Printed in Europe. Das Arbeitsjournal des Donnerstags, den 15. Februar 2018

[Arbeitswohnung, 9.20 Uhr]

Seit sieben auf. Meine Begeisterung für Kazantzakis bekam gestern einen, ach Freundin, ziemlichen Schlag in den Nacken, auch wenn der gar nicht böse gemeint war. Ich hatte die Idee, diese grandiosen Gesänge t a t s ä c h l i c h vorzutragen, und zwar in Gestalt einer neuen Youtube-Reihe. Stück für Stück hätte ich das gesamte Buch eingesprochen, mußte aber beim Verlag selbstverständlich wegen der Rechte fragen. Nein, hieß es da, so etwas gehe nicht, man habe mit dem Buch anderes in Hinsicht auf den Vortrag vor, auch schon seit langem geplant; allerdings sei eine Realisierung noch längst nicht konkret. Im übrigen müßten auch die griechischen Inhaber der Urheberrechte zustimmen. Bitte, ich möge warten, so etwas brauche halt Zeit.

Das warf mich wirklich zurück. Ich war doch so voller Feuer gewesen, auf das nun solcher Sand kam, um es zu ersticken. Noch habe ich ihn nicht abgeschüttelt, mag momentan das große Buch nicht einmal mehr weiterlesen. Wirklich hält meine Frustration immer noch an. Normalerweise schüttle ich derartiges nach einem Nachtschlaf ab. Unter anderen Umständen hätte ich mich sowieso nicht um solch eine Abfuhr gekümmert, sondern mit allem künstlerischen Recht meine Idee weiterverfolgt, das, wie ich oft schon geschrieben, Urheberfragen bisweilen rundweg ausschließt, nämlich solche des Gebrauchs(!)musterschutzes – in diesem Fall erst recht, da der eigentliche Urheber längst nicht mehr lebt. Wäre er noch am Leben, hätte ich ihn direkt gefragt, von Künstler zu Künstler; alles andere ist bürgerliche Kunst-als-Waren-Verwaltung. Soll man mich doch verklagen! hätte ich normalerweise gerufen. Aber…  in diesem Fall… -: Ich bin mit dem Verleger befreundet, da bindet mir die eigene Loyalität meine Hände. Es bleibt ernüchterte Traurigkeit. Mal wieder zu viel Seele verschenkt.

Nein, ich werde erstmal nicht weiterlesen, es gibt genügend andere Bücher, um die ich mich zu kümmern habe, etwa weiter den Becher, von dessen Werk Arco einiges wieder auflegen will. Haackers Frage steht weiter im Raum, was ich von diesem Text und jenem hielte und welchen ich zuerst nehmen würde. Da war meine Antwort freilich schon klar. Nur hat Das Herz des Hais bereits woanders neu den Anker geworfen, bzw. steckt mit der Flosse am Meergrund nun fest. Schade.

Ansonsten:

Auch Helmut Schulze hat nun eine neue Adresse für Parallalie. Es ist wunderbar zu beobachten, wie seine Arbeit an Ibn Hamdîsich fortsetzt, ja geradezu zu blühen beginnt. Es wird Zeit, daß er und mein Arco-Verleger sich treffen; wir werden wohl nach Umbrien reisen, am besten zu Frühjahrsbeginn.

Und ich sehe gerade, daß meine Lektorin über Nunes‘ Orestie-Inszenierung einen neuen Artikel für faust geschrieben hat, in Wien, von wo aus die, ecco!, Wiener Ausgabe der Aeolia soeben in den Druck geschickt worden ist, historisch naheliegenderweise nach Ungarn. So wird es bald zu Ansicht und hoffentlich placet dreivier Vorab-Exemplare geben; dort, im wilden Ungarland, ist so etwas noch möglich. – Übrigens, was mir ausgesprochen gefällt, läßt Elfenbein ins Impressum grundsätzlich drucken: Printed in Europe. Das sollten, finde ich, alle meine Verlage übernehmen. Noch lieber wäre mir allerdings:

Gedruckt und gebunden im Abendland

Soll ich übrigens, was meinen Sie, bereits jetzt Septime in die – siehe rechte Spalte – Liste meiner Verlage aufnehmen oder erst in einem Jahr, wenn meine Gesammelten Erzählungen dort herauskommen werden? Da wir aber grad bei Europa sind, hier noch ein Link auf eine der schönsten, um ihren Titel zu umspielen: erlesensten Reihen, die der Stier trägt, erschienen bei Wieser.

Ihr ANH

P.S.: Wie ich bei Stichprobe merkte, führen immer noch einige Links Der Neuen Dschungel auf Beiträge der alten bei Twoday. Da werde ich nach und nach nachjustieren müssen, nach und nach nach. Nach dem 31.5. wird es zu spät sein. Allerdings macht es sich nun bezahlt, daß ich sämtliche Texte als word-Dateien abgespeichert habe.

P.P.S.: La Mâconière hat abermals geschrieben; ich will aber nicht lesen, sah nur, daß es ein langer Brief ist. Ich fürchte mich davor, abermals, neudeutsch getippt, runtergezogen zu werden. Bei all der anstehenden Arbeit kann ich mir das nicht leisten, und will’s auch nicht. Neben der Fahnenkorrektur von Thetis, dem Familienbuch der Contessa, der Überarbeitung der Erzählungen usw. stehen auch noch drei CD-Kritiken im Raum, die ich für Faust verfassen wollte, sowie, sehr dringend, eine Rezension des Mammuts, Eigners letzterschienenem Buch.

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2 Kommentare zu Printed in Europe. Das Arbeitsjournal des Donnerstags, den 15. Februar 2018

  1. „… sodass am Ende (…) ein fest geschnürtes Moralpaket mit nach Hause genommen und dort abgelegt werden kann“: Großartige Sottise von Elvira M. Gross >>>> in ihrem Artikel!

  2. Daß Sie sich wieder mal melden, ich bin zutiefst entzückt! Außerdem lese ich ja dauernd von Ihnen.
    Der Link, übrigens, den Sie Ihrem Namen freundlicherweise unterlegen, führt auf eine Rezension Beat Mazenauers, die mir damals völlig entgangen ist; dafür meinen Dank. Damals übrigens gab es Die Dschungel noch gar nicht, Sie hingegen sehr wohl.

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