Abmahnung, nämlich Netznepper: Dirty Passion. Rechtsawälte Richter Clemens Falke in Kiel.



Berlin, den 5. Februar 2015




RCF10228 & RCF 10229

Liebe – ggbf. – Rechtsanwältinnen,
liebe – ggbf. – Rechtsanwälte,
liebe – ggbf. – beides,

soeben von einer literarischen Reise zurückgekommen, finde ich Ihre beiden freundlichen Abmahnungen vor und danke Ihnen sehr herzlich. Denn von meinem besten Freund, seinerseits Rechtsanwalt, ist mir selbstverständlich bekannt, daß der Abmahnmarkt eine nahezu unerschöpfliche Quelle juristischer Einkünfte darstellt. Um sich allerdings die Feldflasche aus ihr nachzufüllen, bedarf es nach wir vor eines begründeten Anspruchs. Ich erlaube mir hiermit von ganzem Herzen, solch einen auf unser aller weiter Flur nicht erkennen zu können, weder als Pflänzchen noch gar als Baum. Insofern verhehle ich erst gar nicht meine Begeisterung, nun gleich nach meiner Rückkehr solch einen heiteren Brief schreiben zu dürfen. Glauben Sie mir, für einen Schriftsteller ist das ein Exerzitium von hohem stilistischen Wert, auch kann er an ihm seine metaphorischen Ideen wetzen, ohne sich – schließlich haben wir draußen Winter – etwas oder gar einen abfrieren zu müssen. Da ich bekannt dafür bin, an meine Leser:innen zu denken, hoffe ich zugleich, auch Ihnen ein wenig Vergnügen zu bereiten.
Zum einen sollten Sie mit Ihrem Computersystem gelegentlich ein Arbeitsgespräch führen; seine administrativen Prozesse gehen nämlich insofern, hab ich den Eindruck, durcheinander oder laufen gar fehl, als sie ganz offenbar denselben Vorgang gleich zweimal für nur einen halten. Mit etwas Intelligenz wäre ihm, dem Computer, die darin liegende Komik sonst doch aufgefallen, daß jemand, wenn er einen Film denn überhaupt schon mal heruntergeladen haben sollte, es mit demselben ein zweites Mal tut.
Nun weiß ich freilich den künstlerischen Wert des mir, nebenbei bemerkt, unbekannten Werkes überhaupt nicht einzuschätzen; der von Ihnen genannte Titel, „Dirty Passion“, legt eine Extremsportart nahe, zum Beispiel leidenschaftliches Schlammsurfen. Andererseits könnte es sich auch um einen pornographischen Streifen handeln; ja, ich habe die Vermutung, daß es so ist. Dann aber wäre, daß ich solch einen Film auf mein iPhone heruntergeladen haben solle, schon deswegen ausgeschlossen, weil ich ein Liebhaber großer sekundärer, jedenfalls weiblicher, Geschlechtsmerkmale bin, die aber auf dem Handybildschirm alle, und zwar technisch notwendigerweise, zu ausgesprochen kleinen würden, was mir wiederum jegliche Freudlust vermieste. Also nein, liebe Anwältinnen, Anwälte oder beides – völlig ausgeschlossen: Nachweisbar (ich kann viele Zeuginnen benennen) habe ich zu masochistischen Akten nicht einmal die Neigung.
Also zumindest zusammenlegen sollten Sie die beiden – aber, worauf ich wie auf ein am Feldrain gar nicht äsendes Reh schon zu Beginn unseres Spaziergangs gezeigt habe – mir gänzlich unbekannten Vorgänge; es wird dann auch, glauben Sie mir, übersichtlicher.

Tatsächlich habe ich ein Mal eine MMS geöffnet, die mir über meine iPhone-Nummer als Nachricht eines oder einer Bekannten avisiert wurde. Die, in der Tat, stellte sich dann als ein überdies ziemlich langweiliger pornographischer Streifen heraus, dessen verdatterte Beguckung.mir bizarrerweise später >>>> in Rechnung gestellt worden ist, und zwar ebenfalls zweimal und sogar ein zweites Mal zweimal, wenn auch von einem nunmehr anderen Absender; beide Male habe ich, da damals anders als heute gestimmt, relativ entschieden reagiert. Ich lege Ihnen die entsprechenden Briefe in Kopie bei, sehe auch keine Notwendigkeit, Ihnen gegenüber Namen oder Firmen zu schwärzen, sondern werde sogar auch diesen Brief für meine Webpräsenz nutzen, einfach, weil meine Leser:innen sich über so etwas freuen.
Wie auch immer, wäre es sicherlich auch für Sie recht fein, bekämen Sie heraus, ob meine Vermutung stimmt. Jedenfalls stelle ich gerne mein iPhone zur Durchleuchtung zur Verfügung. Da ich selbst im künstlerischen Bereich tätig bin, wenn auch keinem so, wahrscheinlich, lukrativen wie Ihr katalanischer Mandant, ist auch mir am Urheberrecht überaus gelegen; Sie können insofern auf meine geradezu leidenschaftliche, wenn auch nicht schmutzige Mithilfe rechnen.

Einen Moment lang hatte ich übrigens gedacht, daß vielleicht mein minderjähriger Sohn versucht haben könnte, seines Vaters Gerät, sagen wir, zweckzuentfremden (es dient mir hauptsächlich zur beruflichen Kommunikation; schon deshalb lade ich auf das iPhone prinzipiell keine Unterhaltungsdaten), aber zum einen bestritt er dies, zum anderen glaube ich ihm und zum dritten ließ sich auch gar nichts nachweisen; es gab und gibt nur den von mir für den gerichtlichen Streitfall geloggten Vorgang. Also wirklich, die „Sache“ ist nicht ohne Mysterium.
Jedenfalls sähe ich einem Prozeß geradezu mit Vergnügen entgegen, auch, weil er im Wanderrucksack etwas Aufklärerisches mit sich tragen könnte oder, je nach Perspektive, müßte: etwa dahingehend, wie bestimmte Spaziergänger, bzw. Wanderburschen und -burschinnen in die Vielfalt unserer Kommunikationsmittel neue Formen des Wegelagerns oder auch Wilderns einzubringen versuchen – nicht aus Boshaftigkeit, bewahre! sondern sie haben bloß Hunger. Das ist nach längeren Märschen auch gut zu verstehen. Könnten wir uns und die unsren anders nicht ernähren, täten wir‘s wahrscheinlich auch. Nur bringt ein Gesell, der auf Walz ist, sein Säckel vorsorglich mit, und weil er‘s doch selber geschleppt hat, will er‘s auch behalten, bzw. vorbehalten, nämlich seiner eigenen Sättigung – zumal, da ihn und mich der für Künstler an sich nicht unbekannte Umstand einer gewissen Mittellosigkeit verbindet.

Es grüßt Sie aus Berlin:

ANH

P.S.: Nicht nur, weil mir an Leser:innen-Zuwachs gelegen ist, schicke ich eine Kopie dieses Schreibens gleich an die Staatsanwaltschaft Ellwangen direkt, von der Ihre beiden Schreiben mir bedeutet haben, sie habe bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gerade eine Staatsanwaltschaft wird sicherlich interessieren, auf welche Wald- und Wiesenwege sogar das Recht gelockt werden soll, wenn es am Himmel bedeckt ist, so daß man gar nichts richtig erkennt, aber vor drohender Kälte doch Unterkunft sucht.

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9 Responses to Abmahnung, nämlich Netznepper: Dirty Passion. Rechtsawälte Richter Clemens Falke in Kiel.

  1. Staatsanwaltschaft Ellwangen, Antwort vom 12.2.2015 Sehr geehrter Herr Herbst,
     
    Ihr schriftl. Anfrage vom 5.2.2015 wurde zur Bearbeitung hier unter dem Az. 31 AR 78/15 eingetragen.
     
    Klare Auskunft: Gegen Sie wird seitens der Staatsanwaltschaft Ellwangen NICHT ermittelt.
     
    Bei dem Schreiben der „Rechtsanwälte“ aus Kiel handelt es sich um eine Total-Fälschung. Diese Kanzlei existiert überhaupt nicht. Mit der Formulierung in dem Schreiben soll Druck ausgeübt werden, um rechtsgrundlose Zahlungen zu erreichen.
    Mein Rat: Reagieren Sie auf solche und ähnliche Schreiben nicht, auch wenn die darin aufgestellten Behauptungen immer dreister werden und beängstigend klingen. In der Regel sieht man schon anhand der Bankverbindung (Überweisungs-Vordruck), woher der Wind weht: Die Buchstabenkombination BG (in der IBAN-Ziffer) bezieht sich auf ein bulgarisches Konto, über das von hier aus nicht ohne weiteres Informationen eingeholt werden  können.
     
    Wenn Sie wegen derartiger Schreiben ausdrücklich Strafanzeige stellen wollen (evtl. wegen versuchten Betrugs) wäre Ihre örtliche Staatsanwaltschaft bzw. Polizeidienststelle dafür zuständig.
     
    Nochmals: Entgegen der Behauptung in dem „Mahnschreiben“ hat die Staatsanwaltschaft Ellwangen keine derartige Anfrage (nach Vorschriften des TKG) veranlasst; das alles ist vorgetäuscht.
     
    Mit freundlichen Grüßen
     
    gez. Oberstaatsanwalt / StA Ellwangen

  2. Avatar nömix sagt:

    Bestimmt waren Sie nach Erhalt des staatsanwaltlichen Schreibens dennoch ein wenig bange (obschon Sie sich selbst freilich nichts vorzuwerfen wussten), bevor Sie es geöffnet hatten und den Inhalt kannten? Und erleichtert, sowie Sie die erläuternden Worte des freundlichen Herrn Staatsanwaltes gelesen hatten. So haben die bulgarischen Spitzbuben mit ihrem Bubenstück Ihnen zuletzt noch einen erfreulichen Moment verschafft, und Ihren Lesern einen vergnüglichen Text. Ist doch nett.

  3. Avatar RokkerMur sagt:

    Abmahner richteten viel Schaden an und tun es noch immer Angeblich ist die Androhung einer Klage manchmal „eine kleine Nötigung“ und könnte theoretisch auch angezeigt werden. (Hat mir am 26.2.2015 ein Jurist in einen 40 Minuten Gratis Monolog erklärt. Als ich ihm das zeigte)

    Wie schon wer anders (noemix) feststellte sind sie auf der sicheren Seite, für Blogs empfiehlt sich trotzdem der Besitz einer Rechtsschutzversicherung (die das auch abdeckt !!) was ich für die Zukunft empfehle.

    Wir von der Warteschlange hatten seit 1998 (da war das Blog noch ein Forum) 43 Abmahnungen bekommen und nur 1 verloren.
    Bilanz: 42:1 Und die eine ging auf meine Kappe.

    LG aus Wien 16., ein Stammleser 😉

    Was die Fälschungen von Abmahnern betrifft war schon einiges im TV – RTL hat darüber mehrfach berichtet. Es hilft Ihnen auch jede Konsumenteninformations.ORG

    Sollten Sie die URL von so einen hriminellen Spinner haben dann lönnen Sie auf
    http://www.archive.org
    dessen History 😉 schnell überprüfen.

    Und ganz wichtig !
    Verliert alle nicht zuviel Zeit damit, den manchmal kosten kriminelle Abmahner (selbstverständlich auch legale) zuviel Zeit.

    Ende der Tirade 😉

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