Grausamkeit. Zu Ruoffs Apatit im Nachgang. Aus einem Brief an Uwe Schütte.

Übrigens, was Ruoffs Beschreibung von Grausamkeiten im Gefolg der französischen Tradition anbelangt: Auch Thetis“ ist voll damit, es wurde in den Kritiken sogar besonders übel vermerkt. Und auch bei Hettche findest Du, also beim frühen, diesen Einfluß. Denk mal an Nox . Ruoff steht also durchaus nicht mit den von Dir in der Laudatio Genannten allein. Überhaupt hat es vor allem in den Achtzigern/frühen Neunzigern immer wieder solche Bücher in Deutschland gegeben, aber sie wurden, sozusagen, gesperrt. Der frühe Rainald Goetz war da fast harmlos -nur daß er eben die action-selbst, als Performance, mit in die literarische Inszenierung brachte, ihrerseits eine Aufnahme der Body Art, die Stelarc in digitale/neumediale Formen weiterentwickelt hat und das Konzept des „ganzheitlichen“ Menschen in Frage stellte – parallel dazu erschien, mit ganz anderem Hinblick, Donna Harraways famoser Essay Die Neuerfindung der Natur.

Der Aufstieg in den Chic der von Dir etwa abfällig in Deinem Vortrag genannten namentlich Berliner SM-Szene scheint mir in einem engen Zusammenhang damit zu stehen, worauf ich schon mehrmals hingewiesen habe, ebenso übrigens wie, in den Mainstream-Formen, die Tattoo- und Piercing-Bewegung; daß sie sich auf „modern primitivs“ gründen, scheint mir nur ein Vorschein zu sein; tatsächlich sind es wohl eher Selbstversicherungsversuche von Körpern, die aber, um mit Kafka an Milena zu sprechen, „schon im Absturz gemacht werden“.

 

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