Mein ist die Rache.

„Mein ist die Rache“, >>>> spricht der Herr. Da es aber keinen gibt und zugleich der Satz der Rache, indem Gott gerecht ist, eine moralische Seinsberechtigung zugespricht, geht der Racheauftrag an den von Gott verwaisten Gläubigen über. So w i r d Gott wieder, ja der Rächende Gott.

„Wenn ich nun bald vor seinen Thron trete“, sagte der angeklagte Mörder vor Gericht, „so als Gleicher, dem er sich selbst zu verdanken hat – daß er wieder wurde. Trete ich nicht vor seinen Thron, weil es ihn, wie die Atheisten behaupten, tatsächlich nicht gibt, dann habe ich so oder so nicht unrecht gehandelt, denn kein Unrecht wäre dann. Ich hätte dann nur ausgeglichen.“
Der alte, von den Spuren seiner Krankheit bereits gezeichnete Mann sprach fest. Ein Schimmern des Hinübers leuchtete durch seine Haut. Als würden tief am Grund seiner Augen Zündhölzer angerieben, traf die Richter aus ihnen von Zeit zu Zeit ein Funke, wie wenn man in einen Kerker, der ein Schlauch aus Schwärze ist, gesperrt ist und sieht weit entfernt ein erleuchtetes Fenster. Die Hände des Mannes, die er langsam und abwechselnd hob, um Bedeutungen zu unterstreichen, waren transparent wie bei Engeln. Er machte nicht den Eindruck von Wirrnis, sondern von Weisheit.
„Aber weshalb“, wurde er gefragt, „haben Sie mit der Rache gewartet, bis kurz bevor Sie selber sterben?“
„Damit nicht Gott gerichtet wird.“

Er hatte eine Liste geführt, sie führte bis siebzig Jahre zurück. Namen und Orte; Taten, die ungesühnt geblieben waren; ausgezeichnete Bürger darunter, bekannte Namen wie unbekannte, Persönlichstes mit Politischem wie unentwirrbar verschlungen; aber hinter jeder Eintragung stand ein Grund. Vor dem vierzehnten Verhandlungstag ging er im Krankenbett ungesühnt hinüber. Es war ein heller Dienstagmorgen, hoch stieg die Sonne und wärmte die Toten.

[Entwürfe.
Plots.]

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