Ostertöne 2010 2.-5. April 2010 „…Luft von anderem Planeten …“ Die Elbphilharmonie-Konzerte 2009/2010.

„Ich fühle Luft von anderem Planeten“ heißt es in Stefan Georges Gedicht, das Schönberg in seinem zweiten Streichquartett vertont hat, – demgemäß sich langsam entfernend von der tonalen Harmonik, von ihren „irdischen Fesseln“ frei. Im 20. Jahrhundert jagen sich musikalische Innovation und Revolutionen. Noch ist damit kein Ende, so sehr die Entwicklungen durch Darmstadt und Donaueschingen ausgereizt zu sein schienen. Zu den >>>> Hamburger „Ostertönen“ hatte der Komponist Marc Andre die Möglichkeit, noch weitere interessante Erweiterungen moderner Ausdrucksmittel zu zeigen. „… zu …“, „…als…“ .auf…“ betitelt er seine Kompositionen, die alles Klang- und Geräuschpotential eines großen Orchesterapparates nutzen, darin eingebunden eine Elektronik, die einen Dialog mit den Orchesterinstrumenten direkt aufnimmt: Andres „… das O …“ für vier Stimmen, Kammermusikensemble und Live-Elektronik, das nach Ingmar Bergmanns „Das siebente Siegel“ komponiert worden ist, eroberte im Auftaktkonzert das Publikum im Sturm. Zwischen Brahms’ op. 74,1 für gemischten Chor a cappella, seiner Rhapsodie für Altstimme, Männerchor und Orchester op. 53 (solistisch mit in allen Nuancen gewohnt sicher modulierender Stimmführung und tief durchdachter Interpretation des Textes: Waltraud Meier), sowie nach dem „Schicksalslied“ war die Neugier auf das abschließende „…auf…“ sehr groß – ein Triptychon für Orchestergruppen und Live-Elektronik, dessen drei Teile auch separat aufführbar sind. Christian Tetzlaff spannte vermittels des Brahms’schen Violinkonzerts abermals den Bogen zur Avantgarde. Nun mögen manche für die „Ostertöne“ behaupteten Bezüge konstruiert erscheinen, zumindest hat Brahms mit Marc Andre gemein, dass beide keine Note dem Zufall überlassen, die nur ein Fremder Inspiration nennen würde: Zu komponieren bestehe aus 90 % Arbeit, und 10 % „Inspiration“.
Die nunmehr fünften Hamburger Ostertöne haben sich nicht nur als Festival jetzt etabliert, sondern dieses war sicherlich das bisher beste. Dazu trugen nicht zuletzt das Quatuor Diotima bei, das Alban Bergs Lyrische Suite und Helmut Lachenmanns drittes Streichquartett mit äußerster Spielintelligenz darbot, sowie die Sopranistin Anja Harteros und das ensemble recherche. Vielleicht noch einen kleinen Vorblick auf 2011: Bereits geladen sind Mischa Maisky, Julian Rachlin und Mojca Erdmann, sowie das Jerusalem String Quartet.

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