III, 370 – ei sein

Ostern, da verblühten schon die Osterglocken, die da aufgesprossen waren im Hof. Ich selbst ein phantomatisches Osterei, daß ich morgens versteckte und dann nicht wiederfand außer als Ostermittagsei mit Mayonnaise und Ketchup, aber es war nicht das versteckte, das ich auch gar nicht suchen ging. Es galt das Versteck. Auch ein Sprießen. Ich wußte, wo es lag, und hatte kein Verlangen danach. Auch wenn mir Fulvio di Dio den Ort verriet, er als einziger am Samstag noch, aber nur er, niemand sonst.

Und genauso ging auch der Film am Abend. Einer springt von einer Brücke in den Fluß, der durch Seoul fließt und erwacht am Strand einer unbewohnten Flußinsel. Eine Robinsonade. Am Ende stellt sich heraus, es sei verboten, auf dieser Insel zu sein. Allerdings wird er von einer Robinsonin mit Super-Zoom-Fotoapparat von ihrer Zimmerinsel aus beobachtet, die sie nie verläßt. Sie verläßt daher ihre Zimmerinsel und wirft sturzhelmvermummt eine Flaschenpost auf die Insel, von der Straßenbrücke aus, die hoch über sie hinwegführt. Er findet sie, ändert das HELP im Strandsand in ein HELLO.

So ungefähr war auch Fulvios Flaschenpost. “Kommst du auch?” Und wußte nicht, wovon die Rede war. Dings komme auch, und Dings auch. Aber ich wußte nichts davon. Außerdem hatte ich vor, meinen letzten Holzvorrat aufzubrauchen am Ostersonntag. Die Situation war durchaus parallel. Man sieht sich, aber man will sich nicht sehen. Was immer nun dieses Reflexivum bedeuten mag. Eine Geburtstagsfeier.

Im Auch aber lag das verborgene Osterei, das nicht gefunden werden sollte, sondern als Ei zum I werden sollte, “his penisolate war” (FW, 1) auszufechten mit wem auch immer. Alles andere Schwaden der Unadäquatheit, Schwiemen der Linkischkeit. HEL for me has always den Suffix L. And lo! there is no P.

Und nicht umsonst gab mein Handy am Ostervormittag seinen Geist auf, als die Ex-Schwägerin anrief. Plötzlich war nichts mehr möglich. Off. So ein unvermittelter Absturz. Szenarien eines sich Kümmern-müssens am Dienstag, also gestern. Notwendigkeit eines neuen Handys. Vielleicht. Hin zum zuständigen Geschäft also gestern. Der vor sich hin qualmende alte Herr drückte völlig teilnahmslos nur auf den Einschaltknopf und es funktionierte wieder. Verlegenes Lächeln. Und eine gewisse Scham.

So ward das Ei post-österlich aus dem Versteck befreit, in das es sich (ich es) gelegt. Da alle Bedenklichkeit vorüber wegen dieser komischen Geburtstagsfeier am Ostersonntag, nur daß dann eben wie schon am Freitagnachmittag die Ukrainerin (diesmal sie selbst und nicht ihr Sohn) gegen neun Uhr morgens auftauchte, weil ihr Sohn irgendwohin gebracht werden mußte, nur daß es diesmal 15 Kilometer entfernt lag und in einer Stunde zu erledigen war. So holterdipolter wieder. Sie sei verzweifelt. Da ich Abgaben hatte, mußte ich ihr absagen. Einen Moment lang tat’s mir leid, aber als Stand-by-Chauffeur möchte ich denn doch nicht hier sitzen.

Gestern Nachmittag aus dem Fenster schauend die ersten Mauersegler Richtung Westen. Wenige noch. Keine Schreie der Entfernung wegen.

weiß sein
den lilien
es ihnen
schulden
den lilien
weiß sein

weiß sein
diese schuld

sein

dem eise
den ver-
hinderten

oster-
spazier-
gängen

das pudel-
nasse

im innern
der phiole

ei sein

(von hier)

III, 369 – Auch ein Karfreitag

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