Die Rote Büffelin in Sieben Sternes Galerie. Ein Abend für Cello und Elektronik. Anstelle eines Arbeitsjournales am 26. Juli 2018 geschrieben.

→  Seven Stars Gallery
→ Ashia Bison Rouge

Nein, ich mag keine Tänze, in  denen sich Frauen verkleinern, nämlich zu deren, der Tänze, Ästhetik die Selbst-Ausstellung des kleinen schüchternen Mädchens gehört, das ältre Männerherzen rührt. Sogar finde ich sie unerträglich. Deshalb kein weiteres Wort über die chinesische Bewegungseinlage gestern abend in der für Überraschungen freilich immer wieder guten Seven Stars Gallery: Wie das von mir geschätzte → AUSLAND ist auch sie ein Berliner Kellerort für experimentelle wie für ethnisch übergreifende Künste von mal grauslich bis grandios. Es gibt hier keinen normierten, bzw. normativen Qualitätsanspruch. Das gilt für die ausgestellten Bilder und Fotografien, das gilt für die Performances. Anything goes ist hier als Humus verstanden, aus d e m erst etwas wächst, wenn davon auch manches schnell wieder eingeht. Erst einmal hinzuhören lohnt sich in jedem Fall.
Fast indessen hätt ich’s gestern nicht getan – wiewohl mich → Gaga Nielsen eingeladen, die allerdings ein weitres Mal nicht kam. Dafür hatte mich spätmittags Br0ßmann angeSMSt, ob wir gemeinsam dort hinwollten? – Wollten wir, auch wenn sich die Bemerkung mir aus den Fingerspitzen tippte, was ich bei Youtube gehört hätte, haue mich nun nicht grad aus dem Sessel. Da ich in einem solchen nicht saß und eigentlich sogar gar niemals sitze, wäre das auch schwierig gewesen.
Von Ashia Bison Rouge bei Youtube gehört.
Doch wenn nun Broßmann hinfuhr… – Wann denn? „Um 19 Uhr.“ „Ah, das ist mir zu früh. Geht auch 20 Uhr? Ich will noch zum Training.“ – Daß er selbst um 19 Uhr noch nicht so weit war, muß ich niemandem schreiben, die und der ihn kennt. Immerhin starteten wir kurz vor acht, kamen zehn vor halb neun in der Gallery an, da hatte die Musikerin gerade ihr Equipment aufgebaut. Es hingen oben und bis unten in den Veranstaltungsraum Fotografien von Carolin Saage, von denen mich zwei oder drei ansprachen – solche, die einen eleganten Übertritt inszenieren, erotisch, was dann ohne Peinlichkeit gelingt, wenn ein ungewöhnlicher Blickausgang gewählt wird. Dieses „Ungewöhnliche“ kann aber gerade eine überhaupt nicht gestellte Perspektive sein; man würde sie sich nur nicht ohne weiteres zugestehen, weil der Verdacht gefürchtet wird, der Blick sei voyeuristisch – was er übrigens ist, aber ohne Verkniffenheit. Genau daraus resultiert die Qualität.
Eigentlich ist mir nur e i n Bild in Erinnerung, daß dafür stehen kann. Welches, Freundin, sag ich aber nicht. Nicht wegen der Fotografien schreibe ich dieses hier. Sondern deshalb:

 

 

Angesagt war ein „Cello Vocal Orchestra of One“; so etwas interessiert mich erst einmal per se. Ich mag dem  Cello beigefügte Elektronik, anders als bei der Gitarre, die mir als elektrische immer zu jammerig und jaulig ist. Und hier kam nun noch eine Stimme hinzu, was einen deshalb so besonderen Reiz hat, weil klanglich sowohl Cello als auch Saxophon der menschlichen Stimme am nächsten kommen – wobei, lies oben, was ich bei Youtube gehört hatte, mich eher abgestoßen, auf jeden Fall angeödet hatte. Popkitsch, war mein – vorschnelles – Urteil gewesen.
Denn nun war’s völlig anders. Kitsch, ja, auch – aber guter, und wenn, dann auf Folk-Grundlage. Was die für ihn an sich besonders anfälligen Soundscapes anbelangt, hielt er sich dagegen deutlich zurück; ich reagiere allergisch auf zu süßliches Akkordeschichten. Statt dessen sang die Rote Büffelin („Büffelkuh“, was zoologisch korrekt wäre, darf ich, ohne mißverstanden zu werden, wahrscheinlich nicht schreiben)… also, die Rote Büffelin sang statt dessen eine halb dem europäischen Osten, halb einem US-amerikanischen Gospel entstammte Ruflinie, die sie dann über dem als Basso continuo fungierenden Cello in schwingende Mehrfachloops verhallte. Was mich dabei sofort einnahm, war der Umstand, daß diese Sängerin nicht wirklich eine schöne Stimme hat; sie ist vielmehr eher scharf, auch nicht sehr voluminös. Aber was sie mit ihr macht, gerade weil die organischen Vorgaben begrenzt sind, ist einfach mitreißend. Ich geriet sofort in den Sog, d.h. er mir in die Beine. Aisha Bison Rouge dreht eine Schwäche in vollkommene Stärke und hat zugleich keinerlei Berührungsangst vor musikalischen Genres, schon gar nicht vor der sogenannten Weltmusik. Hier gehen Folksong, Chanson, Volkslied ebenso ineinander wie Beatrhythmen, Ländler, bzw. Walzer, Dissonanzen, freie Improvisationen. So wechseln auch die Tonalitäten aus westlichen oft in orientalische, es finden permanente Engführungen statt, die zugleich Ohrwurmcharakter haben.

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