Paul Reichenbachs Dienstag, der 24. April 2007. Paul als Musketier – Ein Herr W.

Meere bei einem Herrn W. leider ist unser Hausherr in seiner kämpferischen Manier darauf eingegangen, hat mich nun doch zu einem Kommentar hingerissen. Um ihnen die Suche zu ersparen liebe Leserinnen und Leser hier meine bescheidene Meinung.

Nun doch:

„Sanfte Worte ersetzen knallende Peitschen“
schrieben sie am 17.4. in ihrem Blog. Ihr etwas rotziger Kommentar zum Roman „Meere“ scheint mir, steht zu dieser Aussage im Widerspruch. Wenn ein Buch nicht an mich geht, äußere ich mich nicht dazu, es sei denn, man bittet mich um meine Meinung. Nun ja, jeder betreibe seine Selbstdarstellung, wie er es vermag.

Sie können „Meere“ einfach nicht begreifen. Leidenschaft, die Not der Ich- und Du-Findung, der Irene und Fichte/Kalkreuth im verzweifelten Sex zu entfliehen versuchen, ist ihnen fremd. Dafür können sie nichts. Und dass sie Jean Paul nur biedermeierlich sehen, mache ich ihnen auch nicht zum Vorwurf. Jeder liest halt das, was er lesen will.

„Meere“ von Herbst, da blümelt nix, da geht es ums Leben, um deutsche Geschichte und ihre Verbrechen, da geht es um Kunst, um das verzweifelte Ringen am Werk, und um Angst vor Nähe, die nur obsessiv überwindbar scheint.
Fichte, verletzlich und verletzend, scheitert an Irene, die ihn verlässt.

„Du wirst auch einmal aufgehängt, wie dein Großvater, Kalkreuth.“
Ist da nicht ein Fünkchen Verständnis für Fichte bei ihnen aufgeblitzt ?
Oder haben sie vielleicht, das Bilderverbot missachtend
(Du sollst Dir kein Bildnis, sprich: Vorurteil machen!), den Beginn des Buches überlesen, wo der Autor die ganze Geschichte von Irene und Fichte in wenigen Zeilen dicht vorwegnimmt? Es heißt da u.a. :
„…sie hat sich in Seeschaum aufgelöst. Fichte umklammerte ihren Körper, und auch sie hielt sich fest, aber seine Gewalt tat ihr weh, er presste zu sehr, sie mußte sich immer flüssiger machen und ist ihm durch die Arme geronnen. Auf seiner Haut letzte Bläschen, die platzten, er umarmte nur noch sich.

Das ist Kunst!, meine ich.

War da kein Rühren in ihrer „richterlichen“ Seele?

Offenbar nicht. Schade.

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