Messejournal. 12. bis 16. Oktober 2011.

B U C H M E S S E  

F R A N K F U R T M A I N   2 0 1 1

Über Mittwoch, den 12. 10.:http://twoday.net/members/newsite
Ich hatte schlichtweg nicht Muße noch Chance, etwas zu erzählen, bin auch jetzt bereits schon wieder ein in bißchen Druck. Der Abend schließlich war sowas von abgelenkt. Mein Junge ist bald vom Bahnhof abzuholen. Vorher muß geduscht sein.
Café au lait. Erst mal die Morgenpfeife stopfen.

Über Donnerstag, den 13. 10.:

Grappa, Portwein, Sekt, Rotwein, Crémant, König Pilsener, Barcardi Orange, Eierlikör, Whiskey (Tullamore Dew). Also bitte, geht ja wohl noch.
Elfenbein Verlag, Die Horen, Faust Kultur, DigitalAkrobaten, Lübbe, Verbrecher, Kulturmaschinen, Berlin Verlag und andere mehr, die ich alle später verlinken will. Muß jetzt los.

Über Freitag, den 14. 10.:
Vorbereitung von ARGO. ANDERSWELT, Fragen etwa der Querfinanzierung, Taschenbuchgespräche wegen >>>> THETIS und BUENOS AIRES. Dann die Sechste Bamberger Elegie als mp3-Collage für >>>> Faust-Kultur. Eine Schöne in den Gängen (diese Taille!): Holbein daran ODER Wie man(n) eine Frau anfaßt. Der Empfang bei Secession und wie man mich beinahe abgeführt hätte („Hier darf nicht geraucht werden.“ „Ich habe eine Raucherkarte.“ Verwirrung. Die Ordnerinnen gehen und telefonieren. Sie kehren zurück. Es ist bereits nach 18 Uhr. „Es gibt keine Raucherkarten.“ „Ach so? Und was tun Sie jetzt?!“ „Wir fordern Sie auf, die Pfeife auszumachen.“ „Trauen Sie sich das bei Helmut Schmidt ebenfalls?“ Getuschel {: Der raucht doch gar keine Pfeife…}. „Sie sollen die Pfeife ausmachen.“ „Nö.“ „Dann müssen wir…“ Ja, aber was? Das wissen die beiden auch nicht genau. Ich schlage vor: „… die Polizei holen, damit man mich abführt.“ Das fänd ich ein gelungenes Freßchen: ANH in Handschellen, sich selbstverständlich wehrend, dazu viele Fotografen usw., am Stand haben schon alle die Handy-Cams gezückt. Die Ordnerinnen, ganz jung, ganz brav, ganz autoritär, beraten sich. Derweil stecken sich andere am Stand Zigaretten an. Die beiden ziehen ab, wir warten auf die Polizei. Die aber nicht kommt. Schließlich ziehe ich, gelangweilt, Richtung Mare ab, wo‘s vielen weiteren Wein gibt. Die Idee für einen neuen Roman – den, der mir >>>> auf der Kreuzfahrt so nahkam, war schon vormittags besprochen. Jetzt wurde halt nur noch causiert, aber hübsch. Und unversehens geriet ich in das Herz von Afrika, saß drin in einem Baumhaus und erwachte auf einem Knochen, splitternackt: also ich. Der Knochen nicht; der war bezogen. Mein Laptop stand ganz anderswo. Im Ifönchen eine Mail wegen >>> des kollektiven Story-Tellings:
WAS BISHER GESCHAH


Hier fehlt noch ’ne Klammer. Also: die muß – zu:).

Sonnabend, der 16.10.:
Von der Decke des futuristischen Eis, das OpenSpace genannt ist, fallen wie Sturzbäche ausgedruckte Twitters, in Echtzeit:

Ich aber gebe wieder, was mir die Messeleitung schickt:


((I. Jan Peter Bremer, Denis Scheck und Publikum:)
Er öffnete die Tür des Zugabteils und sagte hilflos. „I’m all alone in the world, I don’t know who I am. Please help me.”
Vor einem gepflegt aber erschöpft aussehenden jungen Mann saß eine Mutter mit zwei Kindern.
„Was will der, Mama?“ fragte eins der Kinder und drängelte sich auf dem Sitz an die Mutter heran.
„Do you speak German?“ fragte die Mutter und lächelte ebenso hilflos zurück.
Just in diesem Moment brauste der Zug in einen Tunnel und als er wieder in die Helle kam, da fehlt nicht nur der junge Mann, sondern auch eins der Kinder.
Mit einem Schrei sprang die Frau aus ihrem Sitz aus und eilte, das andere Kind auf dem Arm, mit schrecklicher Vorahnung durch den Zug.

(II. Martin Ganteföhr, Falko Löffler und Publikum:)
Die Kinder hatten sich kaum wecken lassen. Linda hatte die Vorhänge des Kinderzimmers mit einem Ruck aufgezogen und das Licht eingeschaltet. Dann war sie in ihr Schlafzimmer gegangen, um die nötigsten Sachen zu packen. Sie besann sich, kehrte ins Kinderzimmer zurück und setzte sich bei ihrem Sohn an die Bettkante. „Wir müssen uns beeilen, Anton.“ Sie strich ihm über die Wange, er brummte schlaftrunken. „Du musst der Mama heute helfen. Wir verreisen.“
Ihr Sohn setzte sich auf: „Wohin?“ „Ich erkläre es dir im Zug.“ „Kommt Papa auch mit?“ „Nein.“ Sie trat an Neles Bett und gab dem Mädchen einen Kuss auf die Stirn.
Das Telefon läutete im Flur. Linda stand auf, ging in den Flur. Sie blieb vor dem Apparat stehen, blickte auf das Display, zögerte – und ließ es klingeln.
Linda gab dem Taxifahrer zu viele Scheine. Sie wartete nicht aufs Wechselgeld. „Kommt“, sagte sie zu den Kindern. Die drei hasteten durch die Bahnhofshalle und erreichten den Zug zwei Minuten vor der Abfahrt. Der Zug war überfüllt. Sie fand nur mit Mühe drei freie Plätze in einem Abteil.
Linda ließ sich in den Sitz fallen. „Geschafft…“

(III. Anthony McCarten, Georg Holzach und Publikum:)
Der Zug fuhr in den Bahnhof ein, und Linda sprang aus dem Waggon der zweiten Klasse auf den Bahnsteig. Sie sah sich um, suchte nach dem Fremden und ihrer Tochter. „Nele!“ schrie sie, so laut sie konnte. Und dann entdeckte sie einen Mann, der von hinten so aussah wie der, nach dem sie suchte. Mit einem Schlag aber war der Bahnsteig voller Menschen. „Nele!“ Sie verlor den Mann aus den Augen. Den kleinen Anton auf dem Arm, dessen Gewicht ihr das Fortkommen erschwerte, drängte sie sich durch die Menge. Mit einem Pfiff kündigte der Schaffner die Abfahrt des Zuges an. Endlich erreichte sie den Mann, hinter dem sie her war. Er drehte sich um, und sie erkannte, dass er nicht der richtige war. Noch war das Kind, das er an der Hand hielt, ihre geliebte Nele. Die Zugtüren schlossen sich vor ihr, und in diesem Augenblick entdeckte sie den Mann, den sie verfolgt hatte, in einem Abteil der ersten Klasse – und neben ihm Nele, die glücklich ein Eis leckte.
„Idiot!“
Der russische Oligarch hämmerte die Faust auf den Tisch im Abteil der ersten Klasse. Langsam rollte der Zug aus dem Bahnhof.
„Es war dunkel. Ich weiß auch nicht! Ich weiß nicht, wie …“, jammerte Boris.
„Wie konntest du dir das falsche Kind greifen! Ich sollte dich umlegen!“, donnerte Wladimir ihn an. „Die Kinder müssen ausgetauscht werden. Ich will das Kind des Mannes, der mir meine Frau genommen hat, nie wieder sehen.“
„Und wie willst du das anstellen?“
„Das weiß ich noch nicht.“
Nele leckte an dem Eis, das der freundliche Mann ihr gekauft hatte. Dessen Kopf aber wurde gerade von einem anderen Mann, der etwas in einer Sprache brüllte, die sie nicht verstand, mit einer zusammengerollten Zeitung bearbeitet.
Wladimir hielt in seinem Angriff inne. Er keuchte, drehte sich weg und erkannte in diesem Moment draußen auf dem Bahnsteig die Frau, die er einmal von ganzem Herzen geliebt hatte, und das Kind, das dieser Liebe entsprungen war. Ihre Blicke trafen sich, genau wie vor zehn Jahren in St. Peterburg, als sie in diesem roten Kleid und den Jack Russel an der Leine in das Restaurant gekommen war. …

(IV. Alban Nikolai Herbst, Ernest Wichner und Publikum:)
[HEUTE AB 16 UHR, LIVE AUF DER BUCHMESSE, OpenSpace.]

15.58 Uhr:

Sò. Es geht los.

Kurze Frage an mich: Wie setztest Du gerne fort? Ich: der Terrier. Und: wikipedia über den kühnen Hund.
Wichner: Wie setzten Sie im Publikum das gerne fort?
„Ich wüßte gerne, wie das mit der FRau und den Kindern ist…“
„Sind das z w e i Frauen?“
Wichner: „Aber nein! Nur eine…“

„Anton ist das Kind des Russen… deshalb ist Nele das entführte-Falsche.“

Die Blicke der beiden trafen sich. Was denkt sie da???

Sie reißt die Arme hoch und strahlt ihn an, und Anton fällt zu Boden.Nein! Sie erschrickt fast zu Tode, als sie ihn erkennt.
In dem Moment fällt Neles Blick auf das Gesicht ihrer erschütterten Mutter…
Und sie schreit: „Mama!“ – „Mama, halt!“
Und sie beginnt zu weinen.
Das hört jemand im Nachbarabteil und informiert den Zugbegleiter.
Der reagiert sofort und läßt den Zug halten.
Scharfes, langes Quietschen der Metallräder.

Erinnerungsflash der Mutter: Als sie sehr klein gewesen ist, fuhr ein Zug, in dem die Kinder schon waren, ohne die Mutter ab.

Die Mutter hört dieses Quietschen und rennt und rennt, ergreift die Öffnungsschliße einer Tür, öffnet, springt hinein und rennt durch die Gänge. Was nicht leicht ist, weil die Reisenden aufgeregt sind, rufen, sich drängen. Sie drängt sich hindurch. „Nele! Nele!“

Anton ist langsam seiner Mutter hinterher. Auch er versucht, sich durch die Leute zu wühlen und wird – von Boris erkannt. Wie praktisch! Da kommt die Beute ja ganz von selbst!
„Nele!“ Und die Mama hat ihr Töchterchen an sich gedrückt.
Derweil, weil sie Angst vor der Polizei haben, sehen Wladimir und Boris zu, unbemerkt aus dem Zug zu kommen.
Da entdeckt Boris den kleinen Anton. Und er ergreift ihn.
Unbemerkt kommen die beiden, also die zwei mit ihrer Geisel, wegen des aufgeregten Gewühls aus dem Zug. Erst eine Minute später bemerkt die Mutter das und rennt nun ebenfalls hinaus, Nele durch die sich drängende Menge an den Abteilen hinter sich herziehend

16.42 Uhr:
Frage: Wieso ist eigentlich nicht die Frau die Anstifterin der Entführung. (Der Teilnehmerin kommt die Frau v i e l zu passiv vor.)
Offen ist auch noch: wer hat da morgens eigentlich angerufen?

Auf einmal erscheint auf einem Nachbargleis Neles Vater, den aber auch Anton für seinen wirklichen Vater hält.
„Vati!“ rufen die Kinder und rennen zu ihm hin, wobei der kleine Anton ein Überraschungsmoment ausnutzt und sich von Boris losreißen kann. Beide Kinder halten den einen Mann, Neles Vater, für ihren Vater.

Wo ist jetzt die Mutter?
Wo sind die beiden Russen?

Unterdessen ist die Polizei eingetroffen, und der noch immer sehr aufgeregte Schaffner versucht, die Situation zu erklären.

Da zeigt Linda auf Boris und sagt: „Der hat meine Tochter entführt!“ Sofort greift die Polizei zu. (Die Frau schützt Wladimir, obwohl sie weiß, daß er für die Entführung verantwortlich ist.)

In dem Moment zückt Wladimir seinen Revolver.
Die Mama schreit: „Duckt euch!“

Einwand: Das sei unrealistisch.

Boris ruft: „Aber ich habe doch nur meinen Auftrag ausgeführt!“ Und er stößt die Polizisten wegt, zieht einen Revolver, ebenfalls, die Mama ruft wieder: „Duckt euch!“
Diese Situation nutzt der andere Mann, um sich mit den Kindern zu verdrücken.
Da nimmt Wladmir, in dem er sie an sich reißt, Linda als Geisel, hält den Revolver an die rechte Schläfe und zischt: „Zurück! Oder ich schieße. Und gebt mir meinen Sohn!“
Linda aber sagt: „Er wird mir nichts tun, er wird mir nichts tun…. Der liebt mich immer noch.“
Wladimir: „Verlaß dich nicht drauf.“ Und zu den Polizisten: „Die Waffen herunter, meine Herren.“
Die Polizisten lassen die Waffen sinken, und Wladmir setzt sich, langsam rückwärts gehend, mit seiner Geisel ab. Die Polizei folgt in gebührendem Abstand.

Parallel sind die Absperr- und sonstigen Sicherheitsmaßnahmen der Polizei im Hintergrund verlaufen.

*******
Sò. Jetzt Hintergründe:

Was war damals zwischen Linda und Wladimir? Was brachte sie auseinander?
z.B.
Linda hat herausbekommen, daß Wladimir kriminell ist.
Er wollte das zweite Kind nicht.
Haben die beiden zusammen inm Deutschland gelebt oder in Rußland?

„Ich fände es ganz interessant, wenn es gar nicht mehr um die Kinder ginge, sondern vor allem um diese beiden. Vielleicht fand sie es ja sehr aufregend, daß er ein Krimineller ist. – Vielleicht hat sie jetzt ein Erinnerungs-Flashback, denn die Kinder sind momentan ja sowieso in Sicherheit.“

*******




Und
>>>> d o r t, nachgetragen, das Ende der Geschichte.



Freitag, der 16. 10., mit Rückschau:
>>>> Dort.

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3 Responses to Messejournal. 12. bis 16. Oktober 2011.

  1. Avatar phyllis says:

    Werde als russische Agentin kommen und den Terrier entführen. Bis später.

    • Der Terrier, bisher, scheint mir >>>> das geheime Zentrum dieser Erzählung zu sein: wäre er ein Pudel, dann müßte unbedingt von seinem Kern gesprochen werden. Er ist ein lebhafter, wachsamer, aktiver Terrier mit durchdringendem, intelligentem Ausdruck, kühn und furchtlos, freundlich mit ruhigem Selbstvertrauen.

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