Sonnabend, der 4. März 2006.

13 Uhr:
[Bach, Dritte Orchestersuite. DänenNetzRadio.]
An Arbeit ist noch immer nicht zu denken. Konzentrationsmangel, der aus dem Nachhall von SAN MICHELE rührt. Aber langsam fange ich an, mich wieder zu normalisieren. Und immerhin hat mein akuter TestosteronSchub dazu geführt, daß ich mal wieder ‚kontaktet’ und auch sofort jemanden ‚getroffen’ habe, die ich nun am Montag vormittag in einem Café am Potsdamer Platz sehen werde. Ideale Voraussetzungen imgrunde: Eine schöne Frau mit Kindern in einer festen Beziehung, die sie auf keinen Fall verlassen will. Das erzählte sie, nachdem ich meinerseits von Lakshmi erzählt und angedeutet hatte, für wen mein Herz weiterhin voll schlägt und daß ich mich aber auch sofort für s i e entscheiden würde, gäbe es diese Möglichkeit einer Wahl. Es ist eine Frage der Fairness, so etwas gleich vor einem möglichen Beginn klarzustellen, und zwar mit aller Unbedingtheit, die das Gefühl verlangt. Dann sind, bevor eine Affaire auch nur anhebt, die emotionalen Konditionen abgesteckt. Daß ich dabei ins Risiko laufe, daß sich die Frau besser gar nicht erst einläßt, habe ich zu tragen. Andererseits geht es nicht, asketisch zu leben; es wäre zutiefst lebensfeindlich und würde auch krank machen. Wiederum sperrt sich alles in mir, Dienstleistungen von Prostituierten in Anspruch zu nehmen; ich g e b e auch etwas, dafür dann bezahlen zu sollen, wäre ebenfalls ziemlich absurd. Jedenfalls bewegen sich meine Tätigkeiten seit vorgestern fast ausschließlich in d i e s e m Bereich. Sowie ich zurück in der Arbeit sein werde, wird sich das eh erledigt haben. (Daß diese Frau blond ist, übrigens, wird wiederum m i c h sichern: in blonde Frauen habe ich mich kaum je verliebt, und g eliebt habe ich eine blonde Frau noch nie.)

Mein Junge ist fort für den Nachmittag und die Nacht. Seltsam schmerzlich ist mir das, andererseits für ihn ganz ganz toll. Nun hat er in seiner Klasse endlich einen Freund gefunden. Vorhin hab ich meinen Jungen hinübergebracht, noch etwas am Küchentisch mit den Eltern geplaudert – sie haben insgesamt vier Jungs -, und nun sitze ich am Küchentisch meiner Kinderwohnung und trage endlich einmal wieder etwas in Die Dschungel ein. Bin fahrig, werde nachmittags an VERBEEN gehen und erst einmal rekapitulierend lesen, was bisher feststeht. Und am Abend? Ach je, wüßt’ ich’s nur! (Gestern nacht sahen Katanga und ich einen Spielfilm über einen in die ETA eingeschleusten Maulwurf, >>>> „El lobo“. Ich hatte die DVD eigentlich nur deshalb ausgesucht, weil mein Vater in seinen letzten Jahren so genannt wurde, als er völlig zurückzogen, man kann sagen: stumm, inmitten der mallorcinischen Steinwüste nahe Cas Concos lebte, bis er dann sechzigjährig starb: Man fand ihn tot vorm Eingang seiner einfachsten Finca. – Und, „El lobo“, also der Film: Eine große Szene gab es darin:: Die junge Frau verführt den Maulwurf, sehr zielgerichtet, sehr rigoros. Und nimmt seinen rechten Ringfinger zwischen die Lippen, spielt eine symbolische Fellatio, zieht dabei mit den Zähnen seinen Ehering ab und spuckt ihn auf den Bootssteg. Eindrucksvoll.)

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