Graphen der Erzählbewegung. Dritte Heidelberger Vorlesung (5). Aus der Erweiterung des Anfangs.

Nun schleppt nämlich schon der Begriff des Regelkreises Täuschendes bei sich mit; es ist treffender, von Regelspiralen zu sprechen. Der sich über sie herstellende Eindruck ist der von >>>> Sprüngen – etwas das wir, zum Beispiel bei Mutationen, auch aus der Naturgeschichte, vor allem aber aus der Quantenphysik „kennen“. Insoweit untergräbt ein Kybernetische Realismus die Linearität, als er nicht stetig ist: zwischen dem scheinbaren Wiederanfang und dem tatsächlichen Neuanfang klafft eine Lücke.Denn eben gerade nicht findet eine Ewige Wiederkehr des Gleichen statt, sondern die Erzählung bildet geschichtliche Strukturen ab, die nach Mustern organisiert sind, welche sich zugleich irreversibel über fortlaufende Metaebenen auf dem Zeitstrahl voranbewegen. Hat man den Eindruck, ein Erzählzyklus komme wieder an seinem Anfang an, so haben sich doch sämtliche Beteiligten und hat sich auch das grundlegende Setting verändert. Es ist ungemein wichtig, sich das vor Augen zu halten.
Man kann sich das durch ein Gedankenspiel, also ein Modell, klarmachen, das die Spirale selbst sich in einer Vierten Dimension, nämlich der Zeit, auffalten läßt. Was wir sehen, ist gemeinhin d a s, weil wir aus unserer subjektiven Zeit, unserer, nennte Whitehead das, Epoche, und n u r aus ihr, auf die Prozesse sehen:Das ist die Draufsicht auf die Erzählung oder auch auf die „Erfahrung, daß alles wiederkehre“ im zyklischen Naturdenken oder eben auch der Regelkreis-Gedanke, der über die Selbstrepräsentation zur ästhetischen Redundanz führte, wenn wir das Gebilde eben nicht in die Zeit kippen. Tun wir das aber, sehen wir einen durchlaufenden Strom der Erzählungen:Nun setzt sich die scheinbare Stetigkeit dieses Stromes der Erzählungen (in Somadevas um das Jahr 1000 herum entstandenen >>>> Kathasaritsagara war noch ein Ozean, also Stetigkeit der Ströme der Erzählungen vorgestellt) aus zahllosen, letztlich unendlich vielen Erzählungen zusammen; das, addiert, ergibt dieses stetig Bild (es heißt aber wohl nur, daß die Sprünge verschwindend kleine Dimensionen annehmen). Nehmen wir indes eine einzige Erzählung aus dem Strom heraus, läßt sich die Spirale und lassen sich deshalb die Sprünge erkennen, die die „Anfänge“ und „Enden=Wiederanfänge“ der Regelspiralen, bezogen auf diese einzige Erzählung, vollziehen; man sieht jetzt deutlich, daß es sich eben nicht um Redundanzen handelt. Dazu noch einmal der erste Graph: Diese Kippleistung vollbringt die poetische Inspiration. Letztlich ist ein Roman >>>> der Schatten, den ein vier- bzw. mehrdimensionaler Erzählkörper, also die ihm zugrundeliegende, aus seinen Gründen herauswirkende Wirklichkeit, auf die Buchseite in die Schriftform wirft.

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Über Alban Nikolai Herbst

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2 Antworten zu Graphen der Erzählbewegung. Dritte Heidelberger Vorlesung (5). Aus der Erweiterung des Anfangs.

  1. knotscher95 sagt:

    @alban hier werde ich mich also demnächst stracks mit beschäftigen –
    ein weites feld.
    wer weiss, vielleicht trägt sich danoch etwas dazu.
    meinerseits sporadisch, weil so unbequem zeitaufwendig.
    hoffe ihr trouble löst sich zügig.
    grüsse
    knotscher

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