.
Und die Löwin kommt nun doch nicht am Freitag, bzw. Sonnabend. Termine, Termine, Termine. Alles ströme hinauf: Von abstrakten Reisen im Hirnraum habe ich eben geschrieben.

So auch soeben in Argo:

Jedenfalls wurde jemand ‚von außen’, der in ein anderes, eigentlich geschlossenes System eindrang, auch dessen Zeitstruktur unterworfen. Anfangs. Je mehr ‚von ihm‘ aber herüberkam, desto mehr griff das in diese Zeitstruktur ein: die Systeme wirken aufeinander; wenn er erst mal alleine bleibt, ist das anfangs aber kaum spürbar. Deshalb könnte es sein, daß, lebt er hier sieben Jahre und kehrte danach in seine Ursprungswelt zurück, dort kaum sieben Sekunden vorbei sind. Oder umge­kehrt. Das kann ein Leben ziemlich verkürzen. Subjektiv aber nicht. Da gibt es solche Verkürzungen nicht; der Proband würde nach wie vor seine siebzig, achtzig Jahre erleben. Dennoch wirkt seine Zeitstruktur auch auf die unsere. Das hatten die, ich sag einmal, versehentlichen Zwischengänger – Deters, Broglier – gezeigt. Das eigentlich gar nicht Erstaunliche war, daß sich die Zeitverläufe einander offenbar annäherten. Auch hier schien die Natur, ich nenne sie lieber Matrix, auf einen Ausgleich zuzustreben, in der Mechanik wie in der Kybernetik. Das Ineinan­derdocken zweier, dreier, vierer, unendlich vieler verschiedener Systeme setzt, so sah es aus, eine Art Justierung in Gang, die sie kompatibel macht. Was nichts ande­res bedeutet, als daß eben auch hier ein entropisches Gesetz wirkt, das einen Zustand des Zerfallenseins will, den uns in der Nebelkammer das Aufbehren all dieser letzten Teilchen vorführt. Es ist, dachte Cordes, insgesamt das Aufbegehren, ein letztes, aber dauerndes, was wir in der Nebelkammer beobachten können.
Genau das erfaßte des alten Herrn Jaschas trauriger Blick, als sie ein­ander begegneten, er von den Treppen zur Toilette herunter, Deters die Treppen zu ihr hinauf.

1 thought on “Das Argojournal des Mittwochs, dem 24. Oktober 2012. Darinnen Argo (286): Abstrakte Hirnräume.

  1. 10.30 Uhr. Das >>>> dort mußte ich, auch wenn es mich grad aufhält, noch eintragen. Ich werde >>>> aus einem der Essays lesen, auch wenn ich bezweifle, daß das bei dieser Gelegenheit sinnvoll ist, Vielleicht findet sich aber doch die eine und/oder der andere, denen auch spekulative Reisen, die abstrakt im Hirnraum stattfinden, Lust bereiten, auch wenn es um eine Gedanken-, nicht etwa Bildwelt geht.

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