Nachts noch einmal Schnee. Das Arbeitsjournal des Mittwochs, den 7. März 2018.

[Arbeitswohnung, 9.34 Uhr
france musique contemporaine: Luciano Berio, Recital 1 for Cathy]

Puh, geschafft! Die Thetisfahnen sind nun komplett durchgesehen und soeben an Elfenbein gegangen. Seit halb sechs saß ich dran… nà, um halb sechs bin ich hoch; bis dann der Latte macchiato bereitet war, mag es Viertel vor gewesen sein. Da aber wollte ich die letzten knapp achtzig Seiten in einem Rutsch schaffen – also nix mit erst mal durchs Netz oder auch nur nach „Post“ schauen.
Deshalb sah ich den unter dem Anonym Chantui eingestellten >>> Kommentar der Mâconière (au weh, morgens um 4 Uhr 19 schrieb sie ihn) erst jetzt. Da, wie ich eben lese, Chan tui Ausschläge an die Oberfläche zu bringen und Juckreiz zu stoppen verheißt, kann auch ihre Wähnung, ich sei psychotisch, mich schon gemäß der von ihr selbst, sagen wir, betriebenen Naturheilkunde nicht jucken; allenfalls tendierte ich dazu, die, nun jà, Diagnose dieser Dame lächelnd ihr zurückzuspiegeln. Auf keinen Fall werde ich mich dazu hinreißen lasen, etwas über sie zu schreiben, das meinem Stil nicht entspräche, auch wenn „betriebenen“ einen Zweifel ausdrückt, den ihr Umgang mit Diazepam recht unterstreicht. Ich selbst hingegen habe nicht einmal die Neigung zu Psychopharmaka; bekanntlich nehme ich sogar Schmerzmittel so gut wie nie. (Wann immer ich etwas brauchte, das verschreibungspflichtig sei, werde sie es mir schicken, oder ein Rezept, bot sie auf Fuerteventura mir an; ich solle ihr nur kurz eine Nachricht schicken, die SMS genüge).
Ich meine, imgrunde bin ich dankbar, also der Mâconière, mir solch ein Urbild abzugeben, auch wenn mir das mythische „Ur“ als ein wenig zu hochgemetzt vorkommt, weshalb ich in diesem Fall das nüchterne Wort „Vorlage“ entschieden lieber verwende. Immerhin könnte ich es, schönerweise, sogar bei dem Kunstnamen belassen, den ich meiner Gastgeberin vor knapp drei Monaten gab und den sie selbst sehr gerne mochte.
Es wird eine tragische Novelle werden, wohl auch tragikomisch. Denn wenn auch die Dame nicht wiedergibt, was tatsächlich geschah, bzw. es verzerrt wiedergibt, so denke ich dennoch nicht, daß sie lügt; vielmehr, so fürchte ich, glaubt sie, was sie erzählt und schreibt, aus allertiefstem Herzen. Nein, Freundin, „böse“ ist sie nicht, ist sie ganz gewiß nicht, und vor ihrer Sensibilität, auch vor ihrer Bildung habe ich nach wie vor die allerhöchste Achtung. Zudem gab es auf der Insel sehr vertraute und intensive Momente, die wir beide genossen; ich gehöre nicht zu denen, die, weil späterer Ärger unwillig macht, so etwas negieren; nicht einmal Verletztheit streicht es für mich durch.

Nun also wieder an der Contessa Familienbuch; außerdem will ich für meine Lektorin schon mal die Gedichte des im Spätsommer/Herbst erscheinenden Bandes durchsehen, mit dessen Arbeitstitel ich unzufrieden bin. Vielleicht kommt Elvira auf etwas, das paßt.

Schnee lag heute früh, als ich aus dem Fenster sah. Eine dünne flaumige Schicht mit Menschenstapfen darin; sie deckte den kommenden Frühling noch einmal zu, aber vergaß wohl, daß es das Druntere wärmt. Das also, Freundin, treiben möge!

So wünscht’s sich
ANH

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6 Kommentare zu Nachts noch einmal Schnee. Das Arbeitsjournal des Mittwochs, den 7. März 2018.

  1. Chantui sagt:

    Interessant, dass Sie Ihren eigenen Benzodiazepin-Konsum so gänzlich verschweigen ? Hatte das nicht eine Vorgeschichte, mit Ihrer Einnahme von Lexotanil, dass ich Ihnen aus Freundschaft ein Angebot machte, um eine Not abzuwenden, die Sie befürchteten bei Ihrer Rückkehr nach Berlin, wieder empfinden zu können. Ach Herbst, wie sollen Ihre Leser noch erkennen können, was Sie hier Wahres und Unwahres, Erfundenes, Erlogenes vermischen, vermengen und verdrehen? Sie leben in einem Glaubens-, Begründungs-, Erfindungs- Zuschreibungs-System, dass sich aus meiner Perspektive vom Menschlichen schon sehr weit „abgekoppelt“ hat. Und ja, Sie müssen immer Recht haben, selbst, wenn es unter die Gürtellinie geht. Ich bleibe bei meiner Diagnose, Sie bestätigen sie mit jedem Ihrer Einträge. Das macht es viel erträglicher mit all IHRER Verdrehung und Verzerrung umzugehen. Ich habe mit dem psychotischen Wahnsystem in Ihnen, meinen Frieden gefunden und klinke mich jetzt aus…..

  2. Wenn Sie ahnten, lacht, wie sehr ich das hoffe. Aber wollen wir wetten, daß Sie es nicht schaffen? Ach, es wäre derart schön, hätten Sie tatsächlich einen Strich unter diese ungute Entwicklung gemacht oder, meinetwegen, machten ihn n u n.
    Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und meine das in keiner Weise ironisch oder sonstwie abfällig.
    ANH

  3. chantui sagt:

    …..WETTE GEWONNEN….so wie Sie ja immer als vermeintlicher „Gewinner“ nahezu krankhaft hervorgehen müssen.
    Sie scheinen regelhaft „psychotische Schübe“ diesbezüglich zu entwickeln. Und Sie wissen ja, aus meiner über 30 jährigen Erfahrung als Ärztin und eine über 10- jährige Erfahrung als Paar-Therapeutin: Den Anderen dabei beobachten, wie sich der Andere beobachtet und sich beide beim gegenseitigen Beobachten….beobachten
    das einzig „Gesunde“ ist: Fresse halten und auf’s Meer gucken!

    Für Einige ist das Netz der Gradmesser ihrer Relevanz.
    Für die Meisten, aber eher der Gradmesser ihrer Ignoranz.

    • Ihr Leid, Frau Chantui, ist groß, wir spüren es alle. Aber Sie schreiben’s doch selbst: Ich bin es nicht wert. Also bitte, lassen Sie los und vergessen Sie mich: „Still sein und aufs Meer gucken“, richtig. Dann hat das Leid eine Chance zu heilen.

  4. Anele sagt:

    Das Problem ist, dass jeder Anime Kenner SAO schon mindestens 1 mal durchgesehen hat. Hätte man einen anderen genommen, der nicht schon seit mindestens 2 Jahren auf Anime Streaming Seiten, bei Serien strem oder wotch box zu sehen ist, aber doch schon sehr beliebt, hätte das ganze bestimmt mehr Erfolg gehabt. paperhelp

  5. chantui sagt:

    Zum Ostersonntag, Ihnen eine gelb leuchtende, sizilische Narzisse der südlichen Küsten des MARE NOSTRUM ….und kein Narkissos, Sohn der Leiriope und Kephissos…der sich in seinem Bild spiegelt….und darin versinkt….und untergeht….weil er sich endlich erkennt in seinem Spiegelbild….
    nicht mehr Gewinnen wollen, kommt Weisheit viel näher, nach Wittgenstein.
    Was hören SIE, Was hören SIE, ….. beim Klatschen der Einen Hand?, wenn Sie Ihrem jap. Zen-Buddhismus folgen? in Ihrem sog. Zen-Bookerl?.
    Keine „Blutschlacht“ mehr mit irgendwelchen Techno-„Boones“ wünsch ich Ihnen….mein, von von IHNEN intoniertes Leid ist wirklich nicht groß:-) im Gegenteil..schätze mich glücklich, solch, einer pathologischen Obsession nie erlegen zu sein.“Meere“, gestern am Karfreitag gelesen….oh Herbst….beeindruckend gesplittert, gespalten, verzweifelt, die justiziablen Sexszenen eher langweilig, das Leid aber, das fassen Sie, in veritable Autobiographie, so wie ich es auf der afrikanischen Insel erfahren musste….GRAUSAM …..Schmerz- und Lustvoll….Freue mich sehr über die Südküste Siziliens….und lese mit epikureischer Ataraxia, David Abulafia.“Das Mittelmeer“ und höre BACH, h-mess molle:-). Aus der Sonne…H-Moll Messe, Kyrie Eleison.

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