INNAMELIAS ZWEITER TAG: Lesen & Schlemmen. Das Reisejournal des Freitags, dem 12. Juli 2013.


[DubStep hören.]
So sah es gestern nacht hier aus, nachdem die Jungs noch einmal in unsern kleinen Kochsaal gekommen waren und uns vorspielten, was sie hörten. Vorher hatte mir >>>> Parallalie neapolitanische Gedichte unter anderm >>>> Canio Loguercios vorgelesen, dann, auf Youtube, die Vertonungen klingen lassen; trefflich für mein Hörstück.
Im übrigen >>>> lese ich und lese, heute früh über fünfzig Seiten seit sieben Uhr, auf den drei Stufen sitzend in der Eingangstür mit dem Blick in den Cortile, ein bißchen innerlich unwirsch, weil unser Geschlemme selbstverständlich schon Spuren hinterläßt. Zumal ich derzeit keinen Sport mache. Hab nicht mal Lust, ein bißchen Kraft zu trainieren. Viel Pasta al Nero di Sepia gestern, dazu die gedünsteten Paprikaschoten, hinterher einen Ricotta al limone, der wie deutscher Käsekuchen schmeckt

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woraufhin dummerweise einige Schokolade den Schlund hinabging. Noch aber paßt mir die engste Hose, die ich überhaupt habe, eine Shorts: noch, aber grad mal so, geht noch der oberste Knopf zu. Ich hab das Ding vorhin angezogen, um mich selbst zum Mäßigen zu mahnen. Is‘ schon nicht mehr sehr bequem. Und der Wein, nun ja, >>>> ich kann ziemlich schlucken. Daß ich das bitte sein lassen möge, das mit dem Nachschenken – jedenfalls bei ihm: damit begrüßte mich heute morgen der Freund. Ich saß noch auf den Stufen, es war bereits neun.
Gegen eins lag ich, um kurz nach sechs stand ich auf. Um acht fingen die Säge- und Bohrarbeiten an, und der kleine Kläffer, so eine Art Halbspitz, der über uns wohnt, wurde zutraulich. Mit einem Mal sah er richtig süß aus mit seinem ondulierten Schopf. Ihn interessierten besonders meine Füße, dann entdeckte er an meinem Schal aus Tanger die eine flauschige Bommel. Das war zu unterbinden. Eine Bewegung, und das Hundchen spingt hochnervös zurück, nähert sich aber sofort wieder, wenn ich in Vergils Todessang zurücktauch‘. „Hör mal“, sag ich zu dem Tier, „ich konzentrier mich grad.“ Als hätte es verstanden, pest es anderswohin, besinnt sich aber, kehrt um und legt sich vor mich flach auf den Boden, bittend die Braunäuglein auf mich gerichtet. Soll es. Ich lese weiter: Still lag nun die Welt vor ihm, nach all dem vorangegangenen und überstandenen Getöse fast überraschend still, und es war vermutlich schon spät in der Nacht, vermutlich ihre Mitte schon überschritten; die Sterne brannten groß in ihrem großen Wandelgang, tröstlich und stark und ruheflimmernd vor beruhigender Wiedererkanntheit, allerdings bei aller Wolkenlosigkeit beunruhigend eingetrübt, als wäre zwischen ihrem Raum und dem der untern Welt mitten durch eine gleichsam hart-undurchdringliche, gerade noch für den Blick durchlässige, trüb-kristallene Wölbung einverspannt, und fast war es ihm, als ob die dämonische Zonenzerspaltung, der er mitsamt seinem Leib vordem im liegenden Lauschen, im lauschenden Liegen unterworfen gewesen war, sich hier auf die Außenwelt übertragen hätte, ja als ob sie hier so scharf, so unermeßlich geworden wäre, wie er es an sich selber nie erfahren hatte.

Was wir außerdem taten? Wir haben den Aufenthalt in Venedig und Triest vorgeplant; für jedes einen Tag, bevor wir dann den großen Sprung nach Niedersachsen machen.

Ich habe überschlagen: wenn ich jeden Tag mindestens fünfzig Seiten lese, bekomme ich Brochs Buch auf dieser Reise durch. Jetzt stell ich mir im Cortile den Liegestuhl in die Sonne.

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One Response to INNAMELIAS ZWEITER TAG: Lesen & Schlemmen. Das Reisejournal des Freitags, dem 12. Juli 2013.

  1. Sie sind doch in Italien – da dürfte es machbar sein, in einem alten Gemäuer einen Wandelgang ausfindig zu machen oder gar einen Kreuzgang in einem Kloster, denn dann können Sie gehend lesen und so die Kalorien verbrauchen, die Sie sich, Schlemmer, der Sie sind, an langen Abenden zuführen. (Ich hoffe, das löst jetzt nicht wieder eine Diskussion aus!)

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