B.L.’s 25.2. – Gedenktage inmitten wir ganz ohne Besinnung

17.59
Immer mehr wird klar, daß das Alleinsein in diesen Tagen wie üblich alles andere als Besinnung bringt, nämlich nur noch Besinnungslosigkeit. Ich werde nachher weiter arbeiten und reichlich Schlaf opfern müssen. Gesundheitlich wird das auch nicht viel bringen: In solchen Situationen muß ich ständig mit Drogen versorgt werden, als da sind Zigaretten und ab und an ein Schluck Wein direkt aus der Flasche, da die Selbstkontrolle sich verlagert. Zwangsläufig. (Obwohl das Fähnchen „Selbstkontrolle“, unter das ich mich eben gestellt habe, jetzt nach dem Winde gehängt ist: Gäb’s keine Arbeit, wüßte ich durchaus einen Vorwand, diese Kontrolle in eine andere Richtung zu lenken). — Heute wäre meine Mutter 73 geworden. Und erst neulich fragte mich der eine Neffe, der so oft Fragen im Zusammenhang mit dem Tod stellt, wie sie denn gestorben sei: Das Auto, in dem sie saß, sei gegen einen Baum gefahren. Sie selbst habe aber nicht am Steuer gesessen, sondern hinten. Sie sei mit drei anderen Kollegen vom VW-Werk zurückgekommen. Es sei der vorletzte Baum vorm Ortsschild gewesen. Überlebt habe keiner. Woraufhin der Neffe über die Qualitäten des Fahrers spotten wollte (wahrscheinlich hatte er die katastrophalen Autorennen am PC im Hinterkopf): Nein, nein, da sei wohl irgendein Anfall Schuld gewesen, denn da seien keine Bremsspuren gewesen. Das war ’73: wie die Zahlen passen!

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