B.L.’s 7.4. – Wiederfinden

17.55
Die Abwesenheit des Herrn ruft beim Hund einen Bellreiz hervor, der ihn in unregelmäßigen Abständen für unregelmäßig lange Zeiten zum Bellen veranlaßt. Das Bellen des Hundes ruft einen Hundablehnungsreiz beim Herrn hervor, der ihn in unregelmäßigen Abständen zu nicht gleichförmigen Handlungen verleitet: Mal ignoriert er ihn, mal brüllt er ihn an, weil ihm das Trommelfell platzen will, mal ist er willfährig und sucht ihn auf, um ihm zu verstehen zu geben, er sei ja nun doch nicht so allein, mal geht er soweit, daß er mit ihm irgendwohin geht, bis ihm die Zunge nur noch so aus dem Maul hängt. Ich werde bald keinen Hund mehr haben und bin froh darüber. Leid tut es mir ein wenig um die Katze (um den Kater weniger): Sie ist hier aufgewachsen, fast ab dem Zeitpunkt, an dem wir hier eingezogen sind. Eine sehr zurückhaltende Katze, aber sehr anschmiegsam, wenn sie sich dazu entschließt, es zu sein. Trudi. Heißt sie. Ich freue mich immer wieder, wenn ich sie vorm Fenster sehe, nachdem sie mal einen Tag lang fort gewesen ist. Selten – aber es kommt vor – sind’s zwei Tage. So mag man gern etwas vermissen in dem Moment, wo man’s wiederfindet. Ostern Sie froh!

P.S. Irgendwie sollte es zu einem Text gegen die Medizin-„Wissenschaft“ führen, was das Reizwort „Reiz“ suggerieren sollte. Also, wir sind keine Automaten, wie uns die Pharmakologie (auf die sich die Medizin reduzieren läßt) weismachen will. Ein Jeder reagiert auf die Reize, die er in seinem Jedermann-Theater agieren läßt. Nicht als Regisseur, aber mindestens doch als Bühnenbildner und schlimmstenfalls nur als Kulissenschieber.

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4 Kommentare zu B.L.’s 7.4. – Wiederfinden

  1. tja sagt:

    Kulissenschieber …Jermann-Theater agieren läßt. Nicht als Regisseur, aber mindestens doch als Bühnenbildner und schlimmstenfalls nur als Kulissenschieber.

    Das Schlimme ist, dass man mitunter erst nach dem Stück erfährt, welchen Part man innehatte.
    Dann ist es zu spät, Reklamationen wegen Falschbesetzung anzumelden.

    Wenn mans genau betrachtet, hat auch der Job des Kulissenschiebers etwas gutes: beste Aussichten auf die ständig wechselde Scheinheiligkeit/ Illusion…. und man hat es fast in der Hand, wohin man schiebt- vorbei am Leben, mitten hinein oder in neue Umlaufbahnen- ist doch egal, was der Regisseur dazu sagt- man kann ja auch außerhalb der Vorstellung herumschieben.

    Da es Jedermannstheater ist, sind wohl eine Menge Leute am Schieben und am Netzeknüpfen…*g*

    • Bruno Lampe sagt:

      … und dennoch stehen sie erratisch herum in der Landschaft, ohne zu wissen, warum und wieso und woher… die Leute. Bei Heym standen sie noch „vorwärts in den Straßen“, die Menschen.

    • tja sagt:

      Durcheinander … dann bin ich gegen Heym.
      Ich mag zur Zeit das Chaos lieber als die Ordnung der Menschenmenge. Menschen lassen sich eh nicht dauerhaft ordnen. Vielleicht bin ich sogar gegen Theater- es sei denn, es wird auch improvisiert und das Publikum darf sich auch frei bewegen. Sterilität gabs lange genug, genau wie verordneten Einheitsbrei.

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