Zu Thomas Pynchon. Against the Day. Dietmar Dath. Mailwechsel mit LH.

LHHeute in der FAZ: >>>> Dietmar Dath über Pynchon. Großartig.ANHIch sprach gerade mit Delf Schmidt darüber. Das Problem besteht darin, daß eigentlich noch keiner das Buch wirklich gelesen haben kann. UND, vor allem: die deutsche Ausgabe (der Übersetzer hockt dran und ist erst auf den ersten Seiten!) wird, wenn die Leute dazu übergehen, die Originalausgaben bis zu zwei Jahren vor Erscheinen der deutschen Ausgabe zu besprechen, KEINE BESPRECHUNGEN MEHR BEKOMMEN. Das wird auf Dauer für die Verlage dazu führen, Übersetzungswagnisse wie bei Pynchon nicht mehr einzugehen. Man wird dann immer im Original lesen müssen. Was im Fall Pynchons nur sehr wenigen Englisch-Kennern möglich ist. Die US-amerikanischen Kritiken seien bislang durchweg hilflos und drückten das, so Delf Schmidt, auch aus: es sei ein derart schwieriges Englisch! Also welchem deutschen Leser erschließt sich das dann noch? Eine Übersetzung ist deshalb dringend nötig, aber sie wird dann nicht mehr wahrgenommen im Rahmen dieser Feuilleton-Politik.
P.S.:
Übrigens, Delf Schmidt wörtlich: „Sie schreiben alle bei den US-Kritiken ab, nahezu im Wortlaut.“ Inwieweit das bei Dath zutrifft, was ich bei ihm allerdings nicht glaube, kann ich dennoch nicht wirklich entscheiden – und auch kein anderer, der nicht wenigstens die US-Kritiken kennt und sowieso den Roman selber im Original gelesen hat. Genau hier liegt ein weiteres enormes Problem: der Leser muß glauben.

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30 Kommentare zu Zu Thomas Pynchon. Against the Day. Dietmar Dath. Mailwechsel mit LH.

  1. Lutz Hesse sagt:

    der Leser muß glauben Dietmar Dath schätze ich vor allem wegen seiner Originalität und bin recht sicher, dass er es gelesen hat.

    • Dieses selbst einmal voraussetzend zugestanden. Nimmt es dem Grundproblem nichts: Die meisten Leser sind von einer Überprüfung ausgeschlossen. Und der ’neue Pynchon‘ gilt als besprochen. Für den deutschsprachigen Buchmarkt, wenn denn die Übersetzung erschienen sein wird in ein bis zwei Jahren, ist das verheerend. Die Grundhaltung ist absolut elitär, gerade bei Hoch- und Kunstsprachlern wie Pynchon; das liest sich nicht mal ’so eben‘ mit einem Englisch für den Allgemeingebrauch… Letztlich geht es also gar nicht mehr darum, auf einen Roman Lust zu machen, sondern darum, daß über ihn gesprochen wurde, man hat ein abstact zur Hand, kann mitreden – und gut ist’s. – S c h l e c h t ist’s!

      (Freilich kann die Haltung a u c h bedeuten wollen: Leser, kehre Dich von Deiner eigenen Sprache ab und akzeptiere endlich, daß wir in fünfzig Jahren nur noch US-Amerikanisch sprechen werden. Mach da mit! Verrate Deine Kultur!)

    • montgelas sagt:

      Die Diskussion darüber wurde bereits von den Nasenbohrern der Sprachgesellschaften des 17.Jahrhunderts geführt. Ihre Wendung gegen alles Französische war einerseits hilfreich für die Entwicklung deutscher Literatur und Wissenschaft, andererseits wurden sie als Vorbilder und deutschnationale Patrioten in der NS -Zeit missbraucht. Gottsched hatte nicht immer Unrecht und Lessing nicht immer Recht, betrachtet man die damaligen Streitereien aus heutiger Sicht. Das absurde Hochjubeln deutscher Kultur und Wissenschaft gipfelte in Philip Lenards vierbändigem Werk von 1936/37, „Deutsche Physik“. Ich bedaure auch den Sprachverlust in der deutschen Literatur, keine Frage, halte aber die Impulse die Pynchon und andere in unsre enge Welt geben für absolut notwendig. Wo Entwicklung ist, ist auch Abschied und Neubeginn. Sie selbst, lieber ANH, sind lebendes Beispiel. Viele ihrer Arbeiten verdanken ihre Schönheit und ihren Spannungsreichtum der Tatsache, dass sie nicht am Nationellen kleben. Bei Ihnen, um die Romantik als Beispiel zu nehmen, ist viel mehr Mary Shelley,als E.T.Hoffmann mitzudenken, meine ich. Von den „Neueren“ wie Borges, Aragon und Pynchon u.a. ganz zu schweigen. Ihre Originalität, ANH, besteht ja gerade darin, dass sie die Genannten für sich fruchtbar machten und Neues schufen.

    • @montgelas. Einverstanden bis auf ein eminentes Partikelchen. Und das betrifft die „Moral des Siegers“: Ich muß dringend an die Erzählung eines befeundeten Universitätsprofessors erinnern, derzufolge intenationale GermanistenSymposien an deutschen Universitäten unterdessen in Englisch abgehalten werden; einzig ein französischer (!) Germanist sei auf sehr gut herablassende Weise daraus ausgeschert, indem er – als einziger – auf Deutsch vortrug.
      Das besagt überhaupt nichts gegen Pynchon; immerhin gehöre gerade ich zu seinen begeistertsten und fast erbittertsten Lesern. Ich werde aber zu meinen Lebzeiten nicht mehr fähig werden, ihn im Original zu lesen, ich werde, das nämlich müßte man dann a u c h, ebenso wenig die großen Franzosen, Italiener, Russen im Original lesen können, sondern damit beschäftigt sein, meine eigene Sprache weiterzuentwickeln. Es wäre für mich – und für die europäische Kultur – ungeheuer, gingen wir der Übersetzungen schließlich verloren – und unseren Kindern ginge die eigene Herkunft und Sprache verloren, die – das ist ganz entschieden gesagt – n i c h t von Hitler stammt und mit ihm auch nicht ihr Ende genommen hat. Ihr Ende wird sie aber möglicherweise durch die Kulturindustrie nehmen, und die ist weitgehend US-amerikanisch dominiert. Und also – militärisch. (1/5 jedes auch noch so kleinen US-Unternehmens, das gilt auch für Tante-Emma-Läden, ist qua Aktienfonds-Sicherung direkt mit dem Militär assoziiert. Also mit dem – Krieg.)

    • montgelas sagt:

      Kapitalismus lebt von der Konkurrenz und Konkurrenz, in ihrer schlimmsten Form, heißt Krieg, gleich in welchen
      geographischen oder kulturellen Bezirken er geplant, ausgelöst und geführt wird. Und Konkurrenz ist es, um zur Literatur zurück zu kommen, die Übersetzungen ins Deutsche so schludrig und hingeworfen macht. Der Zeitgeist, auch der deutsche, will es schnell und bequem, darin unterscheidet er sich nicht vom Amerikanischen. Und ich bin fast sicher, dass das , was sie „Moral der Sieger“ nennen nichts weiter ist, als die subalterne Moral, die die Deutschen gern pflegen.

    • a. sagt:

      Internationale… …Symposien werden sicher in erster Linie aus praktischen Gründen (Herkunft der Teilnehmer, Veröffentlichungssprache) auf Englisch abgehalten. Dass der französische Germanist dort auf Deutsch sprach, könnte auch bedeuten, dass er nicht so gut Englisch kann. Nach meiner Erfahrung sind diejenigen, die eine einzelne Sprache und/oder die dazugehörige Literatur erforschen, nicht immer in der Lage, sich problemlos in dieser Sprache zu verständigen (es sei denn, es handelt sich zufällig um die eigene Muttersprache). Gleichzeitig sind sie vielleicht Spitzenforscher auf ihrem Gebiet. Ein isländischer Isländisch-Forscher würde niemals von internationalen Teilnehmern eines Isländisch-Kongresses in Island erwarten, dass generell auf Isländisch gesprochen wird.

    • Wie man eine anders- als eigensprachige Literatur erforschen kann, wenn man sie nicht spricht. Wird mir immer ein Rätsel bleiben.

      Nein, der französische Wissenschaftler sprach vorzüglich Englisch. Sein deutschspachiger Beitrag war ein Ausdruck des Respekts vor der Sprache seines wissenschaftlichen Interesses und ein Ausdruck einer e u r o p ä i s c h e n Haltung, die nicht bereit ist, vor den USA zu kriechen. Im übrigen, spräche ich nicht etwa perfekt Englisch, ich würde mit die Peinlichkeit nicht zufügen wollen, mich einen Anglisten zu nennen. Die Sachverhalte in d e r Hinsicht sind, a., einfach. Es geht hier tatsächlich um einen nicht nur schleichenden, sondern galoppierenden Kulturimperialismus, denen sich gerade die Deutschen nur allzu gerne untersklaven möchten. Guantànamo hin, Guantànamo her.

      Stellen Sie sich einfach vor, Sie reisten als Romanistin nach Südamerika auf einen Romanistenkongreß speziell zur südamerkanischen Literatur und sprächen nicht Spanisch, bzw. Portugiesisch…

    • montgelas sagt:

      Interessieren würde mich ob der verehrende Respekt, den die Russen gegenüber der deutschen Kultur zum Ausdruck bringen , ähnlich in den USA herrscht.

    • a. sagt:

      Zu Ihrer… …Überschrift, ANH: Zwischen „nicht sprechen“ (wie Sie sagten) und „nicht immer in der Lage [sein], sich problemlos in dieser Sprache zu verständigen“ (sagte ich) ist noch viel Platz. Sicher wird es keinen Philologen von Rang geben, der die Sprache seines Forschungsgebietes kein bisschen spricht.

      Zu dem Deutsch sprechenden französischen Germanisten: „(…) Ausdruck des Respekts vor der Sprache seines wissenschaftlichen Interesses und ein Ausdruck einer e u r o p ä i s c h e n Haltung, die nicht bereit ist, vor den USA zu kriechen.“
      In welches Licht rücken Sie denn damit die anderen Teilnehmer der Veranstaltung? (Auf der ich gar nicht war, aber von der ich vermute, dass dort außer dem französischen Wissenschaftler – kann es Respekt vor den einen nur bei gleichzeitiger „sehr gut herablassender Weise“ gegenüber den anderen geben? – nicht nur Hamburger mampfende Hiphopper herumliefen.)

      „Im übrigen, spräche ich nicht etwa perfekt Englisch, ich würde mit die Peinlichkeit nicht zufügen wollen, mich einen Anglisten zu nennen.“
      Schon bei Romanistik wird’s schwierig(er): Darf man romanische Sprachen nur dann erforschen, wenn man „kongressreif“ Sardisch oder Rätoromanisch spricht?

      „Die Sachverhalte in d e r Hinsicht sind, a., einfach. Es geht hier tatsächlich um einen nicht nur schleichenden, sondern galoppierenden Kulturimperialismus, denen sich gerade die Deutschen nur allzu gerne untersklaven möchten.“
      So gesehen sind die Sachverhalte wirklich „einfach“, seufz. Manchmal erinnern Sie mich an meine Großeltern, die in ähnlicher Weise redeten, wenn wir Kinder mal verschämt ein Kaugummi kauten.

    • @ a. lacht auf. Ja, da erwischen Sie mich, da bin ich wirklich, wie Ihre Großeltern offenbar waren; das Problem ist, daß sich meine Vorurteile gegen die USA in meiner dortigen Zeit in Urteile verwandelt haben; und das in New York City, nicht etwa im Mittelwesten. Mir war das gar nicht recht. Selbstverständlich nehme ich einige Menschen der USA aus, gar keine Frage, aber im großen und ganzen bin ich USA-Hasser – schon deshalb, weil immer von „Amerika“ gesprochen wird, wenn doch nur diese USA gemeint sind, von denen nach Hitler die meisten Kriegsgreuel ausgingen. Und vergessen Sie nicht, daß man dort einen Präsidenten g e w ä h l t hat, der auch heute, jetzt, in diesem Moment, das Völkerrecht mit Füßen tritt. Ein Land, das sich weigert, sich selbst einer Weltgerichtsbarkeit zu unterstellen, zugleich aber den Anspruch hat, Weltpolizei zu sein und diesen Anspruch auch mit brutalster Waffengewalt durchsetzt. Und irgend jemand m u ß Bush ja gewählt haben. (Ich bin, um vor der eigenen Haustür zu kehren, auch kein Freund des Begriffes „Machtergreifung“, auch das verwischt; auch Hitler – ohne jetzt Bush mit ihm vergleichen zu wollen, da s i n d, den Göttinnen sei es gedankt, Unterschiede – ist g e w ä h l t worden und hatte über fast seine gesamte furchtbare Regierungszeit zumindest eine schweigende Mehrheit hinter sich. Ob die aus Feigheit schwieg, ist mir da schnurzpiepsegal. Ja, ich bin USA-Hasser. Wobei „Haß“ zuviel ausdrückt: das Land ekelt mich – das trifft’s genauer. Die großen Kulturleistungen dort, vor allem der schwarze Jazz, stammen von in diesem Land Unterdrückten, aus der Widerstandsbewegung heraus. Das ist zu achten und zu bewundern. Aber nur dort, wo es Widerstand ist und nicht auf Massenwirksamkeit und Absatz angelegte Kulturindustrie.
      Ich meine, wir sollten e u r o p ä i s c h fühlen lernen; dazu gehört die ganze Vielfalt unserer Kulturen, gehören auch unsere unterschiedlichen Sprachigkeiten, dazu gehört der Orient, dem unsere Kultur ungeheuer viel verdankt, dazu gehört die lange lange Geschichte des gesamten Mittelmeerraums. Dazu gehören n i c h t die USA.

    • „Darf man romanische Sprachen nur dann erforschen, wenn man „kongressreif“ Sardisch oder Rätoromanisch spricht?“ Wenn man Sardisch erforscht, dann ganz gewiß. Und wenn man Rätoromanisch spricht, ebenfalls. Zumal wenn ein solcher Kongreß am Ort der Sprache stattfindet. Wer Sardisch erforscht, wird drum auch nicht nach Südamerika auf einen Kongreß über südamerikanische Literatur fahren. Was soll er da? Und wenn, ist er Einzelerscheinung und hält keine offiziellen Vorträge.

      (Ich verstehe überhaupt nicht, weshalb Sie das, was täglich vor unseren Augen geschieht, derart verleugnen wollen? Selbst Bäckereien hängen in Berlin morgens unterdessen Schilder hinaus, auf denen „open“ steht, nicht etwa „geöffnet“. In einer Garnisonsstadt voller US-Soldaten würde ich sowas noch verstehen. Auf dem Prenzlauer Berg aber spricht es eine andere Sprache.)

    • a. sagt:

      Das Problem mit meinen Großeltern… …ist, dass sie glühende Nazis waren, bis ins Grab. Deswegen konnte ihr geifernder Antiamerikanismus mich nie recht überzeugen.

      Solange mich niemand zu einem bestimmten Sprachgebrauch zwingt, fühle ich mich nicht imperialistisch bedrängt. „Open“ vor der Bäckerei finde ich höchstens albern, aber nicht abendlandgefährdend. Dafür, um in Berlin zu bleiben, nennt Judith Holofernes von Wir sind Helden ihr neues Baby Friedrich. Hier in der Provinz ist die Bäckerei noch „geöffnet“, aber russlanddeutsche Söhne heißen Kevin.

    • 1) Ich geifer nicht, a. 2) Daß ein Nazi etwas nicht mochte, heißt nicht, daß er nicht in einem Punkt auch mal recht gehabt haben kann. 3) Auch Adorno, sicher k e i n Nazi, hat die USA verabscheut.
      4) Es waren ja gerade die furchtbaren Hitlerjahre, die dem US-Imperialismus den Boden bereitet haben. Die Nazis haben alte Werte diskriminiert; letztlich haben s i e sie zerstört. Darauf ließ es sich dann aufbauen, mitsamt Persilscheinen für Menschenrechtsverbrecher wie Wernher von Braun und GeStaPo-Leuten, die in den USA die CIA perfektionierten 5) Die USA griffen in den Zweiten Weltkrieg ein, als es ’nur‘ noch um die Verteilung der Kriegsbeute ging – nämlich um Land. Von den Lager-Greueln wußten sie über die geheimen Deutschlandberichte lange vorher.

    • a. sagt:

      Ich sagte, dass… …meine Großeltern geiferten, nicht Sie. Zu 2) Das stimmt. Trotzdem fand ich meine Großeltern in dieser Hinsicht abstoßend.

    • @ a) zu 2) Das kann ich verstehen, und es wäre mir sicher nicht anders gegangen. Bei mir im Hause herrschte aber USA-Bewunderung bis -Hörigkeit. Mein Name scheint etwas anderes nahezulegen, aber bei uns feierte alles „die Befreier“, und niemand war sich klar darüber – und w o l l t e sich klar darüber sein -, was hinter dieser „Befreiung“ tatsächlich stand. Daß auch die USSR zu den, wenn schon, Befreiern gehörte, wurde nachgerade verdrängt, die waren „der furchtbare Russe“, egal, was die Deutschen ihnen zuvor angetan hatten; die Engländer wurden liebevoll.spöttisch, fast abfällig, „Tommies“ genannt, und Frankreich kam quasi nicht vor. Der Gründungsakt der USA – Völkermord an Indianern und Naturmord an deren Lebensgrundlage aus Daffke – wurde lächelnd benickt; da war also ganz ebenso „Volk ohne Raum“, das ein anderes verdrängte, stillschweigend akzeptiert. Und so ist es, das mein Eindruck, bis heute geblieben.

      Das Problem besteht, glaube ich, darin, daß ein Angriff auf die USA auch einen Angriff auf die prägenden Erwachsenenjahre meiner Generation bedeutet, also einen Angriff aufs eigene Selbstverständnis. Das wurde durch den frühen Pop bestimmt. Es war in meiner Jugend einige Zeit lang nicht möglich, „Ich liebe Dich“ zu sagen (das war dem Schlager vorbehalten); man sagte lieber „I love you“. Beim Nächsten!

    • a. sagt:

      Erstaunlich Gerade lese ich bei Spiegel Online diesen Artikel hier: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,453332,00.html

      Darin dieser Satz:

      „Es muss also keineswegs ein „geifernder Antiamerikanismus“ dahinterstecken, wenn jemand dem Internationalismus in seiner neokonservativen Spielart – Weltverbesserung durch Demokratie-Export – kritisch gegenübersteht.“

      Als hätte der Autor auf die hiesige Diskussion Bezug genommen, setzt er „geifernder Antiamerikanismus“ in Anführungszeichen. Innerhalb des Artikels gibt es nämlich keinen Hinweis darauf, wer das gesagt hat oder wo das gesagt wurde. Klar stehen Anführungszeichen nicht immer für ein Zitat, aber wofür dann in diesem Fall? Es ist auch nicht so, dass „geifernder Antiamerikanismus“ ein feststehender Begriff wäre: 0 Treffer bei google. *grübel*

  2. parallalie sagt:

    danke für den hinweis! leider fehlt der durch die pfeile suggerierte link. wer’s dennoch wagen will, das original zu lesen, mag vielleicht hier hilfe finden:

    http://against-the-day.pynchonwiki.com/wiki/index.php?title=Main_Page

  3. montgelas sagt:

    Der Link zur FAZ : Dath/Pynchon Der L i n k zur FAZ – Dath/Pynchon .

  4. rostschleifer sagt:

    sehr interessante diskussion … doch wäre es angebracht gewesen, nach
    erscheinen von „zettels traum“ in
    kulturpessimismus zu verfallen, weil
    ihn kaum einer versteht? wohl kaum!

    pynchon ist ein nischenprogramm,
    und ihm scheint es bewusst zu sein.

    ob viel und kompliziert zu schreiben
    ein hinreichender hinweis auf
    genialität ist, darf gerne
    bezweifelt werden.

    • parallalie sagt:

      @montgelas
      endlich konnte ich den artikel lesen!
      @allgemein
      ich werde das gefühl nicht los, als sei man der auffassung, aller wert der literatur hinge von der kritik ab, die in den zeitungen steht. so jedenfalls die befürchtung, es werde niemand mehr darüber reden, wenn die übersetzung dann irgendwann einmal fertig sein wird. um die zeitungskritiken wird sich morgen eh‘ keiner mehr scheren. wobei ich dem Dath-artikel durchaus dankbar bin, weil er mir das buch näher gebracht hat. aber wäre HIER nicht die rede von Pynchons neuem roman gewesen, ich hätte nicht einmal gewußt, daß es einen neuen roman von Pynchon gibt. (vielleicht hätte ich ihn dann bei Feltrinelli in Rom entdeckt, wie einst den Mason & Dixon). bleibendes lebt auch ohne literaturkritik. und manchmal haben auch übersetzungen ihre besprechungen. Wollschläger und der „Ulysses“ z.B. ausnahmen. natürlich. aber es geht um ausnahmen in der welt der literatur.
      und: fragt sich denn keiner, was die chinesen machen auf dem gebiete der literatur? scheinbar nicht. chinesisch läßt sich nicht mal querlesen.
      und zu
      @rostschleifer
      ob wenig und einfach zu schreiben
      ein hinreichender hinweis auf
      genialität ist, darf gerne
      bezweifelt werden…
      so? vielleicht? „bezweifeln“ heißt „nein“ in seinem grunde… warum nicht: hinterfragen? und so ein begriff wie „nischenprogramm“ klingt sehr nach marketing. ich glaube nicht, daß hier werte gemeint sind, die sich irgendwo an irgendwelchen ecken dealen lassen.

    • rostschleifer sagt:

      @parallalie hinterfragen liegt mir nicht.

      soll das ein ergebnisoffenes
      bezweifeln sein? wieso sollte
      ich etwas hinterfragen, wenn
      ich keine zweifel hätte?

      und ich habe zweifel, ob es
      das wort hinterfragen
      überhaupt gibt! vielleicht
      haben das die 68er erfunden?

      ach so: nischenprogramm
      ist genau so gemeint. oder
      genügt literatur prinzipiell
      sich selbst, benötigt also
      keinerlei reichweite? das
      funktioniert ja nicht.

      allerdings verkauft sich
      pynchon gerade wie
      verrückt.

    • china-blue sagt:

      @a.&ANH sehr anregend ihre diskussion…ich würde mich jetzt auch nicht als amerika-liebend hier offenbaren(oder outen)aber vergessen wir nicht ,dass auch viele amerikaner in der regel neben dem amerikanisch sein ihre wurzeln in europa haben und sprachlich gesehen auch englisch zu europa gehört?ich weiss auch nicht ,ob wir jetzt einen neuen komplex aufbauen sollten und uns unbedingt europäisch fühlen müssen…wir sind es trotz kevin und mandy…gerade merkwürdigerweise die,die ihre kinder so nennen sind in der regel so deutsch ,dass man nicht mal von europäisch sprechen kann…das hat den hauch von amerikanisch sein wollen(ich denke eher eine gewisse ungelebte weltoffenheit vortäuschen wollend)als es zu sein…vielleicht hat gerade der bäcker im prenzlauerberg das gefühl wenn er „open“benutzt , von internationalität,weil er niemals die backstube verlassen kann ,um zu reisen….

    • @ china-blue. Das ist ein gutes Argument mit dem Bäcker. Nur zusammengenommen mit den auf US-Amerkanisch abgehaltenen Germanistenkongressen – in Deutschland, wohlgemerkt – verschiebt sich das Bild aufgrund von lauter Patchwork-Teilen in eine ganz andere Richtung. Und zusammengelegt mit der Vormachtstellung des musikalischen Pops. Der Siegeszug der Musicals geht in eine ganz ähnliche Richtung, und es ist fast rührend mitanzuschauen, wie manche Opernhäuser versuchen, dem die alte Operette wenn nicht entgegen-, so doch an die Seite zu stellen, anstelle auf dem zu beharren und es weiterzuentwickeln, was kein anderer Kontinent in dieser polyphormen Weise hervorgebracht hat: die große europäische Kunstmusik. Auch auf sie, bis hin zu Steve Reich, haben die (weißen) USA mit ihrem tatsächlichen Eigenen reagiert: Simplifizierung. (Als Charles Ives, zu Lebzeiten niemals anerkannt, noch komponierte, waren die USA noch n i c h t der Statthalter simplifizierter militärischer Welt’gerechtigkeit‘). Im übrigen erstaunt es mich immer wieder, daß sich zwar die USA ganz ausdrücklich auf dem Völkermord gegründet haben, daß ihnen das aber so richtig niemand übelnimmt. Ein Schuldbewußtsein über dieses Völkerverbrechen haben sie, völlig anders als etwa die Deutschen, überhaupt nie entwickelt. Und wo es doch entwickelt ist, werden die Bücher in Europa verkauft – wie im übrigen Pynchon, mit dem diese Diskussion hier ihren Anfang nahm, viel eher ein europäischer Autor ist als ein US-amerikanischer; dasselbe gilt für Gaddis und unter den Jüngeren für Paul Auster, der recht eigentlich hier in Deutschland gemacht wurde und der ohne Frankreich kaum denkbar ist. In den USA selbst spielen diese Autoren eine fast untergeordnete Rolle, sofern sie überhaupt bekannt sind.
      Was die europäischen Wurzeln vieler US-Amerikaner anbelangt, gebe ich zu bedenken, was bei Auswanderung oft geschieht: Verleugnung von Herkunft (übrigens stärker, entschieden stärker, bei Männern als bei Frauen: diese geben in aller Regel die alte Sprache weiter, Männer in aller Regel nicht). Herkunft ist aber ein Schlüssel zum Verständnis von Menschen; wir sind nicht frei, auch wenn wir gerne so tun möchten.

    • parallalie sagt:

      @rostschleifer

      skepsis : immer : klar
      reichweite : illusionär
      auch weil : reichweite
      ein funktionieren
      weder garantiert
      noch (meistens) verspricht

      kunst, literatur
      lassen sich nicht mit
      BWL-denken
      hinters licht führen

      was ich nicht unter-
      stelle : nein nein nein
      kommt aber immer sehr
      unterschwellig in
      worten wie nischen-
      programm ans li-licht

      marktnische : denk‘ ich
      daher kommt’s… große
      geister aber sind seit
      eh und je figuren
      am rande des durch-
      schnittlichen – zweifels

      und was heut‘ geschieht
      entzieht sich immer
      der aktuellen
      wertung – was bleibt, das
      entscheiden nicht wir
      und auch nicht zahlen
      über den verkauf

    • Ede Kowalski sagt:

      Die Kritik an Steve Reich kann ich nicht nachvollziehen.
      Sicher wird nicht jeder hier den Herbst´schen Musikgeschmack teilen,
      ebensowenig wie man die Musik Steve Reichs lieben muß,
      jedoch Steve Reich mit „simplifizierter militärischer Welt’gerechtigkeit'“
      in einen Topf zu rühren ist schon ein starkes Stück und läßt mich an Ihrem
      Wissen um Musik zweifeln.

    • @ Ede Kowalski. Wenn Sie zweifeln möchten, so m a g ich weder noch k ö n n t e ich es Ihnen verwehren. Also nur zu. Daß allerdings Steve Reichs Musik simplifiziert, steht außer Frage; das schreibt er selbst, das war und ist eine seiner Intentionen. Wobei ich nicht gesagt habe, er sei militant; eher das Gegenteil wird der Fall sein. Er hat, dies mein hörender Eindruck, eine Sehnsucht nach Harmonie. Nur spielt Simplifizierung immer dem Militärischen z u.

    • brsma sagt:

      Steve Reich… … ist aber nicht unbedingt alleinstellvertretend. Daneben gibt es im Bereich der Kunstmusik immerhin noch – aus dem Stegreif – Nancarrow, Varese (eingewandert, aber dennoch), Weill (dito), Partch, Zorn, Braxton (ok, der ist Afroamerikaner, aber ich finde nicht dass das zählt) undsoweiter. Vom Jazz fange ich gar nicht erst an. Und im Pop sei nur z. B. auf Zappa verwiesen (da finden sich aber ebenfalls noch _einige_ mehr). Die Behauptung, dass das ‚Eigene‘ die Simplifizierung wäre lässt sich angesichts dessen wohl kaum aufrecht erhalten. Wie es mir allgemein als erheblich zu simplifizierend erscheint, von ‚den‘ USA zu sprechen, dafür ist das Land _erheblich_ zu heterogen.

    • Ede Kowalski sagt:

      Nicht zu vergessen: John Adams, Arvo Pärt, Terry Riley, Philip Glass, Simeon Ten Holt…
      @brsma: Ich kann Ihnen nur beipflichten. Wer sich längere Zeit in den USA aufgehalten hat (und n i c h t n u r in New York!!), wird feststellen, wie vielfältig dieses riesige Land sein kann – und wie verschieden. Das mindert nicht das häufige Versagen der US-Politik.

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