Freitag, der 4. November 2005.

4.38 Uhr:
[Schostakovitsch, Präludien & Fugen. Jarrett.]
Glückstraum. „Ich liebe dich“, flüstert er ihr ins Ohr, und sie, sie antwortet, entfernt beginnen Berge zu rutschen, vor Sprachlosigkeit hält ganz Berlin den Atem an, und Menschen schrecken aus den Betten auf, weil derart Unwahrscheinliches geschieht: „Ich liebe Dich.“ Darüber im Schlafen eingeschlafen, eine Schicht tiefergeschlafen, und als ich dann erwachte – Argo. Anderswelt. 168 -, schenkte sich mir als erstes dieser Satz, mit dem ich von nun an den Vierten Teil ARGO beginnen lassen werde:

Man kann nicht sagen, Michaela Ungefugger habe ‚von dem Kuß empfangen’; aber sie kam neun Monate nach diesem Kuß nieder, und zwar g e n a u neun Monate, auf die Minute genau: Da war es bereits eine Seegeburt.

Ich habe mir diesen Satz nicht ausdenken müssen, er war die Frucht des tieferen Schlafs. Der Kitsch ist schon wahr: „Er schenkte sich mir.“ Dabei habe ich doch /?p=11921“ target=_blank“ onmouseover=“status=’Ich war also ein Parasit und habe darunter gelitten.‘;return true;“>>>>> am Dienstag von meinem Glück geschrieben, die Schlaflosigkeit nicht zu kennen. Nun lag ich die halbe Nacht wach, sah immer wieder auf den Wecker; ich war viel zur früh ins Bett gegangen, bereits um half elf, sturzmüde, möchte ich einmal sagen, und schlief auch >>>> nach zwei Seiten Lektüre ein, aber erwachte ein erstes mal um halb eins, dann wieder gegen halb drei, dann kam der tiefere Schlaf, und jetzt sitze ich, immerhin, püntklich am Schreibtisch, ziehe aber das Tagebuch vors DTs, damit ich den Traumsatz nicht verliere. Und bin für zwei Stunden wieder Familie gewesen.


(Ach, und die linke


Ferse meines Sohnes, die, fußsöhlchen-


oben, aus der Decke schaute!)


Der Kleine ist heute nachmittag mit seiner Schule zu einer KinderRevue; weshalb nicht? sag ich mir, der ich vor dreivier Jahren noch aggressiv reagiert hätte, hätte man ihn pädagogischerseits mit Schundmusik prägen wollen. Unterdessen akzeptiere ja selbst ich den musikalischen trash, auch wenn ich selbst sehr sehr gücklich bin, darf ich in die Höhen und Kühlen der Neuen Musik zurück oder in die glühenden Leidenschaften durchgewalkter, durchkämpfter Partituren. – Jedenfalls gibt mir des Kleinen MusicalBesuch zwei Arbeitsstunden mehr.




[Ewige Versuche, ins Netz zu kommen; irgend etwas hat sich mein Laptop da wieder einfangen. T-online startet, sagt auch, es sei verbunden, aber es stellt sich keine Verbindung h e r. Und nach zweidrei Versuchen schaltet sich T-online von allein wieder aus. Bislang funktionierte es aber nach dreivier Versuchen; unterdessen bin ich bei an die zehn Versuchen und mehr gelandet, und es tut sich immer noch nichts.


5.35 Uhr:


Jetzt hab ich firewall und Anti-Vir-Guard ausgeschaltet und kam anstandslos ins Netz. Dann hab ich beides wieder gestartet. Also ick weeß ja nich!]





7.15 Uhr:

8.15 Uhr:


>>>> Nils Petter Molvaer, Solid Ether.




12.24 Uhr:


Es scheint so etwas zu geben wie eine Eigenfrequenz des Körpers. Haben nämlich meine Knie vorgestern behauptet, 8,5 km Laufen täglich seien an Belastung zuviel, so stellt sich heute heraus, es handelt sich offenbar eher um die Geschwindigkeit als die Dauer. Jedenfalls begannen die Knie zu schmerzen, wenn ich, etwa um zu überholen, ‚aufdrehte’, und hörten sofort zu schmerzen auf, fiel ich in die alte Geschwindigkeit zurück. Allmählich schälte sich eine g u t e Geschwindigkeit heraus, wenn ich das Gefühl bekam, im federnd-trottenden Schritt eines schnürenden Hundes zu laufen: flink, aber ohne jede Eile, da es kein Ziel gibt. Unterm Strich lief ich allerdings ebenso schnell wie vorgestern, also bisherige Bestzeit, nur kontinuierlich, ohne Beschleunigung, ohne langsamere Phasen:: eigenfrequent, wie vermutet und getippt.


(Hanteln zur Zeit und dann schnell ab unter die Dusche und zum Essen mit Delf Schmidt.)



16.45 Uhr:

Beim Mittagessen nennt Delf Schmidt Thor Kunkel, Helmut Krausser und mich das Trio infernal der Gegenwartsliteratur. *Lacht noch immer. Und hier >>>> eine anhebende Diskussion über Pornographie, die ausgerechnet d a ernst wird, wo ich ausnahmsweise polemisch über sie schrieb. Ansonsten Formalkram, Überweisungen, Vertrag wegen morgen abend (ich brauch das Geld in bar; das scheint aber Probleme zu bereiten), zu erledigende Post… in einer dreiviertel Stunde hol ich meinen Jungen ab. Es ist wichtig, das eine immer ans andere zu binden und die Trennungen eben n i c h t mitzuspielen.




19.22 Uhr:


[Bloch, Suiten für Cello solo.]


Wahnsinnig schön: F l u t e n aus Kindern, die durch das Glasportal des Friedrichstadtpalastes strömen quellen sich verfließen. Welch ein Rufen, welch ein Sirren Kreischen Lachen, solch ein Taumel! Ich steh mit der linken Schulter an eine Glastür gelehnt, auf meinen Jungen wartend, und k a n n nicht anders: muß lächeln und lächeln vor Glück.

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3 Responses to Freitag, der 4. November 2005.

  1. Avatar hab sagt:

    lieber anh, könnten sie noch ein </sub> hinter den letzten link dieses beitrags (>>>> Nils Petter Molvaer, Solid Ether.) einflechten? die unvollständige codierung hat ganz eigene effekte auf >>> litblogs.net. ein fehler der seite, den ich bislang noch nicht entdeckt hatte (und auch nicht wüsste, wie das zu ändern wäre) … merci! (ein interessanter manipulations-aspekt, anyway)

    dieser kommentar darf natürlich gerne gelöscht werden …

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