Die Rose, ein Haus, das Tor und der Wind

drei Karten auf der gekachelten Fläche
zwei Zigaretten, halb die Sehnsucht
ein klassizistisches Gedicht
und der kleine Fuß einer Frau in der Bahn
(gazellig im Pumps, hoch und schmal ist der Absatz,
in den Läufen von Antilopen verborgen
die Säulen kommender Gravidität:)

ein Sandwich und die Fotografie
versprochenen Glücks
das nicht uns meint:

so schmal auf dem Tischchen nahe dem Tor
liegt noch die Rose zum Wein unterm Wind

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3 Responses to Die Rose, ein Haus, das Tor und der Wind

  1. Avatar Prunier says:

    Danke ! ein sehr feines, erstaunliches Gedicht !!!
    eine Pracht, wo die alltäglichen Wörter sublimiert werden…. nein, nicht die alltäglichen Wörter, sondern die alltäglichen Sachen, die Dinge, die Leute, wie wir sie erleben.
    Recht vielen Dank, dass Sie unseren Alltag wieder zauberhaft machen….

    und die Infragestellung des Gedichts selbst ! Ein Wunder !

    Demnächst werde ich es auf Französisch übersetzen, nicht damit die französischen Leser es lesen können, aber zuerst, weil ich mich das Gedicht anvertrauen will. Aus reinen egoïstischen Gründen.

    • Geben Sie’s, lieber Prunier, aber dann noch nicht offiziell hinaus. Hier in Dir Dschungel können Sie eine Übersetzung freilich schon gern stellen, nur bitte nicht anderswo publizieren. Und zwar einfach deshalb nicht, weil mir das Gedciht noch nicht fertig zu sein scheint; ich brauche da noch einen Blick, der den Damenpumps mit der Ausgangssituation verbindet. N u r der Blick aus dem Zugfenster, wie ich einen >>>> hier beschreibe, ist dafür nicht dienlich, da die „drei Karten“ zu klein sind, um aus der Ferne zumal in schnellem Vorüberfahren poetologisch glaubhaft zu sein. Dabei spielt die „drei“ selbstverständlich auch wieder auf >>>> die Engel an. Auch dieses leise-Ungeheure hätte ich gerne verdeutlich.
      Die Zeile „ein klassizistisches Gedicht“ kam mir übrigens vorgestern abend, als ich, immer noch nicht mit dem Textchen recht weitergekommen, zu Bett ging. Ich notierte sie schnell, nur sie, dann schlief ich ein und wußte, daß der Knoten gelöst war. (Auch wenn ich jetzt mit „versprochenen Glücks/das nicht uns meint“ noch gar nicht zufrieden bin.)

      P.S.:
      Das Gedicht scheint mir, übrigens, vor allem von seinem Titel zu leben. Was ich ganz ganz seltsam finde und worüber ich noch sehr nachdenken muß. Ich hatte ein paarmal das Gefühl, daß der Titel allein ausreiche, um schon, was man bildlich erzählen möchte, ganz und gar klarsein zu lassen. Seltsam, wirklich.

  2. Avatar Prunier says:

    Ich verstehe Ihre Bedenken und respektiere sie: hier ein Versuch, nicht mehr La rose, une maison, le portail et le vent

    trois cartes sur la surface carrelée
    deux cigarettes, cette moitié de nostalgie
    un poème néo-classique
    et le pied menu d’une femme dans le compartiment
    (telle une gazelle en escarpins, le talon fin, élancé,
    celées dans lesjambes des antilopes
    ces colonnes de gravidité à venir:)

    un sandwich et la photographie
    d’un bonheur promis
    qui n’est pas pour nous:

    toute fine sur la tablette près du portail
    gît encore la rose avec le vin sous le vent

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