Verbote in der Kunst.

Sind Schutzräume für Unbegabte.

(CDXLXXVII).

[Ideologien.]

Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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10 Antworten zu Verbote in der Kunst.

  1. das ist unrund, weil:

    in der kunst gibt es keine verbote.
    bestenfalls von aussen den versuch, welche hineinzuschummeln.
    bis hinein schaffen die es aber nicht.

    • @ramirer. D o c h. Sie haben es bis tief in die Köpfe und Herzen der Künstler hineingeschafft, gerade in der Geschichte der Neuen Musik. Wer die Verbote nicht beachtete, wurde ausgegrenzt und weggemobbt. Wenn man anfängt, eine Liste solcher Musiker und Dichter aufzustellen, findet man kaum ein Ende. Deshalb gibt es sehr wohl i n der Kunst Verbote.

    • @anh wenn ein künstler ein verbot in seine kunst hineinlässt, dann muss er einen guten grund dafür haben: im selben moment verwandelt sich das verbot in eine vom künstler zu verantwortende formale entscheidung und hört auf, ein verbot zu sein. hat er keinen guten grund dafür, ist die kunst bodenlos geworden, und somit nahezu wertlos.

      wäre es anders, würde das bedeuten, dass der künstler in seinem kunstwerk nicht die alleinverfügungsgewalt hat. natürlich kann ein künstler in seinem eigenen werk auch verbote/regeln aufstellen (und diese betreffen zunächst einmal ihn selbst).
      in meiner definition von kunst ist das eine grundvoraussetzung.

      abgesehen davon ist das ausgrenzen und wegmobben gegenüber künstlern nicht nur in der neueren musik gang und gäbe: eben weil künstler verbote nicht anerkennen, und eben weil künstler ganz eigene verbote/regeln/lösungen postulieren.

      mit all diesen weiteren überlegungen wird der ursprüngliche satz immer noch unrunder: denn mit „mangelnder begabung“ hat das aufnehmen von verboten nichts zu tun, schon eher mit „mangelnder überlebenskraft“.
      das ist wohl nicht das selbe.

    • @ramirer (2). Sagen wir es doch ganz einfach: Erst seit die Postmoderne die unter anderem von Adorno in Steintafeln geschlagenen Tabus weggemeißelt hat, ist wieder zu erkennen, wo jemand etwas zu sagen hat, wo nicht. Es gab große Kompositionen, und gibt sie weiter, in der Folge der Zweiten Wiener Klassik, aber Hunderte – und darunter einige Berühmte – haben gut davon gelebt, doktrinär zu leben — bei letztlich völlig fehlender Substanz des Werks.
      Was die „Alleinverfügungsgewalt des Künstlers“ – Sie meinen die Autonomie der Kunst – anbelangt, halte ich das für eine berufspolitisch und bisweilen auch ästhetisch pfiffige Konstruktion, die aber an ihrem Boden – Illusion ist. Es gibt keine Autonomie, weder in den Künsten noch in den Wissenschaften, und zwar genau so wenig wie in den Märkten. Es gibt Macht und Ohnmacht und ein bißchen Kleines was dazwischen.

    • @anh hm…

      lassen sie sich von irgendwem vorschreiben, wie viele strophen eine ihrer elegien hat, in welchem duktus sie diese verfassen (oder in welchem inneren gemütszustand);
      oder würden sie es gestatten, dass auch der mächtigste erdenbürger auch nur ein wort in einem roman von ihnen herausstreicht (auch wenn er verleger oder lektor ist)?

      das kann ich mir nicht vorstellen.
      es mag aber möglich und sogar realität sein.
      mich schmerzt schon der gedanke daran – betreibe ich also realitätsverweigerung?

      ich bin wohl dazwischen beheimatet, und vielleicht daher kaum wahrzunehmen.

    • lacht @ ramirer. Nö, lasse ich nicht zu. Aber der „Erfolg“ gibt mir ja Unrecht. Selbstverständlich sagt das nichts über die Zukunft aus. Viele der „Eigentlichen“ werden später „rehabilitiert“ und bekommen dann ihren Einfluß, denken Sie an Kleist, Hölderlin, Schrecker, Schoeck usw. – aber sehr viele von denen haben persönlich nichts mehr davon. Und bei einigen müssen Spätere noch sehr sehr kämpfen. Ich habe den Fall René Leibowitz‘ mit meinem Freund Leukert gestern nacht durchgesprochen. Wiewohl Leibowitz zu seiner Zeit durchaus einflußreich und ein begehrter – und guter – Lehrer war, hat man ihn hernach fast völlig wegdrängen können, und zwar, man faßt es nicht, weil er ein eleganter Mann war und „viele Frauen hatte“. NOTA: Bei bestimmten Kunst-Verboten geht es nicht mal um die Kunst selber, sondern um Erscheinung, Person, Herkunft, Bereitschaft, demütig zu sein gegenüber der Macht usw.

    • @anh ah, versteh ich nun besser, was sie meinen.

      andererseits: rezensionen zu kinderbüchern werde ich von ihrer geschliffenen sprachklinge geschnitzt hier weiterhin vermissen, mich hat ihre bemerkung dazu neulich sehr traurig gemacht.

      ein verbot, das sich hier in die dschungeltiefen verirrt hat.
      buschmesser sollten irgendwann gewetzt werden…

  2. sumuze sagt:

    Ist ‚die Kunst‘ hier abkürzende Redeweise für eine ‚ Interaktionsgemeinschaft der sich aktiv künstlerisch und über Kunst Äußernden‘ (was Ihre Beispiele mir nahelegen), so gibt es sicherlich Verbote in der Kunst. Das Bürgerliche Gesetzbuch, das Strafgesetzbuch, das Copyright zum Beispiel. Worauf Sie anspielen scheint mir eher zu sein, daß Gebote und Festschreibungen zur künstlerischen Produktion (so sei zu verfahren, so dürfe nicht verfahren werden usw.) innerhalb einer solchen Gemeinschaft Funktionen der Ein- wie Ausgrenzung haben – wie in jeder sozialen Gruppe.

    Die Bezeichnung ‚Unbegabt‘ ist dabei sicherlich ein beliebter Kampfbegriff, um sich gegen und über andere zu stellen. Er dient (wie alle soche Begriffen wie ‚untalentiert‘ oder ‚uninspiriert‘) nicht nur der Desavouierung der Fähigkeiten des angesprochenen Gegenübers, sondern damit immer zugleich auch der Erhöhung der Fähigkeiten des Ansprechenden. Sein Inhalt ist dabei natürlich beliebig. Im Werk dessen, der heute noch als unbegabt verschrien ist, wird morgen vielleicht schon hohe Kunst gesehen, auch vice versa ist möglich.

    Daß damit Schutzräume im alltäglichen Zuschreibungs- und Behauptungskampf (wie in jedem Rudel) geschaffen werden (woanders nennt sich das Clique, Rolle, Status, Privileg usw.), ist sicherlich zutreffend. Menschen brauchen solches ‚Wir‘, gerade auch, wenn sie sich als ‚Ich‘ sehen und präsentieren wollen. Angegriffen schützen sich die Menschen, rücken zusammen, suchen gemeinsam Fluchtburgen auf und bereiten befreiende Ausfälle vor. Das trifft auf ‚die Kunst‘ zu wie auf Bürogemeinschaften, Belegschaften, Mieter-, Dorf- und andere Schicksalsgemeinschaften. wie Landmannschaften, Religionsgemeinschaften usw. auch. Nur verwendet man dort statt ‚unbegabt‘ andere Zuschreibungen.

  3. stabigabi5 sagt:

    teorema. in der vektorgraphik sind nur bestimmte verbindungen möglich. vielleicht muss man es so sehen? und ob alles wirklich mit einem schrei beginnt? ein übertragungsfehler machte aus pasolini pisolini. piso. geerdet. den boden bereiten. frisch abgebundener estrich hat dieses irre grau und macht die räume kalt. utopie beginnt mit dem ersten schritt, nicht mit dem ersten schrei. sprache als verlängerung der geste. geste als verlängerung der träume. die bewegung schwingt zurück und formt den geist. wie in einem meg stuart stück, das ich vor jahren sah, eine frau von der einen jackentasche zerrissene briefe in die andere steckte und wieder zurück. achten sie auf ihre bewegungen, oder warum der slapstick nicht spricht.

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