Totalität und Zufall. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (56).

Wir fügen nunmehr, um dem moralischen Gesetz der externen Verlinkung, also einer normierten Erwartung zu genügen, den >>>> verborgenen sowie den ausgewiesenen Links, die in einem gewollten Sinnzusammenhang zu den jeweiligen Texten oder Textstellen stehen, weitere Links hinzu, welche k e i n e n sinnvollen Bezug zu dem entsprechenden Beitrag haben – jedenfalls keinen, der als sinnvoll intendiert ist. Vielmehr wird auf Zufälligkeiten gesetzt und darauf, es stelle sich im Wege der Collage ein Sinn her, der ganz außerhalb jeder Planung liegt oder überhaupt erst durch den Leser und seine Rezeptiondynamik hergestellt wird. Dadurch wird zum einen der ästhetische Anspruch auf Totalität (und also >>>> künstlerische Abgeschlossenheit=Vollendung) befriedigt wie andererseits gerade unterlaufen und unmöglich gemacht: der unauflösbare Widerspruch wird Form. Denn über den Zufall läßt sich nicht verhandeln; >>>> er geschieht, wobei er möglicherweise nichts als eine Perspektive ist, als ästhetischer S c h e i n, unter dem etwas ganz anderes wirkt. Doch als Schein ernstgenommen (für welche Notwendigkeit wirkästhetisch nicht weniges spricht), werden die Links eines Literarischen Weblogs bisweilen sichtbar sein, wieder >>>>> bisweilen nicht, je nach Gutdünken u n d Notwendigkeit. Wären wir weiter, als wir sind, ließen wir unsere Leser zwar nicht selber Beiträge schreiben, wohl aber eigene Links in die Texte setzen und Dschungellinks entweder unsichtbar oder sichtbar machen, bzw. ergänzen. Dann ergäbe sich ein InterpretationsNetz ganz eigener und vielstgestaltiger Art, das es erlaubte, verschiedene Lesarten eines Textes ihrerseits zur Grundlage dieses Textes zu machen: er entwickelte* sich.

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>>>> Dritter Zwischenbefund




*) Das ist ein Konjunktiv.

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7 Responses to Totalität und Zufall. Kleine Theorie des Literarischen Bloggens (56).

  1. glagolica sagt:

    Begriff „anthropologische Kehre“* von Alaban Nikolai Herbst „geprägt“? … da sind Martin Heidegger und Karl Rahner davor ….

    * Zitat aus dem Vortrag:
    „An dieser Stelle gewinnt ein Begriff an Bedeutung, den ich vor anderthalb Jahren prägte und den näher und genauer zu fassen ich seither bestrebt bin: die anthropologische Kehre. “

    • Das wußte ich nicht. Wo findet sich der Begriff bei den beiden? Für entsprechenden Hinweis wäre ich wirklich dankbar. Schon, um nicht politisch in ein falsches Fahrwasser geleitet zu werden. Sie sind der erste, der mich darauf aufmerksam macht. Wichtig, da ich im Dezember an der Universität Siegen einen Vortrag zu dem Thema halten werde.

    • glagolica sagt:

      Lieber Alban Nikolai Herbst, leider kann ich Ihnen dazu jetzt keine akademisch korrekten
      Zitathinweise geben.
      Vor anderhalb Jahrzehnten habe ich mich mit dem Thema im Rahmen meines Essays „Rückwärts in die Zukunft“ auseinandergesetzt,
      Zeit, meine alten Exerptezettel zu suchen, finde ich z.Zt. leider nicht.

      Weiterhin eine kreative Zeit in Stuttgart
      wünsche ich Ihnen.

      g.

    • Dann werde ich das als Wähnung entsprechend in den Vortrag einbauen. Bislang fand ich den Begriff ‚anthropologische Kehre‘ in d i e s e r Formulierung auch im Netz nur von mir verwendet und geprägt. (Es soll mir nicht drauf ankommen, ich würde auch an einen Fremdgedanken anschließen, wollte das dann aber ausweisen und entsprechend modifizieren.)

    • Rainer Zufall sagt:

      MARTIN HEIDEGGER: DIE TECHNIK UND DIE KEHRE Fünfte Auflage 1982.
      (c)Verlag Günther Neske Pfullingen 1962
      ISBN 3788510782

    • Danke. Da steht wörtlich „anthropologische Kehre“ drin? – Irre. Wird besorgt.

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