Des Neapelversprechens Arbeitsjournal des Mittwochs, den 29. August 2018. Zu David Ramirers Bach Nr. 1

[Arbeitswohnung, 7.39 Uhr
>>>> Ramirers Bach: Fantasia & Fuge a-moll]
Ramirer interpretiert Bach am Computer. Ich habe schon vor wenigen Jahren von ihm CDs dazu bekommen, nun meldete er sich aus Wien erneut und schickte gleich sechs neue Aufnahmem, die durch ihr Innigkeit alle irritieren, weil sie am Computer zu allerletzt erwartet wird, jedenfalls, wenn man & frau keine scottschen Replikanten sind. Dabei bestehen die Interpretationen nicht nur im, sagen wir, virtuosen Spiel, sondern auch in den Zusammenstellungen. So heißt eine 4er-CD-Serie, die ich aber nicht kenne, „Meer“, „Fels“, „Atem“ und „Glut“.
Das letztre Wort führt mich zu dem Band Gesammelter Erzählungen, an dem, im kommenden Frühjahr von Septime herausgegeben, Elvira M. Gross und ich zur Zeit sitzen. Gestern abend eine kleine Korrespondenz mit dem Verleger, Jürgen Schütz, der bei Elvira bereits zweimal angefragt hatte, wie umfangreich der Band den werde – etwas, das sich derzeit nicht recht sagen läßt, da noch nicht heraus ist, welche Erzählungen wir schließlich aussondern und ungedruckt lassen werden. Es gilt hier der harte Lektorinnensatz: Nur, was wirklich z i e h t, sei es inhaltlich, sei es formal, wird aufgneommen. Zu entscheiden ist das aber erst, wenn sämtliche Erzählungen in Relation zueinander stehen.
Doch 700 oder 800 Seiten, schrieb ich Schütz, würden es gewiß. So daß er mir nun den Vorschlag unterbreitete, nicht eines, sondern zwei Bücher draus zu machen, das eine erscheinend im Frühjahr, das zweite gleich im Herbst darauf jeweils zu den Messen. Nicht ganz so dicke Bände haben den Vorteil besserer Verkaufbarkeit – außerdem aber gäbe es so die Option eines dritten Bandes, da ich gewiß in meinem späteren Leben noch die eine und/oder ander neue Erzählung hinzuschreiben werde.
Also bin ich mit dieser Lösung sehr einverstanden, will sie allerdings erst mit Elvira besprechen, die noch nicht informiert ist. Zumal wird ein angemessener Titel für die Bände zu suchen sein – und eben deshalb leitete das Ramirerwort „Glut“ diese Nachricht, Freundin, ein. Wobei ich gestern nacht Cristoforo Arco von dem Gefühl schrieb, ich hätte Abschied von der Frauenwelt zu nehmen, aber zwar meinen Frieden damit nun gemacht, auch mit der notwendigerweise verbundenen Einsamkeit, doch eben deshalb sei die Fertigstellung des Béart-Gedichtzyklus um so dringlicher.
Hinzu kommt, daß mich >>>> das da durchaus weiterbeschäftigt, wenn auch unterdessen gemäßigt; aber das Gefühl, nicht willkommen zu sein, zehrt schon ein wenig. Und nachdem mir vorgestern abend mein Sohn, der auf einen Caffè hereinschaute, erzählte, er habe für Ende Oktober ein paar Tage Neapel gebucht, die er dort mit einer Freundin verbringen werde, wurden gleichermaßen Sehnsucht und das Bedürfnis, einmal wieder ganz für z u  mir kommen, derart groß, daß ich spontan ebenfalls einen Flug dorthin buchte, ebenso die Unterkunft, für gleich zwei Tage >>>> nach der ilb-Werkschau. Die Vorstellung, morgens oder abends mein Lauttraining an Chiaias berühmtem Golf zu absolvieren, ist berauschend, und Napule ist genau der Ort, an dem mich die Béartgedichte wieder packen können und sicherlich auch werden.

Ab dem 11. September werde ich Ihnen, Freundin, diese Briefjournale von dort also schreiben, sofern ich nicht – ecco: für mich – schweigen, nur denken und vielleicht ein bisserl dichten werde.

Was die Werkschau selbst anbelangt, geht hinter den Kulissen ganz schön was ab, dort, wo die Moderator:inn:en derzeit miteinander die Gestaltung planen; bisweilen schicken sie mir Diskussionen in Cc; es wird auch viel telefoniert. Ein ausgesprochen spannendes Gespräch ergab sich mit Benjamin Stein; wir mußten aufpassen, unser Pulver nicht schon im Vorfeld zu verschießen. Die Kugeln sollen S i e ja fangen, nicht sich einfangen, nein! bewahre!! sondern die Linien ihres Fluges genießen. Aber allein, was Jost Eickmeyer bereits für Thetis und Argo zusammengestellt hat, ist sogar für mich rasend spannend.

Nun aber erst einmal weiter mit den Erzählungen; habe eine sehr alte, nie veröffentlichte aus dem Jahr 1978 in die Hand bekommen, die formal durchaus etwas verspricht. Dann ist mit der Überarbeitung des Contessaromans weiterzumachen, und einiger sonstiger Kram administrativen Charakters steht an. Zudem wird gegen elf Uhr einiges Geld die Wohnung betreten, um mit mir einen Espresso zu nehmen; nur deshalb war Neapel letztlich möglich (wird es möglich für mich sein). Wobei, inklusive Flug und Unterkunft werden mich die vier Tage 200 Euro kosten; denn Lebensmittel kaufen muß ich auch hier. Ich werde eine Küche dort zur Verfügung haben, für mich in Neapel conditio sine qua non:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihr ANH

… ahh, und vergessen Sie bitte das bevorstehende Wochenende, also >>>> Le Vi Arte, nicht!

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2 Kommentare zu Des Neapelversprechens Arbeitsjournal des Mittwochs, den 29. August 2018. Zu David Ramirers Bach Nr. 1

  1. @Marion Koepf: Oh ja, ich weiß. – Kennen Sie den Flashmob für Daniele?
    sguarda qui:

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