III, 366 – Geflügel

Es sei „im Interesse Aller“, Geflüchtete aus prekären Unterkünften in richtige Wohnungen zu holen, sagt Lichtenbergs Bürgermeister. Offenheit, nicht Angst sei geboten. Hieß es im Tagesspiegel von heute (5.3.), es gibt aber keinen direkten Link außer zum Tagesspiegel im Allgemeinen. Geflügel, dacht’ ich, einst Flüchtlinge, einst Vertriebene, einst… auch irgendwas mit Boat-People. Is’ aber lange her. Wie soll man die also nennen, diese zusammengepferchte Geflügelmenge. Immerhin gibt’s mittlerweile Eier, die von Hennen gelegt werden, die freilandmäßig gehalten werden und nicht mehr in Legebatterien.Und überhaupt, das Zusammenleben mit Geflüchteten, pardon Geflügel.
“Freilandhaltung stresst die Hühner”, dies auch im Tagesspiegel. Andererseits die Erfolgsgeschichte der im Elsaß als Müllschlucker gehaltenen Gratis-Hühner. Und Italien wurde allein gelassen mit seinen Flüchtlingen. Dort werden sie zum Teil wie Sklaven gehalten, um Apfelsinen und Zitronen zu pflücken, um Tomaten zu ernten.
Die Hühner picken. Pardon, das Geflügel, nee doch nicht, die Geflüchteten. Also die neue Rasse von Geflügelten, die wie die Pinguine nicht fliegen können und mit denen sie die Hautfarbe gemeinsam haben, nur daß ihnen die weißen Stellen fehlen, außer vielleicht an den Handflächen. Wie ja tatsächlich in der Dorfschule die damalige Lehrerin feststellte, daß ein Mitschüler mit etwas brauner Haut, aber ethnisch unverdächtig (damals gab’s das Problem noch nicht), hellere Handflächen hatte im Vergleich zum Rest der Hand und daraus schloß, er würde sich nicht richtig waschen. “Hände vorzeigen!”
Es gibt ein Foto aus der damaligen Schulzeit. Ich sitze neben dem mit den ‘ungewaschenen’ Händen, zeige meine Lächelzähne, er auch die seinen, in der Hand einen umgekehrt gehaltenen und zudem zugeschraubten Füllfederhalter über einem Attrappenheft vor der Tafel, auf der eine Kartoffelpflanze angemalt war bzw. auf dem Foto ist. Das wär’ doch sicher was fürs Heimatministerium! Und auch schön zu wissen, daß das Wort “Vaterland” in der Heimathymne nicht gendermäßig in Heimatland umgeändert wird, es sei denn, man wolle fortan den Vater durch die Heimat ersetzen, die die Mutter besamt, die einem die Sprache eingegeben. Auch wenn mir insgesamt das Wort “Vaterland” schnurzpiep ist.
Sicher, es gibt im Italienischen den Ausdruck “la madrepatria”, was eher zu einer Assoziation wie “madreperla” (Perlmutt) führt. Aber die scheren sich hier wirklich wenig um “gender”, was ich beim Übersetzen tatsächlich manchmal ausgleichen muß mit “/in” oder “er/sie”, wo nur “il” steht, was wahrscheinlich auch wieder falsch ist wegen der Reihenfolge. Kommt auf die Zielgruppe an. “Die” Heimat und “der” Minister paßt auch irgendwie nicht, irgendwie eine Vergewaltigung. Man sagt ja auch Geschwister für Brüderlein und Schwesterlein. Und dann die eine Erzählung da bei Thomas Mann. Was man so “falsche Probleme” nennt. Wie etwa die Benennung der Leute, die vor etwas weglaufen, das ihnen sonst wehtun würde. Selbst Ninno, mein Weinlieferant, sagte, er würde die Fünfsterne-Bewegung aus Protest wählen wollen. Nun ist also etwas aus einem lange bebrüteten Ei entschlüpft, das noch nicht wirklich flügge ist. May it serve us well!
Die italienische Hymne ist gendermäßig eigentlich auch unter aller Sau: “Fratelli d’Italia” (sic!), aber andererseits übersetzt man “fratelli” in einem familiären Sinne mit “Geschwister”. Che faire? black is black is black (der button ist wegen des Umzugs von twoday.net leider (noch nicht) zu sehen.
Heute wurden die dunkelhäutigen Neffen (ich nenn’ sie immer noch so, obwohl ich mit ihrer leiblichen Tante nichts mehr zu tun habe, sie mich aber immer noch Onkel nennen) 21. Good luck!

III, 365

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2 Kommentare zu III, 366 – Geflügel

  1. Siehe hierzu – allerdings unswiftsch – Christophe Frickers Rezension zu Normen und Werten in der Flüchtlingsfrage.

  2. Pingback: III, 367 – Kauderwelsch | Die Dschungel. Anderswelt. Von Alban Nikolai Herbst

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