Gefälligkeit & Konsens. Sarah Pines in der NZZ.

Künstler, die ihr Selbstverständnis daraus ziehen, sich dem System zu widersetzen, sind am Verschwinden. Baselitz zum Beispiel, die verstorbene Amy Winehouse und, ja, man muss sie nennen, die Trias Weinstein-Spacey-Polanski. Mit ihnen geht selbst im Film, der die ihm fehlende Aura einst mit dem «Star» wettmachen konnte, die letzte auratische Verschränkung von Künstler und Werk verloren. Spätestens seit Weinstein und #MeToo ist klar: Rebellisches Posieren und archaisches Macho- und Geniegehabe reichen nicht mehr aus. In einer auf politische Korrektheit getrimmten Welt hat dieses Modell des Künstlers ausgedient. Es wird überholt vom Gefälligkeitskünstler, der nur ein Ziel kennt – den grösstmöglichen Profit.

aus: Sarah Pines, „Die Aura des Kunstwerks ist tot. Es lebe der Reiz des Geldes“.
Der gesamte Artikel >>>> dort.

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10 Kommentare zu Gefälligkeit & Konsens. Sarah Pines in der NZZ.

  1. Kommentare von Facebook sagt:

    Sabine Scho
    ich kenne so viele graustufen dazwischen und nach den gesetzen des pawlow funktionieren nicht nur hunde…
    es ist ganz schlicht so, heute werden andere verhaltensweisen belohnt und damit gestärkt, auch bei künstler*innen, als früher. so wirklich traurig bin ich nicht, wenn die idee des widerständigen nicht die einzige den künstler auszeichnende eigenschaft bleiben soll, denn die haben sich vor allem auch männer wohl zu eigen gemacht. right or wrong my ego macht im zweifel nicht die bessere kunst, so viel hat man ja inzwischen auch raus.

    ANH
    (Es lebe die Affirmation an den Markt. Jaja, ich kapier schon: Pop halt. Mehr schreibe ich hier aber nicht, sondern kopiere später die Kommentare in Die Dschungel hinüber. D a dann diskutiere ich.)

    Sabine Scho
    ich weiheeeeeiß, unser ewig altes spiel, endet damit, dass du mich bei fb entfreundest und dann wieder anfragst, aber die regeln des spiels bestimmt nie einer allein :D. ach, alban, guten morgen!

    ANH
    Nö, entfreunden werde ich Dich nicht. Weshalb auch?

    Sabine Scho
    es gibt viele märkte, auch die widerständigkeit feierte die affirmation. ich kenne so viele beschissene widerständige künstler*innen, wie ich gute kenne und vice versa.
    außerdem müsste man mal diesen nebulösen begriff des widerständigen im einzelfall genauer klären. oft ist es auch nur die unfähigkeit, sich an termine zu halten, ganz schlichte dinge, pünktlich bei lesungen erscheinen z b, sich an absprachen halten, vielleicht hatte man da früher besseren und geduldigeren psychologischen beistand durch verleger*innen et al, weil man auch noch größere margen einfuhr. da bissen sich alle anderen auf die zunge und dachten, ok, wenn wer mal wieder völlig besoffen am set erschien, egal, ernährt uns dennoch alle, nicht anbrüllen, besser mal die samthandschuhe auspacken. entfreundet hast du mich scho!

    ANH
    Alles weitere in Der Dschungel bitte. Ich b l e i b e, auch und gerade gegenüber FB, widerständig.

    Sabine Scho
    und ich folge dem lustprinzip und nicht dem kohärenzprinzip.
    außerdem müsste man mal diesen nebulösen begriff des widerständigen im einzelfall genauer klären. oft ist es auch nur die unfähigkeit, sich an termine zu halten, ganz schlichte dinge, pünktlich bei lesungen erscheinen z b, sich an absprachen halten, vielleicht hatte man da früher besseren und geduldigeren psychologischen beistand durch verleger*innen et al, weil man auch noch größere margen einfuhr. da bissen sich alle anderen auf die zunge und dachten, ok, wenn wer mal wieder völlig besoffen am set erschien, egal, ernährt uns dennoch alle, nicht anbrüllen, besser mal die samthandschuhe auspacken. entfreundet hast du mich scho!
    ich denke, die widerständigkeit wurde da ganz gerne gestützt, siehe baselitz, wo sie auf der anderen seite auch für viele viele andere menschen noch was einbrachte, sie verliert an bedeutung, wo das nicht (mehr) der fall ist, das verkennt das zitat, meiner meinung nach.
    bedeutet allerdings auch, dass man, wenn man sie gar nicht mehr stützt, auch nicht erfahren wird, ob sie vielleicht auch mal der besser weg für alle sein kann.
    denn letztlich muss ja irgendwer noch die kunst machen und der heute beliebte künstlerkurator garantiert ja nur in sehr seltenen fällen, dass die chose läuft, man wird also auch noch die brauchen, die sagen, das wird jetzt so gemacht oder eben gar nicht.

    • Kommentare von Facebook sagt:

      Björn Jager
      Aber jetzt mal: Ernsthaft? Es geht der Kunst etwas verloren, wenn ihr die Bullys und (mutmaßlichen) Vergewaltiger genommen werden? Was ist das für ein Kunstbegriff – und was ist das für ein Begriff von politischer Korrektheit? Wie viele widerständige Künstler*innen gibt es, denen Geld egal ist und die sich trotzdem benehmen können? Ist Isabelle Huppert Pop? Lynne Ramsay? James Baldwin? Édouard Louis? Saoirse Ronan? Was dieses Zitat macht – und ich bin unwillig, den ganzen Artikel zu suchen, weil eben dieses Zitat gewählt wurde -, ist das Feiern von Krankheit und kriminellem Handeln als künstlerischer Aura. Mir wäre eine etwas weniger widerständige Amy Winehouse lieber, die jetzt noch lebt und mich mit ihrer Musik fertig macht. Mir wäre eine andere Form, Schauspielerinnen und Schauspieler zur Höchstform zu bringen, lieber als die, den Weg der sexuellen Nötigung zu gehen. Ich weiß nicht, was ihr für ein künstlerisches Selbstverständnis habt, aber gute Kunst – und ich meine Kunst und nicht Kunsthandwerk! – und die Fähigkeit nett zu sein, andere zu achten, das schließt sich nicht aus, und ich will es nicht akzeptieren, dass man einer Welt nachtrauert, die behauptet, das ginge nicht.
      Ich glaube, ganz viele gehen ein ganzes Stück mit. Es gab einen Skandal gerade um Jeffrey Tambour, weil er bei Dreharbeiten von „Arrested Development“ eine Kollegin angebrüllt hatte vor Jahren. Er hat sie nicht begrabscht, er hat sie nicht als Frau angegriffen, er ist ausgerastet, weil die beiden eine Szene nicht hinbekommen haben. Man kann da sehr wohl die Frage stellen, ob Künstler*innen das nicht auch mal dürfen – schreien, wütend sein, Grenzen überschreiten, solange niemand nachhaltig verletzt wird. Es gibt Momente, in denen politische Korrektheit Kunst gefährden kann. Aber die Behauptung, aussortierte Monster würden uns fehlen, die Behauptung, monströses, transgressives Verhalten erst würde Kunst ermöglichen, diese Behauptungen sind so falsch wie gefährlich wie unnötig.

      Sabine Scho
      na ja, wir haben immer die extreme im auge, jan wagner geht mir mit seiner ständigen kooperationsbereitschaft und zwinkern in die kameras ja auch auf die eier und alban ist sehr viel kooperativer, als er sich darstellt und hält sich an alle absprachen z b, und saß mit sicherheit noch nie völlig knülle auf dem podium. er mag halt pop nicht, ist ja sein gutes recht, pop zielt natürlich auf den schulterschluss der erfahrungen, die viele machen, an denen dann aber nur wenige verdienen z b. ich denke, man muss sich eben genau anschauen, wer ist da eigentlich wofür gemeint. es gibt widerständige künste von kooperativen künstler*innen und umgekehrt.
      es gibt ja auch die, die kooperativ tun und dann intrigant sind und umgekehrt, es gibt einfach alles!

      Björn Jager
      Selbstverständlich, Sabine, da sind wir ganz beieinander, und ich bin in Bezug auf differenziertes Denken gegenüber dem Konzept politischer Korrektheit sicher auch näher an Alban, als es hier den Anschein hat, aber so, wie das Zitat da steht, vor allem mit den genannten Beispielen, ist das für mich schwer zu akzeptieren.

      Sabine Scho
      für mich ja auch, aber ich verstehe, warum es ihm gefällt und ganz falsch liegt er damit auch nicht.

  2. franzsummer sagt:

    Weinstein als Künstler zu sehen, fällt mir irgendwie schwer. Aber genau genommen kannte ihn ich ihn gar nicht.
    Künstler müssen ja auch nicht automatisch edle Menschen sein. Aber wer bewertet Künstler? Jurys bei Preisvergaben, Konsumenten durch Einschaltquoten? Der Geldgewinn durch Verkauf? Kolleginnen und Kollegen der Künstler?
    Das mag ja in vielen Fällen sogar verdient und richtig sein. Aber in vielen anderen nur „Pop“ wie es hier heißt. Eigentlich nur Kitsch und Machart zum Geld verdienen.
    Ich selbst finde, gute Künstler müssen in Opposition stehen zu dem üblichen. Und nicht nach Erfolg schielen. Authentisch sein und unbeirrt.
    Oft habe ich darüber nachgedacht, warum die DDR-Literatur eine höhere Qualität hatte als westdeutsche (in meinen Augen). Dann hörte ich von dem Begriff „Sklavensprache“, etwas versteckt als Kritik zu äußern, so zwischen den Zeilen. Das allein schon erhöht die Qualität der Sprache und des Inhalts der Werke. Gerade die frühe sowjetische Kunst war ja da Avantgarde. Obwohl sie am Ende durch Stalin eleminiert wurde. Untedrückung dürfte also auf keinen Fall totalitär sein
    Das mag in vielen DDR-Werken nicht so extrem der Fall gewesen sein.
    Bedeutet es vielleicht sogar, Kunst darf gar nicht frei sein?
    Mit anderen Worten: Unterdrückung wirkt auf die Kunst befruchtend?
    Das schreibe ich hier mal zur Provokation.
    Kunst als Trotz.

  3. @Franzsummer:
    Ich glaube, daß an Ihrer Einlassung etwas i s t. – ebenso, wie Gedichte, wenn sie einem strengen Formkanon folgen müssen oder sollen, etwa das Korsett des Sonetts, gerade darin hohe Freiheit erringen.
    Im politischen (popkapitalistischen) Westen galt und gilt die Drohung des „Anything goes“ – eine, sagen wir mal, Konstitution, die fast notgedrungermaßen in die Beliebigkeit führt. Um so schärfer beharre ich auf dem Widerstand: nämlich gegen allzu schnelle Konsens(!)urabilität („Kommensurabilität“); genauso stelle ich mich gegen das Zielgruppen“denken“, bzw. -produzieren. Insofern werden jetzt wieder Freiheitsgerade frei, gerade durch den moralischen („politisch/erotisch korrekten“) Betracht von Kunst und Künstlern – indem sie sich eben davon nicht bestimmen lassen, sondern sogar dagegen anschreiben/anmalen/anmusizieren.
    Daß DDR-Literatur „besser“ gewesen sei als die des Westens, diesen Ihren Eindruck teile ich dennoch nicht, schon gar nicht weltweit. Denken Sie nur an Nabokov (für die Korrekten ganz sicher auch ein, um oben Jager zu zitieren, „Monster“), denken Sie an Anthony Burgess, denken Sie an den zuweilen „Berserker“ sogar genannten Einar Schleef – der freilich DDR-Wurzeln hatte. Denken Sie an Ingeborg Bachmann oder Günter Steffens und viele viele andere. Auch Faßbinder, in anderem Bereich, war ein Wüterich, um von Klaus Kinski zu schweigen, dessen Villon-, also Paul-Zech-Vortragskunst mit Recht bis heute legendär ist.

    • franzsummer sagt:

      danke, nein, nein, weltweit würde ich die beiden deutschen Literaturen nicht vergleichbar einschätzen. Ich dachte nur an den Vergleich Ost- Westdeutschland, und es konnte auch die DDR-Literatur nicht mit der sowjetischen mithalten, das empfand ich so, der ein Fan von Aitmatow… und so vielen anderen, war schon in jungen Jahren.
      Dazu kommt meine Ablehnung dieser ganzen Wende, wofür die Künstler gar nichts konnten, so dass ich eventuell erst danach so etwas wie ein Vorurteil gegen den Westen allgemein entwickelte.
      Ich hatte als DDR-Bürger Böll zum Beispiel sehr gemocht und natürlich den früh gestorbenen Wolfgang Borchert.
      In der DDR waren jedoch auf jeden Fall die Bücher in einer besseren Qualität, seien es alte Werke und auch internationale. Aber das ist ja nur technisch, oder auch nicht.
      Vielleicht muss man sogar sagen, so mancher Künstler fühlt sich vielleicht nicht nur vom politischen System unterdrückt, sonder auch privat, vom Vater, der Famile, Lehrern… der Umwelt,und auch darum enstand so etwas wie ein Sklavensprache zwischen den Zeilen. Das könnte also sogar auf westdeutsche Künstler zutreffen.

  4. @Björn Jager:
    Von „Vergewaltigern“ ist in Frau Pines Text nicht die Rede – oder habe ich da etwas überlesen? Und daß – ecco! – „mutmaßliche“ Vergewaltiger nicht zur Rede stehen, versteht sich rechtsstaatlich von selbst; hier gilt hoffentlich noch die Unschuldsvermutung, die allerdings im vergangenen Jahr mehrfach schwer widerrechtlich in den Matsch getreten wurde. Mit den „Bullys“ ist es etwas anderes: Wüteriche haben in allen Zeiten eine, und mit Recht, große Rolle in den Künsten gespielt. Ich bitte doch, nicht zu vergessen, daß Künstler unter Einsatz ihres gesamten Daseins das Werk aus sich teils herausstemmen, und je radikaler dabei sind, desto mehr trifft sie, traf sie jedenfalls, der Unwille der jeweiligen Gesellschaftsmoral – die ja ihrerseits machtbestimmt und machtfolgend ist. Die das Temperament haben, so etwas auszuhalten, haben in aller Regel anderswo Mankos. Die dann gegen die Kunst zu wenden, zerstört sie. „Ich kann den Eigner nicht mehr zu mir einladen“, sagte mir Manfred Mixner mal, als er noch Hörspielchef des SFBs war und mit ihm viele Projekte realisierte. „Er beleidigt mir alle meine Gäste. Aber vielleicht ist, daß man so ist, der Preis dafür, so schreiben zu können.“ Ich spürte damals sofort die Hellsicht seiner Wägung.
    Genau dies geht verloren. Nein, geht nicht verloren, sondern wird zugunsten der Konsensgesellschaft niedergemacht.
    Ich meine nicht, daß Künstler einen Freifahtschein haben; wie jede/r andere unterliegen sie dem Strafrecht. Das heißt aber nicht, daß ein Verbrecher-als-Künstler ein schlechter Künstler und seine Kunst auf den Abfall zu werfen sei. Das Entscheidende ist, daß er Verbrecher und großer, sogar größter Künstler sein kann und daß wir, die Rezipienten, genau das auszuhalten haben. Ambivalenzen ertragen zu können, ist ein Zeichen von erwachsener Reife; sie nicht mehr auszuhalten, ein Zeichen von Verkindlichung, Regression. Genau die wird von den in Frau Pines Text gemeinten Künstlern bedient, die in der Bildenden Kunst unterdessen fast mehr Manager sind als Künstler.
    Daß dies seit dem „Sieg“ des Kapitalismus so ist, scheint mir ein – hier im Wortsinn – notwendiger Zusammenhang zu sein.

  5. Den Tenor des Textes verstehe ich. Aber die Beweisführung der Autorin ist inkonsistent. Einerseits erkennt sie den unpolitischen Künstler, andererseits schreibt sie, dass er sich politisch korrekt zu verhalten habe. Genau diese Haltung ist aber bereits politisch.

    Genauso langweilig wie Affirmation des Gefälligkeitskünstlers ist dieses posierende Rebellentum der Politik oder der Gesellschaft gegenüber. Auch dieses richtet sich auf den Profit. Das Problem ist, dass die Rezeption in der bildenden Kunst noch stärker als auf dem Gebiet der Literatur auf der bedingungslosen Personalisierung beruht. Verbunden wird dies mit einem gewissem sozio-politischen Überbau, den der Künstler/die Künstlerin sozusagen mitzubringen hat.

    Insofern gilt: Stehen die Aura des Künstlers und die „Botschaft“ des Kunstwerkes in Übereinstimmung mit den Erwartungen der Rezeptions- und Gesinnungsrichter, werden die Scheckbücher gezückt. Die Aura eines Kunstwerkes, die Sprache in der Literatur – sie ergibt sich nicht aus dem primären Erleben, sondern aus den genannten Kriterien. Das große Publikum folgt dem – sie sehen Museen inzwischen längst als Event-Stätten an. Heute Kunst, morgen Rockkonzert. Das nennt sich „Kultur“. Und eine ganze Industrie ist halbwegs froh, dass es so läuft.

  6. nicht nur „halbwegs“, lieber Herr Keuschnig. Daß der Logik der Kapitalkonzentration gefolgt wird – auch und gerade bei Facebook – macht sie glücklich. Man kann sagen: „Das Ziel ist erreicht.“

  7. Kommentare von Facebook sagt:

    Sabine Scho
    vielleicht ist das alles gar nicht so sehr ein künstler, als ein männerproblem und damit ein rollenproblem, es muss herausgestemmt werden, oder der preis der kunst ist, dass man andere eben beleidigt, vielleicht hatte der gute herr eigner auch ein anderes problem, alkohol, krankheit, oder was weiß ich. vielleicht hat das alles mit der kunst nur marginal zu tun, vielleicht eher mit dem zustand, in den man als künstler leichter gerät und es ist nicht bedingung des kunstschaffens, sondern schlicht dessen folge, armut, vereinsamung, dass einen das nicht gerade fröhlicher stimmt, auch klar, aber ob das alles bedingungen für kunstprozesse sind, wage ich zu bezweifeln. vielleicht für bestimmte kunstprozesse, die frauen ja auch deutlich weniger häufig anwählen, mag sein, wenn die jetzt gerade nicht so en vogue sind, dann geht es halt mal um was anderes, so verkehrt ist das auch nicht, lange zeit war ja wohl das genie konsens, das eben nahezu ein arschloch zu sein hatte und für meine begriffe schwirren da noch viel zu viele von rum, dich zähle ich nicht dazu, bevor hier gleich wieder die fetzen fliegen, ich hab aber eh jetzt hunger :D. und, relax, plz. wenn ich mir hemut schulze anschaue, dann denke ich, widerständig textet der auch, aber braucht der das ganze brustgetrommel, die beleidigungen etc pp, mir scheint, braucht der gar nicht, also, es scheint doch auch anders zu gehen.
    ich hab bei 3-4 von 5 treffen mit einem sehr guten kollegen schon gedacht, scheiße, warum ist der bloß so anstrengend, in dessen büchern waren die protagonisten immer viel cooler drauf, als er selbst ist z b. manchmal, in selten relaxten momenten, blühte er auf zu all dem, wofür ich seine bücher schätze und es gibt ja auch den umgekehrten fall, ich finde das alles selten so kohärent und die strikte ablehnung von regression finde ich auch gar nicht soooo erwachsen :D.
    ich finde z b auch viel regression in dem wunsch nach: der künstler muss ein arschloch sein dürfen ;). dass er des öfteren mal eins ist, nun denn, machts für die mitmenschen nicht unbedingt besser. dass man manchmal mal ausrastet, das ist ja nicht künstlerspezifisch, wenn mir leute ständig in die arbeit quatschen und denken, ich könnte doch dies noch und das noch und jenes und n taxi sitzt aber auch nicht drin etc pp, dann muss man manchmal tacheles reden und die bedingungen der eigenen arbeit klären, kamma aber auch freundlich in der regel, kostet kraft, ja, weil mans ja immer wieder und wieder klären muss, aber ist man selber unfreundlich, mir auch schon x fach passiert, erzielt man den gegenteiligen effekt von dem, den man gerne hätte. dabei eilt mir nicht der freundlichste ruf voraus, bei mir ist es umgekehrt, die, die mich nur kommentieren sehen hier, die denken, oh weh, was für eine schrecklich schwierige person, die die mit mir gearbeitet haben, denken meist: kooperativ! ich schieß mir erst mal den weg frei, um dann entspannt durchzureiten ;).

  8. Bruno Lampe sagt:

    Wir, die wir darüber sprechen über den Verlust der „Aura“ (denn diese spricht der Artikel eher noch als das Zitierte an (und schade denk‘ ich für mich um den Polanski, der ja doch wirklich ein Werk vorzuweisen hat, so völlig unvereinbar mit dem Hollywood-Dingsbums (und #metoo so etwas wie die Betroffenheitskomödie damals nach Tschernobyl (jetzt dürfen wir endlich alle weinen (aber noch traut sich keiner zu sagen, er habe schlechte Zähne bzw. nur noch wenige!))))), wissen ungefähr, was „Aura“ ist und können diese auch empfinden. Wir gehören nicht zu denen, die darauf hereinfallen. Aber wir wissen nicht, wer darauf hereinfällt. Wir kennen diese Leute nicht. Wir haben scheinbar auch keine Beziehungen zu solchen Leuten. Jemand macht aber Geld damit. Das sind aber nicht die, die die „Aura“ selbst noch im Banalen sehen. Also sind es die, die eine „Aura“ vorgaukeln, wie im zitierten Leonardo-Beispiel. Für mich verliert dadurch ein solches Leonardo-Beispiel unbedingt an „Aura“. Ich werde es nicht mehr so sehen können, wie ich es vielleicht sonst unbedarft angeschaut hätte, wie meinetwegen Michelangelos Madonna in Brügge. Gratis in der Unvermitteltheit zwischen mir und ihr. Ohne Kaufwert. Das heißt, es hängt vom Künstler allein ab, wie immer er sich auch gibt. Und sollte von ihm eigentlich auch absehen. Arno Schmidt schrieb schon darüber: look at the work, don’t bother the artist as a person. Obwohl auch das nicht mehr funktioniert. Und das ist gut herausgearbeitet: des Künstlers Persönlichkeit als Erfolgsschablone für sein Werk, durch das der Künstler seine Persönlichkeitsschablone erhält. Ohne „Aura“.

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