Eitelkeit und Wissen: Replik auf einen Brief: PP10, 6. Oktober 2013, Sonntag. Danach dann wieder Neapel entgegen: die Sprecher:innen-Aufnahme.

’s ist Herbst auf dem Prenzlauer Berg:

(Nahe bei dem Waschsalon.)


Waschtag. Ich weiß nicht recht, wie ich vor der Abreise nach Frankfurtmain hier insgesamt noch Ordnung schaffen kann. Erstmal aber, ab sechs, anderthalb Stunden geschwommen. Dann den mit der Schmutzwäsche vollgestopften Rucksack gewuchtet und ab zum Waschsalon. Und nun das heutige PP, bevor ich mich, ein Tagesschnitt, für eine Stunde hinlege und danach auf das Neapel-Hörstück zugeh: von 16 bis 19.30 Aufnahmetermin im Studio 3 des Deutschlandradios Berlin. Der Abend wird mit dem Schneiden, also Putzen, der Aufnahmen verbracht werden müssen.

Gestern schrieb mir eine ehemalige Geliebte, unsere Liaison liegt nahezu zwanzig Jahre zurück, über Facebook einen Brief, auf den ich persönlich nicht antworten will. Aber, anonymisiert selbstverständlich, hier. Denn er ist das Dokument einer vor allem in Deutschland grassierenden Kleinheit und Kleinbürgerlichkeit, die nicht nur enervierend, sondern tatsächlich auch gefährlich ist, menschlich gefährlich und existentiell gefährlich, und zwar auch dann, wenn der Brief „doch nur gut gemeint“ sein sollte; abgesehen davon enthält er eine in der Tat hübsche Geschichte: die Befreiung von einem offenbar belastenden Roman durch sein Ertränken, bzw. Ertrinkenlassen mit anschließendem Gefühl der Erhebung:

Ich kann mich noch gut an den Sommer erinnern, als der Wolperdinger erschien, ich dich kennenlernte und du mir ein Exemplar schenktest. Den ganzen Sommer trug ich das schwere Buch mit mir herum…im Bett, auf der Liegewiese, in der U Bahn und ins Freibad…ich habe es nicht nur herumgetragen – ich habe es auch gelesen! ¾ Viertel davon. Und dann habe ich mich, ganz absichtlich, ganz nah an den Steg gesetzt und das dicke Buch ist mir… schwups – beim Umblättern ins Wasser gefallen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen und… ich war erleichtert.
Habe unter anderem auch ein bisschen in Meere gelesen und will erklären, was mir das Lesen deiner Bücher so schwer macht. Denn deine persönlichen Alltagsgeschichten lese ich gerne und mit Spaß. Sie sind witzig, frei und UNEITEL. Das ist das Problem, das ich mit deinen Büchern und mit dir habe. Deine Eitelkeit. Der Leser soll sehen, was du alles kannst und weißt, er soll fühlen, was du ihn fühlen lassen willst …und er soll gefälligst erkennen, wie brillant und anders du bist. Du willst beeindrucken ( und wunderst dich dann darüber, daß man dich nicht liebt…). Du willst mich zwingen dir und deinen Gedanken zu folgen – anstatt mich selbst fühlen, denken, wissen und verstehen zu lassen. Du willst dominieren, auch in deiner Kunst.
Zola beschreibt einen Marktstand, das Gemüse, das Obst, die Farben, das Wetter und…. und lässt mich dabei selbst erkennen wie sich die Marktfrau fühlt – lässt mich Empathie für sie empfinden. Ohne mich dazu zu zwingen. Er vertraut seiner Erzählkunst und er vertraut dem Leser. Du vertraust dem Leser nicht. Das ist anstrengend!…lässt keine Luft und keinen Freiraum. Ich weiß, daß es die Eitelkeit und das Zwanghafte sind, was Manchen an Dir abstößt – nicht deine Sexualität, deine Themen oder… oder… Ich glaube erst wenn du Deine Eitelkeit und den Wunsch zu dominieren (auch dich und deinen Körper) ablegst, wird deine Kunst wirklich so gut sein, wie sie es kann.

Abgesehen davon, daß die Autorin dieses Briefes nicht einmal den Titel des ertränkten Buches richtig wiederzugeben vermag, wird hier eine Haltung deutlich, die gegenüber einem Dichter in Frankreich, Italien, Spanien völlig unvorstellbar wäre, wo man an anderen und an sich selbst Eitelkeit sehr wohl zu genießen weiß, weil man sie als ein erotisches Spiel versteht. Nur die Deutschen (und Japaner, übrigens) erwarten vom anderen, daß er sich grau gibt, namentlich Autoren. Bei Malern ist man großzügiger, bei Komponisten übrigens auch, um von den Stars der Film- und Unterhaltungsszenen einmal zu schweigen. Da kann die Eitelkeit gar nicht groß genug sein. Aber Autoren sollen an den Nägeln knabbern und Autorinnen bloß nicht zeigen, daß sie schön sind, wenn sie es denn sind: ein wirklicher Makel des Geistes.
Interessanter ist aber der andere Vorwurf, der bezeichnenderweise sogar gegen >>>> Meere vorgebracht wird, einen Roman, in dem es überhaupt keine hervorgehobenen Bildungsinhalte gibt, sondern die Geschichte einer Obsession und zugleich einer Verzweiflung an deutscher Vergangenheit erzählt wird, die allein durch seinen Namen wie ein Fluch über dem Maler Fichte hängt, und zwar seit quasi seiner Geburt. Indes der Wolpertinger tatsächlich mit Bildungsmaterial spielt, nicht nur das, sondern aus ihm auch in weiten Teilen besteht (aber er besteht auch aus zahllosen Erzählungen und Figuren); dieses Spiel ist eines der Postmoderne und beileibe nicht nur bei mir zu finden. Man sehe sich nur einmal Pynchons Gravity’s Rainbow an oder auch Gaddis‘ Die Fäschung der Welt, beides ganz zweifellos Meisterwerk unserer literarischen Moderne. Von Joyce will ich hier gar nicht erst sprechen. Aber diese Bücher sind es wohl auch nicht, die die Briefautorin favorisiert; es kommt nicht von ungefähr, daß sie mit Zola aufs 19. Jahrhundert Bezug nimmt; wahrscheinlich kennt sie außer dem bißchen Lesen bei mir überhaupt keine moderne Literatur. Das ist auch nicht schlimm. Jede und jeder mag lesen, wo sie und er es will. Mir geht es um etwas anderes: den Vorwurf nämlich, ich würde mich mit meinem Wissen vordrängen, ja, er, der Vorwurf, besteht schon darin, daß ich es zeige. Gewünscht wird, daß ich’s verberge, weil es nämlich in den Augen mancher Menschen, jedenfalls dieser Briefschreiberin, ein Makel ist. Man soll sich nicht unterscheiden. Dahinter wirkt ein enormes, in diesem Fall sich selbst stelzendes Minderwertigkeitsgefühl; es ist dieses, was sich mir zu dem Vorwurf macht. Anstelle zu reagieren, wie etwa ich reagiere, wenn ich auf jemanden treffe, der mehr weiß als ich, und anderes weiß: nämlich die Ohren aufzusperren und n o c h mehr wissen zu wollen, mich also an des und der anderen Mehrwissen mitzubereichern und auf diese Weise zu wachsen. Mich fasziniert das Mehr, jedes, und sofern ich kann und Interesse für die Inhalte habe, möchte ich dran partizipieren. Habe ich das Interesse nicht, was durchaus vorkommt, wird das gezeigte Wissen aber kein Grund für mich, den Autor nicht zu mögen; allenfalls, daß er mir egal bleibt. Aber selbst das ist unwahrscheinlich, weil ich allein schon genießen kann, daß jemand weiß. Zeigte er mir das nicht, ginge ich dieses Genusses verlustig. Denn selbstverständlich wissen v i e l e Menschen mehr als ich, sehr v i e l e, und das ist gut so. Ich habe eine hohe Achtung vor Kennerschaft und Kenntnissen, und es ist egal, ob es sich um Handwerker, Ärzte, Wissenschaftler oder Künstler handelt. Keine Achtung habe ich davor, wenn jemand sich im Mittelmaß eingerichtet hat und meint, es sich durch Briefe wie den zitierten verteidigen zu müssen. Dann stimmt nämlich etwas mit dieser Einrichtung nicht. Das tut’s auch in diesem Fall nicht, nur werde ich nicht schreiben, weshalb; es wäre persönlich, und so etwas gehört hier nicht mehr hin. Persönlich allerdings ist der Degen, den dieser Brief selbst gegen mich führt. Er stammt von einer Frau, die mir in den letzten Monaten, ebenfalls per Facebook, immer wieder versichert hat, wie sehr sie meine künstlerische Konsequenz, ja, Sie lesen richtig: achte. Ich habe auf solche Zuschriften nie reagiert; vielleicht erklärt ja das diesen plötzlichen Schwenk, der sich auf >>>> mein neuntes PP bezieht, das also von gestern.
Es ist Kleinbürgerei zu verlangen, daß Autoren und überhaupt die Menschen nicht zeigen, was sie sind, denken, wollen, können. Und der Vorwurf, ich wolle meine Leser als Autor dominieren, ist geradezu absurd, weil ich selbstverständlich will, daß das, was ich erzähle, auch verstanden wird, wie ich es meine. Ebenso selbstverständlich hat jede Leserin und jeder Leser das Recht, einen Text mit sich selbst zu interpretieren und ganz andere Schlüsse zu ziehen, als der Autor es will. Das bleibt gänzlich unbenommen. Nur daß vielleicht die Argumente so stark sind, daß dies den Lesern nicht so richtig leichtfällt, und darum sind sie verschnupft. Die Briefautorin jedenfalls möchte, daß sie gelenkt wird, ohne es zu merken: ihr Brief ist geradezu ein Aufschrei danach, manipuliert zu werden. Und das, in der Tat, werde ich meinen Leser:inne:n nicht geben. Nie:


Übrigens ist Manipulation ein Kennzeichen des Pops, zumindest des Mainstreams. Daraus aber, eitel zu sein, habe ich niemals einen Hehl gemacht. Denn ich bin es gerne und freue mich dran, wenn auch andre es sind.

(12.26 Uhr.
12 °C.)

***

Nun aber Mittagsschlaf und dann: Neapel entgegen. Eventuell stelle ich Ihnen heute abend ein paar Impressionen von den Sprecheraufnahmen ein.
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Auch das Annoncement der nächsten Argo-Veranstaltung, am kommenden Mittwoch in Frankfurt am Main, ist >>>> nunmehr eingestellt. Selbstvrständlich auch >>>> bei FB.
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Diskussion zu meiner Eitelkeit und Dominanz, bzw. der meiner Bücher: >>>> dort und h i n t e r den Kulissen. Ordentlich was los is‘. Ich hätt’s mir denken können. Aber ich muß das jettzt abbrechen, habe eben noch das Typoskript für die Tontechnik kopiert und schwing mich nun aufs Rad.
(14.50 Uhr.
Nach dem Espresso.)
***

(21.45 Uhr.)
Zurück von den Aufnahmen:



Ist wunderbar gelaufen. Ich liebe „meine“ Sprecher und danke ihnen sehr:

Und ebenfalls die Tontechnikerin war, nach einer kurzen Phase des Eingewöhnens in diese nicht übliche Art, ein Feature zu inszenieren, mit ganzer Seele dabei. Jetzt eß ich was, dann werde ich die Tondateien auf Laptop und Sicherungsplatte überspielen. Ab morgen wird dann geschnitten. (Und ganz nebenbei noch, wegen der Hin- und Rückfahrt, fünfundzwanzig Kilometer Fahrrad gefahren, als sozusagen zweite und dritte Trainingseinheit des Tages. So kann ich mir, jetzt, meinen täglichen Talisker „leisten“.)

Wenn ich inszeniere, auch und gerade, w ä h r e n d ich es tue, bin ich glücklich. Nahezu immer. Niemand, dann, beklagt sich über das, was ich tue, und daß ich es zeige. Im Gegenteil, man ist dankbar, so, wie auch ich dankbar bin, daß diese Menschen ihr Können und ihre Seele in solch eine Arbeit hineintun.

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Über Alban Nikolai Herbst

https://de.wikipedia.org/wiki/Alban_Nikolai_Herbst
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31 Antworten zu Eitelkeit und Wissen: Replik auf einen Brief: PP10, 6. Oktober 2013, Sonntag. Danach dann wieder Neapel entgegen: die Sprecher:innen-Aufnahme.

  1. MelusineB sagt:

    Verzeihen Sie, aber ich musste grinsen, als ich das las. Mir ist es mit Ihnen grad anders rum ergangen. Als ich Sie vor nurmehr über 20 Jahren (stimmt das?) im Seminar auftreten sah, empfand ich Sie tatsächlich auch zunächst als überaus auftrumpfend und dominant (Da waren Sie aber auch noch jünger und vielleicht unsicherer?) Aber sobald Sie anfingen zu lesen (ein Essay über Hans Henny Jahnn), war ich fasziniert, weil das, was Sie geschrieben hatten, mir vielschichtiger, zugleich mutiger und vorsichtiger erschien, als ihr „Auftritt“. Ich finde, ganz wie diadorim, Ihre Texte sind gelegentlich klüger, empfindsamer, weniger urteilend, als Sie selbst, wenn Sie sich in Kämpfe verstricken (Ich darf das schreiben, denn mir geht es ganz ebenso. Ich bin auch aufbrausend und nicht sehr diplomatisch in der „Hitze des Gefechts“. Leider.)
    Nun – jedenfalls habe ich beim Lesen Ihrer Texte nie gedacht: Huch, da trumpft aber einer auf mit seinem Wissen. Das ist ja auch ganz schrecklich unsouverän, wenn eine so liest, als müsste sie das alles „nachstudieren“ oder aber sei ausgeliefert. Ich fand´s vielmehr toll, als NO mir hier durch seinen Bildungsschatz, der meinen weit überragt, noch einmal ganz neue Seiten des Wolpertinger eröffnet hat. Eine muss das aber gar nicht alles wissen, denk ich, um sich auf den Sog der Texte einzulassen.
    (Dass sie so dick sind, die Bände, das ist – ganz pragmatisch – aber schon hinderlich. Drum freue ich mich auch drauf, wenn die Trilogie als Ebook erscheinen wird.)

    • Sich einlassen, @Melusine, w o l l e n. An ganz anderen Stellen habe ich davon geschrieben, daß dem Begriff des Kunstwollens einer des Rezipierenwollens entspricht. In Sachen Technik haben die Menschen damit offenbar kein Problem: Sie fahren fast alle Autos mit elektronischer Einspritzpumpe, für die schlichtweg gilt, daß die wenigsten sie verstehen. Dennoch kommen sie damit ziemlich gut voran. Das kann für Literatur, insgesamt die Künste, genau so gelten, vorausgesetzt, man läßt sich ein. Die angebliche Dominanz meiner Texte ist insofern eine Projektion und dahinter steht, das sehe ich wie Sie, mangelnde Souveränität, die, weil sie wehtut, wenn man sie spürt, dem Autor moralisch zum Vorwurf gemacht wird. Das genau ist der Tenor des zitierten Briefes. Ich habe alles Verständnis dafür, wenn mir jemand sagt, sie oder er fühle sich einfach überfordert, und deswegen möge sie oder er meine Bücher nicht lesen. So wäre das menschlich gewesen, und man kann dann erklären, entgegenkommend, freundlich, vielleicht auch mit der Hoffnung, einem Verständnis das Kissen aufzuschütteln, oder man kann es belassen, wie es nun einmal ist. Wir müssen uns nicht alle verstehen. Aber in der Tat sind meine Bücher einfach nur Texte und als solche ein Angebot. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und wann immer mich jemand fragte und fragt, stehe ich öfter als irgend eine Kollegin oder ein Kollege sonst bereit, um zu antworten, und wende sehr viel Zeit dafür auf. Aber es wird oft nicht gefragt, sondern – verurteilt. Für das eigene Selbstbewußtsein ist das offenbar kommoder.

  2. leser sagt:

    mittelmaß Mir tat gut, ihre Entgegnung zu lesen. Mich ärgert auch oft diese typisch deutsche Unsitte, alles auf ein Mittelmaß zu stutzen: war mehr weiß, soll das bitte verbergen (ist nämlich Besserwisserei), wer mehr kann, soll so tun, als könne das jeder, wer mehr leistet, soll sich dafür rechtfertigen, wer daraus mehr verdient, soll gefälligst abgeben. Ich hasse diese Gleichmacherei. Und ich lese mit Genuß Ihre durchaus eitlen, aber mit Recht eitlen Überlegunen zu Ihrem Werk.

  3. Ein Autor der nichts von der Welt weiß, wird nichts zu erzählen haben. So einfach ist das. Zudem besteht ein Text ja aus deutlich mehr als nur Wissen von Etwas und über Etwas. Ein Leser, der abgestoßen wird vom Erzählten, will offensichtlich nicht teilen und nichts „Fremdes“ serviert bekommen, will dem Text nicht die eigene Phantasie schenken, die im Zusammenprall mit der des Autors eben das Leseerlebnis als solches erst darstellt. So ein Leser ist kein Leser, er oder sie will unmittelbar vom Text etwas auf ihn oder sie genau Zugeschnittenes „haben“, so ein Leser will Kitsch, er will einen Text zum Schunkeln.

    Ja, dieser Hang zum Mittelmäßigen, diese Vorverurteilung von Menschen, die sich „nur dicke tun wollen“ (diesen Spruch kenne ich aus der Kindheit und hat mich da schon maßlos geärgert und vor allem behindert – das wirkt leider bis heute nach), ist zutiefst kleinbürgerlich gedacht. Schon Jean Paul hatte damit zu kämpfen, Goethe, seltsamerweise, weniger. Das hat also Tradition in Deutschland, die seit 150 Jahren ihre Heimat bei der Sozialdemokratie gefunden hat und sich wie eine Krankheit in fast alle Bereiche des Lebens (und alle Parteien) schleicht – erst gestern sprach ich auf einer sehr schönen Feier mit einer jungen Frau über eben diese Thematik, weil eben auch sie, noch Schülerin, diese Tendenz zur Gleichmacherei deutlich erkennt.

    Dazu noch dies:
    „Leser, die nicht lesen können, sind ein Trost für Autoren, die nicht schreiben können.“ (Manfred Hinrich)

  4. leser sagt:

    grösse und kleinheit Dieses „Kleinmachen“, um keine Ablehnung erleiden zu müssen, traf mich als Schüler tief, und trifft auch heute Kinder, die g e r n e (das soll´s geben!) in die Schule gehen und dort Erfolge erleben, diese aber nicht genießen dürfen, weil sofort die Schar der Neider auf dem Plan steht. Wie soll da Freude am Erreichten entstehen? Wie soll da Freude an Leistung, in welchem Bereich auch immer, bestehen dürfen?
    Eine fatale Entwicklung, die jedem Wachsen, Lernen, Bewundern von echter Größe entgegensteht.
    Ein Blick über den kleinbürgerlichen Tellerrand ins Ausland täte wie immer gut. Aber der echte Kleinbürger fährt halt ins Ausland um am Pool zu liegen und sich die Liegen zu reservieren und über Kellner zu meckern. Ein wacher, wissbegieriger , demütiger Blick in andere Lebensweisen und Kulturen wird nicht für nötig befunden.
    Was leisten heutzutage Wissenschaftler, z. B. in der Medizin, in aller Stille und Bescheidenheit? Nichts, hört man den Kleinbürger, der über die „Schulmedizin“ wettert , und, mit einer künstlichen Hüfte und nach von den Kassen bezahlter Reha Globuli futtert.

  5. phyllis sagt:

    „Ich bin dankbar, dass sie mich mögen, obwohl ich gut bin.“

    Die Worte eines hochbegabten Vierzehnjährigen aus meinem Bekanntenkreis über seine Schulklasse.

  6. Ludger Gehring sagt:

    Ich lese auch, dass in Ihrer Literatur die Selbstdarstellungslust des Autors größer ist als jede Geschichte, jede Figur, jedes Interesse. Es gibt keine scharfe Fragen, die Wissensgirlanden verhindern könnten. Das lässt diese Literatur in Zeiten von Wikipedia alt aussehen. Auch ein Arbeitsjournal interessierte mich nur, wenn es von Fragen geleitet wäre (bei Goetz: wie geht dieses Scheißleben?) und nicht einer zweifelsfreien Figur dient, um die sportlichen, erotischen, literarischen Höchstleistungen zu präsentieren. Ihre Eitelkeit verhindert Zweifel.

    • @Ludger Gehring. Von welchen meiner Bücher sprechen Sie denn, wo haben Sie eine „Selbstdarstellungslust des Autors“ gefunden? Im Dolfinger-Roman, im New-York-Roman, im Trauerbuch Meere, in Thetis? Doch bitte mal Butter bei die Fische, bevor Sie vom Hörensagen weiterplappern. Aber wenn Sie Gotzens wirklich irre komplexe Fragestellung, die zumal schon mit einer Bewertung daherkommt, für erkenntnisleitend haltend, dann sind Sie in der Tat falsch bei einem wie mir. Völlig falsch, und selbst der Ratschlag eines tröstenden Seelenhirten wär für Sie zu überkomplex. Sie „verkaufen“ hier, unter uns und meinen Leser:inne:n gesagt, Goetz für übrigens weit weit unter Wert. Wobei auch mir etwas rätselhaft ist, für das, um es zu verstehen, mir der intellektuelle Schlüssel fehlt: Was hat bitte meine Dichtung mit Wikipedia zu tun? Wie kommen Sie auf diesen eigenartigen Vergleich? Ich schreibe keine Enzyklopädien.

  7. bersarin sagt:

    @ ANH
    Daß es im Deutschen kein adäquates Wort für Esprit gibt, ist ebenfalls Ausdruck der von Ihnen geschilderten Situation jener Mittelmäßigkeit. Restbestand protestantischer Geringschätzung und Selbstgeißelung. In der Tat: niemandem in Frankreich oder Italien käme es in den Sinn, wegen eines gelungenen (vielleicht sogar eitlen und prätentiösen) Textes voll von Anspielungen und Bezügen oder aufgrund einer besonders feinen, ausgefeilten rhetorischen Figur (sei sie nun, die Sache betreffend, richtig oder nicht) sich in zu genieren, und es erschallte aus dem Publikum heraus kaum der Ruf: Ab in die Ecke und schämen! Sondern vielmehr freuten sich Leserinnen und Leser ob solcher Sätze, weil sie den Überschuß des Denkens bemerken und zu schätzen wissen.

    Es mag dieser Hang zum Mittelmaß auch einer der Gründe dafür sein, daß der Begriff der Sophisten – zumindest in der deutschen Philosophie – einen derart schlechten Beiklang besitzt. Anstatt daß wir im Sophisten das Moment des Aufklärerischen wahrnähmen.

    Was jene Verfasserin des Briefes schreibt, ist leider der common sense beim Leseverhalten: ein Buch auf den eigenen Horizont hin zu applizieren und hinter dem Text die Autorin oder den Autor erschnüffeln zu wollen. (Bei jener Frau mag diese Reaktion insofern noch verständlich sein, weil jene Dame Sie kennt, und insofern vermag sie es nicht, zwischen Text und empirischem Subjekt ANH zu differenzieren.)

    @ phyllis
    Ja, ähnliche Beobachtungen machte schon Th. W. Adorno in seiner Schulzeit, aufgeschrieben in den „Minima Moralia“. Ihm schien es jedoch irgendwie egal zu sein, ob er gemocht wurde oder nicht. Die Umstände heute sind härter. [Frau Bachmann wußte es bereits vor 50 Jahren, daß da härtere Zeiten kämen.]

    Die meisten schätzten den Teddy nicht – das ist noch heute so. Herausragende Leistungen im Feld der Ästhetik und der Philosophie werden nicht gerne gesehen und schon gar nicht goutiert.

    @ Norbert W. Schlinkert
    Ich würde die Sozialdemokraten als Partei nicht so pauschal verdammen wollen wie Sie es tun. Im 19. Jhd besaßen sie ihre Berechtigung. Eine (weiterführende) Sichtung der Sozialdemokratie findet sich – im Grunde immer noch aktuell – bei Marx in seiner „Kritik des Gothaer Programms“. Darin und nicht in der Gleichmacherei würde ich die Sozialdemokratie kritisieren wollen. Ihren ersten tiefen Fall hatten die SPD 1914. Und seit dieser Zeit kann man wohl mit Hildegard Knef sagen: „Von nun an ging’s bergab!“ Doch partiell zumindest war es Fleisch von unserem Fleische. Zumindest bis in die 70er Jahre hinein: Daß ich (und viele andere aus der sogenannten nivellierten Mittelschicht und insbesondere aus den einfachen Haushalten) ein Gymnasium und dann eine Hochschule besuchen durften, habe ich den Bildungsreformen der 60er, 70er Jahre zu verdanken. Ansonsten hätten meine Eltern ein horrendes Schulgeld abdrücken müssen oder ich wäre in Hamburg in der Hauptschule kleben geblieben, wäre Rocker mit Adorno-Einschlag geworden. Beim Durchs-Gesicht-Ziehen des Nietengürtels hätte ich das Gegenüber gegrölt: „Es gibt kein richtiges Leben im valschen!“ und beim Zertrümmern und Fragmentieren von so gegnerische Motorräder: „Das Ganze ist das Unwahre.“ Unter den Talaren, der Muff von 1000 Jahren: Das hatte – um ein winziges zumindest – in den 70ern ein Ende. Für die Kindergärten sowie das Bildungswesen war diese Gleichmacherei wichtig: ansonsten blieben an den Hochschulen die Medizinersöhne und -söhninnen, die Juristen und Juristinnen. Wie eh und je.

    Gleichmacherei mag im Feld der Kunst, der Wissenschaft und der Ästhetik mißlich sein; im Feld des Sozialen ist es unabdingbar, daß denen, die sich Arbeitskraft aneignen, um Profit zu generieren, ungehemmt genommen wird.

    • @ANH [Nachtrag: wie komme ich denn darauf! Zu viel Bier bei der Tauffeier gestern? Also @bersarin] Die Leistungen der Sozialdemokratie, die Sie ansprechen, sind auch für mich ersichtlich. Der dahinterstehende Geist aber behindert h e u t e , im heutigen Kontext, eben das, worum es ging und geht, nämliche gerechte Verteilung von Resourcen, Chancengleichheit usw. Die Angst vor einer Elite steckt den sog. Sozialdemokraten ebenso im Rücken wie jener Dolch aus jener Legende, so daß sie, haben sie die Macht für Veränderung, diese nicht mutig, sondern verdruckst nutzen. Daß sie dadurch drei Mal gleichsam Abspaltungen haben hinnehmen müssen (USPD, Grüne, Linke) und jetzt bei 25 % rumdümpeln, ist die Folge dieser Verzagtheit – daß es der SPD-Spitze selbst an Intellektualität mangelt, ist da nur noch eine bittere Pointe obenauf.

    • bersarin sagt:

      Nicht ANH, sondern Icke, der Stadtkommandant, der gerne Auto fährt und intellektuelle Frauen sowie die Melancholie liebt, schrieb’s: Was den heutigen Geist der Sozialdemokratie betrifft, gebe ich Ihnen recht. Allerdings würde ich den Begriff der Elite nicht verwenden, weil er für mich teils unangenehm konnotiert ist. Wohl aber kann man von einer Kompetenz sprechen, die aus einem bestimmten Wissen, aus Kenntnissen und (praktischen) Fertigkeiten resultiert. (Was u.a mit dem Begriff der Arbeitsteilung zusammenhängt.) Wer hier alles unterschiedslos machen möchte, beraubt sich und auch die anderen ums beste. (Wobei mir der Begriff von Kompetenz aufgrund seines technokratischen Klanges ebenfalls mißfällt.)

      Die Linke im Spanischen Bürgerkrieg unterlag übrigens auch aus dem Grunde ihrem Gegner, weil ihr die Ausdifferenzierung einer militärischen Rationalität, die Führung und Entscheidungen in taktischen sowie strategischen Fragen für sich beanspruchte, mißlang. Mit anarchistisch-sozialistischen Interbrigaden läßt sich kein Krieg gegen einen moderne Armee gewinnen. Auch hier hätte Kompetenz zum Kriterium erhoben werden sollen. Leider erwächst von da heraus, aus dem Aspekt einer Parteiorganisation als Avantgarde, dann leider leicht eine mit leninschem Geist und von Stalin geschweißte Partei. Das ist die andere Seite der Medaille.

    • @bersarin (diesmal richtig gedacht u n d richtig geschrieben) Ich empfinde den Begriff „Elite“ auch als problematisch, er läßt sich auch nur schlecht durch eine neue, weitgehend unbelastete Generation Menschen neu fassen und füllen (wie beim Begriff „Heimat“ m. E. möglich), denn wer sich selbst als Elite sieht und bezeichnet, verfügt oft auch über reale und womöglich angemaßte Macht, so daß eben die von Ihnen angesprochene andere Seite der Medaille zum Vorschein kommt. Im Kluge (Wörterbuch der Etymologie) findet sich als deutsche Entsprechung für Elite „Auswahl der Besten“, und das ist noch schlechter zu benutzen als die Esprit gar nicht abdeckenden Worte „Witz“ oder „Geist“, wenn man denn ein deutsches Wort für Esprit wirklich bräuchte. Also: was machen wir ohne Wort für das, was benannt werden muß, auch schon bevor es überhaupt vorhanden ist?

    • Esprit @Bersarin. Doch, wir haben ein solches Wort. Es heißt „Geist“. Wegen der Vielfachbedeutungen dieses Wortes, das zwischen Begriff und Name aufgespannt ist und ausgesprochen vibriert, gefällt es mir besonders gut. Denken Sie an Redewendungen wie „Es war ein geistreiches Gespräch“ – was eben nicht ein rein intellektuell „trockenes“ meint, sondern eines, das auch mit Sinnlichkeit geladen ist, und mit Humor. In genau diesem Sinn sprechen wir von einer „geistreichen Person“ – ein besonders schönes Idiom, weil auch Lebhaftigkeit und Lebendigkeit hier mitgemeint sind.

    • Das Problem @ANH mit dem Geist ist nur, daß nicht eben viele Menschen die Vielfachbedeutung von Geist begreifen, auch das „Witz haben“ in der schönen, alten Bedeutung ist nicht eben präsent – all das natürlich Folge des schlechten Bildungsniveaus in Deutschland.
      „Esprit“ funktioniert als bezeichnendes Wort übrigens auch etwa für Theateraufführungen oder Konzerte und so weiter – doch sagte man etwa, eine Aufführung habe Geist gehabt, hört sich das ohne weitere Ausführungen eher negativ an, was auch für den Witz gilt. Ich denke also, Bersarin liegt ganz richtig mit seiner Annahme.

  8. diadorim sagt:

    haaalt. bitte, im gegenzug dann dieser kritikerin gleich auch absprechen zu wollen, dass sie nun mal nicht die ideale leserin deiner bücher ist, ist zwar völlig verständlich, aber übersieht, was sie schreibt, sie schreibt, sie ist überfordert und mag den stil nicht, das ist ja zunächst einmal erlaubt, ich hab thomas mann abgebrochen, den zauberberg als settembrini und naphta einen theorieschub nach dem anderen abfeierten, ich hab den anti-ödipus abgebrochen, weil mir der jargon der siebziger, vielleicht nur in der übersetzung, derartig schwierigkeiten bereitete, dass viele sehr wichtig richtig erscheinender beobachtungen mir unter dieser sprache komplett zu ersaufen schienen. ich habe den ganzen musil und beinahe den ganzen schmidt gelesen. alle diese großschriftsteller, egal, ob man sie nun mag oder nicht, verlangen einem natürlich einen marathonwillen ab, diese bücher zu lesen, dazu muss man sich entschließen, und wenn man sich dazu nicht aus freien stücken entschließen mag, dann ist es eine last. und alle überlegen sich sehr genau, welche lasten sie tragen können oder wollen und in welchen kosmos sie bereit sind einzusteigen, oder eben nicht. es sind ja ein paar durchaus bedenkenswerte überlegungen drin. der freiraum, den man vielleicht lassen muss, das misstrauen gegen den leser, da könnte doch was dran sein? für mich wäre dann die frage, ist das so und muss es in jedem fall so sein oder könnte man auch sagen, diesem zwang, der ganz kurzen leine eignet auch eine qualität, wie vielleicht ja jedem training, ohne das man keine tour de france je wird gewinnen können, dennoch kann ich aber auch die verstehen, die sagen, ich will gar keine tour de france gewinnen müssen, wenn ich auf ein rad steige. diese leserin ist dir viel gewogener, als es den anschein hat, und sie zeigt, so lese ich es, dass eben sie überfordert war, das darf sie doch vielleicht? dass sie diese überforderung nicht ganz allein schultern mag und ein bisschen davon auch auf deine schultern wieder legen möchte, vielleicht weniger kleinbürgerlich als menschlich? ketzerisch würde ich ja formulieren, vielleicht bist du ja auch der kleinbürger, der über jeden winkel wachen muss? und ich nehme mich selbst nicht aus und die nsa ist ja vielleicht der größte kleinbürgerverein schlechthin, vielleicht steckt ja viel kleinbürgerei in großen schriftstellern und speist sich aus ihr? ich hielte das für möglich. und ein robert walser ist sicher kein kleinbürger gewesen, jakob von gunten lehrt es in einer unvergleichlichen weise, dennoch wird robert walser nie als erstes genannt werden, wenn man von den großen spricht, kafka aber immerhin schon. aber nicht minder broch oder jahnn, und ich mag sie wirklich nicht gegeneinander ausspielen. deiner kritik merkt man eben auch an, man muss dich für alle ‚großen‘ werke lieben, wenn man sagt, die nicht, aber dafür die alltagsbeobachtungen zürnst du wie der könig in einem märchen, der bei dem vergleich seiner jüngsten tochter, die versucht zu sagen, sie liebe ihn sehr, nämlich wie das salz in der suppe, gleich des ganzen reiches verwiesen wird. ein klassisches kommunikationsproblem, im kosmos der kritikerin wurde meines erachtens ’nur‘ mit salz gelobt und das war mal wieder zu wenig. ich kenne selbst den mechanismus zu gut und fühle mich nicht gewollt und geliebt für das, was ich mache, klar, ich bin autorin, wie sollte es da anders sein …

    • aber doch nein, diadorim: Ich hab doch gar nichts dagegen, wenn diese Briefschreiberin mit meiner Arbeit nichts anzufangen weiß; das hab ich so auch geschrieben. Das ist überhaupt nicht schlimm. Ärgerlich aber ist, mir daraus einen Vorwurf übergroßer Eitelkeit zu machen, also das Herumdrehen in ein moralisches Verdikt. Genau da mache ich nicht mit und empfinde es als einen unangemessenen und auch schwer unfairen Angriff auf meine Person: um die ging es ihr offenbar auch. Hätte sie einfach geschrieben, ich kann mit Deinem Zeug nichts anfangen, je nun, dann wäre das halt so, sie hätte nicht mal schreiben müssen, daß sie überfordert ist (sofern sie’s ist, was ich nicht weiß).
      Also, wogegen ich mich wende, ist, daß meine Person verunglimpft wird, nicht mehr und nicht weniger, und bei Kritik an meiner Arbeit, sofern man sie veröffentlicht, erwarte ich Argumente; privat kann man jeder Meinung über sie sein, der frau und mann nur sein will. Man kann sie ja einfach nicht mögen, egal, weshalb. Nur gibt man das dann nicht als öffentliches Urteil ab. Oder man muß damit rechnen, daß einem auf die Finger gehauen wird. So einfach und so kristallklar ist das. Was mich aber in diesem speziellen Fall verärgerte, ist die moralische Implikation, dieses dummdreiste Abstellen auf Wohlgefälligkeit.

      Ist übrigens ganz angenehm: so verliert man Ballast. Der schlimmste sind Freunde, die es nicht sind.

    • diadorim sagt:

      in musils schwärmern heisst es über anselm mal, wer nichts leistet, will geliebt werden, na ja, hab ich damals gedacht, und wer was leistet, der etwa nicht? der vielleicht noch viel mehr als die anderen? aber liebe ist ein ungerechtes gefühl, die wird eben nach vielfältigen gesetzmäßigkeiten verteilt, die sich der eigenen einflussnahme entziehen. der wirklich seligste zustand mit der kunst ist für mich tatsächlich einer, der etwas selbstvergessenes hat, von dem bin ich allerdings vollkommen abgekoppelt, ich beneide allerdings die menschen, die frei sind von jeder form des geliebt werden wollens, vielleicht weil ich gerade so emotional abhängig bin, ganz sicher. wie gesagt, ich lese weniger verunglimpfung als du, aber ich kann nachvollziehen, dass es dir anders erscheint. die schlimmsten freunde sind die, die einem nicht sagen mögen, was sie stört, sondern einen immer nur loben. die, die einem anerkennung aussprechen und wertschätzung, auch in der kritik, an die sich zu halten, ist vielleicht auch keine so schlechte idee, oder? was ich gestern noch getan habe…

    • Apropos @diadorim sich zum Lesen entschließen zu müssen – ausschließliche Kleinschreibung in Texten (v.a. auch in Bildschirmtexten) macht das Lesen überaus anstrengend und steht auch quer zum „Esprit“ der deutschen Sprache. So entstehen „kommunikationsprobleme“. Kann natürlich auch sein, daß ich zu faul bin!

    • diadorim sagt:

      nee, ich bin zu faul, aber mich strengt es auch nicht so an, ich hab ja die wiener gruppe gelesen ;).
      alles ne frage der übung, schmidt lesen hat mich irgendwann auch nicht mehr angestrengt.

    • Schön und gut, ich habe mich auch oft zu Schwierigem entschlossen und „meinen“ Musil, Joyce, Beckett, Arno Schmidt und so weiter gelesen, mich strengt anspruchsvolle Literatur auch nicht mehr an, ganz im Gegenteil. Aber bei Diskussionsbeiträgen …

    • @diadorim noch einmal zur Kritik. Ich verstehe wirklich nicht, wie man darauf kommen kann, ich hörte nicht auf Kritik – gerade nach dem, was hier in Der Dschungel so sehr oft geschehen. Als änderte ich nicht sogar Texte aufgrund von bisweilen ganz anonymen Stellungnahmen, um von deren zu schweigen, die mir nah sind. Selbstverständlich halte ich mich abwägend auch an das, was andere mir sagen. Wenn Sie wüßten, wie harrsch mein bester Freund sein kann, um von Delf Schmidt einmal ganz zu schweigen. Wie einwendend oft die Eindrücke der Löwin sind. Usw.
      Ich lasse mir nur nicht, so eben auch von ihr, dieser Briefeschreiberin, nicht, verpulen, daß ich „nachzureifen“ hätte und weiteres solches Zeug. Pardon, ich bin 58. Stellen Sie sich mal vor, jemand hielte Barenboim das vor, der ganz gewiß nicht minder eitel ist als ich, aber eben auch eine Lebensleistung vollbringt, unter deren Bruchteilen solche Anwürfer und Anwürferinnen binnen dreier Tage restlos in die Knie gingen. Und dann bekämen sie Sozialrente. Schon gar nicht lasse ich mir so etwas von jemandem sagen, die noch nie in ihrem Leben für andere auch nur die Spur existentieller Verantwortung übernommen hat. Ich will hier wirklich nicht ins Detail gehen, weder in mein eigenes noch in das der anderen; nur einfach klarstellen: So simpel, wie diese kleinbürgerlich-moralische Rhetorik es will, liegen die Dinge nicht. Sondern sie sind – und deshalb auch meine Literatur – komplex. Das sogenannte Einfache lügt i m m e r. Es von der Dichtung zu erwarten, heißt: Eskapismus zu wollen.

    • diadorim sagt:

      ah, ich lese, da schwelen noch andere brände: „Schon gar nicht lasse ich mir so etwas von jemandem sagen, die noch nie in ihrem Leben für andere auch nur die Spur existentieller Verantwortung übernommen hat.“ hmhmhm. und wenn du dich wehrst, sind die anderen immer die kleinbürger. hmhmhm. ick weeß ja man nüsch. offenbar, nun ja, mir kommen die rhetorischen figuren bekannt vor, mir warf man auch schon mal vor, ich hätte noch nie in meinem leben arbeiten müssen, hm, ich dachte damals, wow, was man alles so über mich weiß, die arbeitsverträge und steurkarten liegen hier noch greifbar, vielleicht zählte einfach nicht dazu, dass man bücher katalogisierte, seminare vorbereitete, im museum aufsicht schob und kunstbände verkauft hat, ich glaube allerdings, all das nennt der ‚ordentliche‘ bürger tatsächlich auch arbeit. darum, nun ja, du kennst die briefeschreiberin ja vielleicht besser, aber jemand, der noch nie existentielle verantwortung übernommen hat ist jetzt per se erst mal niemand für mich, den ich darum schon geringschätzen wollte, ich kenne so viele menschen von denen man das sagen könnte, die mir nicht unlieb sind, na ja. nicht aufspulen, kann ich zwar auch, gerade eben noch, aus ganz anderen gründen und gekränkter eitelkeit, aber irgendwie dachte ich dann doch, ach, nicht dran denken, es macht nur schlechte laune und die will ich gerade nicht, denn die bäume tragen gerade fantastische farben.

    • gernot sagt:

      wie sich diadorim wohl von innen anfühlt.
      ein traum.

    • @diadorim zu den Schuhen, die Sie sich gstern nachmittag um 17.43 Uhr noch angezogen haben: die sind zu klein für Sie. Dennoch möchte ich nicht spezifizieren, weil ich eben nicht will, daß jemand auch nur ahnt, wer diese Briefeschreiberin war und es, hoff ich, auch immer noch ist, also d a ß sie weiter ist. Aber, um das Beispiel mal – ich gebe zu: sehr ungehörig – zu „verkrassen“: Wenn ein ehemals strammer Nazi-Genosse einem anderen Menschen, der unter eigener Lebensgefahr Leuten zur Flucht vor den Gaskammern half, vorwirft, daß er ein unmoralischer Mann sei, dann hat das schlichtweg etwas Degoutantes. In diesem Sinne ist, was ich schrieb, gemeint.

  9. ines sagt:

    antwort Na, lieber Alban, das wusste ich ja vorher, das du mit ganzer Kraft deines Eloquenz und Schreibkraft, (das du ja OHNE JEDEN ZWEIFEL hast…ich bin Maler. nicht Schriftsteller und dir auf deinem Gebiet allemal unterlegen. Da sollte ich mir Kritik 3x überlegen…) antworten wirst und um dich schlägst.
    Das heißt: Mich schlägst!
    .diadorim, hat es besser verstanden.

    zürnst du wie der könig in einem märchen, der bei dem vergleich seiner jüngsten tochter, die versucht zu sagen, sie liebe ihn sehr, nämlich wie das salz in der suppe, gleich des ganzen reiches verwiesen wird. … und dann noch von mir!..deren Können,Wissen und menschliche Größe, du offensichtlich soviel geringer einschätzt als das Deine
    Schon gar nicht lasse ich mir so etwas von jemandem sagen, die noch nie in ihrem Leben für andere auch nur die Spur existentieller Verantwortung übernommen hat.

    Was weißt du denn da über mich was ich nicht weiß??…oder willst du mich kleinmachen? Um meine Kritik klein zu machen und ihr den Biss zu nehmen?

    Mittelmaß und Kleinbürgerlichkeit???? Das müsstest du wahrlich besser wissen..

    Schlag doch nicht so infantil um dich …ist gar nicht nötig.

    Hatte einfach Lust dir mal zu sagen was mein ganz persönliches Problem mit dir und deiner Literatur ist …zu schwer für mich ist sie nicht. Hab ja doch einiges gelesen…und war nicht überfordert.
    Sie ärgert mich nur immer wieder mal (ist ja nichts schlechtes…) anstrengend finde ich, das du dich immer so dazwischen drängst und mich daran hinderst Empathie für deine Figuren zu entwickeln.

    Ich hatte Lust als das Foto sah bei der Lesung im Literaturhaus und ich – wieder einmal.-
    dachte ACH Alban! Musst du da sitzen im kurzen T-Shirt und…waren das auch kurze Hosen?
    Um deine Kondition und deine Muskeln zu zeigen ( …hast du schon 5- 10 x erwähnt das du ALL das nur tust um mit 60 auf Weltreise zu gehen …und ..und …Wie albern, Alban. Das Wortspiel ist Trivial- ich weiß… Spar dir den Kommentar)

    Du willst dich zeigen- dein Können,Wissen und deine Muskeln..hier geht’s um ganz Pupertäres:
    Die Frau, die sich beim Treppensteigen kurz auf deinen Arm stützen muss, und…erkennt und fühlt…. die Muskeln — Die Kraft.
    Die Dich erkennt!
    Ich versteh dich gut und mir tuts weh, das du mit 58 darüber noch nicht weg bist.
    Und ich finde, das diese unreife Eitelkeit Dieser unbedingte Wunsch, deine Sehnsucht danach, Das man dich erkennt – dich hindert..

    Ps. weiss nicht obs vorhin angekommen ist, darum nochmal

    • Endlich mal interessant sagt:

      Liebe Ines!

      Das alles, was Sie hier vorbringen, entspricht einer Wahrheit.
      Vielleicht nicht der des Seitenveranstalters, aber doch der des „normalen“ Betrachters. Und das ist die Wahrheit, die ich auch hier gerne öfter mal sehen würde.

      Dieser kleinen, reduzierten Wahrheit hat der ‚Seitenveranstalter‘ im jahrzentelangem Verlauf dieser Seiten allenfalls folgende Antworten entgegen geschleudert:
      a) Ihr armen, miesen Kleinbürger
      b) Euer Moral-, Kunst-,.Sozial-, Organ-natürliher-, Politik- (..ad infinitum..) Begriff ist nicht der „WAHRE“.. Weil: ICH bin es, der ihn hat.
      c) Der dies bezweifelt: Weiß halt nicht Bescheid!
      Denn das was „Richtig“ ist: bestimme ICH!

      Deshalb steht morgen hier auch nichts von Ihnen, und auch von mir nichts; aber an and’rer Stelle -im SelbstBericht- da wird man von Ihrem Eintrag – wie vom Higgs-Teil – zwei verräterische Photonen sehen..
      Ist auch egal – die Zukunft zeigt, was heute wirklich…

    • Finale Weisheit sagt:

      Frage Wieso müssen Menschen einem permanent aufwendig erklären wie man ihrer Sicht nach ist? Um dann gleich hinzuzugeben, wie es sich doch besser verhielte, wäre man so wie sie es sich wünschen(!) und nicht eben anders.

      Bei mir kann man das einmal machen. Und dann nie mehr.

    • Präpotente Nichtigkeit sagt:

      Antwort Vielleicht, weil der Mensch so ist, wie er ist?

    • Nasenlos sagt:

      Der Mensch an sich ist Schade

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