Die letzte Gewißheit. Eugenio Montale, Ossi di seppia 3. Erster Übersetzungsversuch.

Ziehe dich nicht in den grünen
Schatten des Dickichts zurück
dem Falken gleich über der hühnen
Hitze blitzhaft in das Himmelsstück.

Sondern nun das dörre Röhricht
lassen, das zu ruhen scheint,
und auf die Muster merken
der sich verwitternden Lebenszeit.

Wir bewegen uns durch einen
aufgewirbelten Perlmuttstaub,
in dem augenumflirrenden Glanz
wird uns die Kraft ein wenig taub.

Und doch, du spürst, daß wir im Spiel der

dürren Wellen,

die rastlos sind in dieser schweren Stunde,
nicht in einen Wirbel ohne jeden Boden
unsre verstreuten Leben werfen.

Wie diese felsigen Klippen
die sich aufzutrennen scheinen
in wolkenhaften Spinnwebsstrippen
dürfen unsere Herzen meinen,

gebrannte, deren Illusionen
nur die Asche noch des Feuers sind,
sich zu verlieren im Luziden
der einzigen Gewißheit: Licht.


Non rifugiarti nell‘ombra
di quel fólto di verzura
come il falchetto che strapiomba
fulmineo nella caldura.

È ora di lasciare il canneto
stento che pare s‘addorma
e di guadare le forme
della vita che si sgretola.

Ci muoviamo in un pulviscolo
madreperlaceo che vibra,
in un barbaglio che invischia
gli occhi e un poco ci sfibra.

Pure, lo senti, nel gioco d‘aride onde
che impigra in quest‘ora dei disagio
non buttiamo già in un gorgo senza

fondo
le nostre vite randage.

Come quella chiostra di rupi
che sembra sfilaccicarsi
in ragnatele di nubi;
tali i nostri animi arsi

in cui l‘illusione brucia
un fuoco pieno di cenere
si perdono nel sereno
di una certezza: la luce.

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4 Responses to Die letzte Gewißheit. Eugenio Montale, Ossi di seppia 3. Erster Übersetzungsversuch.

  1. Zu Übersetzungen italienischer Gedichte. Anders als im Deutschen spielt im Italienischen, wie einst im Lateinischen, die Silbenzahl eine eventuell sogar größere Rolle als der Reim. Deshalb achtet >>>> Helmut Schulze akribisch auf sie; ebenso ist das bei >>>> Ferber zu merken. Ich hingegen favorisiere den Reim; erst danach „kümmere“ ich mich um die Silben. In dem Entwurf hierüber ist dennoch die Nähe schon erstaunlich; ich hatte sie noch gar nicht intendiert.
    Es sieht jetzt so aus, links meine Übersetzung, rechts das italienische Oiginal:

    (8)
    (7)
    (9)
    (9)

    (8)
    (7)
    (7)
    (9)

    (8)
    (8)
    (9)
    (8)

    (13)
    (11)
    (12)
    (9)

    (8)
    (8)
    (9)
    (9)

    (9)
    (9)
    (9)
    (8)

    (8)
    (8)
    (10)
    (9)

    (11)
    (8)
    (8)
    (9)

    (11)
    (9)
    (9)
    (10)

    (13)
    (12)
    (13)
    (8)

    (9)
    (8)
    (8)
    (10)

    (9)
    (9)
    (8)
    (9)

    So daß es vor allem zwei Wege gibt, die nunmehr eingeschlagen werden könnten. Entweder ich versuche, durch Wortwahl auf die gleiche Silbigkeit mit den Original zu kommen, oder, was mir näher liegt, ich beachte die Relation der Silben innerhalb je einer Strophe. Folgt bei Montale etwa auf 8 eine 8, könnte bei mir auf eine 9 eine 9 folgen. Usw. Ich könnte aber ebenso – das scheint mir meiner Sprache mehr zu entsprechen – statt der Silbigkeit die Hebungen in ein analoges Verhältnis bringen.

    • Avatar parallalie sagt:

      vorgehensweisen, und am liebsten zähl‘ ich die silben der chambermusic, also weitab vom mittelmeer. akribisch klingt fast schon wie pedantisch: nee, auf den fingerkuppen wird zeile für zeile etwas körperliches fast. am end‘ bleibt – wie ich’s immer zu hoffen wag‘ – der bzw. ein text, dem man die fingerspitzen nicht ansieht, die ihn berührten. hilft auch, ausuferndes zu verhindern und zu straffen. wasserbauwesen sozusagen. möcht‘ mich aber darauf nicht reduziert wissen. – reime in diesem gedicht: es sind einige da, andere basieren eher auf klangähnlichkeiten (ombra – …omba – …orma – …orme – onde – …ondo), sehr schön die „reime“ cenere-sereno und brucia-luce in der letzten strophe. oder auch rupi-nubi: felsen-wolken… schwierig, schwierig.

    • @parallalie zur Silbigkeit. Als Festlegung ist meine Bemerkung auch nicht gemeint, eher als, für mich, eine Art leitendes Ideenbild; genau deshalb wählte ich ja „akribisch“ und nicht „pedantisch“. rupinubi: Ja. Ich müßte ein Wort finden, daß ganz abenso nur „an“reimt. Übrigens übersetzt Ferber „chiostra di rupi“ mit „Felsengehege“. Problematischer ist mich der gleich folgende Vers: „che sembra sfilaccicarsi“ wird „der sich auflösen will“; das „will“ meine ich darin. Bei Montale hat das „lyrische Ich“ den Eindruck, daß es sich auflöst; was die Felsen „wollen“ (wenn sie wollen denn können), steht gar nicht in Rede. „sfilaccicarsi“ ist außerdem eigentlich „sich die Fäden ziehen“, umgangssprachlich träfe „sich aufribbeln“, trifft auch besser als das von mir gewählte „sich auftrennen“, nur daß beim Aufribbeln der Sprachhof dann nicht stimmte. Hm. (Ich wählte „sich auftrennen“ wegen eines begonnenen Strickpullovers, der wegen eines Strickfehlers wieder aufgeribbelt wird.)

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