Particles. Von Seyerlein.

>>>> ALS… vor einiger Zeit habe ich einen kleinen Text bei Ihnen gelesen, der von Texträumen und Pusteblumen handelte. Sofort hatte ich die Idee, Ihnen meine particles – Arbeit zeigen zu wollen. Dort ist nun in 20 Monaten Arbeit ein digitales Objekt entstanden, das mit schwebenden Partikeln spielt, wie sie in der Luft, aber auch als Plankton im Meer vorkommen.
Vielleicht haben Sie Lust, sich meine Arbeit einmal anzusehen. Ein recht schneller Rechner und eine dsl-Verbindung wären gut. Flashplayer!
>>>>> Zum Taucher NOE.
ANH… ich danke Ihnen für diesen Hinweis und den Link. Ich hab mir Ihre Arbeit nun zweimal angeschaut und hab ein wenig Probleme damit, was aber wohl daran liegt, daß ich mit Bildender-Kunst-im-Netz generell Probleme habe. Sie ist ja doch auf Sinnlichkeit angewiesen, während das W o r t ein Abstraktum-ohnedies ist – deshalb ist für das Wort des Netz ein wahrscheinlich sogar idealer Aufenthallts- und Wirkungsort; ähnlich die Musik. Denn die Hörcollage, die Ihrer Arbeit unterlegt ist, gefällt mir wiederum gut, insbesondere, wenn man sie im Kopfhörer und mit geschlossenen (sic!) Augen hört.

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9 Kommentare zu Particles. Von Seyerlein.

  1. andreas louis seyerlein sagt:

    zarte finger von licht Sehr geehrter Herr Herbst, besten Dank für Ihr Feedback. Nun, – ich kann gut nachvollziehen, dass die Kontaktaufnahme mit meinen particles zunächst nicht leicht ist. Für mich persönlich sind die particles vor allem ein in sehr feine Einzelteile zerlegter Hypertext, ein Objekt weiterhin, das Geräusche, Ansichten spielender, schlafender und jagender Seebären in sich vereinigt, gesprochene Worte, Tonpartikel aus dem Weltraum und vieles andere mehr. Ich könnte so sagen : particles sind eine Art Spieldose, die von einem weit entfernten Server klickbare Einzelteile einer fiktiven, unterseeischen Welt beschafft und diese Einzelteile für sehr begrenzte Einheiten der Zeit über Ihren Bildschirm spielt. Ich habe unternommen, einen Text-Bild-Film-Tonraum zu schaffen, der sich also wie eine Flüssigkeit verhält. Das Wort ist für mich als schreibender Mensch dort von zentraler Bedeutung. Eine Geschichte kann kombiniert werden durch Konzentration, Ausdauer und Phantasie. Zarte Finger von Licht. Zeichensätze.

    > particles : werkstattumgebung

    • Es ist aber – im B i l danteil – nur zart. Daher mein Problem. Schöpfung ist totalitär, immer, sie überwältigt. Ihrer Hörcollage gelingt das, setze ich zum Beispiel Kopfhörer auf und schließe die Augen. Dann kommt das Schöpfungsmoment zum Tragen. Nicht aber, seh ich auf den Bildschirn – vielleicht nur, weil es keine Kopfhörer für die Augen an meinem Laptop gibt (Videoscope). Und ich spüre das Binäre, das allzu Informelle, mir viel zu saubere des Bildes; weshalb ich den Eindruck habe, die Brücke zwischen den aufscheinenden Textzeilen und Wörtern ist nur behauptet, denn sie entbehre des Daumendrucks, mit dem sich Phänomene von Bedeutung dem Gehirn sinnlich einprägen. Es ist (für mich) sogar so, daß die sehr mathematisch wirkenden Bilder auch noch das Wort um ihre Semantik bringen, es also, monotheistisch gesprochen, ‚rein‘ machen, es hygienisieren, anstatt den ganzen Schlamm an ihnen dranzulassen, der sie überhaupt erst lebensfähig macht. In der Musikcollage ist das anders.

    • tja sagt:

      Schlamm dranlassen Genauso habe ich das auch empfunden. Ein wunderbarer Ausdruck: „…anstatt den ganzen Schlamm an ihnen dranzulassen, der sie überhaupt erst lebensfähig macht.“

    • @tja.

      Zwischen Organ und Gedanke nistet die Menschheit und reinigt
      sich vom Organ, fast von Vergehen entkeimt, Avatare,
      die von der Liebe fast frei sind und die Distinktion und nicht Heimkehr
      wünschen (als Schein aber d o ch, dem autistisch herbeionanierten).
      Jedes Sekret wird zum Zahlenpaar, das sich rein hoflos und ohne
      Ausdünstung, die es characterisiert, errechnet. Wir w o l l n das.
      Erste Bamberger Elegie.

      Das Problem, ein altes, steckt im „Wir wollen das“: am Beispiel der Menstruation habe ich das >>>> andernorts – und weiteren anderen Ortes immer wieder – diagnostiziert. Und lasse davon, heidnisch, nicht ab.

    • tja sagt:

      Pole Ich denke, wir leben zwischen den Polen- mal hierin, mal dahin gezogen.
      Einerseits treibt es uns nach Ruhe, Vereinfachung in der reizüberfluteten Welt- andererseits sehnen wir uns scheinbar nach Action, Multi (medialen)- Erlebnissen und irgendwann plumpsen wir in ein Loch, weil wir selber als Menschen kaum noch irgendwo vorkommen. Vieles Stylische hatte mal seinen ganz individuellen Anfang und verkam dann zur Massenware, zum Trend. Es wurde begradigt, das Herz wurde herausoperiert, man peppte es mit Parfüm auf und kitzelte die Kontraste stärker heraus. Vor lauter Schrillheit sah und hörte man gar nichts mehr (von Empfinden ganz zu schweigen). Insofern ist Seyerleins Werk vielleicht auch ein Tanz zwischen den Polen. Ich entspanne, genieße beim Hören, empfinde Kälte beim Sehen.
      Wenn ein Bestandteil des Kunstwerkes ein anderes erschlägt, ist es in meinen Augen nicht homogen, nicht ausgewogen. Ein anderer findet das vielleicht spannend. Ich mag Symbiosen, die ausgeglichen sind. (das setze ich nicht mit kontrastarm gleich) Schön ist für mich, wenn es klare Hierarchien gibt. Und im vorliegenden Werk fehlen mir genau die Zwischenstufen, die vermitteln könnten. Zum Teil schafft es die Bewegung der Elemente. Das halte ich nur noch nicht für ausgereift.

      Ganz allgemein gesehen:
      In der Kunst wechseln Phasen von Minimierung und Maximierung immer einander ab. Das besprochene Werk scheint mir genau dazwischen zu stehen. Es maximiert Text- und Hörerlebnis und minimalisiert das Seherlebnis ohne vermittelnde Zwischenstufen. Der Schlamm, das Blut als Symbole des Lebenden fehlen.

    • Sturznest sagt:

      Tatsäch liebe Biggy leben wir zwischen Polen, mein bester Freund zum Beispiel war ein Pole, damals war ich noch ein kleiner kleiner Junge und er auch, das passte doch und der letzte Papst war auch ein Pole und Wislawa Symborska ist eine Polin, aber sie kommt aus Polen, ein wunderbares Land, wenn ich da an meine schöne chatbekanntschaft denke, die lebte zwar in Würzburg, aber auch sie war aus Polen.
      Aber im Ernst, das Leben ist schon dermassen umfangreich an seltsamen Dingen dass man nichts konstruieren braucht.
      Ich wollte heute früh den Papiermüll wegbringen und was geschieht, der Wind treibt seinen Schabernack mit mir und nimmt ein paar Papierfetzen und wirft sie auf den BOden, ich greife danach und der Wind weht sie kurz bevor ich sie zu fassen bekommen weiter, unter anderem auch in Nachbarsgarten. Anschliessend ging noch mein Fahrrad kaputt, aber herrgott, das gehört hier doch gar nicht hier hin.

    • andreas louis seyerlein sagt:

      Nicht leicht natürlich, … … zu antworten, ohne meine Arbeit allzu sehr zu kommentieren oder zu enträtseln. Der Kopfhörer für die Augen : ein sehr schönes Bild! Selbstverständlich ist jeder Text, der in dieser Welt erscheint, Teil der Schöpfung. Auch alle Ihre Texte, auch particles sind Teil der Schöpfung, wie ich, der ich gerade diese Zeilen formuliere. Sie führen den Begriff der Mathematik an dieser Stelle ein. Und tatsächlich kommen Sie mir, wie ich finde, und den particles damit näher. Ich zitiere einmal rasch einen Text aus meiner Werkstatt :

      „Tango | 260 : 25. Juli 2006 – 02 Uhr 58 | stop | Folgendes. | stop | Wenn ich im Bauch einer elektrischen Inszenierungsmaschine 100 freischwebende Textparticles von je 100 Wörtern über einen Zufallsgenerator miteinander verbinde, wird mit jedem weiteren Aufruf eines Textparticles jedes andere der 100 Textparticles möglich. | stop | Ich habe also eine Textversammlung, die sich wie eine Flüssigkeit verhält. | stop | Wie könnte ich nun eine Vereisung dieser Flüssigkeit erzeugen? | stop | Ich könnte zum Beispiel je 10 Textparticles zu einer Gruppe setzen und über einen Generator verschalten, sodass in einem ersten Schritt 10 Textparticles aus 100 Textparticles möglich wären. | stop | Oder ich bilde zwei Gruppen zu je 50 Textparticles und komme in dieser Weise auf zwei mögliche Textparticles einer ersten Wahl. | stop | Zwei Linien. | stop | Eine Weiche. | stop | Oder sehr gutes Eis. | stop | Vielleicht sollte ich, wenn ich vom Schreiben eines linearen Textes spreche, zunächst an das Spinnen eines Eisfadens denken. | stop | Das Lesen, ein Vorgang der Enteisung. | stop | | stop | Ich habe von 0 Uhr 12 bis 1 Uhr 52 Julio Llamazares wundervolle Stummfilmszenen aufgetaut. | stop | | Regen. | stop |“

      > particles : werkstatt Juli 2006

    • @seyerlein. „vom Schreiben eines linearen Textes“. Das ist, denke ich, mein anderes Problem: das Lineare. Ich selber käme nie auf den Gedanken, so etwas zu versuchen oder gar versuchen zu wollen. Mich interessiert gerade k e i n e Linearität, sondern möglichst vielfältige Rückgebundenheit, wobei das „Rück“ sowohl ein nach Unten meint wie zu den Seiten. Vernetzte Systeme sind a-linear; in der Vorstellung der Linearität wittert so etwas Eschatoloisches mit, das mir fremd ist – als gäbe es ein Ziel. Tatsächlich empfinde ich aber ein Fließen, das sich in der Vergangenheit immer wieder ankoppelt und insofern Wechselwirkungen unterliegt, die im Linearen keinen Platz haben. Mit fiel – während ich hierüber nachdenke und gleichzeitig für alle hier versammelten ‚Männer‘ (Söhne und Väter) koche – unvermittelt der Satz ein: Ein Gedicht, das keine Milch gibt, also nährt, oder das nicht zeugt, ist mißlungen.

      Zum anderen erinnert mich Ihre zitierte Arbeitsvorgabe an Max Bense, der ja nur lauter t o t e Texte generierte, bzw. generieren ließ. Es ist geradezu tragisch. – Solche formalen Verfahren sind allerdings streng zu unterscheiden von vorgegebenen Metren, für die gilt, daß erst ihr B r u c h sie lebendig macht, ob nun in der Metrik selbst oder durch semantische Höfe. Man muß zweierlei einander logisch Ausschließendes erreichen, damit man Leben schafft: die Form erfüllen und zugleich widerlegen. Genau das kann ein Computer nicht. Er ist immer eineindeutig.

      Aber Montgelas, Sie haben >>>> es sicher schon gelesen, empfindet das alles völlig anders. Dort läuft nun eine parallele Diskussion zu Ihrer Arbeit.

    • andreas louis seyerlein sagt:

      nun, ich werde vermutlich zunächst in zwei oder drei Jahren, mit etwas Abstand, sagen können, ob tot ist, was ich gemacht habe, oder lebendig. Montgelas : eine Spiegelung, eine Vorlage nicht wahr? 😉

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